Reinhardt, Georg-Hans

 

* 1. März 1887, Bautzen

† 23. November 1963, Tegernsee

 

Georg-Hans Reinhardt trat am 25. März 1907 als Fahnenjunker in das kaiserliche Heer ein. Er kam dabei zum 8. Königlich Sächsisches Infanterie-Regiment "Prinz Johann Georg" Nr. 107 nach Leipzig. In diesem wurde er am 14. August 1908 zum Leutnant befördert. Das Patent wurde dabei auf den 14. Februar 1907 datiert. Im Januar 1910 wurde er zum Adjutant des III. Bataillons ernannt. Im Herbst 1912 wurde er für etwa ein halbes Jahr zum Ulanen-Regiment Nr. 18 kommandiert. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges kam er dann mit dem 8. Königlich Sächsisches Infanterie-Regiment "Prinz Johann Georg" Nr. 107 an die Westfront. Dort wurde er am 25. September 1914 zum Oberleutnant befördert. Im Mai 1916 wurde er zum Adjutant der Brigade Nord ernannt. Am 22. Mai 1916 wurde er auch zum Hauptmann befördert. Das Rangdienstalter wurde dabei auf den 18. April 1916 festgelegt. Jetzt begann auch seine Generalstabsausbildung, welche er in verschiedenen Positionen absolvierte. Im Januar 1917 kam er dann zur Ostfront zum Generalstab der 8. Kavallerie-Division, wo er als Ib eingesetzt wurde. Zum Ende des Krieges war er als Ia bei der 192. Infanteriedivision an der Westfront im Einsatz. Im 1. Weltkrieg wurden ihm beide Eisernen Kreuze sowie das Ritterkreuz des Militär-St.-Heinrichs-Ordens verliehen. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde er als Hauptmann in das Reichsheer übernommen. Beim 200.000 Mann-Übergangsheer im Frühjahr 1920 wurde er als Generalstabsoffizier im Stab der Reichswehr-Brigade 19 eingesetzt. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr kam er dann zum 11. (Sächs.) Infanterie-Regiment. Im Frühjahr 1924 und 1925 gehörte er zum Generalstab der 4. Division der Reichswehr. Am 1. März 1925 wurde er zum Major befördert. Er gehörte im Frühjahr 1925 als Chef der 4. Eskadron zum 12. (Sächs.) Reiter-Regiment. Im Frühjahr 1928 war er dann im Reichswehrministerium tätig. Er gehörte dabei zur Heeres-Ausbildungs-Abteilung (T 4) im Truppenamt (TA). Am 10. Oktober 1931 wurde er zum Oberstleutnant befördert. Im Frühjahr 1932 war er dann Kommandeur des III. Bataillons vom 10. (Sächs.) Infanterie-Regiment. Im Frühjahr 1933 wurde er zum Chef des Stabes der 4. Division der Reichswehr ernannt. Bereits im Herbst 1933 wurde er dann wieder in das Reichswehrministerium versetzt. Dort kam er wieder zur Heeres-Ausbildungs-Abteilung (T 4) im Truppenamt (TA). Als Chef dieser Abteilung wurde er am 1. Februar 1934 zum Oberst und am 1. April 1937 zum Generalmajor befördert. Am 12. Oktober 1937 wurde er zum Kommandeur der 1. Schützen-Brigade ernannt. Am 10. November 1938 übernahm er das Kommando über die neue 4. Panzer-Division. Zu Beginn des 2. Weltkrieges führte er seine Division beim Angriff auf Polen. Dort wurden ihm beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen verliehen. Am 1. Oktober 1939 wurde er auch zum Generalleutnant befördert. Für die Leistungen seiner Division während des Polenfeldzuges wurde ihm am 27. Oktober 1939 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Am 15. Februar 1940 erfolgte seine Ernennung zum Kommandierenden General des XXXXI. Armeekorps ernannt, welches er dann im Westfeldzug führte. Für die Leistungen des Korps beim Durchbruch durch die Ardennen und den Vorstoß zum Kanal wurde er am 1. Juni 1940 zum General der Panzertruppen befördert. Ab Juni 1941 führte Reinhardt das XXXXI. Armeekorps im Russlandfeldzug bis nach Leningrad. Er wurde aber beim Eindringen in die Vorstädte angehalten und später abgezogen. Am 5. Oktober 1941 übernahm er dann als Oberbefehlshaber die Panzergruppe 3, die ab dem 1. Januar 1942 3. Panzerarmee hieß. Am 18. Oktober 1941 wurde er in einer Sondermeldung und am 19. Oktober 1941 im Wehrmachtsbericht namentlich genannt: "An der Durchführung dieser Operationen waren die Armeen des Generalfeldmarschalls von Kluge, der Generalobersten Freiherr von Weichs und Strauß, sowie die Panzerarmeen der Generalobersten Guderian, Hoth, Hoepner und des Generals der Panzertruppen Reinhardt beteiligt." Am 1. Januar 1942 zum Generaloberst befördert, wurde ihm am 17. Februar 1942 für die Leistungen seiner Panzerarmee während der Abwehrschlachten im Winter 1941/42 das Eichenlaub verliehen. Mit seiner Panzerarmee bildete er 1942 und 1943 den Nordflügel der Heeresgruppe Mitte im Raum nördlich von Smolensk und führte dort im Winter 1943/44 erfolgreiche Abwehrkämpfe. Am 21. Januar 1944 wurde er namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "In der seit dem 13. Dezember 1943 andauernden großen Abwehrschlacht im Raum von Witebsk haben unsere unter dem Oberbefehl des Generalobersten Reinhardt stehenden Truppen den von den Sowjets unter Einsatz von über 50 Schützendivisionen und zahlreichen Panzerverbänden angestrebten operativen Durchbruch unserer Front in harten Kämpfen vereitelt und dem Feind starke Verluste zugefügt." Hierfür erhielt er am 26. Mai 1944 die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub verliehen. Am 16. August 1944 wurde Reinhardt Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, die im Januar 1945 zur Heeresgruppe Nord umbenannt wurde. Es gelang Reinhardt, nach der sowjetischen Großoffensive ab dem 22. Juni 1944, an der ostpreußischen Grenze wieder eine Front aufzubauen. Am 26. Januar 1945 wurde er nach dem Zusammenbruch der Front an der Weichsel und nach Meinungsverschiedenheiten mit Adolf Hitler seines Kommandos enthoben und in die Führerreserve versetzt. Im Juni 1945 wurde Reinhardt von den Amerikanern verhaftet und im OKW-Prozeß am 27. Oktober 1948 wegen Kriegsverbrechen zu 15 Jahren Haft verurteilt. Bereits im Juni 1952 wurde er aus der Haftanstalt in Landsberg am Lech entlassen.

 

Ritterkreuz (27. Oktober 1939) Eichenlaub (17. Februar 1942) Schwerter (26. Mai 1944)