Blaskowitz, Johannes Albrecht

 

* 10. Juli 1883, Paterswalde / Ostpreußen

† 5. Februar 1948, Nürnberg (Selbstmord)

Johannes Blaskowitz besuchte die Kadettenanstalt in Köslin und Groß-Lichterfelde und trat am 2. März 1901 als Fähnrich in die Königlich Preußische Armee ein. Am 27. Januar 1902 wurde er nach dem Besuch der Kriegsschule Engers im 1. Posenschen Infanterie-Regiment Nr. 18 zum Leutnant befördert. Am  1. Oktober 1904 wurde er dann für fünf Monate zum Winterkurs der Militär-Turnanstalt nach Berlin kommandiert. Ab dem 1. Oktober 1905 wurde er dann für fast zweieinhalb Jahre als Hilfslehrer zur Militär-Turnanstalt nach Berlin kommandiert. Von 1909 bis 1911 besuchte er die Kriegsakademie in Berlin und wurde dort am 27. Januar 1910 zum Oberleutnant befördert. Anschließend wurde er als Oberleutnant in der 3. Kompanie des 9. Badischen Infanterie-Regiments Nr. 170 eingesetzt. In diesem wurde er am 27. Januar 1910 zum Hauptmann befördert. Kurz vor Beginn des 1. Weltkrieges im Sommer 1914 war er als Hauptmann im Stab des Rastatter 3. Badisches Infanterie-Regiment "Markgraf Ludwig Wilhelm" Nr. 111 im Einsatz. Bei Kriegsausbruch wurde er dann Chef der 10. Kompanie dieses Regiments. Im Sommer 1915 wurde er in ein Jäger-Regiment versetzt und ab 1916 fand er in diversen Generalstäben Verwendung. Er erwarb sich im Ersten Weltkrieg neben dem Ritterkreuz des Königlich Preußischen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern und beiden Eisernen Kreuzen noch einige andere Auszeichnungen. Nach dem Krieg wurde er als Hauptmann in das Reichsheer übernommen. Beim 200.000 Mann-Übergangsheer im Frühjahr 1920 gehörte er als Generalstabsoffizier zum Wehrkreiskommando V. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er dann als Generalstabsoffizier in den Stab der 5. Division der Reichswehr in Stuttgart übernommen. Im Frühjahr 1921 wurde er in den Stab vom Infanterieführer V nach Stuttgart versetzt. Am 1. Januar 1922 wurde er bei diesem zum Major befördert. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Juni 1921 festgelegt. Auch im Frühjahr 1924 gehörte er noch immer zum Generalstab vom Infanterieführers V. Am 1. Oktober 1924 wurde er zum Kommandeur des III. Bataillons vom 13. (Württ.) Infanterie-Regiment in Ulm ernannt. Als solcher wurde er am 1. April 1926 zum Oberstleutnant befördert. Anschließend wurde er dann am 1. Februar 1928 als Chef des Stabes bei der 5. Division der Reichswehr in Stuttgart eingesetzt. Am 1. Oktober 1929 wurde er als solcher zum Oberst befördert. Am 1. Oktober 1930 wurde er zum Kommandeur vom 14. (Bad.) Infanterie-Regiment in Konstanz ernannt. Am 1. Oktober 1932 wurde er als solcher zum Generalmajor befördert. Am 1. Februar 1933 wurde er in das Reichswehrministerium (RWM) nach Berlin versetzt. Dort wurde er jetzt zum Inspekteur der Waffenschulen (In 1) ernannt. Als solcher wurde er am 1. Dezember 1933 zum Generalleutnant befördert. Im Zuge der Erweiterung der Reichswehr wurde er am 1. April 1935 zum Befehlshaber im Wehrkreis II in Stettin ernannt. Bei der Enttarnung des Stabes wurde er dann zum Kommandierenden General vom Generalkommando II. Armeekorps in Stettin ernannt. Damit wurde er dann für die nächsten Jahre auch automatisch zum Befehlshaber vom Wehrkreis II. Zum 1. August 1936 wurde er dann zum General der Infanterie befördert. Am 10. November 1938 wurde er zum Oberbefehlshaber des Heeresgruppen-Kommando 3 in Dresden ernannt. Er nahm am Einmarsch der Wehrmacht in Österreich teil und führte seine Verbände bei der Besetzung des Sudetenlandes und des tschechischen Teiles der ehemaligen Tschechoslowakei. Bei Mobilmachung im August 1939 wurde er Oberbefehlshaber der 8. Armee, die er aus dem schlesischen Raum nach Polen führte. Nach Ende der Kämpfe in Polen am 1. Oktober 1939 zum Generaloberst befördert, wurde er am 30. September 1939 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet, Anschließend wurde er Oberbefehlshaber Ost im besetzten Polen. Dabei musste er auch die unter seinem Kommando stehenden SS- und Polizei-Verbände unter Kontrolle halten. Nach der Verhängung mehrerer Todesurteile gegen Angehörige der SS schrieb Blaskowitz in einer Denkschrift im Februar 1940 an Hitler: "Die Einstellung der Truppe zur SS und Polizei schwankt zwischen Abscheu und Hass. Jeder Soldat fühlt sich angewidert und abgestoßen durch diese Verbrechen, die in Polen von Angehörigen des Reiches und Vertretern der Staatsgewalt begangen werden." Da Hitler einen solchen Angriff auf die SS mißbilligte, wurde Blaskowitz seines Postens enthoben, die Urteile gegen die SS-Mörder wurden aufgehoben. 1940 wurde ihm der Oberbefehl über die 1. Armee im besetzten Frankreich übertragen. Blaskowitz war darauf bedacht, mit der Bevölkerung ein akzeptables Verhältnis aufzubauen, ging aber mit aller Härte gegen die Résistance vor. Hitlers Politik stellte er nicht mehr in Frage. Im Frühjahr 1944 übernahm er als Oberbefehlshaber das Kommando über die Heeresgruppe G, mit der er sich nach der Landung der Alliierten ins Elsass zurückzog. Für seine Führungsleistungen wurde er am 28. Oktober 1944 mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Am 25. Januar 1945 folgte die Verleihung der Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub. Im Januar 1945 übernahm er die Heeresgruppe H in Holland bis er am 5. Mai 1945 vor den Briten kapitulierte. Von 1945 bis 1948 befand er sich in Gefangenschaft in Dachau, Allendorf bei Marburg und zuletzt in Nürnberg. Dort nahm er sich am 5. Februar 1948 kurz nach Beginn seiner Verhandlung bei den Nürnberger Prozessen (Fall XII: Prozess Oberkommando der Wehrmacht) das Leben, bei dem er als minderbelasteter Kriegsverbrecher vor Gericht stand. Von Mithäftlingen wurde der Verdacht geäußert, er sei von SS-Leuten ermordet worden, eine Vermutung, die jedoch nie weiter untermauert werden konnte.

 

Ritterkreuz (30. September 1939) Eichenlaub (28. Oktober 1944) Schwerter (25. Januar 1945)