von Kleist, Paul Ludwig Ewald

 

* 8. August 1881, Braunfels / Hessen

† 16. Oktober 1954, Wladimir / UdSSR

Ewald von Kleist trat am 13. September 1901 als Fahnenjunker in das Königlich Preußische Heer ein. Er kam dabei zum Feldartillerie-Regiment "Generalfeldzeugmeister" Nr. 3. Nach dem Besuch der Kriegsschule wurde er am 18. August 1902 zum Leutnant befördert. Sein Patent wurde dabei auf den 19. August 1900 datiert. Danach wurde er in seinem Regiment als Batterieoffizier eingesetzt. Im Jahr 1904 wurde er im Königlich Preußische Feldartillerie-Regiment "Generalfeldzeugmeister" Nr. 3 zum Abteilungsadjutant ernannt. Anfang 1910 folgte seine Beförderung zum Oberleutnant. Als solcher wurde er am 1. Oktober 1910 für fast drei Jahre zur Kriegsakademie nach Berlin kommandiert. Am 10. Oktober 1910 hat er Gisela Wachtel in Hannover geheiratet. Am 22. April 1912 wurde er dann in das 2. Kurhessisches Husaren-Regiment „Landgraf Friedrich III. von Hessen-Homburg“ Nr. 14 versetzt, blieb aber weiter zur Kriegsakademie kommandiert. Im Sommer 1913 kam er dann als Eskadronoffizier zum 2. Kurhessisches Husaren-Regiment „Landgraf Friedrich III. von Hessen-Homburg“ Nr. 14. Bei diesem wurde er am 22. März 1914 zum Rittmeister befördert. Am 20. Mai 1914 kam er in den Stab des 1. Leibhusaren-Regiments Nr. 1 nach Danzig. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde er zum Chef der Ersatz-Eskadron des Husaren-Regiment Nr. 1 ernannt. Ab 1915 erlebte er den Ersten Weltkrieg in diversen Stabsstellungen, u.a. als 1. (Generalstabsoffizier) Ia des Generalkommandos des VII. Korps und 1917 als Ia der Gardekavalleriedivision. Am 6. Juli 1917 wurde sein Sohn Ewald in Hannover geboren. Nach dem Ende des Krieges und einer Übergangszeit in einem Freikorps wurde er als Rittmeister in das Reichsheer übernommen. Dabei wurde er beim 200.000 Mann-Übergangsheer im Frühjahr 1920 beim Stab der Reichswehr-Brigade 7 eingesetzt. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr war er dann beim Stab des Infanterieführer VI in Hannover im Einsatz. Am 22. März 1921 wurde sein zweiter Sohn, Heinrich, ebenfalls in Hannover geboren. Am 1. Februar 1922 wurde er zum Major befördert. Anschließend wurde er im April 1922 zum Chef einer Eskadron vom 13. (Preuß.) Reiter-Regiment ernannt. Im Oktober 1923 wurde er dann als Taktiklehrer an die Kavallerieschule Hannover versetzt. Dort wurde er am 1. Dezember 1926 zum Oberstleutnant befördert. Am 1. April 1928 wurde er zum Chef des Stabes der 2. Kavallerie-Division in Breslau ernannt. Anschließend wurde er am 1. Juli 1929 zum Chef des Stabes der 3. Division der Reichswehr in Berlin ernannt. Als solcher wurde er am 1. Oktober 1929 zum Oberst befördert. Seine Position behielt er bis zum 31. Januar 1931. Am 1. Februar 1931 wurde er dann zum Kommandeur vom 9. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Potsdam ernannt. Am 1. Januar  1932 wurde er zum Kommandeur der 2. Kavallerie-Division in Breslau ernannt. Am 1. Oktober 1932 wurde er als solcher zum Generalmajor befördert. Auch bei seiner Beförderung zum Generalleutnant am 1. Dezember 1933 war er noch immer Kommandeur der 2. Kavallerie-Division in Breslau. Am 1. Oktober 1934 wurde er bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht zum Kommandeur der neuen Heeresdienststelle Breslau. Diese Dienststelle wurde bei der Enttarnung zum Generalkommando VIII. Armeekorps umbenannt. Damit wurde von Kleist nicht nur zum Kommandierenden General sondern auch zum Befehlshaber im Wehrkreis VIII in Breslau ernannt. Am 1. August 1936 wurde er dann zum General der Kavallerie befördert. Im Zusammenhang mit der Fritsch-Affäre wurde er am 18. Februar 1938 aus der Armee verabschiedet. Außerdem wurde ihm das Recht verliehen die Uniform das Kavallerie-Regiment 8 mit den Generalsabzeichen zu tragen. Er erwarb das Gut Weidebrück, nördlich von Breslau, und übernahm selbst dessen Bewirtschaftung.

Bei der Mobilmachung wurde von Kleist bereits wieder reaktiviert. Er wurde dabei zum Kommandierenden General vom Generalkommando XXII. Armeekorps ernannt. Dieses führte er dann zuerst im Polenfeldzug. Im Frankreichfeldzug führte er die Panzergruppe von Kleist, mit der er zur Abschnürung des britischen Expeditionskorps beitrug. Am 15. Mai 1940 wurde ihm dafür das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Nach dem Ende des Westfeldzuges wurde er am 19. Juli 1940 zum Generaloberst befördert. Am 1. November 1940 wurde er dann zum Oberbefehlshaber der Panzergruppe 1 ernannt. Im April 1941 nahm er mit seiner Panzergruppe am Balkanfeldzug teil. Am 10. April 1941 wurde er erstmals namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Panzerverbände und Infanteriedivisionen des Generaloberst von Kleist stießen nach Besetzung des Eisenbahn- und Straßenknotenpunktes Nisch dem weichenden Feind nach." Am 13. April 1941 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Wie bereits durch Sondermeldung bekanntgegeben, besetzten deutsche Truppen unter Führung des Generalobersten von Kleist am frühen Morgen des 13. April die serbische Hauptstadt und Festung Belgrad von Süden her, nachdem am 12. April nachmittags eine kleine Abteilung der SS-Division "Reich" unter Führung des Hauptsturmführers Klingenberg von Norden her über die Donau in die Stadt eingedrungen war und die deutsche Flagge auf der deutschen Gesandschaft gehißt hatte." Ab Juni 1941 führte er seine gepanzerten Verbände im Ostfeldzug. Am 26. August 1941 wurde er in einer Sondermeldung und am 27. August 1941 erneut im Wehrmachtsbericht namentlich genannt: "Wie bereits durch Sondermeldung bekanntgegeben, haben Verbände der Panzerarmee des Generalobersten von Kleist am 25. August nach schweren Kampf den Brückenkopf von Dnjepropetrowsk und die Stadt selbst im Sturm genommen." Am 21. September 1941 wurde er erneut namentlich in einer Sondermeldung zum Wehrmachtsbericht genannt: "Im Verlauf der ostwärts Kiew im Gang befindlichen Umfassungsschlacht haben die Armee des Generalfeldmarschalls von Reichenau und die Panzerarmeen der Generalobersten von Kleist und und Guderian starke Teile des umzingelten Feindes vernichtet und jetzt schon 150000 Gefangene eingebracht, sowie 151 Panzerkampfwagen, 602 Geschütze und unübersehbares Kriegsmaterial erbeutet." Am 5. Oktober 1941 wurde die Panzergruppe zur 1. Panzerarmee umgewandelt. Am 11. Oktober 1941 wurde er in einer Sondermeldung und am 12. Oktober 1941 erneut im Wehrmachtsbericht namentlich genannt: "Im Zusammenwirken mit der Luftflotte des Generalobersten Löhr hat die Armee des Generals der Infanterie von Manstein, die rumänische Armee des Korpsgenerals Dumitrescu und die Panzerarmee des Generaloberst von Kleist die Masse der 9. und 18. sowjetischen Armee geschlagen und vernichtet." Am 22. November 1941 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, haben Schnelle Truppen des Heeres und Verbände der Waffen-SS unter dem Oberbefehl des Generaloberst von Kleist nach heftigen Kämpfen die Stadt Rostow am Unterlauf des Don genommen." Für die Leistungen seiner Armee beim Vorstoß im Südabschnitt der Ostfront wurde ihm am 17. Februar 1942 das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Am 30. Mai 1942 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Im Frontabschnitt des Generalfeldmarschalls von Bock haben die Armeen des Generalobersten von Kleist und des Generals der Panzertruppen Paulus die Abwehr schwerster feindlicher Großangriffe in einen stolzen Vernichtungssieg verwandelt." Am 10. September 1942 wurde er dann Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A ernannt. Mit dieser stieß er dann in den Kaukasus vor. Für die Rückführung seiner Truppen nach der Tragödie bei Stalingrad und für die sich anschließenden Verteidigungskämpfe wurde von Kleist am 1. Februar 1943 zum Generalfeldmarschall befördert. Vom 9. März 1943 bis zum 31. März 1944 war er Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Südukraine, die er bei den Abwehrkämpfen am Donez, Dnjepr und Dnjestr führte. Am 19. August 1943 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "In der am 16. Juli begonnenen 5. Abwehrschlacht am Kubanbrückenkopf haben die unter Führung des Generalfeldmarschalls von Kleist und des Generals der Pioniere Jänicke stehenden deutschen und rumänischen Truppen bis zum 12. August andauernde Durchbruchsversuche von 17 Schützendivisionen, 2 Panzerbrigaden und 3 Panzerregimentern der Sowjets in harten Kämpfen abgeschlagen und dem Feind sehr hohe blutige Verluste zugefügt." Am 9. Oktober 1943 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Deutsche und rumänische Truppen unter dem Oberbefehl des Generalfeldmarschalls von Kleist und unter der Führung des Generals der Pioniere Jaenecke haben dort unter schwierigsten Kampfverhältnissen in den letzten Monaten alle feindlichen Großangriffe blutig abgeschlagen." Für seine Führungsleistungen wurde er am 30. März 1944 mit den Schwertern zum Ritterkreuz mit Eichenlaub ausgezeichnet. Am gleichen Tag wurde er, nach Meinungsverschiedenheiten mit Adolf Hitler, in die Führerreserve versetzt. Am 20. Juli 1944 wurde er von der Gestapo verhaftet, später aber wieder frei gelassen. Bei Kriegsende wurde er von den amerikanischen Besatzungstruppen Ende April 1945 in Mitterfels in Niederbayern gefangen genommen. Er wurde dann an die Engländer übergeben, die ihn dann ab Anfang Juni 1945 einsperrten. 1946 wurde er an Jugoslawien ausgeliefert. In Jugoslawien wurde er wegen Kriegsverbrechen zu 15 Jahren Haft verurteilt, aber 1948 an Russland übergeben, wo er wegen Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Während dieser Haft ist er am 16. Oktober 1954 im Gefängnis von Wladimir, 300 Kilometer östlich von Moskau, verstorben. Sein ältester Sohn Ewald, der nach der Kapitulation der Festung Breslau in sowjetische Gefangenschaft geriet wurde erst Ende 1955 aus dieser entlassen.

 

Ritterkreuz (15. Mai 1940) Eichenlaub (17. Februar 1943) Schwerter (30. März 1944)