von Reichenau, Walter

 

* 8. Oktober 1884, Karlsruhe

† 17. Januar 1942, zwischen Lemberg und Leipzig

Walther von Reichenau trat am 14. März 1903 als Fahnenjunker in die Armee ein. Er kam dabei zum 1. Garde-Feldartillerie-Regiment. Am 18. August 1904 wurde er in diesem Regiment zum Leutnant befördert. Das Rangdienstalter wurde dabei auf den 19. August 1903 festgelegt. Er besuchte 1904 auch die Kriegsschule. Am 18. August 1912 wurde er zum Oberleutnant befördert. Im Ersten Weltkrieg war er anfangs als Batterieführer noch beim 1. Garde-Feldartillerie-Regiment im Einsatz. Am 28. November 1914 wurde er zum Hauptmann befördert. 1915 wurde er dann in den Generalstab des Feldheeres versetzt. Ende 1915 wurde er dabei als Ib bei der 47. Reserve-Division eingesetzt. Im Krieg wurde er neben beiden Eisernen Kreuzen auch mit weiteren Orden ausgezeichnet. Nach Ende des 1. Weltkrieges wurde er noch im Grenzschutz Ost eingesetzt. Später wurde er dann als Hauptmann in das Reichsheer übernommen. Dabei wurde er anfangs im Generalstab vom Wehrkreiskommando VI eingesetzt. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er dann beim Stab vom Artillerieführer VI eingesetzt. 1924 wurde er dann im Generalstab der 3. Division der Reichswehr eingesetzt. Dort wurde er 1924 auch zum Major befördert, wobei das Randienstalter auf den 1. Juli 1923 festgesetzt wurde. Im Frühjahr 1927 war er dann im Stab des Gruppenkommando 1 im Einsatz. Am 1. Oktober 1927 übernahm er als Nachfolger von Oberstleutnant Friedrich Thon als Kommandeur die 5. Nachrichten-Abteilung. Als solcher wurde er am 1. April 1929 zum Oberstleutnant befördert. 1930 wurde er dann in das Reichswehrministerium versetzt. Dort wurde er als Chef des Stabes bei der Inspektion der Nachrichtentruppen (In 7) eingesetzt. 1931 wurde er dann zum Chef des Stabes der 1. Division der Reichswehr ernannt. Als solcher wurde er am 1. Februar 1932 zum Oberst befördert. Am 1. Februar 1934 wurde er zum Generalmajor befördert. Er wurde jetzt wegen seiner Nähe zur NSDAP im Reichswehrministerium eingesetzt. Dort wurde er zum Chef des Ministeramts ernannt. Im Juni 1934 unterstützte Reichenau die Aktionen der SS gegen die SA. Am 1. Juli 1935 wurde er dann zum Chef vom Wehrmachtsamt ernannt. Am 1. Oktober 1935 wurde er zum Generalleutnant befördert. Bei der Enttarnung der erweiterten Verbände der Wehrmacht, wurde er am gleichen Tag zum Kommandierenden General des Generalkommando VII. Armeekorps ernannt. Als solcher wurde er dann am 1. Oktober 1936 zum General der Artillerie befördert. 1936 befand er sich auch auf einer Auslandsreise in China. Am 1. März 1938 übernahm er im Zusammenhang mit der Blomberg-Fritsch-Affäre als Oberbefehlshaber das Gruppenkommando 4 in Leipzig. In dieser Stellung nahm er an der Besetzung des Sudetenlandes und der Tschechoslowakei teil. Reichenau kann als erster politischer General der Wehrmacht bezeichnet werden. Von 1938 bis 1942 war Reichenau auch Mitglied des IOC. Bei der Mobilmachung wurde er zum Oberbefehlshaber über die 10. Armee ernannt. Diese Armee führte er dann zu Beginn des 2. Weltkrieges in den Polenfeldzug. Dort wurden ihm zuerst beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen verliehen. Für die Leistungen der Armee im Polenfeldzug wurde ihm am 30. September 1939 persönlich durch Adolf Hitler das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Am 1. Oktober 1939 wurde er zum Generaloberst befördert. Nach dem Polenfeldzug wurde seine Armee bei der Überführung in den Westen zur 6. Armee umbenannt. Er blieb weiter deren Oberbefehlshaber. Dann führte er die Armee in den Westfeldzug. Nach dem Westfeldzug wurde von Reichenau zum Generalfeldmarschall befördert. Auch bei Beginn des Ostfeldzuges im Sommer 1941 führte er seine Armee beim Angriff auf Südrussland. Am 21. September 1941 wurde er erneut namentlich in einer Sondermeldung zum Wehrmachtsbericht genannt: "Im Verlauf der ostwärts Kiew im Gang befindlichen Umfassungsschlacht haben die Armee des Generalfeldmarschalls von Reichenau und die Panzerarmeen der Generalobersten von Kleist und und Guderian starke Teile des umzingelten Feindes vernichtet und jetzt schon 150000 Gefangene eingebracht, sowie 151 Panzerkampfwagen, 602 Geschütze und unübersehbares Kriegsmaterial erbeutet." Als besonders bezeichnend für die Art Reichenaus gilt der sogenannte Reichenau-Erlass vom 10. Oktober 1941 über das Verhalten der Truppe im Ostraum. Am 1. Dezember 1941 wurde er dann zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd ernannt. Am 15. Januar 1942 erlitt Reichenau einen Schlaganfall. Daraufhin sollte er zur Behandlung in das Reich gebracht werden. Am 17. Januar 1942 wurde er dann mit dem Flugzeug von Poltawa nach Leipzig gebracht, um dort behandelt zu werden. Bei der Zwischenlandung in Lemberg wurde Reichenau anscheinend schwer verletzt. Während des Weiterfluges ist er an einem Herzinfarkt gestorben. Er wurde mit einem Staatsbegräbnis im Beisein von Reichsmarschall Göring und Generalfeldmarschall Rundstedt auf dem Invalidenfriedhof in Berlin beigesetzt.

 

Ritterkreuz (30. September 1939)