Wöhler, Otto

 

* 12. Juli 1894, Großburgwedel bei Hannover / Niedersachsen

† 5. Februar 1987, Großburgwedel bei Hannover

 

Otto Wöhler trat am 1. Februar 1913 als Fahnenjunker in das in die Kaiserliche Armee ein. Er kam dabei zum 1. Ober-Elsässiches Infanterie-Regiment Nr. 167, wo er am 20. Mai 1914 zum Leutnant befördert wurde. Im 1. Weltkrieg wurde er nicht nur mehrmals verwundet. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm neben dem Ritterkreuz des Königlich Preußischen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern und beiden Eisernen Kreuzen noch viele andere Auszeichnungen verliehen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er als Oberleutnant ins Reichsheer übernommen und ins Infanterie-Regiment 17 versetzt. Von dort kam er zur Generalstabsausbildung, wurde am 1. April 1925 zum Hauptmann befördert und anschließend ins Reichswehrministerium versetzt. Anschließend fand er abwechselnd im Truppen- und Stabsdienst Verwendung und wurde am 1. Juni 1935 zum Oberstleutnant befördert. Am 1. Januar 1938 zum Oberst befördert, wurde er am 1. April 1938 zum 1. Generalstabsoffizier (Ia) vom Heeresgruppen-Kommando 5 in Wien ernannt. Bei Kriegsbeginn wurde er Ia bei der 14. Armee, mit der er dann am Polenfeldzug teilnahm. Bereits in diesem wurden ihm beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen verliehen. Am 18. Dezember 1939 wurde er zum Chef des Generalstabes vom XVII. Armeekorps ernannt, mit dem er dann im Frühjahr 1940 am Westfeldzug teilnahm. Am 1. Oktober 1940 wurde er zum Chef des Generalstabes der 11. Armee ernannt. In dieser Funktion wurde er dann ab Sommerbeginn 1941 in Russland eingesetzt. Dabei ist es bemerkenswert, dass er sich durch eine regelrechte Behinderung der Einsatzgruppe D auszeichnete. Er nutzte dabei den Wortlaut des Abkommens zur Koordination der Einsatzgruppen mit dem Heer aus, um die Kontrolle über deren Tätigkeit zu behalten. Am 1. Januar 1942 wurde er zum Generalmajor befördert. Am 26. Januar 1942 wurde ihm das Deutsches Kreuz in Gold verliehen. Am 1. April 1942 wurde er dann zum Generalstabschef der Heeresgruppe Mitte ernannt. Am 1. Oktober 1942 wurde er zum Generalleutnant befördert und schied am 1. März 1943 aus dem Stab der Heeresgruppe Mitte aus. Am 1. April 1942 wurde er mit der Führung des I. Armeekorps beauftragt. Am 1. Juni 1943 wurde er zum General der Infanterie befördert. Dadurch wurde er jetzt zum Kommandierenden General vom I. Armeekorps ernannt. Mit seinem Korps nahm er an der 3. Ladogaschlacht teil und wurde für seine Führungsleistung am 14. August 1943 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Am 12. August 1943 wurde er wegen dieser Kämpfe bereits namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "In der dritten Schlacht südlich des Ladogasees haben die unter Führung des Generalfeldmarschalls Küchler, des Generalobersten Lindemann und des Generals der Infanterie Wöhler stehenden deutschen Truppen, unterstützt von den durch General der Flieger Korten geführten Luftwaffenverbänden, in der Zeit vom 22. Juli bis 6. August den Ansturm der 8. und 67. sowjetischen Armee in heldenmütigen Kämpfen abgeschlagen und damit die Durchbruchsabsichten des Feindes vereitelt." Am 15. August 1943 wurde er mit der Führung der 8. Armee beauftragt, die er während der Rückzugskämpfe 1943/44 aus der Südukraine nach Rumänien führte. Sein einziger Sohn ist 1944 als Seekadett gefallen. Am 8. Mai 1944 wurde er nach dem Abschluss der Kämpfe zwischen Pruth und Moldau namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Der mit 20 Schützen- und mehreren Panzerdivisionen angestrebte Durchbruchsversuch der Bolschewisten scheiterte an der zähen und verbissenen Abwehr der unter Führung des Generals der Infanterie Wöhler stehenden deutschen und rumänischen Truppen, die von Verbänden der deutschen und rumänischen Luftwaffe in vorbildlicher Waffenkameradschaft hervorragend unterstützt wurden." Im Oktober 1944 hatte er mit seiner Armee maßgeblichen Anteil an der Einschließung dreier russischer Korps im Raum Debrecen. Am 30. Oktober 1944 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht erwähnt: "Im Raum von Debrecen haben deutsche und ungarische Truppen unter dem Oberbefehl des Generals der Infanterie Wöhler und des Generals der Artillerie Fretter-Pico in dreiwöchigen Kämpfen starke feindliche Kräfte vernichtend geschlagen und damit die vom Gegner angestrebte Umfassung der im Südostteil Ungarns stehenden deutschen und ungarischen Verbände vereitelt." Für diese Taten wurde ihm am 28. November 1944 das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Vom 28. Dezember 1944 bis zum 6. April 1945 war er Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd. Für seinen Dienstgrad war das eine sehr verantwortungsvolle Position, die nur wenige Soldaten erreichten. In Ungarn geriet er dann in alliierte Gefangenschaft. Im Nürnberger OKW-Prozeß wurde er zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Januar 1951 wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen.

 

Ritterkreuz (14. August 1943) Eichenlaub (28. November 1944)

Literatur und Quellen:
Peter Stockert: Die Eichenlaubträger 1940 - 1945, 4 Bände, Bad Friedrichshall, 1996 / 1997
Peter Stockert: Die Eichenlaubträger 1940 - 1945, 9 Bände, 4. überarbeitete Auflage, Bad Friedrichshall 2010 / 2011