von Witzleben, Erwin

 

* 4. Dezember 1881, Breslau

† 8. August 1944, Berlin-Plötzensee (hingerichtet)

 

Erwin von Witzleben trat als Offizierssohn nach seiner Ausbildung im Kadettenkorps auf der Haupt-Kadettenanstalt in Groß-Lichterfelde am 22. März 1901 als Leutnant in die Königlich Preußische Armee ein. Er kam dabei zum 2. Westpreußisches Grenadier-Regiment "König Wilhelm I" Nr. 7. Das Patent wurde dabei auf den 22. Juni 1901 datiert. Am 9. März 1903 wurde er in diesem Regiment zum Leutnant befördert. Noch vor dem 1. Weltkrieg wurde er 1910 zum Oberleutnant befördert. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde er dann zum Adjutant der 19. Reserve-Infanterie-Brigade ernannt. Im Oktober 1914 wurde er dann zum Hauptmann befördert und danach zum Kompaniechef vom Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 6 ernannt. Bei diesem Regiment blieb er dann für die längste Zeit des Krieges an der Westfront im Einsatz. 1917 wurde er schwer verwundet. Nach seiner Genesung wechselte er dann 1918 in den Generalstab. Bei Kriegsende war er als Ia bei der 108. Infanterie-Division im Westen im Einsatz. Im 1. Weltkrieg wurden ihm beide Eisernen Kreuze, sowie andere Auszeichnungen verliehen. Nach dem Krieg wurde er dann in das Reichsheer übernommen. Dabei kam er dann beim 200.000 Mann-Übergangsheer im Frühjahr 1920 zum Reichswehr-Infanterie-Regiment 12. Im 100.000 Mann-Heer der Reichswehr wurde er dann zuerst als Kompaniechef im 8. (Preuß.) Infanterie-Regiment eingesetzt. Später wurde er in den Stab der 4. Division der Reichswehr nach Dresden versetzt. Am 1. April 1923 wurde er dort zum Major befördert. 1926 wurde er dann in den Stab des Infanterieführer III nach Potsdam versetzt. 1928 wurde er zum Kommandeur des II. Bataillons vom 6. Infanterie-Regiment in Lübeck ernannt. Als solcher wurde er am 1. Januar 1929 zum Oberstleutnant befördert. Anfang 1930 wurde er dann als Nachfolger von Oberst Walther von Brauchitsch zum Chef des Stabes der 6. Division der Reichswehr in Münster ernannt. Am 1. April 1931 wurde er zum Oberst befördert. Am 1. Oktober 1931 wurde er als Nachfolger von Generalmajor Hans Petri zum Kommandeur des 8. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Frankfurt an der Oder ernannt. Ende September 1933 gab er sein Kommando an Oberst Hugo Sperrle ab. Am 1. Oktober 1933 wurde er dann als Nachfolger von Generalleutnant Franz von Roques zum Infanterieführer VI in Hannover ernannt. Ende Januar 1934 gab er sein Kommando an Generalmajor Konrad von Goßler ab. Am 1. Februar 1934 übernahm er unter gleichzeitiger Beförderung zum Generalmajor als Nachfolger von Generalleutnant Werner Freiherr von Fritsch als Kommandeur die 3. Division der Reichswehr in Berlin. Damit wurde er auch zum Befehlshaber im Wehrkreis III. Nach der "Nacht der langen Messer (30. Juni 1934)" bezog er offene Position gegen die Ermordung der beiden Reichswehrgeneräle von Schleicher und von Bredow. Am 1. Dezember 1934 wurde er zum Generalleutnant befördert. Durch die Erweiterung der Reichswehr wurde er damit dann zum Kommandierenden General vom Generalkommando III. Armeekorps ernannt. Am 1. Oktober 1936 wurde er zum General der Infanterie befördert. Das Patent wurde auf den 1. März 1936 datiert. Bereits 1938 gehörte er zu einem Verschwörerkreis gegen Adolf Hitler und dessen Pläne das Sudetenland militärisch zu besetzen. Durch das Münchener Abkommen wurde dieser Gruppe jedoch die Grundlage entzogen. Im November 1938 gab er sein Kommando über das III. Armeekorps an Generaloberst Curt Haase ab. Dafür wurde er dann als Nachfolger von General der Infanterie Wilhelm Adam zum Oberbefehlshaber des Heeresgruppen-Kommando 2 in Frankfurt am Main ernannt. Bei der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg übernahm von Witzleben dann als Oberbefehlshaber die neue 1. Armee im Westen. In dieser Position wurde er am 1. November 1939 zum Generaloberst befördert. Diese Armee führte er dann auch im Westfeldzug. Es gelang ihm dabei die Maginot-Linie zu durchbrechen. Ihm wurden beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen verliehen. Für die Leistungen seiner 1. Armee wurde von Witzleben am 24. Juni 1940 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Nach dem Westfeldzug wurde er am 19. Juli 1940 zum Generalfeldmarschall befördert. Ende Oktober 1940 gab er sein Kommando ab und übernahm dafür als Oberbefehlshaber die Heeresgruppe D. Im April 1941 wurde er dadurch gleichzeitig auch noch zum Oberbefehlshaber West ernannt. Mitte März 1942 musste er sein Kommando aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Er wurde dann aus der Wehrmacht verabschiedet. Er hielt jedoch weiterhin Kontakt zum militärischen Widerstand. Als ranghöchstes Mitglied sollte er bei Gelingen des Attentats der Oberbefehlshaber der Wehrmacht werden. Am Vormittag des 20. Juli 1944 befand er sich im Bendlerblock und erließ erste Befehle für die Befehlshaber an der Front. Nachdem klar wurde, das Hitler den Anschlag überlebt hatte, verließ er Berlin wieder. Am 21. Juli 1944 wurde er verhaftet. Danach wurde er am 4. August 1944 vom Ehrenhof aus der Wehrmacht ausgestoßen. Er kam dann vor dem Volksgerichtshof unter dem Vorsitz von Freisler. Am 8. August 1944 wurde er zum Tode verurteilt. Auf ausdrücklichen Befehl Hitlers wurde er noch am gleichen Tag in der Haftstätte Berlin-Plötzensee erhängt. 

 

Ritterkreuz (24. Juni 1940)