Paulus, Friedrich Wilhelm Ernst

 

* 23. September1890 Breitenau,

† 1. Februar 1957, Dresden

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Friedrich Paulus trat nach einer vergeblichen Bewerbung bei der Marine am 18. Februar 1910 als Fahnenjunker in das Heer ein. Er kam dabei zum 3. Badisches Infanterie-Regiment Markgraf Ludwig Wilhelm Nr. 111 nach Rastatt. In diesem wurde er nach dem Besuch der Kriegsschule Engers am 18. August 1911 zum Leutnant befördert. Das Patent wurde dabei auf den 20. August 1909 datiert. Am 4. Juli 1912 heiratete er mit Constanza Rosetti-Solescu eine rumänische Adelstochter, mit der er später drei Kinder hatte. Ab 1913 wurde er dann als Adjutant des III. Bataillons seines Regiments eingesetzt. Bei Beginn des 1. Weltkrieges verlegte er mit seinem Regiment an die Westfront. Im Herbst 1914 meldete er sich krank. Erst im Sommer 1915 kam er wieder an die Front. Er wurde jetzt als Ordonanzoffizier beim Jäger-Regiment zu Pferde Nr. 2 eingesetzt. Er wurde jetzt auch zum Oberleutnant befördert. In der restlichen Zeit des 1. Weltkrieges wurde dann auch in verschiedenen Stabsstellungen eingesetzt. Er wurde auch mit beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnet. Noch vor Kriegsende wurde er am 20. September 1918 zum Hauptmann befördert. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde er nach einem Einsatz beim Grenzschutz Ost in das Reichsheer übernommen. Dabei kam er im Herbst 1919 zum Reichswehr-Schützen-Regiment 113. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr kam er dann zum 14. (Badisches) Infanterie-Regiment, dessen Adjutant er wurde. Am 1. Juni 1922 wurde er in den Stab vom Gruppenkommando 2 nach Kassel versetzt. Von dort wurde er dann im Herbst 1923 in das Reichswehrministerium versetzt. Dort kam er dann zur Heeresabteilung (T 1). Am 1. April 1925 wurde er dann in den Generalstab des Infanterieführer V versetzt. Am 1. Oktober 1926 wurde er dann in den Stab vom Artillerieführer V versetzt. Nach einem Jahr wurde er am 1. Oktober 1927 zum Chef der 2. Kompanie vom 13. (Württ.) Infanterie-Regiment ernannt. Als solcher wurde er am 1. Februar 1931 zum Major befördert. Das Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Februar 1929 festgelegt. Am 1. Oktober 1930 wurde Paulus dann in den Stab der 5. Division der Reichswehr versetzt. Im Herbst 1931 wurde er dann wieder in das Reichwehrministerium versetzt. Dort wurde er diesmal bei der Heeres-Ausbildungsabteilung (T 4) eingesetzt. Am 1. Juni 1933 wurde er dort zum Oberstleutnant befördert. Am 1. April 1934 wurde er zum Kommandeur der 3. (Preuß.) Kraftfahr-Abteilung in Berlin ernannt. Bei der Erweiterung der Reichswehr wurde er dann am 1. Oktober 1934 zum Kommandeur der Kraftfahr-Abteilung Wünsdorf ernannt. Aus dieser wurde dann bei der Enttarnung am 15. Oktober 1935 die Aufklärungs-Abteilung (mot.) 3 gebildet. Als Kommandeur wurde er am 1. Juni 1935 zum Oberst befördert. Am 15. Oktober 1935 wurde Paulus dann als Nachfolger von Oberst Guderian zum Chef des Generalstabes beim Kommando der Panzertruppen. Anfang 1938 wurde Paulus durch die Umbildung seiner Dienststelle zum Chef des Generalstabes des XVI. Armeekorps unter Generalleutnant Guderian ernannt. Am 1. Januar 1939 folgte seine Beförderung zum Generalmajor. Am 1. Mai 1939 wurde er dann zum Chef des Generalstabes vom Heeresgruppen-Kommando 4 in Leipzig. Bei der Mobilmachung wurde er damit automatisch zum Chef des Generalstabes der 10. Armee unter General der Artillerie Reichenau. Mit dieser 10. Armee nahm er dann am Polenfeldzug teil. Nach dem Ende des Polenfeldzuges erfolgte Ende Oktober 1939 die Umbenennung der 10. Armee zur 6. Armee. Auch bei dieser bleibt Paulus Chef des Generalsstabes und nimmt im Frühjahr 1940 am Frankreichfeldzug teil. Nach dem Ende des Westfeldzuges wurde er zum Generalleutnant befördert. Am 3. September 1940 wurde er dann zum Oberquartiermeister I des Generalstabes des Heeres ernannt. Damit wurde er auch zum Stellvertreter vom Chef des Generalstabes des Heeres Generaloberst Franz Halder. Ihm wurde jetzt auch die Ausarbeitung des Angriffsplan auf Russland übertragen. Am 1. Januar 1942 wurde er unter gleichzeitiger Beförderung zum General der Panzertruppen zum Oberbefehlshaber der 6. Armee ernannt, obwohl er, außer bei der Kraftfahr-Abteilung Wünsdorf, noch kein Kommando über eine Truppe im Feld hatte. Im Zuge der Sommeroffensive dirigierte Paulus die 6. Armee auf dem Weg nach Stalingrad. Am 30. Mai 1942 wurde er namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Im Frontabschnitt des Generalfeldmarschalls von Bock haben die Armeen des Generalobersten von Kleist und des Generals der Panzertruppen Paulus die Abwehr schwerster feindlicher Großangriffe in einen stolzen Vernichtungssieg verwandelt." Am 12. August 1942 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Wie bereits durch Sondermeldung bekanntgegeben, haben Truppen des Heeres unter Führung des Generals der Panzertruppen Paulus, hervorragend unterstützt durch die Flakartillerie und die fliegenden Verbände der Luftwaffe unter Führung des Generalobersten Freiherrn von Richthofen, im Grossen Don-Bogen westlich Kalatsch die Masse der sowjetrussischen 62. Armee und starke Teile der 1. Panzerarmee vernichtet."  Am 26. August 1942 wurde ihm nach der Schlacht von Charkow das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Bei dem Versuch der schnellen Eroberung scheiterte Paulus in Stalingrad. Mitte November 1942 wurde er dann durch ein russische Offensive mit seiner 6. Armee eingekesselt und danach durch die Rote Armee belagert. Am 15. Januar 1943 wurde Paulus mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Am 31. Januar 1943 kapitulierte Paulus für seine 6. Armee vor der Roten Armee. Kurz zuvor war Paulus noch zum Generalfeldmarschall befördert worden. Am 31. Januar 1943 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Die unter persönlicher Führung des Generalfeldmarschalls Paulus heldenhaft kämpfende südliche Kampfgruppe wurde auf engsten Raum zusammengedrängt und leistet den letzten Widerstand im GPU-Gebäude." Am 1. Februar 1943 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "In Stalingrad ist die Südgruppe der 6. Armee unter Führung des Generalfeldmarschalls Paulus nach mehr als zwei Monaten heldenhafter Verteidigung von der Übermacht des Feindes im Kampf überwältigt worden." Am 3. Februar 1943 wurde er letztmals im Wehrmachtbericht namentlich genannt: "Ihrem Fahneneid bis zum letzten Atemzug getreu ist die 6. Armee unter der vorbildlichen Führung des Generalfeldmarschalls Paulus der Übermacht des Feindes und der Ungunst der Verhältnisse erlegen." Paulus kam jetzt in seiner Kriegsgefangenschaft in verschiedenen Lager. Einer seiner Söhne ist im 2. Weltkrieg gefallen. Erst im August 1944 stellte sich Paulus dem "Nationalkomitee Freies Deutschland" zur Verfügung und trat im Nürnberger Prozeß als Zeuge der Sowjetunion auf. Seine Frau starb 1949, ohne ihn wieder gesehen zu haben. Trotzdem wurde er erst im Jahre 1953 aus der Gefangenschaft entlassen, allerdings in die damalige DDR. Dort wohnte er unter ständiger Überwachung in Dresden.

 

Ritterkreuz (26. August 1942) Eichenlaub (15. Januar 1943)