Röhricht, Edgar Friedrich Julius

 

* 16. Juni 1892, Liebau in Schlesien

† 11. Februar 1967, (Heilbronn)

 

 

Edgar Röhricht trat am 1. Oktober 1912 als Einjährig Freiwilliger in die Kaiserliche Armee ein. Der Sohn vom Oberpostinspektor Gotthold Röhricht und seiner Frau Martha, geborene Schneider, kam dabei zum 2. Westpreußisches Grenadier-Regiment "König Wilhelm I" Nr. 7 in Liegnitz. Zu Beginn des 1. Weltkrieges kam er dann mit dem 4. Schlesisches Infanterie-Regiment Nr. 157 an die Front. Dort wurde er am 22. Januar 1915 zum Leutnant der Reserve befördert. Ab dem 14. Juli 1915 wurde er als Kompanieführer der 12. Kompanie vom 4. Schlesisches Infanterie-Regiment Nr. 157 eingesetzt. Vom 26. August 1915 bis zum 28. August 1915 wurde er zu einem Lehrgang für Kompanieführer kommandiert. 1917 wechselte er dann in den aktiven Dienst über. Vom 9. Februar 1917 bis zum 22. Februar 1917 wurde er zur Minenwerfer-Ausbildung kommandiert. Ab dem 3. September 1917 wurde er als stellvertretender Bataillonsadjutant eingesetzt. Am 28. Dezember 1917 wurde er zum Regimentsstab vom 4. Schlesisches Infanterie-Regiment Nr. 157 versetzt. Sein Rangdienstalter wurde jetzt auf den 23. Juni 1913 festgelegt. Als solcher wurde er am 8. Juli 1918 zum Generalkommando XVIII. Reservekorps kommandiert. Ab dem 21. August 1918 wurde er als stellvertretender Führer des II. Bataillons vom 4. Schlesisches Infanterie-Regiment Nr. 157 eingesetzt. Ab dem 6. September 1918 war er dann Regimentsadjutant seines Regiments. Am 18. Oktober 1918 wurde er zum Oberleutnant befördert. Im 1. Weltkrieg wurde er nicht nur mehrmals verwundet, ihm wurden neben beiden Eisernen Kreuzen noch einige andere Orden verliehen. Nach dem Ende vom Ersten Weltkrieg wurde er im Mai 1919 in das vorläufige Reichsheer übernommen. Bei diesem wurde er im Reichswehr-Schützen-Regiment 64 als Regimentsadjutant eingesetzt. Am 1. Oktober 1919 wurde er zum Stab vom Wehrkreis II zur Ausbildung als Führergehilfe kommandiert. Bei der Bildung des 200.000 Mann Heeres der Reichswehr im Mai 1920 kam er zum Reichswehr-Infanterie-Regiment 16 der Reichswehr-Brigade 8. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er dann vom 7. (Preuß.) Infanterie-Regiment übernommen. Sein Rangdienstalter als Oberleutnant wurde jetzt auf den 20. Juni 1918 festgelegt. Am 1. Oktober 1921 wurde er dann als Eskadronoffizier zum 4. (Preuß.) Reiter-Regiment versetzt. Am 1. Oktober 1922 wurde er zum 3. (Preuß.) Infanterie-Regiment versetzt. Im Frühjahr 1923 gehörte er als Kompanieoffizier zur 11. Kompanie vom 3. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Osterode. Vom 30. April 1923 bis zum 12. Mai 1923 nahm er mit an der Übungsreise teil. Am 8. April 1924 wurde er als Nachfolger von Major Bardt zum Führer der 10. Kompanie vom 3. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Osterode ernannt. Am 1. Juni 1924 hat dann Hauptmann Wilhelm Freiherr von Waldenfels die 10. Kompanie als Chef übernommen. Am 10. Januar 1925 wurde er zum Adjutant des III. Bataillons vom 3. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Osterode ernannt. Am 1. Februar 1927 wurde er zum Hauptmann befördert. Als solcher wurde er am 1. März 1927 zum Maschinengewehr-Offizier im Regimentsstab vom 3. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Deutsch Eylau ernannt. Vom 7. April 1927 bis zum 17. April 1927 nahm er an der Übungsreise vom Reichswehrministerium (RWM) teil. Vom 9. Mai 1927 bis zum 23. Mai 1927 nahm er auch an der Wehrkreis-Übungsreise teil. Vom 12. Dezember 1927 bis zum 23. Dezember 1927 besuchte er einen Gasschutzlehrgang. Vom 9. Mai 1928 bis zum 22. Mai 1928 nahm er wieder an der Wehrkreis-Übungsreise teil. Am 1. April 1929 wurde er als Nachfolger von Hauptmann Stephan Rittau zum Regimentsadjutant vom 3. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Deutsch Eylau ernannt. Diese Position behielt er dann für 3 Jahre. Vom 13. Juni 1928 bis zum 26. Juni 1928 nahm er wieder an der Wehrkreis-Übungsreise teil. Am 1. Oktober 1931 wurde er dann zur 13. (Minenwerfer) Kompanie vom 3. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Deutsch Eylau versetzt, sein Nachfolger als Regimentsadjutant wurde Hauptmann Heinz Fiebig. Er wurde dann zur Kommandantur Berlin kommandiert. Am 1. Oktober 1932 wurde er in das RWM kommandiert. Er war ein Anhänger vom Reichskanzler Kurt von Schleicher. Er war auch ein väterlicher Freund und Förderer vom späteren aktiven Teilnehmer am 20. Juli 1944 Major i.G. Hans-Ulrich von Oertzen. Am 1. Dezember 1932 wurde er wieder zum RWM in Berlin versetzt. Dort wurde er jetzt in der Wehrmachtsabteilung (W) eingesetzt. In dieser wurde er am 1. November 1933 zum Major befördert. Im April 1934 gehörte er zur Inlandsabteilung (I). Gegenüber dem politischen Regime nahm Röhricht eine reservierte Haltung ein. Er erkannte bei der Ermordung von Ernst Röhm und vom ehemaligen Reichskanzler von Schleicher die Substanz von Adolf Hitlers Herrschaft. Er erwog auch seinen Dienst zu quitieren. Auch bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht am 1. Oktober 1934 wurde er weiter dort eingesetzt. Ab dem 21. Mai 1935 wurde er im Reichskriegsministerium eingesetzt. Dort schrieb er als Major i.G. auch das Vorwort zum Band "Der Tag der Wehrmacht Nürnberg 1935". Im Jahr 1935 wurde ihm seine Überwachung durch die Gestapo wegen verdächtiger Beziehungen zu Emigrantenkreisen bekannt. Röhricht beantragte seine Versetzung zur Truppe. Bei der Enttarnung der Einheiten wurde er am 15. Oktober 1935 zum Generalstab der 19. Infanterie-Division nach Hannover versetzt. Am 1. April 1936 wurde er zum Oberstleutnant befördert. Vom 26. Mai 1936 bis zum 28. Mai 1936 nahm er am Lehrgang des Oberkommandos des Heeres (OKH) für Generale und Generalstabsoffiziere in Wünsdorf teil. Am 26. November 1936 wurde er zum 1. Generalstabsoffizier (Ia) vom Generalkommando IV. Armeekorps in Dresden ernannt. Während seiner dortigen Zeit, lernte er über den Chef des Generalstabes, Generalmajor Friedrich Olbricht, auch Carl Goerdeler kennen. Er lehnte diesem gegenüber eine aktive Beteiligung am Umsturz ab, da er diesem nur geringe Chancen zugestand. Am 1. Januar 1939 wurde er zum Oberst befördert. Als solcher wurde er am 20. April 1939 als Nachfolger von Oberst Emil Heinrich Gunzelmann zum Kommandeur vom Infanterie-Regiment 34 in Heilbronn ernannt. Seine Privatanschrift befand sich in der Alexanderstraße 49 in Heilbronn. Im Sommer 1939 wurde er bei der Mobilmachung zum 2. Weltkrieg am 26. August 1939 zum Chef des Generalstabes vom V. Armeekorps ernannt. Mit diesem Generalkommando bezog er jetzt Stellungen im Westen bei der 5. Armee. Am 6. Oktober 1939 wurde er abgelöst und in die Führerreserve versetzt. Am 10. Oktober 1939 wurde er dann zum Chef der 4. Abteilung (Truppenausbildung) beim Oberquartiermeister II im Oberkommando des Heeres ernannt. In dieser Stellung verblieb er auch während des Westfeldzuges im Frühjahr 1940. Am 26. Oktober 1940 wurde er dann als Nachfolger von Generalmajor Carl Hilpert zum Chef des Generalstabes der 1. Armee in Frankreich ernannt. In dieser Funktion war er für die Operationen des AOK 1 an der französischen Atlantikküste zuständig. Als solcher wurde er am 1. Februar 1942 zum Generalmajor befördert. Das Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. April 1942 festgelegt. Am 1. April 1942 erhielt er folgende Beurteilung von Generaloberst Johannes Blaskowitz, OB der 1. Armee: "Geistig vielseitig entwickelte, urteilskräftige Persönlichkeit, die des Wirklichkeitssinnes keineswegs entbehrt. Wenn er sich auch nicht führungsmäßig beteiligen konnte, so hat er andererseits die manigfachen, im Besatzungsraum an ihn herantretenden Anforderungen und Fragen vorausschauend und praktisch gelöst. Bewertung: Füllt sehr gut aus. Empfehlung: Geeignet für Chefstellen im Generalstab und zum Divisionskommandeur." Dazu ergänzte am 18. April 1942 Generalleutnant Carl Hilpert, Chef des Generalstabes der Heeresgruppe D: "Sehr lebendige Persönlichkeit mit kritischem Auge. Anregend. Für Erziehung und Ausbildung besonders interessiert und befähigt. Sehr guter Chef, dessen Aktivität sich in jetziger Stellung nicht voll auswirken konnte." Dazu ergänzte am 27. April 1942 Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben, OB der Heeresgruppe D: "Sehr guter, beweglicher Chef. Vornehmer Charakter. Füllt sehr gut aus." Mitte Juni 1942 wurde er von Generalmajor Anton-Reichard Freiherr von Mauchenheim genannt Bechtolsheim abgelöst und am 18. Juni 1942 in die Führerreserve OKH versetzt. Er wurde dabei dem Wehrkreis V zugeteilt. Am 15. Juli 1942 wurde er mit der Führung der 12. Infanterie-Division beauftragt. Am 21. Juli 1942 übernahm er dann das Kommando von Oberst Wilhelm Lorenz im Nordabschnitt der Ostfront. Am 27. September 1942 gab er die Führung über die wieder an den Kommandeur Generalleutnant Kurt-Jürgen Freiherr von Lützow ab. Dafür wurde er an diesem 27. September 1942 zum Kommandeur der 95. Infanterie-Division ernannt. Diese führte er jetzt im Mittelabschnitt der Ostfront. Bereits dort kam er im Raum Rshew zu der Erkenntnis, dass der Krieg von Deutschland nicht mehr zu gewinnen sei. Am 17. November 1942 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Walter Graf von Brockdorff-Ahlefeldt, KG vom II. Armeekorps, für seine Tätigkeit als Führer der 12. Infanterie-Division: "Fand sich schnell in die ihm neue Stelle des Divisionskommandeur und in die ihm unbekannten Verhältnisse des Ostkrieges hinein. Führt Division fest und klar. Steht voll auf dem Boden des Nationalsozialismus. Empfehlung: Divisionskommandeur." Dazu ergänzte Generaloberst Ernst Busch, OB der 16. Armee, am 24. November 1942: "Einverstanden." Am 3. März 1943 erhielt er folgende Beurteilung von Generalleutnant Karl Burdach, Führer vom XXVII. Armeekorps: "Hat sich als Divisionskommandeur vor dem Feinde voll bewährt. Führt seine Division fest und klar. Taktisch und operativ gut durchgebildet. Bewertung: Über Durchschnitt. Empfehlung: Divisionskommandeur." Dazu ergänzte am 17. März 1942 Generaloberst Walter Model, OB der 9. Armee: "Division hat sich unter seiner Führung als besonders zuverlässig erwiesen." Dazu ergänzte am 28. März 1943 Generalfeldmarschall Günther von Kluge, OB der Heeresgruppe Mitte: "Einverstanden." Am 1. April 1943 wurde er zum Generalleutnant befördert. Da er unverheiratet war, wurde die Adresse seiner Schwester, Frau Erika Wegener in Langenbielau, Kreis Reichenbach im Eulengebirge, als Privatanschrift hinterlegt. Am 9. April 1943 wurde ihm das Deutsches Kreuz in Gold verliehen. Am 1. Juli 1943 begab er sich für drei Wochen auf Urlaub, seine Vertretung übernahm Oberst Albrecht Wüstenhagen. Am 24. Juli 1943 übernahm er wieder das Kommando. Im September 1943 gab er sein Kommando über die 95. Infanterie-Division ab. Er wurde jetzt mit der stellvertretenden Führung vom XII. Armeekorps beauftragt. Er vertrat dabei General der Infanterie Kurt von Tippelskirch. Danach wurde er in die Führerreserve versetzt. Am 12. Dezember 1943 wurde er mit der stellvertretenden Führung vom XX. Armeekorps beauftragt. Er vertrat dabei bis zum 17. Januar 1944 General der Artillerie Rudolf Freiherr vom Roman. Vom 20. Januar 1944 bis zum 5. Februar 1944 wurde er mit der stellvertretenden Führung vom XXXIX. Panzerkorps beauftragt. Er vertrat dabei General der Infanterie Carl Püchler. Ende Januar 1944 führte er ein langes Gespräch mit Henning von Tresckow. Er äußerte dabei erneuert seine Bedenken gegenüber den nicht ausgereiften Plänen zum Umsturz. Er sah die Initiatoren für das zu erwartende Chaos danach nicht gerüstet. So wollte er sich nicht zur Teilnahme am Umsturz entscheiden. Vom 5. Februar 1944 bis zum 10. März 1944 wurde er für den beurlaubten General der Infanterie Kurt von Tippelskirch mit der stellvertretenden Führung vom XII. Armeekorps beauftragt. Diese Vertretung wurde aber am 12, Februar 1944 bereits wieder beendet. Seine eigene 95. Infanterie-Division wurde in diesen Zeiträumen der Vertretung von Generalmajor Gustav Gihr geführt. Am 1. März 1944 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Friedrich Gollwitzer, KG vom LIII. Armeekorps: "Vor dem Feind vielfach bewährt. Einsatz- und entschlußfreudig, in Krisenlagen unbeirrt. Zielklare, sichere Führung; um Aushilfen nicht verlegen. Hat seine Division in der 2. Schlacht um Witebsk (Februar 1944) vorzüglich geführt. Geistig über Durchschnitt, körperlich gut veranlagt. Taktisch über Durchschnitt. Vorzüglicher Erzieher seines Offizierskorps und der Truppe. Organisationsgabe. Besondere Veranlagung für Ausbildung. Bewertung: Über Durchschnitt. Empfehlung: Kommandierender General, Ausbilder höherer Truppenführer, zunächst Belassung." Im März 1944 wurde er auf der Eignungsliste der Heeresgruppe Mitte als Kommandierender General vorgeschlagen. Am 16. März 1944 erhielt er folgende Beurteilung von Generaloberst Walter Weiss, OB der 2. Armee: "Generalleutnant Röhricht fand sich schnell in die neuen Verhältnisse hinein, führte die Divisionen des XX. Armeekorps in schwersten Krisenlagen fest und sicher, zeigte bemerkenswerte Verantwortungsfreudigkeit und hohe persönliche Einsatzbereitschaft. Er hat wesentlichen Anteil an der zweimaligen Befreiung des Korps aus doppelseitiger Umfassung und wurde zur Verleihung des Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes vorgeschlagen. In der kurzen Zeit seiner Korpsführung erwarb er sich das uneingeschränkte Vertrauen der Truppe. Zum Kommandierenden General voll geeignet." Am 21. März 1944 wurde er erstmals mit der Führung vom LIX. Armeekorps beauftragt. Dieses befand sich im Raum Kamenetz-Podolsk. Am 2. Mai 1944 wurde er in die Führerreserve OKH versetzt und zur Heeresgruppe Nordukraine kommandiert. Am 4. Mai 1944 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Friedrich Gollwitzer, KG vom LIII. Armeekorps: "Unverändert." Am 9. Mai 1944 wurde er mit der stellvertretenden Führung vom LIX. Armeekorps beauftragt. Am 14. Mai 1944 ergänzte dazu Generaloberst Georg-Hans Reinhardt, OB der 3. Panzerarmee: "Einverstanden. Zum Kommandierenden General geeignet." Am 15. Mai 1944 wurde ihm für seine Leistungen als Divisionskommandeur der 95. Infanterie-Division das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Am 25. Mai 1944 ergänzte zur letzten Beurteilung noch Generalfeldmarschall Ernst Busch, OB der Heeresgruppe Mitte: "Einverstanden." Anfang Juni 1944 gab er die Führung für eine Woche an Generalleutnant Friedrich-Wilhelm Müller ab. Am 10. Juni 1944 wurde er erneut mit der Führung vom LIX. Armeekorps beauftragt. Das Generalkommando stand zu dieser Zeit schwer bedrängt in der Nordukraine. Er sollte eigentlich am 2. Lehrgang für Kommandierende Generale vom 12. Juni 1944 bis zum 8. Juli 1944 teilnehmen, was aber wieder verworfen wurde. Am 26. Juli 1944 erhielt er folgende Beurteilung von Generaloberst Erhard Raus, OB der Armeegruppe Raus: "Generalleutnant Röhricht führte das LIX. Armeekorps seit dem 12. Juni 1944. Er hat in den schweren Abwehrkämpfen ab dem 14. Juli 1944 das Korps bestimmt und sicher geführt. Die in der Jahresbeurteilung vom 1. März 1944 gekennzeichneten Eigenschaften haben sich auch jetzt voll bestätigt. Generalleutnant Röhricht verspricht ein guter Kommandierender General zu werden." Am 1. September 1944 wurde er in Südpolen zum General der Infanterie befördert. Damit wurde er jetzt auch zum Kommandierenden General vom LIX. Armeekorps ernannt. Das Korps führte er in Südpolen, bis zur Januaroffensive der Roten Armee 1945. Dabei musste sich das Korps nach Oberschlesien zurückkämpfen. Am 26. Januar 1945 wurde er in die Führerreserve OKH versetzt und dem Wehrkreis V wieder zugeteilt. Seine private Anschrift war wieder in Heilbronn. Am 29. Januar 1945 gab er sein Kommando ab und erhielt bis zum Kriegsende kein neues Kommando mehr. Am 2. Februar 1945 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Friedrich Schulz, OB der 17. Armee: "Aufrechte, klar denkende und sehr vielseitig gebildete Persönlichkeit. In den letzten äusserst schwierigen Rückzugskämpfen zwischen Beskiden und Weichsel hat er wohl überlegt und klug geführt, jedoch liegt es ihm nicht seiner Veranlagung nach, mit der hier teilweise notwendigen Rücksichtslosigkeit das nach der Lage Erforderliche zu erzwingen. Ich halte den bisher stets bewährten Offizier weiterhin zur Verwendung als Kommandierender General an weniger kritischer Front für geeignet." Am 7. Februar 1945 ergänzte dazu Generaloberst Ferdinand Schörner, OB der Heeresgruppe Mitte: "Mir nicht bekannt geworden." Die Zerstörung Dresdens Mitte Februar 1945 erlebt er gemeinsam mit dem Schriftsteller und Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann. Am 16. Februar 1945 ergänzte General Maisel vom Heerespersonalamt (HPA): "Erholen! Dann Härte!" Am 6. März 1945 wurde ein Eintrag hinterlassen, dass er zur Zeit über das Heeresgestüt Altefeld im Wehrkreis IX zu erreichen sein. Anfang April 1945 geriet er in Altefeld in Thüringen in westalliierte Gefangenschaft. Anfang Januar 1946 kam er in das Spezialcamp Nr. 11. Anfang März 1947 wurde er nach Landon verlegt. Aus dieser wurde er im Herbst 1947 wieder entlassen. 1965 hat er unter dem Titel "Pflicht und Gewissen - Erinnerungen eines Deutschen Generals 1932 - 1944" seine Memoiren herausgegeben.



Ritterkreuz (15. Mai 1944)

 

Literatur und Quellen:
BArch, MSG 109/4919 : Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867-1945
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich  Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. Mai 1933
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. April 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938

Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955 
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
Gerhard von Seemen: Die Ritterkreuzträger 1939-1945, Podzun-Verlag, Friedberg 1976
Horst Scheibert: Die Träger des Deutschen Kreuzes in Gold und Silber, 2 Bände, Verlag Podzun-Pallas, 1983 und 1990
NARA T-78 R-892
Paul Tiede, Kurt Himer und Edgar Röhricht: Das 4. Schlesische Infanterie-Regiment Nr 157. Stalling-Verlag, 1922
Edgar Röhricht: Wehrhafte Jugend. Vormilitärische Jugendausbildung in rüstungsfreien Staaten. Leipzig 1934
Edgar Röhricht: Rätsel um Pylar, Stuttgart Deutsche Verlags-Anstalt, 1949
Edgar Röhricht: Probleme der Kesselschlacht, dargestellt an Einkreisungsoperationen im Zweiten Weltkrieg. Condor-Verlag, Karlsruhe 1958.
Edgar Röhricht: Pflicht und Gewissen. Erinnerungen eines deutschen Generals 1932 bis 1944 Verlag Kohlhammer, Stuttgart 1965
Lars-Broder Keil: Hans-Ulrich von Oertzen - Offizier und Widerstandskämpfer, Lukas Verlag, Berlin 2005