Reichert, Josef

 

* 13. Dezember 1891, Burgfeld im Kreis Laufen

† 13. Mai 1970, Gauting

 

 

Josef Reichert war der Sohn des Präsidialboten Friedrich Reichert und dessen Ehefrau Marie, geborene Rehrl. Er trat nach seinem Abitur am 30. Juli 1910 als Fahnenjunker in das Königlich Bayerische 21. Infanterie-Regiment Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin ein. In diesem Regiment wurde Josef Reichert am 3. März 1911 zum Fähnrich befördert. Vom 21. August 1912 bis zum 28. September 1912 besuchte er mehrere Schießkruse. Am 28. Oktober 1912 wurde er nach dem Besuch der Kriegsschule München zum Leutnant befördert. Am 6. August 1914 zog er als Zugführer in der 5. Kompanie des Königlich Bayerisches 5. Reserve-Infanterie-Regiment ins Feld. Eingesetzt wurde das Regiment an der Westfront und Josef Reichert nahm u.a. an den Schlachten an der Somme und bei Ypern teil. Ab Oktober 1914 fungierte er als Adjutant beim Stab des II. Bataillons des Königlich Bayerisches 5. Reserve-Infanterie-Regiment, wo er am 14. Januar 1916 zum Oberleutnant befördert wurde. Ab dem 23. Dezember 1917 wurde er als stellvertretender Regimentsadjutant eingesetzt. Vom 17. bis zum 23. März 1918 besuchte er einen Ausbildungskurs im Fliegerdienst. Ab September 1918 war er Adjutant des I. Bataillons vom Königlich Bayerisches 5. Reserve-Infanterie-Regiment. Am 3. Oktober 1918 geriet er in französische Gefangenschaft. Am 15. Januar 1920 wurde er wieder aus der Gefangenschaft entlassen. Im 1. Weltkrieg wurde er nicht nur verwundet, was sich in der Verleihung des Verwundetenabzeichens in Schwarz widerspiegelte. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm neben beiden Eisernen Kreuzen noch andere Auszeichnungen verliehen. Danach wurde Josef Reichert am 1. März 1920 als Ordonnanz-Offizier bei der Abwicklungsstelle des I. bayerischen Armeekorps eingesetzt. Bei der Bildung des 200.000 Mann Heeres der Reichswehr wurde er als Nachrichten-Offizier dem Reichswehr-Infanterie-Regiment 46 zugeordnet. Bei der Bildung des 100.000 Mann Heeres der Reichswehr wurde er am 1. Oktober 1920 als Kompanieoffizier der Minenwerfer-Kompanie in das 21. (Bayerisches) Infanterie-Regiment übernommen. Vom 27. September 1921 bis zum 12. November 1921 besuchte er einen Minenwerferkurs. Im Winter 1921/22 wurde er zum Hauptmann befördert. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 18. Oktober 1918 festgelegt. Ab dem 1. Februar 1922 fungierte er mehrere Jahre als Chef der 13. Kompanie vom 21. (Bayer.) Infanterie-Regiment in Fürth. Am 18. Mai 1922 hatte er Irene Schwemmer geheiratet. Am 14. Februar 1923 kam seine Tochter Ruth zur Welt. Am 1. Oktober 1926 wurde er zum Chef der 7. Kompanie vom 21. (Bayer.) Infanterie-Regiment in Nürnberg ernannt. Vom 16. September 1927 bis zum 1. Oktober 1927 besuchte er den Schließlehrgang für Handfeuerwaffen. Ab dem 1. Oktober 1928 diente er dann im Stab des II. Bataillons vom 21. (Bayer.) Infanterie-Regiment ebenfalls in Nürnberg. Am 24. Juli 1930 wurde sein Sohn Josef Reichert geboren. Vom 1. Oktober 1930 bis zum 31. Dezember 1933 war er etatmäßig beim Regimentsstab vom 21. (Bayer.) Infanterie-Regiment in Nürnberg eingesetzt. Er wurde von dort als Inspektions-Offizier an die Infanterie-Schule Dresden kommandiert. In dieser Zeit wurde er am 1. April 1932 zum Major befördert. Ab dem 1. Januar 1934 war er dann Taktiklehrer an der Kriegsschule Dresden. Am 1. Oktober 1934 wurde er bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht zum Kommandeur des III. Bataillons vom Infanterie-Regiment Amberg ernannt. Als solcher wurde er am 1. Februar 1935 zum Oberstleutnant befördert. Bei der Enttarnung der Einheiten wurde er am  15. Oktober 1935 zum Kommandeur des III. Bataillons vom Infanterie-Regiment 40 ernannt. Am 8. März 1936 wurde sein Sohn Kurt Reichert geboren. Ab dem 6. Oktober 1936 fungierte er als Kommandeur des III. Bataillons vom Infanterie-Regiment 106. Am 1. August 1937 folgte seine Beförderung zum Oberst. Als solcher wurde er am 12. Oktober 1937 in den Stab vom Infanterie-Regiment 95 nach Coburg versetzt. Dort erhielt er jetzt seine Einweisung als Regimentskommandeur. Am 24. November 1938 wurde Josef Reichert als Nachfolger von Generalmajor Joachim Witthöft zum Kommandeur vom Infanterie-Regiment 6 in Lübeck ernannt. Seine letzte Adresse vor Beginn des 2. Weltkrieges war Bugenhagenstraße 6 in Lübeck, Telefon 26366. Mit diesem Regiment nahm er im Spätsommer 1939 im Verband der 30. Infanterie-Division am Polenfeldzug teil. Im Frühjahr 1940 führte er sein Regiment dann auch im Westfeldzug ins Gefecht. Am 10. Februar 1941 macht Generalleutnant Kurt von Tippelkirch folgenden Eintrag in seiner Akte: "General der Infanterie Kurt von Briesen urteilt am 25. Oktober 1940 Frische, energische Persönlichkeit, offen, warmherzig, fröhlich, gewinnend und liebenswürdig. Klug und geschult. Guten Überblick, sehr gutes taktisches Urteil; ausgezeichneter Ausbilder, klar und entschlußfreudig, einfach im Denken und Befehlen. Im polnischen Feldzug gut bewährt. Leitet sein Regiment mit fester Hand. Füllt seine Stellung sehr gut aus." Gleicher Eindruck. Bewertung: Führt sehr gut aus. Empfehlung: Zur nächsthöheren Verwendung geeignet." Am 24. Februar 1941 ergänzte General der Infanterie Richard Rouff: "Mit der sehr günstigen Beurteilung durchaus einverstanden." Ab dem 22. Juni 1941 kämpfte er mit seinem Regiment im Nordabschnitt der Ostfront in Rußland. Am 22. August 1941 erhielt er folgende Beurteilung von seinem Divisionskommandeur, Generalleutnant Kurt von Tippelkirch: "gerade, offen, temperamentvoll, klug und geschult, guter taktischer Blick. In Polen sehr bewährt. Ein nach langen, besonders schweren Kämpfen des Regiments in ungünstiger Lage gefaßter Entschluß, der den größeren Rahmen nicht ausreichend berücksichtigte, vermag die Gesamtbeurteilung nicht entscheidend zu beeinflussen. Zum Divisionskommandeur uneingeschränkt geeignet." Am 1. September 1941 wurde er zum Generalmajor befördert. Am 2. September 1941 ergänzte General der Artillerie Christian Hansen, KG vom X. Armeekorps: "Ich kann Reichert nicht die uneingeschränkte Eignung zum Divisionskommandeur zuerkennen. Er hat in kritischen Lagen nicht immer die erforderliche Härte gezeigt. Uranständiger Charakter, nicht genügend Persönlichkeit, um bei starker Belastung klar zu urteilen und sich durchzusetzen." Am 17. September 1941 wurde er in die Führerreserve OKH versetzt und dabei dem Wehrkreis X zugeteilt. Am 20. September 1941 wurde er als Nachfolger von Generalleutnant Hermann von Gimborn zum Kommandeur der Division Nr. 177, einer Division des Ersatzheeres, ernannt. Am 28. September 1941 erhielt er noch folgende Beurteilung von seinem vorherigen Divisionskommandeur, Generalleutnant Kurt von Tippelkirch: "Geraden, offen, temperamentvoll, als Regimentskommandeur sehr bewährt. Die schwere seelische Belastung der starken Verluste seines Regiments beeinträchtigen in letzter Zeit die Schwungkraft. Bewertung: Führt gut aus. Empfehlung: Divisionskomamndeur." Dazu ergänzte am 12. Oktober 1941 General der Artillerie Christian Hansen, KG vom X. Armeekorps: "Einverstanden, aber nicht hart genug, um sich bei starker Belastung durchzusetzen. Nur bedingt Divisionskomamndeur." Dazu kam er am 14. Oktober 1941 noch der Eintrag von Generaloberst Ernst Busch, OB der 16. Armee. Am 1. April 1942 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Alfred Streccius, KG vom Stellv. GK XVII. Armeekorps: "Lautere Persönlichkeit. Hat sich schnell mit den Erfordernissen seiner Stellung im Ersatzheer abgefunden und den Mangel an "genügender Härte" im Ersatzheer bekämpft. Bewertung: Führt gut aus. Empfehlung: Kommandeur einer Felddivision bei Bedarf." Am 1. Januar 1943 übernahm er dann als Nachfolger von Generalleutnant Friedrich Stahl das Kommando über die 714. Infanterie-Division in Serbien. Am 20. Februar 1943 wurde er erneut in die Führerreserve OKH versetzt. Dabei wurde er wieder dem Wehrkreis X zugeteilt. Am 1. März 1943 erhielt er von General der Infanterie Rudolf Lüters, Befehlshaber der Deutschen Truppen in Kroatien, folgende Beurteilung: "Hat sich anerkennenswerten Eifer, unterstützt durch gute Auffassungsgabe, in kurzer Zeit mit seinem weiten Arbeitsgebiet vertraut gemacht und die Division mit Umsicht geführt. Da keine stärkeren Verbände zum Einsatz kamen, vermag ich nicht ihn als Truppenführer zu beurteilen. Guter Durchschnitt. Abschließendes Urteil nicht möglich." Am 15. März 1943 wurde er als Nachfolger von Generalmajor Friedrich-Wilhelm Deutsch mit der Führung der 711. Infanterie-Division an der Kanalküste beauftragt. Am 25. März 1943 erhielt er noch folgende ergänzende Beurteilung zur früheren Unterstellung von Generaloberst Alexander Löhr, Wehrmachtsbefehlshaber Südost: "Mir nur wenig bekannt geworden." Am 1. April 1943 wurde er dann auch zum Kommandeur der 711. Infanterie-Division ernannt. Vom 15. Juni 1943 bis zum 10. Juli 1943 wurde er zum 5. Divisionsführerlehrgang kommandiert. Am 1. September 1943 wurde er zum Generalleutnant befördert. Am 1. März 1944 erhielt er folgende Beurteilung von General der Panzertruppen Adolf Kuntzen, KG vom LXXXI. Armeekorps: "Es fehlt ihm an Erfahrung bei größeren Kampfhandlungen. Seine solide Durchbildung und sein Streben bieten aber die Gewähr, dass er seiner Aufgabe gewachsen ist. Mangelnde Härte ist bei dem Einsatz an der hiesiger ruhiger Front nicht in Erscheinung getreten. Bewertung: Durchschnitt. Empfehlung: Divisionskommandeur." Dazu erhielt er am 10. März 1944 von Generaloberst Hans von Salmuth, OB der 15. Armee folgende Ergänzung: "Hat zu allen Dingen den besten Willen, auch die Aus- und Vorbildung dazu. In der Führung braucht er meines Erachtens eine feste Stütze." Am gleichen Tag ergänzte Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt, OB Heeresgruppe D: "Einverstanden !" Er führte er seine Division während der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 und während des anschließenden Rückzuges nach Holland. Am 28. Dezember 1944 erhielt er folgende Beurteilung von Generalleutnant Felix Schwalbe, Führer vom LXVII. Armeekorps: "Ist mir dienstlich nicht bekannt geworden." General der Flieger Friedrich Christiansen, OB der 25. Armee ergänzte am gleichen Tag: "Das Urteil des früheren Kommandierenden Generals, General Reinhard vom 20. Dezember 1944, habe ich voll bestätigt gefunden: Frische, bewegliche, positiv eingestellte Persönlichkeit. Gerader, anständiger Charakter. Einsatzbereit und tapfer, hat seine Division gut geführt." Am 29. Dezember 1944 wurde ihm das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Im Januar 1945 wurde er mit seiner Division nach Ungarn verlegt. Am 15. Januar 1945 erhielt er von Generaloberst Kurt Student, OB der Heeresgruppe H folgende Beurteilung: "Kein Urteil in Folge Kürze der Unterstellungszeit." Am 23. Januar 1945 erhielt er noch folgende Ergänzung von Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt, OB West: "Mit Beurteilung vom 20. Dezember 1944 einverstanden." In Ungarn wurde seine Division bis April 1945 fast vollständig vernichtet. Generalleutnant Reichert wurde am 14. April 1945 bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt und in die Führerreserve OKH versetzt. Die Führung über seine 711. Infanterie-Division übernahm Oberst Bernhard-Georg von Watzdorf. Bei Kriegsende geriet er am 8. Mai 1945 in amerikanische Gefangenschaft. Aus dieser wurde er am 15. Juli 1947 wieder entlassen. 

 

Ritterkreuz (29. Dezember 1944)

 

Literatur und Quellen:

Krug, Ottomar Deutsche Generale 1918-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/10851 Ple-Sac
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. Mai 1933
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. April 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938

Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
Gerhard von Seemen: Die Ritterkreuzträger 1939-1945, Podzun-Verlag, Friedberg 1976