44. Infanterie-Division

 

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1. Einsatz und Unterstellung:

Die 44. Infanterie-Division wurde am 1. April 1938 in Wien, im Wehrkreis XVII, aufgestellt. Nach der Mobilmachung Ende August 1939 wurde die Division in die Nord-Slowakei verlegt und stieß am 1. September 1939 aus dem Raum nördlich von Friedeck über die polnische Grenze bei Auschwitz vor in Richtung auf Krakau, das am 7. September genommen werden konnte. Der weitere Vormarsch führte die Division über Tarnow und Rszeszow zu San bei Jaroslaw, wo die Division auf Lemberg und Tomaszow eindrehte. Nach Beendigung des Polenfeldzuges kehrte die Division in ihre Heimatstandorte zurück, bis sie im Dezember 1939 in den Raum Einbeck als OKH-Reserve verlegt wurde. Zu Beginn des Westfeldzuges verblieb die Division in der Reserve und wurde der 6. Armee über Luxemburg, Belgien und Nordfrankreich bis in den Somme-Brückenkopf nachgeführt. Zu Beginn der zweiten Feldzugphase, der "Schlacht um Frankreich", überquerte die Division die Somme, dann die Oise und Ourcq und stürmte bis zur Pariser Schutzstellung. Anschließend überquerte die Division die Marne und die Seine östlich von Paris und marschierte anschließend in den Raum La Roche - Posay. Hier stand die Division beim Waffenstillstand. Anschließend wurde sie zum Küstenschutz an der Kanal- und Atlantikküste eingesetzt und bereitete sich dabei auf die geplante Landung in England teil. Im September 1940 wurde ein Drittel der Division an die 137. Infanterie-Division abgegeben und anschließend wieder ersetzt. Im April 1941 wurde die Division in das Generalgouvernement verlegt. Ab dem 22. Juni 1941 nahm die Division am Rußlandfeldzug teil und überschritt die Division bei Cholm die Grenze. Sie überquerte den Bug und den Styr, durchbrach die Stalin-Linie im Raum Zwiahel, drang nördlich an Shitomir vorbei und marschierte dann in Richtung Kiew. Nach der Kesselschlacht von Kiew stieß die Division über Jagotin südlich an Belgorod vorbei bis nach Charkow und zum oberen Donez in den Raum Tschugujew. Hier verbachte die Division die folgenden Monate während der schweren Abwehrkämpfe des Winters 1941/42. Ab Mai 1942 stand die Division in mehreren Abschnitten dieses Frontteils, u.a. bei Bairak, vor Charkow, bei Woltschansk, bei Kupjansk und bei Petrowsky am Burlak. Bei Beginn der Sommeroffensive Richtung Stalingrad 1942 wurde die Division der 6. Armee zugeteilt. Im November 1942 kämpfte die Division an der Donflanke nordwestlich von Kalatsch und konnte mithilfe eines gut ausgebauten Stellungssystems die Angriffe der 65. sowjetischen Armee überstehen. Nach der Einkesselung der 6. Armee war auch die 44. Infanterie-Division von der Landversorgung abgeschnitten und musste über den Luftweg versorgt werden. Am 19. November 1942 befahl die Heeresgruppe Süd die Einstellung aller Angriffsoperationen.Im Januar 1943 befand sich die Division in den Schlußgefechten um den Flugplatz Pitomnik bei Stalingrad. Die Masse der Division wurde in Stalingrad vernichtet. Teile der Division, die nicht in Stalingrad eingekesselt wurden, kämpften derweil in der Kalmückensteppe zwischen Don und Donez.

Ab dem 17. Februar 1943 wurde die 44. Infanterie-Division neu aufgestellt. Hierzu wurden die nicht in Stalingrad vernichteten Teile sowie die verstärkten Grenadier-Regimenter 887 und 888 herangezogen. Am 1. Juni 1943 wurde die Division zur (44.) Reichsgrenadier-Division Hoch- und Deutschmeister umbenannt.

 

1939

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
September XVII 14. Armee Süd Krakau-Lemberg
Dezember OKH-Reserve     Einbeck

1940

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
Januar OKH-Reserve 6. Armee B Einbeck
Juni XXXX 7. Armee B Frankreich
Juli XXXI 7. Armee B Frankreich
September XXXI 7. Armee C Frankreich
November VI 7. Armee D Frankreich

1941

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
Januar VI 7. Armee D Frankreich
März LIX 7. Armee D Frankreich
April XVII 17. Armee B Generalgouvernement
Mai XVII 6. Armee A Generalgouvernement
Juni XVII 6. Armee Süd Generalgouvernement
Juli XXIX 6. Armee Süd Shitomir
August LV 6. Armee Süd Kiew
September XVII 6. Armee Süd Kiew
Oktober LI 6. Armee Süd Charkow
November LV 6. Armee Süd Charkow

1942

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
Januar LI 6. Armee Süd Charkow
August LI 6. Armee B Stalingrad
September XI 6. Armee B Stalingrad
Dezember VIII 6. Armee Don Stalingrad

1943

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
Januar VIII 6. Armee Don Stalingrad

nach der Wiederaufstellung:

1943

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
April in Aufstellung 15. Armee D Belgien

*Hinweis: Die Unterstellungen sind jeweils ab dem genannten Datum/Zeitraum gültig.

 

2. Divisionskommandeure:

Generalleutnant Albrecht Schubert 1. April 1938 - 1. Oktober 1939

Generalleutnant Friedrich Siebert 1. Oktober 1939 - 2. Mai 1942

Generalleutnant Heinrich Deboi 2. Mai 1942 - 29. Januar 1943

nach der Wiederaufstellung:

Generalleutnant Dr. Franz Beyer 1. März 1943 - Umbenennung

 

1. Generalstabsoffizier:

Oberstleutnant i.G. Paul Reinhold Herrmann 1. April 1938 - 7. Dezember 1939

Oberstleutnant i.G. Hans Doerr 8. Dezember 1939 - 20. September 1940

Major i.G. Siegmund Freiherr von Imhoff 21. September 1940 - August 1941

Major i.G. Kurt Radtke August 1941 - Januar 1943

 

3. Gliederung:

44. Infanteriedivision (10. November 1938):

Infanterie-Regiment 131 (Stab, I., III., I. Erg., II. Erg.)

Infanterie-Regiment 132 (Stab, I.-III., I. Erg., II. Erg.)

Infanterie-Regiment 134 (Stab, I.-III., I. Erg., II. Erg., III. Erg.)

Artillerie-Regiment 96 (Stab, I.-II.)

Artillerie-Regiment 97 (I.)

Artillerie-Regiment 109 (Stab, I.-III.)

Beobachtungs-Abteilung 44

Panzerabwehr-Abteilung 46

Pionier-Bataillon 80

Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 64

 

44. Infanteriedivision (September 1939):

Infanterie-Regiment 131 (Stab, I.-III.)

Infanterie-Regiment 132 (Stab, I.-III.)

Infanterie-Regiment 134 (Stab, I.-III.)

Artillerie-Regiment 96 (Stab, I.-III.) (III. erst ab Mitte September 1939)

Artillerie-Regiment 97 (I.)

Beobachtungs-Abteilung 44

Feldersatz-Bataillon 44

Aufklärungs-Abteilung 44

Panzerabwehr-Abteilung 46

Pionier-Bataillon 80

Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 64

Infanterie-Divisions-Nachschubführer 44

 

4. Ersatz:

Die Ersatzgestellung des Divisionsstabes ist unbekannt.

 

5. Literatur und Quellen:

Anton Schimak/Karl Lamprecht/Friedrich Dettmer: Die 44. Infanterie-Division. Tagebuch der Hoch- und Deutschmeister, Austria Press, Wien 1969


Dettmer/Jaus/Tolkmitt: Die 44. Infanterie-Division / Reichsgrenadier-Division Hoch und Deutschmeister 1938 - 1945 (Bildband), Podzun-Pallas-Verlag, Friedberg 1979


Friedrich Dettmer: Ergänzungen zur Geschichte der 44. Infanterie-Division / Reichs-Grenadier-Division "Hoch- und Deutschmeister" Teil 1: Gefechtsbericht über die Kesselschlacht um Kiew 20.9.1941 - 29.9.1941, 1982

 

Lamprecht/Jaus/Dettmer: Ergänzungen zur Divisionsgeschichte Teil 2: Verlustliste 1939 - 1945 Inf.Rgt./Gren.Rgt. 131, Ainring 1975

 

Friedrich Dettmer: Ergänzungen zur Divisionsgeschichte Teil 3: Stellenbesetzungen I.R. - G.R. 131 von 1938 bis 1945, Sankt Augustin 1987


Friedrich Dettmer: Ergänzungen zur Divisionsgeschichte Teil 4: Stellenbesetzungen von Einheiten der 44. Inf.Div. / Reichsgrenadier-Division "Hoch- und Deutschmeister" 1939 - 1945, Sankt Augustin 1987

 

Friedrich Dettmer: Stalingrad - Ein Rückblick nach 60 Jahren (44. ID), Kienesberger, Nürnberg 2003

 

Manfred Schick: Monte Cassino - Ein Rückblick nach 60 Jahren; Die 44. Infanterie-Division "Hoch- und Deutschmeister" im Abwehrkampf, Kienesberger, Nürnberg 2004

 

Hermann Agis: Das Ende am Plattensee - Die Hoch- und Deutschmeister im Endkampf, Kienesberger, Nürnberg 2006


Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945, Band 5: Die Landstreitkräfte. Nr. 31–70. 2. Auflage, Osnabrück 1977


Werner Haupt: Die deutschen Infanterie-Divisionen, 3 Bände, Podzun-Verlag


Schematische Kriegsgliederungen 1939 - 1945 BA/MA RH 2/348 bis RH 2/355; RH 2/356K und R 2/769
Kriegstagebücher und sonstige Unterlagen BA/MA RH 26-44/
Kriegsgliederungen der 6. Armee RH 20-6/
Kriegsgliederungen der 7. Armee RH 20-7/