Ruff, Siegfried Adolf Hubert Paul

 

* 20. Februar 1895, Kunersdorf, Kreis Beeskow-Storkow in Brandenburg (heute Ortsteil von Rietz-Neuendorf)

† 3. Februar 1946, Riga (hingerichtet)

 

 

Siegfried Ruff war der Sohn des Gutsverwalters Paul Ruff und dessen Frau Martha, geborene Moser. Am 22. März 1913 wurde er nach seiner Kadettenausbildung mit dem Charakter als Fähnrich in die Königlich Preußische Armee überwiesen. Er kam dabei in das 2. Posensche Feldartillerie-Regiment Nr. 56 in Lissa in Posen. Bei diesem Regiment wurde er am 18. Oktober 1913 zum Oberfähnrich befördert. Ab August 1914 nahm er mit seinem Regiment am Ersten Weltkrieg teil. Am 6. August 1914 wurde er dort zum Leutnant befördert. Sein Patent wurde dabei auf den 2. September 1914 datiert. Am 21. Februar 1916 wurde er als Ordonanzoffizier zur I. Abteilung vom 1. Hannoversches Feldartillerie-Regiment von Scharnhorst Nr. 10 versetzt. Am 1. Mai 1916 wurde er bei diesem zum Abteilungsadjutant ernannt. Ab dem 14. Februar 1917 wurde er als stellvertretender Batterieführer eingesetzt. Am 29. Juli 1917 wurde er dann wieder Abteilungsadjutant im 1. Hannoversches Feldartillerie-Regiment von Scharnhorst Nr. 10. Am 19. Dezember 1918 wurde er Adjutant beim Artilleriekommandeur der 10. Reserve-Division in Westpreußen. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde er im Sommer 1919 in das vorläufige Reichsheer übernommen. Bei der Bildung des 200.000 Mann Übergangs-Heeres der Reichswehr Mitte Mai 1920 wurde als Ordonanzoffizier im leichten Reichswehr-Artillerie-Regiment 5 der Reichswehr-Brigade 5 in Glogau eingesetzt. Bei der Bildung des 100.000 Mann Heeres der Reichswehr am 1. Oktober 1920 wurde er in das 3. (Preußisches) Artillerie-Regiment übernommen. Zuerst wurde er bei der III. Abteilung in Jüterbog als Batterieoffizier eingesetzt. Am 17. April 1922 hat er Mathilde Niehoff, Tochter eines Rittergutsbesitzers, geheiratet. 1922 wurde sein Rangdienstalter als Leutnant auf den 2. September 1914 festgelegt. Am 17. April 1922 heiratete er Mathilde Niehoff. Ab dem 1. Oktober 1922 wurde er als Abteilungs-Adjutant bei der III. Abteilung vom 3. (Preußisches) Artillerie-Regiment in Jüterbog eingesetzt. Am 1. Mai 1924 wurde er als solcher zum Oberleutnant befördert. Sein Rangdienstalter wurde später auf den 1. April 1924 festgelegt. Vom 9. Oktober 1924 bis zum 19. November 1924 besuchte er einen Fahrlehrgang. Ab 1925 gehörte er mehrere Jahre als Batterieoffizier zur 7. Batterie vom 3. (Preußisches) Artillerie-Regiment in Jüterbog. Am 25. Februar 1927 absolvierte er seine Wehrkreisprüfung. Vom 29. November 1927 bis zum 9. Dezember 1927 besuchte er einen Lehrgang im Gasschutz-Dienst. Bei der 7. Batterie seines Regiments wurde er am 1. Februar 1929 auch zum Hauptmann befördert. Als solcher wurde er dann am 1. Oktober 1930 als Nachfolger von Hauptmann Werner Holzhausen zum Chef der 5. Batterie vom 3. (Preußisches) Artillerie-Regiment in Frankfurt an der Oder ernannt. Ab dem 1. Oktober 1933 wurde er dann als Regimentsadjutant bei seinem 3. (Preußisches) Artillerie-Regiment ebenfalls in Frankfurt an der Oder eingesetzt. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 1. Oktober 1934 zum Kommandeur der I. Abteilung vom Artillerie-Regiment Frankfurt/Oder ernannt. Er wohnte privat am Prinzenufer 7 in Frankfurt an der Oder mit der Telefonnummer 4138. Vom 28. Januar 1935 bis zum 8. Februar 1935 besuchte er einen Lehrgang für Unterweisung der Stabsoffiziere. Am 1. Juni 1935 wurde er zum Major befördert. Am 15. Oktober 1935 wurde er nach der Enttarnung der Verbände als Kommandeur der I. Abteilung beim Artillerie-Regiment 3 in Crossen an der Oder eingesetzt. Am 1. Februar 1938 folgte seine Beförderung zum Oberstleutnant. Am 10. November 1938 folgte seine Ernennung zum Kommandeur der neuen Grenz-Artillerie-Abteilung 101 auf dem Truppenübungsplatz Jüterbog. Nach der Aufstellung verlegte er mit seiner Abteilung auf den Truppenübungsplatz Tiborlager. Ab dem 1. Juni 1939 fungierte er als Adjutant im Generalstab des Generalkommando der Grenztruppen Oberrhein am Oberrhein. Mit dem Generalkomando nahm er ab September 1939 auch am Zweiten Weltkrieg teil. Durch die Umbenennung des Stabes wurde er ab Mitte September 1939 dann als Adjutant im Generalstab des Generalkommando XXV. Armeekorps eingesetzt. Am 6. Februar 1940 wurde er dann erster Kommandeur vom neuen Artillerie-Regiment 291, welches zu diesem Zeitpunkt auf dem Truppenübungsplatz Arys aufgestellt wurde. Er führte sein Regiment im Mai und Juni 1940 im Westfeldzug gegen Frankreich. Danach trug er bereits beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen. Zum Sommerbeginn 1941 führte er sein Regiment im Verband der 291. Infanterie-Division im Ostfeldzug gegen die Sowjetunion. Am 1. Januar 1941 wurde er zum Oberst befördert. Am 26. Dezember 1941 wurde er mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Am 4. Januar 1942 wurde Siegfried Ruff in die Führerreserve versetzt. Am 21. Februar 1942 wurde er zum Kommandeur vom Artillerie-Regiment 305 ernannt. Das Regiment lag zu diesem Zeitpunkt noch als Besatzungstruppe in der Bretagne und bereitete sich auf seinen Einsatz an der Ostfront vor. Am 22. Februar 1942 erhielt er folgende Beurteilung von Generalleutnant Kurt Herzog, Kdr. der 291. Infanterie-Division: "Ausgeglichene Persönlichkeit mit vortrefflichen charakterlichen Anlagen. Vorbildlich, über dem Durchschnitt stehender Regimentskommandeur und Truppenführer. Ausgezeichneter Erzieher seines Offizierskorps. Im Einsatz besonders bewährt. Deutsches Kreuz in Gold. Bewertung: Füllt sehr gut aus. Empfehlung: Zum Divisionskommandeur voll geeignet." Am 20. April 1942 hat er den 1. April 1940 als neues Rangdienstalter erhalten. Ab Mai 1942 kämpfte das Regiment im Raum Charkow. Am 3. Mai 1942 wurde er in die Führerreserve vom OKH versetzt. Dabei wurde er dem Wehrkreis V zur Verfügung gestellt. Bereits nach wenigen Tagen wurde er zur Verfügung vom Wehrkreis III gestellt. Am 25. September 1942 wurde er mit der Führung der neuen Division Nr. 401 in Königsberg beauftragt. Am 1. Dezember 1942 wurde er zum Generalmajor befördert. Damit wurde er auch gleichzeitig zum Kommandeur der Division Nr. 401 ernannt. Am 20. März 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General der Artillerie Albert Wodrig, KG vom Stellv. Generalkommando I. Armeekorps: "Besonders energische Führerpersönlichkeit. Gesundheit nicht sher fest. Empfehlung: Kommandeur einer Felddivision." Am 10. März 1944 erhielt er folgende Beurteilung von General der Artillerie Albert Wodrig, KG vom Stellv. Generalkommando I. Armeekorps: "Vornehmer, gefestigter Charakter. Gute gesitige Veranlagung. Nationalsozialist. Im Felde (Osten) als Artillerie-Regiments-Kommandeur besonders bewährt. Sehr gute artilleristische, ausreichende infanteristische Kenntnisse. Guter Ausbilder, ausgezeichneter Erzieher des Offizierskorps. Füllt seine Stelle sehr gut aus. Schwache Gesundheit (chronisches Leiden) Bewertung: Guter Durchschnitt. Empfehlung: Belassung." Am 1. April 1944 wurde er zum Kommandanten von Riga ernannt. Damit wurde er Kommandant der Feldkommandatur 196 (FK 196), bzw. der Wehrmachtortskommandantur Riga. Am 11. Mai 1944 ergänzte Generaloberst Friedrich Fromm, Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres, zur letzten Beurteilung: "Einverstanden!" Am 6. August 1944 erhielt er folgende Beurteilung von Generalleutnant Friedrich-Wilhelm John, Kommandant des Sicherungsgebietes West-Lettland: "In der Zeit vom 1. April 1944 bis jetzt Wehrmachts-Ortskommandant von Riga. Hat sich auch in dieser Stelle durchaus bewährt." Am 29. August 1944 ergänzte dazu General der Panzertruppe Werner Kempf, Wehrmachtsbefehlshaber Ostland: "Sehr tätig und passioniert. Hat seine Stelle als Wehrmachts-Ortskommandant in Riga unter recht schwierigen Verhältnissen bisher gut ausgefüllt." Am 18. Oktober 1944 wurde er nach der Verlegung seines Stabes nach Riga auch zum Festungskommandant von Windau ernannt, zu seinem ständigen Vertreter wurde Oberst Klobe bestimmt, Kdr. Ost-Regiment-Stab z.b.V. 753. Er wurde dabei dem Befehlshaber Nordkurland (XXXXIII. Armeekorps) unterstellt. Nur wenige Tage später erkrankte er am 23. Oktober 1944 mit seinem Ischiasleiden schwer und wurde durch Oberst Martin Berg, Kommandeur der 207. Sicherungs-Division vertreten. Anfänglich wurde eine Krankheitsdauer von 4 Wochen prognostiziert. Am 4. Dezember 1944 wurde eine längere Behandlung mit der Dauer mehrere Monate als notwendig erachtet. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Heimat. Am 10. Dezember 1944 wurde er daher erneut in die Führerreserve versetzt und dort dem Wehrkreis III zur Verfügung gestellt. Seine Privatanschrift war die Scharnhorststraße 16 in Crossen an der Oder mit der Telefonnummer 559. An diesem 10. Dezember 1944 erhielt er folgende Beurteilung von General der Gebirgstruppe Kurt Versock, KG vom XXXXIII. Armeekorps: "Ging mit Tatkraft und Sachkenntnis an seine Aufgabe heran, konnte sich aber infolge seiner Erkrankung nicht auswirken. Abschließendes Urteil nicht möglich." Am 14. Dezember 1944 ergänzte dazu General der Infanterie Carl Hilpert, Führer der 16. Armee: "Tatkräftig, dabei sehr überlegte Persönlichkeit. Hat als Kampfkommandant von Riga und Windau sich als Organisator und in der Handhabung der Disziplin voll bewährt. Bei voller Wiederherstellung der Gesundheit als Kommandeur einer Sicherungs-Division geeignet." Am 16. Dezember 1944 erhielt er folgende Beurteilung von Generaloberst Ferdinand Schörner, OB der Heeresgruppe Nord: "Mit der sehr guten Beurteilung durch General der Infanterie Hilpert einverstanden. General Ruff hat die Stelle als Kampfkommandant von Riga und Windau sehr gut ausgefüllt und ist nach Wiederherstellung seiner Gesundheit voll geeignet eine Sicherungs-Division zu führen." Am 4. Januar 1945 sollte er zum Chef des Wehrmacht-Kraftfahr-Wesens (WKW) beim Oberkommando der Wehrmacht (OKW) für eine Sonderaufgabe kommandiert werden, was aber nicht wirksam wurde. Am 15. Januar 1945 trat er eine zweiwöchige Kur im Reservelazarett Bad Elster an. Am 30. Januar 1945 wurde er zum Kommandeur der neuen Division z.b.V. 609 ernannt. Dem Divisionsstab unterstanden die Festungstruppen von Breslau. Am 11. April 1945 erhielt er folgende Beurteilung von General Niehoff, Festungskommandant Breslau: "Kampferprobter Divisionskommandeur mit ausgeprägten Führereigenschaften. Klar im Denken und Handeln, sicher im Führen in Krisenlagen. Wiederholt bewährt. Bewertung: Füllt sehr gut aus. Empfehlung: Eignung zum Divisionskommandeur." Dazu ergänzte General der Infanterie Wilhelm Hasse, Führer der 17. Armee: "Vorzugsweise Beförderung zum Generalleutnant befürwortet." Dazu ergänzte Generaloberst Ferdinand Schörner, OB der Heeresgruppe Mitte: "Befürwortet." Am 20. April 1945 folgte seine Beförderung zum Generalleutnant. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. März 1945 festgelegt. Am 6. Mai 1945 wurde Generalleutnant Ruff in Breslau von der Roten Armee gefangen genommen und ins NKWD-Lager Nr. 27 in Krasnogorsk verlegt. Am 26. Januar 1946 wurde er durch das Militärtribunal Baltikum wegen Kriegsverbrechen als Kommandant von Riga angeklagt und am 3. Februar 1946 gemeinsam mit 9 anderen Angeklagten zum Tode durch Erhängen verurteilt. Er wurde noch am Nachmittag des selben Tages gemeinsam mit SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS und der Polizei Friedrich Jeckeln, Generalleutnant Albrecht Baron Digeon von Monteton, Generalmajor Friedrich Werther, Generalmajor Bronislaw Pawel, Generalmajor Hans Paul Küpper, SA-Standartenführer Alexander Boecking in Riga vor Tausenden Zuschauern hingerichtet. Der ebenfalls zum Tod durch den Strang verurteilte Generalleutnant Wolfgang von Ditfurth wurde nicht mit gehängt, sondern starb wenige Wochen später eines natürlichen Todes. Generalleutnant Ruff wurde auf dem Zentralfiedhof in Lüneburg bestattet. 

 

Literatur und Quellen:
BArch, MSG 109/10853: Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867-1945
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich  Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. Mai 1933
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. April 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938
Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955 
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
Horst Scheibert: Die Träger des Deutschen Kreuzes in Gold und Silber, 2 Bände, Verlag Podzun-Pallas, 1983 und 1990
NARA Akte T-78 R-892