Seelig, Oskar Fritz Emil
| * 4. November 1892, Recklinghausen † 28. August 1944, Galatz (Rumänien) vermisst |
BArch Pers 6/1816 im Jahr 1936 als Major |
Oskar Seelig war der Sohn vom Direktor der Kreissparkasse Oskar Seelig und dessen Ehefrau Emilie, geborene Henrich. Er trat nach seinem Abitur am Humanistischen Gymnasium in Dorsten am 1. Oktober 1913 als Einjährig Freiwilliger in die Königlich Preußische Armee ein. Er kam dabei zur 3. Kompanie vom Garde-Pionier-Bataillon nach Berlin. Bei diesem wurde er am 1. April 1913 zum überzähligen Gefreiten befördert. Es folgte am 1. Juli 1914 seine Beförderung zum überzähligen Unteroffizier. Als solcher rückte er bei Kriegsbeginn Anfang August 1914 mit dem aktiven Bataillon an die Front. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde ihm am 5. Februar 1915 verliehen. Er erlitt am 16. Mai 1915 einen leichten Knöchelbruch am rechten Fuß. Deswegen wurde er am 17. Mai 1915 in das Feldlazarett Jaroslau eingeliefert. Zwei Tage später wurde er in das Reservelazarett Bielitz verlegt. Am 6. Juni 1915 wurde er zum Vizefeldwebel befördert. Vom 9. Juni 1915 bis zum 19. Juni 1915 wurde er noch im Stadtschützenhaus vom Reservelazarett Halle behandelt. Nur wenige Tage später wurde er am 21. Juni 1915 zum 2. Rheinisches Pionier-Bataillon Nr. 27 versetzt. Dort wurde er am 10. August 1915 zum Offizier-Stellvertreter befördert. Er entschied sich jetzt für die Offizierslaufbahn und wurde dabei am 3. September 1915 in die Reife der Fahnenjunker des Ersatz-Bataillons überführt. Im Oktober 1915 wurde er in die 5. Feldkompanie vom 2. Rheinisches Pionier-Bataillon Nr. 27 versetzt. Dort wurde er am 20. November 1915 zum Fähnrich befördert. Am 21. Februar 1916 wurde er zum Leutnant befördert. Sein Patent wurde später auf den 21. Mai 1914 datiert. Am 11. Mai 1916 wurde er in die 4. Feldkompanie vom 2. Rheinisches Pionier-Bataillon Nr. 27 versetzt. Vom 4. November 1917 bis zum 15. Dezember 1917 wurde er zum 4. Lehrgang der Pionierschule I kommandiert. Vom 21. Februar 1918 bis zum August 1918 wurde er zum Landwehr-Infanterie-Regiment 328 kommandiert. Danach wurde er zum MG-Kursus der 1. Armee kommandiert. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde ihm am 5. Oktober 1918 verliehen. Ende Oktober 1918 wurde er zum Armee-Flugpark 3 versetzt. Am 1. Dezember 1918 wurde er von der Inspektion der Fliegertruppe zum Pionier-Ersatz-Bataillon Nr. 27 versetzt. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm beide Eisernen Kreuze verliehen. Nach dem 1. Weltkrieg wurde er vom 15. Dezember 1918 bis zum 11. Februar 1919 zum 2. Rheinisches Pionier-Bataillon Nr. 27 nach Hasselbach kommandiert. Zum 11. Februar 1919 trat er gemäß Verfügung der Generalinspektion vom 15. Februar 1919 zum Freiwilligen-Regiment Reinhardt über. Mit diesem nahm er vom 3. März 1919 bis zum 16. März 1919 an der Unterdrückung von Unruhen in Berlin teil. Am 13. Februar 1919 wurde er beim mobilen 2. Garde-Regiment zu Fuß eingestellt. Er wurde im Frühjahr 1919 in das vorläufige Reichsheer übernommen. Er wurde am 24. April 1919 zum Reichswehr-Pionier-Bataillon 15 versetzt. Bei diesem wurde er am 13. Juni 1919 zur 1. Kompanie versetzt. Ab dem 16. Juni 1919 wurde er zur Militär-Turnanstalt kommandiert. Am 25. Oktober 1919 wurde er zum Reichswehr-Pionier-Bataillon 315 versetzt. Vom 12. Januar 1920 bis zum 16. Mai 1920 wurde er zur Abteilung Sport der Reichswehr-Brigade 15 kommandiert. Bei der Bildung des 200.000 Mann-Heeres der Reichswehr Mitte Mai 1920 gehörte er zur Eisenbahn-Kompanie der Reichswehr-Brigade 3 unter Beibehalt seines Kommandos als Sportoffizier zum Wehrkreiskommando III in Berlin. Im Zuge der weiteren Verkleinerung des Heeres schied er zum 31. Dezember 1920 aus dem aktiven Dienst aus.
Er wurde dafür bereits am 23. Oktober 1920 als Oberleutnant in die Schutzpolizei übernommen. Er heiratete am 13. Mai 1921 die sechseinhalb Jahre jüngere Ilse Bertha Ulrike Bombach, Tochter vom Landschaftsmaler Franz Wilhelm Bombach, in Berlin. Sein ältester Sohn Konrad Seelig wurde am 4. April 1923 in Berlin geboren. Zum 1. Mai 1923 wurde er zum Hauptmann der Polizei befördert. Er wohnte privat spätestens ab 1925 bis mindestens 1932 in der 1. Etage der Belle-Alliance-Straße 103 in Berlin SW 61. Sein jüngster Sohn Wolfgang Seelig wurde am 27. Juli 1927 ebenfalls in Berlin geboren. Seine Mutter starb am 21. Oktober 1930. Telefonisch war er 1932 über die Telefonnummer F5 Bergmann 5009 erreichbar. Im März 1933 erwarb er das Reichssportabzeichen in Gold. Am 1. Oktober 1933 wurde er in die Landespolizei übernommen. Am 21. Juli 1934 wurde er mit Wirkung vom 1. Juli 1934 zum Major der Landespolizei befördert. Seine Vereidigung auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erfolgte am 25. August 1934. 1935 wohnte er privat in der Novastraße 4 in Breslau XVI. Am 16. März 1936 wurde er als Major in die Wehrmacht übernommen. Dort wurde er als Soldat auf den Führer neu vereidigt und als Kommandeur vom Pionier-Bataillon 36 eingeteilt. Am 20. April 1936 wurde er mit Wirkung vom 1. Mai 1936 zur Pionierschule II kommandiert. Am 18. Mai 1936 wurde ihm ein Rangdienstalter vom 1. Oktober 1934 (2a) verliehen. Vom 26. August 1936 bis zum 1. September 1936 wurde er zur Schulübung vom Generalkommando III. Armeekorps kommandiert. Vom 14. September 1936 bis zum 18. September 1936 wurde er zu den Herbstübungen der 1. Panzer-Division kommandiert. Am 16. Oktober 1936 wurde er vom 4. November 1936 bis zum 14. November 1936 zum Lehrgang 29 für Pionier-Lehrer der Kriegsschulen und Kriegsakademien kommandiert. Am 29. Januar 1937 wurde er als Vertreter des zu einer Kur beurlaubten Kommandeurs, Major Dr. Ing. Werner Kennes, vom 1. Februar 1937 bis zum 10. März 1937 zum Pionier-Bataillon 23 kommandiert. Am 4. März 1937 reichte Generalleutnant Ernst Busch, Kdr. der 23. Infanterie-Division, beim III. Armeekorps einen Antrag auf Verlängerung ein, weil die Kur bis Ostern verlängert werden sollte. Dieses reichte den Antrag am 6. März 1937 weiter zum Heeres-Personalamt (HPA) vom Oberkommando des Heeres (OKH). Dieses Kommando wurde am 10. März 1937 bis zum 31. März 1937 verlängert. Am 31. März 1937 erhielt er folgende Beurteilung von Generalleutnant Ernst Busch, Kdr. der 23. Infanterie-Division: "Major Seelig hat für den erkrankten Kommandeur das Pionier-Bataillon 23 vom 1. Februar 1937 bis zum 31. März 1937 geführt. Seine persönlichen und häuslichen Verhältnisse sind mir nicht bekannt geworden. In seiner dienstlichen Tätigkeit hat Major Seelig die Aufgaben eines Kommandeurs voll erfüllt. Ich halte ihn zum Kommandeur eines Pionier-Bataillons für geeignet." Am 12. April 1937 schlug das III. Armeekorps vor, ihn anstelle von Major Dr. Werner Kennes zum Komamndeur vom Pionier-Bataillon 23 zu ernennen. Kurz danach wurde er am 20. April 1937 mit Wirkung vom 1. April 1937 (10) zum Oberstleutnant befördert. Als solcher wurde er am 12. Oktober 1937 zum Kommandeur vom Pionier-Bataillon 44 in Riesa ernannt. Er wohnte jetzt privat in der Donaumontstraße 3 in Riesa, wo er die Telefonnummer 745 hatte. Am 14. Dezember 1937 bat er den Kdr. vom Pionier-Bataillon 24, Oberstleutnant Konrad Sinz, als Vermittler zu einer Beschwerde tätig zu werden. Dieser gab am 17. Dezember 1937 an, die Befehle seinen von Vorgesetzten rechtmäßig erlassen wurden und daher die Vermittlung gescheitert. Daraufhin reichte er am 18. Dezember 1937 eine Beschwerde über den Kommandeur der Pioniere IV, Generalmajor Karl Sachs, beim Generalkomando IV. Armeekorps, ein. Hintergrund waren Transportbefehle und Befehle bzgl. Teilnahme an Gottesdiensten durch den Vorgesetzten. Die Beschwerde wurde am 29. Dezember 1937 von General der Infanterie Wilhelm List abgelehnt. Daraufhin reichte er am 6. Januar 1938 beim Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Werner Freiherr von Fritsch, eine weitere Beschwerde gegen den Beschwerdeentscheid ein. Diese wurde am 24. Februar 1938 durch Generaloberst Walther von Brauchitsch abgelehnt. Am 10. September 1938 erhielt er folgende Beurteilung von Generalmajor Karl Sachs, Kommandeur der Pioniere IV: "Körperliche Eignung: Mittelgroß, kräftig, sportlich gut durchgebildet; dienstfähig; Reitfertigkeit ausreichend. Wirtschaftliche Verhältnisse: Geordnet, lebt vom Gehalt. Allgemeines Urteil: Oberstleutnant Seelig hat sich in seine neue Stellung als Kommandeur des Korps-Pionier-Bataillon gut hineingefunden, nachdem er anfangs gewisse Schwierigkeiten, die in seiner Person liegen, zu überwinden hatte. Seelig ist ein fester Charakter mit sehr stark ausgeprägtem Eigenwillen der sich schwer beeinflussen läßt. Er neigt daher zur Starrköpfigkeit, die auch in einer Beschwerde über seinen Regimentskommandeur und über seinen Kommandierenden General Ausdruck fand. Nach abschlägigem Entscheid seiner Beschwerde und der damit verbundenen Belehrung durch den Kommandierenden General hat er sich wesentlich zu seinem Vorteil verändert. Er fügt sich jetzt willig in den ihm gestellten Rahmen ein. Militärisch leistet er Gutes, ist kurz und klar in seinen Anordnungen und versteht es, sein Bataillon auszubilden. Er hat Verständnis und Geschick in der taktischen Führung seines Bataillons gezeigt, wobei seine überlegene Reife hervorzuheben ist. Sein Offizierkorps hält er zur Pflege guter Kameradschaft an. Er füllt seine Stelle gut aus." Dazu ergänzte am 21. November 1938 General der Infanterie Viktor von Schwedler, KG vom IV. Armeekorps: "Oberstleutnant Seelig ist ein etwas eigenwilliger Charakter, der sich aber nach anfänglichen Schwierigkeiten den Verhältnissen angepasst hat. Sein Offizierkorps hat auf mich einen vorteilhaften Eindruck gemacht." Zu Beginn des 2. Weltkrieges führte er sein Pionier-Bataillon 44 im Spätsommer 1939 in den Polenfeldzug. Dafür wurde ihm im Oktober 1939 die Spange zum Eisernen Kreuz 2. Klasse verliehen. Mit seinem Bataillon verlegte er im Oktober 1939 an die Westfront. Am 16. März 1940 wurde er mit Wirkung vom 1. April 1940 (9) zum Oberst befördert. Als solcher wurde er am 23. April 1940 mit Wirkung vom 10. April 1940 zum Komamndeur vom Pionier-Regimentsstab z.b.V. 601 ernannt. Von seinem Vorgänger Oberst Wilhelm Petersen, neuer Pionierführer der Panzergruppe von Kleist, erhielt er am 12. April 1940 folgende Beurteilung: "Körperliche Eignung: Felddienstfähig. Sportlich trainiert und leistungsfähig. Persönlichkeitswerte: Gefestigte Persönlichkeit, einwandfreier Charakter, handelt sehr überlegt und durchdacht, manchmal etwas zu schematisch. Stets sehr korrekt. Bewährug vor dem Feind: Im Polenfeldzug bewährt. Dienstliche Leistung und Verwendungsmöglichkeit: Gutes taktisches und technisches Verständnis. Das Bataillon macht einen sehr frischen und straffen Eindruck. Er hat es stets in der Hand. Planmäßige, schematische Ausbildung liegt ihm nicht besonders. Füllt seine Stelle gut aus. Geeignet zum Pionier-Regiments-Kommandeur." Am 30. Juni 1940 ergänzte zur letzten Beurteilung General der Infanterie Viktor von Schwedler, KG vom IV. Armeekorps: "Für die Zeit vom 13. Juni 1940 bis zum 1. Juni 1940 nichts hinzuzufügen." Ihm war am 28. Mai 1940 die Spange zum Eisernen Kreuz 1. Klasse verliehen worden. Für die Zeit vom 29. Juli 1940 bis zum 13. November 1940 erhielt er am 3. Dezember 1941 folgende Beurteilung vom Generalleutnant Walter von Seydlitz-Kurzbach, Kdr. der 12. Infanterie-Division: "Als Regimentskommandeur bewährt. Sonst nichts hinzuzufügen." Für die Zeit vom 6. Januar 1941 bis zum 4. Mai 1941 erhielt er am 15. Mai 1941 folgende Beurteilung von Generalmajor Arno Jahr, Armee-Pionierführer der 17. Armee: "Verwendung als Leiter der Armee-Pionierschule. Ausbildungstätigkeit liegt ihm wenig. Sonst nichts hinzuzufügen." Am 2. Dezember 1941 wurde von der Gruppe von Schwedler ein Vorschlag zur Verleihung des KVK 1. Klasse für ihn eingereicht. In der Begründung hieß es: "Oberst Seelig hat sich als Kommandeur der der Gruppe unterstellten Pionier- und Baueinheiten große Verdienste erworben. Die Herrichtung der zerstörten Brücken und der im Spätherbst und Winter unergründlichen Wege war für den Vormarsch der Truppe und den Nachschub eine Lebensfrage. Unermüdlich tätig und mit nie erlahmender Energie hat er hier hervorragendes geschaffen. Als Pionierkommandeur hat er sich durch Erkundung für einen Sperreinsatz am 24. Juni 1941 in Gegend nordwestlich Rawa-Ruska und als Führer des Erkundungsstabes für den späteren Djnepr-Übergang vom 18. August 1941 bis 23. August 1941 auch im Feindfeuer bewährt. Besondere Führungsverdienste hat er nach Übernahme der Führung der zur Abwehr eines Angriffs der roten 11. Panzerdivision in die tiefe Korpsflanke gebildeten bisherigen Gruppe Schütze vom 11. August 1941 - 13. August 1941 erworben. Die Abwehrgruppe erzielte Geländegewinn und machte Gefangene. Oberst Seelig wurden an deutschen Kriegsauszeichnungen die Spange zum E.K.2.Kl. am 20.10.39 und die Spange zum E.K.1.Kl. am 28.5.40 verliehen." Am 4. April 1942 erhielt er folgende Beurteilung vom Befehlshaber der Gruppe von Schwedler, General der Infanterie Viktor von Schwedler: "Energischer Kommandeur. Hat gute taktische Ansichten und ausgezeichnetes technisches Verständnis. Hat sich als Führer gemischter Truppen voll bewährt. Sportlich trotz seines Alters sehr trainiert und leistungsfähig. Spange zum E.K. II. und I. Klasse. Bewertung: Füllt seine Stelle sehr gut aus. Empfehlung: Armee-Pionierführer." Am 8. Juni 1942 ergänzte er anläßlich seiner bevorstehnden Versetzung noch folgendes: "Bis 8.6.42 nichts hinzufügen." Am 15. Juli 1942 wurde er mit Wirkung vom 8. Juni 1942 zum Pionierführer vom Höheren Kommando z.b.V. XXXXV ernannt. Dieser Stab trug schon seit Mai 1942 die Bezeichnung Generalkommando LXXXIII. Armeekorps und befand sich in Mittelfrankreich. Vom 5. September 1942 bis zum 6. Dezember 1942 wurde er von der Armeegruppe Felber zum Festungspionierkommandeur XVIII kommandiert. Am 7. Dezember 1942 erhielt er folgende Beurteilung von Generalleutnant Ernst Otto, Festungs-Pionier-Kommandeur XVIII: "Oberst Seelig war vom 5. September 1942 bis zum 6. Dezember 1942 zum Stabe des Festungspionierkommandeurs XVIII kommandiert. Mit grossem Verständnis und klarer Auffassungsgabe hat er sich schnell und erfolgreich in die Aufgaben eines Festungspioniers eingearbeitet und konnte sich auf Grund seiner guten militärischen Kenntnisse als stellvertretender Führer von Festungspionierstäben für die Dauer der Beurlaubung der Kommandeure in nutzbringender Weise auswirken. Hervorzuheben ist, dass es ihm gerade in der Zeit der Erkundungen und Planungen gelungen ist, die gute Zusammenarbeit der taktischen Dienststellen mit den Festungspionierstäben herzustellen. Im Kameradenkreis war er gerne gesehen und beliebt." Am 24. März 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Hans Felber, Befehlshaber der Armeegruppe Felber: "Straffe, soldatische Persönlichkeit, tatkräftig, umsichtig und überlegt. Einwandfreie nationalsozialistische Haltung. Vor dem Feine bewährt. Gute Fachkenntnisse. Geistig und körperlich frisch und sehr leistungsfähig. Ausgesprochene, praktische Sportpassion. Zäh und ausdauernd. Starke Seiten: Soldatische Auffassung, zuverlässig. Schwache Seiten: Es fällt ihm nicht immer leicht, größere Verhältnisse schnell zu überblicken und die notwendige Wendigkeit aufzubringen. Bewertung: Guter Durchschnitt. Empfehlung: Armee-Pionierführer." Anscheinend fragte die Armeegruppe Felber Ende April 1943 nach einer geplanten anderweitigen Verwendung für Oberst Seelig an. Das HPA fragte am 3. Mai 1943 ob eine Ablösung des Offiziers gewünscht sei. Am 10. Juni 1943 wurde er mit Wirkung vom 12. Juni 1943 in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst sollte der Wehrkreis IV regeln. Diesem wurde aber auch gleich angekündigt, dass vom HPA in Bälde wieder über ihn verfügt werden sollte. Am 26. Juli 1943 wurde er in der Führerreserve OKH zur Heeresgruppe Süd zur Verwendung als Kommandeur eines Grenadier-Regiments kommandiert. Am 27. Juli 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Hans Felber, Befehlshaber der Armeegruppe Felber: "Straffe, soldatische Persönlichkeit, tatkräftig, umsichtig und überlegt. Einwandfreie nationalsozialistische Haltung. Vor dem Feine bewährt. Gute Fachkenntnisse. Geistig und körperlich frisch und sehr leistungsfähig. Ausgesprochene Sportpassion. Zäh und ausdauernd. Starke Seiten: Soldatische Auffassung, zuverlässig. Schwache Seiten: Es ist für ihn schwierig, größere Verhältnisse schnell zu überblicken und die notwendige Wendigkeit aufzubringen. Bewertung: Guter Durchschnitt auf seinem Fachgebiet. Empfehlung: Kommandeur eines Grenadier-Regiment nach Teilnahme an einem Regimentsführerlehrgang." Er wurde am 29. Juli 1943 im Raum Charkow für den am 27. Juli 1943 gefallenenen Oberstleutnant Richard Volmary zum Kommandeur vom Grenadier-Regiment 429 der 168. Infanterie-Division ernannt. Dabei soll er versagt haben. Er wurde daraufhin abgelöst und wieder in die Führerreserve der Heeresgruppe Süd versetzt. Der Kommandeur der 168. Infanterie-Division, Generalmajor Walter Chales de Beaulieu, berichtete dabei wie folgt: "Am 29. Juli 1943 ist Oberst Seelig für den gefallenen Oberstleutnant Volmary zum Kommandeur des Grenadier-Regiments 429 ernannt worden. Oberst Seelig, RDA 1.4.40 (9), ist ein bewährter, alter Pionieroffizier, dem durch diese Ernennung Gelegenheit zur Sammlung von Erfahrungen in der Führung der Infanterie gegeben werden sollte. Oberst Seelig hat sein Regiment unter den taktisch und personell schwierigsten Verhältnissen am 29.Juli 1943 übernommen. Für den vorübergehend erkrankten Oberst Dr. Friedrich Bingemer, Kdr. Gren.Rgt. 442, führte er seit einigen Tagen die Infanterie-Kampfgruppe der Division, die die gesamte noch vorhandene Infanterie umfasst. Hierbei sind bei ihm Ungeschicklichkeiten in Führung und Einsatz vorgekommen, die mich gestern veranlasst haben, ihn als Kampfgruppenführer abzulösen. Es fehlt ihm jede infanteristische Kampferfahrung. Oberst Seelig kam nach längerer Westverwendung in die schwierigen Rückzugskämpfe um Belgorod. Auch traten die grössten personellen Schwierigleiten für ihn hinzu. Kein Bataillonskommandeur war mehr in der Division vorhanden, da sämtliche ausgefallen sind. Kein erfahrener Adjutant ist mehr vorhanden, lediglich ganz junge Offiziere, die zwar guten Willen haben, aber angeleitet werden müssen. So ist das Versagen aus den Verhältnissen heraus für diesen ganz unerfahrenen Offizier zu erklären. Dies war eine Härte für ihn. Ich schlage daher vor, ihm an anderer Stelle unter für ihn günstigeren Verhältnissen erneut Gelegenheit zur Führung eines Grenadier-Regiments zu geben und seine baldige Versetzung herbeizuführen. Mein Vorschlag entspricht auch den Wünschen des Oberst Seelig." Anscheinend wurde er am 21. August 1943 abgelöst und am 22. August 1943 bei der Heeresgruppe Süd der 336. Infanterie-Division zur Verfügung gestellt. Er wurde daraufhin vom Chef des Generalstabes der Heeresgruppe Süd, Generalmajor Theodor Busse, zur Vertiefung seiner Kenntnisse am 23. August 1943 noch mit der Führung vom Grenadier-Regiment 685 der 336. Infanterie-Division beauftragt, welches damals an ruhiger Front lag. Am 1. September 1943 wurde er vom HPA mit Wirkung vom 3. September 1943 in die Führerreserve OKH versetzt und zur Verwendung als Feldkommandant zum Wehrmachtbefehlshaber Ukraine kommandiert,weswegen er nach Rowno in Marsch gesetzt werden sollte. Am 10. September 1943 wurde er mit Wirkung vom 1. Oktober 1943 (11) zum Generalmajor befördert. Die Kommandierung zum Wehrmachtbefehlshaber Ukraine wurde wegen der Verwendung als Kommandeur vom Grenadier-Regiment 685 am 6. Oktober 1943 für nicht wirksam erklärt. Stattdessen wurde er als Kampfkomamndant Genitschesk zur Verfügung gestellt. Am 6. Oktober 1943 erhielt er für seine Tätigkeit beim Gren-Rgt. 685 folgende Beurteilung von Generalmajor Wilhelm Kunze, Kdr. der 17. Infanterie-Division: "Festumrissene Persönlichkeit, einwandfreier Charakter, von vornehmer Gesinnung. Persönlich tapfer, überzeugter Nationalsozialist. Hat mitten in schweren Grosskämpfen ein durcheinander geratenes Grenadier-Regiment übernommen und es in kürzester Frist durch vorbildlichen persönlichen Einsatz und durch zweckmässige Massnahmen erreicht, dass das Regiment sich unter seiner Führung wieder ausgezeichnet geschlagen hat. Körperlich zäh. Starke Seiten: Nicht zu erschütternde Ruhe. Höchste Verantwortungsfreudigket. Bewertung: Über Durchschnitt. Empfehlung: Divisions-Kommandeur." Dazu ergänzte am 12. Oktober 1943 General der Panzertruppen Erich Brandenberger, KG vom XXIX. Armeekorps: "Einverstanden. Generalmajor Seelig besitzt die volle Eignung zum Divisions-Kommandeur." Als letzter ergänzte am 17. Oktober 1943 Generaloberst Karl-Adolf Hollidt, OB der 6. Armee: "E i n v e r s t a n d e n ." Er befand sich bereits seit dem 14. Oktober 1943 auf einem Erholungsurlaub in Riesa. Deswegen wurde seine Dienstregelung in der Führerreserve OKH mit Wirkung vom 23. Oktober 1943 zum Wehrkreis IV abgeändert. Am 25. Oktober 1943 meldete Generalleutnant Theodor Busse seine Bedenken, Generalmajor Seelig auf Grund einer kurzfristigen Bewährungsprobe die uneingeschränkte Eignung zum Divisionskommandeur zuzusprechen: "Es erscheint bedenklich ihm nunmehr auf Grund einer kurzfristigen Bewährungsprobe die uneingeschränkte Eignung zum Divisionskommandeur zuzusprechen.". Dazu ergänzte Generalleutnant Wilhelm Burgdorf, stellv. Leiter vom HPA: "Verwendung als Divisionskommandeur nicht vorgesehen. Als Pionier verbrauchen." Zum 1. Dezember 1943 wurde er zum Höherer Pionierführer z.b.V. 8 ernannt. Die Inmarschsetzung sollte über die Frontleitstelle Orscha erfolgen. Mit diesem Stab wurde er bei der Heeresgruppe Mitte eingesetzt. Am 3. Dezember 1943 meldete General der Pioniere Alfred Jacob, General der Pioniere und Festungen beim Chef des Generalstabes des Heeres, dem Oberst Menneking vom HPA: "Gegen die Verwendung des Generalmajor Seelig als Armee-Pionier-Führer habe ich nichts einzuwenden. Bevor ich jedoch die von Ihnen erbetene Stellungnahme abgeben kann, bitte ich um Angabe derjenigen Gründe, die den General Felber seiner Zeit veranlasst haben, mehrfach die anderweitige Verwendung des damaligen Oberst Seelig zu erbitten. Es ist mir bekannt, dass der General Felber die Leistungen des Oberst Seelig jederzeit voll anerkannt hat, andererseits aber trotz dieser guten Leistungen seine Ablösung nicht nur im Interesse des Fortkommens des General Seelig erbeten hat. Bei der Besetzung der Armee-Pionier-Führer-Stelle halte ich es für erforderlich, dass die vorgesehenen Offiziere nicht nur über gutes Können verfügen, sondern vor allem auch in ihrem Auftreten und ihrer Gesamthaltung und Einstellung zur Verwendung in einem höheren Stabe in besonderem Maße geeignet sind. Nachdem, was mir von den verschiedensten Persönlichkeiten berichtet wurde, scheint der General Seelig in dem letzteren Punkte gewisse Schwierigkeiten zu haben." Am 15. März 1944 erhielt er folgende Beurteilung von Generalmajor Fritz Schönfelder, Höherer Pionier-Kommandeur 2: "Da ich den Stab Höheres Pionier-Kommando 2 erst am 16. Februar 1944 übernommen habe, ist es mit noch nicht möglich, Generalmajor Seelig zu beurteilen. Der Stab Höherer Pionier-Führer z.b.V. 8 war unter seiner Führung vom 6. Januar 1944 bis zum 1. März 1944 im Bereich des Panzer-AOK 3 eingesetzt. Der OB der 3. Armee, Herr Generaloberst Reinhardt hat ihm für seine Tätigkeit folgendes Anerkennungsschreiben zugehen lassen: "Für die von Ihnen in der Zeit vom 6.1.-1.3.44 bei Erkundung und Ausbau der Tigerstellung im Bereich der 3. Panzerarmee geleistete Arbeit spreche ich Ihnen meine Anerkennung und meinen Dank aus." Weitere Unterlagen und Beurteilungen früherer Vorgesetzter liegen noch nicht vor. Generalmajor Seelig hat jetzt die Leitung der Erkundung und des Ausbaues der Biber-Planung in dem stark bandenverseuchten, zum Teil bandenbeherrschtem Gebiet westlich von Lepel übernommen. Er ist bemüht, der Schwierigkeiten Herr zu werden. Ein Urteil über Leistung und Erfolg ist noch nicht möglich. Bewertung: Nach bisherigen Eindruck: Durchschnitt. Empfehlung: Belassung in bisheriger Stellung." Am 25. März 1944 wurde er erneut in die Führerreserve OKH versetzt. Dabei wurde er gleichzeitig als Kommandant eins festen Platzes zur Heeresgruppe Süd kommandiert. Zur letzten Beurteilung ergänzte am 3. April 1944 Generalfeldmarschall Ernst Busch, OB der Heeresgruppe Mitte: "Mir nicht bekannt geworden." Am 3. Juli 1944 wurde er als Komamndant des festen Platzes Galatz zur Heeresgruppe Südukraine kommandiert. Am 7. Juli 1944 wurde er zum Stadtkommandant Galatz ernannt. Seit Ende August 1944 gilt er als vermisst. Am 31. Oktober 1944 erhielt er noch folgende Beurteilung von General der Infanterie Kuno-Hans von Both, Befehlshaber der Deutschen Truppen im rückwärtigen Operationsgebiet der Heeresgruppe Südukraine (Befehlshaber im Heeresgebiet Ungarn): "Hat mir vom 7. Juli 1944 bis 25. August 1944 unterstanden. Er war mir persönlich bekannt. Wegen Kürze der Unterstellung kann kein abschließendes Urteil abgegeben werden. Generalmajor Seelig hat den besten Eindruck auf mich gemacht. Lebhaft, entschlossen, willensstark, pflichtbewußt, schwierige Verhältnisse meisternd Vor dem Feinde bewährt, passionierter Offizier, selbständig und gewandt. Geistig und körperlich gut veranlagt. Bewertung: Durchschnitt." Seine Witwe starb am 12. Dezember 1967 in Neumarkt in der Oberpfalz.
Sein jüngerer Bruder war der am 24. April 1894 geborene Albert Seelig. Dieser wurde Ingenieur und lebte spätestens nach dem 1. Weltkrieg für viele Jahrzehnte in Essen.
Literatur und Quellen:
Krug, Ottomar Deutsche Generale 1918-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur
MSG 109/10853
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII.
(königlich Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII.
(bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938
Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte,
Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad
Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im
Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
Pers 6/300604
Pers 6/1816
Kriegsranglisten der Bayerischen Armee