Scheurlen, Ernst Friedrich Robert

 

* 5. Dezember 1894, Straßburg im Elsaß

† 8. April 1945, bei Groß Eilstorf (gefallen)

 

 

 

Ernst Scheurlen war der Sohn vom Stabsarzt und Bataillonsarzt des II. Bataillons vom 8. Württembergisches Infanterie-Regiment "Großherzog Friedrich von Baden" Nr. 126, Dr. med. Carl Paul Ernst Scheurlen und dessen Ehefrau Sophie, geborene von Möller. Er trat nach seinem Abitur am 1. April 1912 in die Kaiserliche Marine ein.Als Seekadett absolvierte er seine Grundausbildung an der Marineschule und ab Mai 1912 an Bord des Großen Kreuzers SMS "Victoria Louise". Mit dem Schiff ist er vom 10. August 1912 bis zum 10. März 1913 auf großer Fahrt. Von Wilhelmshaven führte die Fahrt anfangs nach Antwerpen, wo der belgische König das Schiff besuchte. Anschließend setzte das Schiff seine Fahrt nach Nordamerika und Westindien fort. Die Linie Dover-Calais wurde dabei auf der Ausfahrt am 19. August 1912 und auf der Heimfahrt am 5. März 1913 passiert. Vom 31. Oktober 1912 bis zum 8. November 1912 wurde Veracruz angelaufen, da politische Wirren in Mexiko den Schutz deutscher Staatsbürger erforderlich machten. Am 10. März 1913 endete die Reise in Kiel. Ab dem 11. März 1913 absolvierte er einen Offiziers-Lehrgang an der Marineschule, wo er am 12. April 1913 (X8x) zum Fähnrich zur See befördert wurde. Nach der Marineschule erhielt er noch weitere Spezialausbildungen. Kurz nach Beginn des 1. Weltkrieges wurde er am 12. August 1914 auf das reaktivierte Küstenpanzerschiff "Odin" versetzt. Nach einigen Verbandsübungen wurde dieses Schiff ab dem 15. September 1914 im Vorpostendienst auf der Jade-, Weser- und Elbmündung eingesetzt. Nachdem am 31. August 1915 das VI. Geschwader aufgelöst wurde, gehörte das Schiff zur Hafenflottille der Elbe, ohne dass sich am Aufgabenbereich etwas änderte. Am 22. März 1915 wurde er zum Leutnant zur See, vorläufig ohne Patent, befördert. Am 9. Januar 1916 wurde die inzwischen völlig veraltete Odin aus dem aktiven Einsatz herausgezogen und eine Woche später in Danzig außer Dienst gestellt. Daher wurde er am 17. Januar 1916 auf den schweren Kreuzer "von der Tann" versetzt, wo er als II. Wachoffizier verwendet wurde. Mit dem Schiff nahm er am 31. Mai 1916 und 1. Juni 1916 an der Skagerrakschlacht teil. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde ihm am 29. Juni 1916 verliehen. Nachdem sein Schiff wegen eines Turbinenschadens im Mai und Juni 1917 repariert werden mußte, wurde er am 13. Juni 1917 als Kommandant auf den Hilfstreuminen-Dampfer "Kabeljau" versetzt. Mit diesem gehörte er zur Hilfsminensuchflottille der Nordsee. Am 25. Dezember 1917 (Q6q) wurde er zum Oberleutnant zur See befördert. Er heiratete am 22. März 1918 die nicht ganz vier Jahre jüngere Else Heyd, älteste Tochter von Ernst Ludwig Heinrich Heyd. Im März 1918 wurde er zum Kommandant vom Minensuchboot "M 102" der IV. Hilfsminensuchflottille ernannt. Dieses Kommando behielt er nicht nur bis zum Ende des Krieges. Seine älteste Tochter Gisela Scheurlen wurde am 10. Mai 1919 in Wilhelmshaven geboren. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde ihm am 27. September 1919 verliehen. Bei der Übernahme in die Reichsmarine war er Kommandant vom Minensuchboot "M 133". Sein ältester Sohn war der am 1. Februar 1921 geborene Hans Joachim Scheurlen. Am 1. Oktober 1922 wurde er als Kommandant auf das Minensuchboot "M 134" versetzt. Er wohnte damals privat in der Holtermannstraße 26 in Wilhelmshaven-Rüstringen. Seine jüngste Tochter Ute Scheurlen wurde am 13. März 1923 in Wilhelmshaven geboren. Vom 1. März 1924 bis zum 1. Mai 1924 besuchte er einen Kurs an der Küstenartillerieschule (K.A.S.) in Wilhelmshaven-Rüstringen. Am 2. Mai 1924 wurde er als Kompaniechef der 1. (Artillerie) Kompanie zur Küstenwehrabteilung IV nach Cuxhaven versetzt. Mit dem Minensuchboot "M 134" war er vom 19. Juni 1924 bis zum 30. Juni 1924 und vom 12. August 1924 bis zum 4. September 1924 auf hoher See. Bereits am 1. August 1924 (2) wurde er zum Kapitänleutnant befördert. Er wohnte jetzt privat in der 3. Etage der Deichstraße 19 in Cuxhaven. Am 26. September 1925 wurde er als Lehrer zur Küstenartillerieschule (K.A.S.) nach Wilhelmshaven versetzt. Er wohnte jetzt privat in der Marktstraße 7 in Wilhelmshaven. Nach etwa drei Jahren wurde er am 2. Oktober 1928 als Artillerieoffizier auf den Kreuzer "Emden" versetzt. Mit dem Schiff befand er sich vom 5. Dezember 1928 bis zum 13. Dezember 1929 auf Reisen ins Mittelmeer, die Türkei, die USA und die Kanarischen Inseln. Die Linie Dover-Calais wurde am 6. Dezember 1928 (Ausreise) und 9. Dezember 1929 (Heimreise) passiert. Am 9. Januar 1930 wurde er als II. Artillerieoffizier auf das Linienschiff "Schlesien" versetzt. Mit diesem befand er sich vom 17. Juni 1931 bis zum 30. Juni 1931 bei der Flottenreise nach Norwegen auf hoher See. Am 24. September 1931 wurde er als Referent zum Artillerie-Versuchs-Kommando für Schiffe (A.V.S.K.) nach Wilhelmshaven versetzt. Er wohnte jetzt privat noch immer in der Marktstraße 7 in Wilhelmshaven. Dort wurde er am 1. Dezember 1931 (2) zum Korvettenkapitän befördert. Am 31. März 1933 wurde er als I. Artillerieoffizier auf das Linienschiff "Schleswig-Holstein" versetzt. Bereits am 1. Oktober 1933 wurde er als Referent wieder zum Artillerieversuchskommando für Schiffe versetzt. Am 3. Oktober 1934 wurde er als Stabsoffizier beim Stabe zur Küstenartillerieschule versetzt. Am 30. Oktober 1935 wurde er zum Kommandeur der III. Marineartillerieabteilung in Swinemünde ernannt. Er wohnte jetzt mehrere Jahre privat in der Roonstraße 3 in Swinemünde. Als solcher wurde er am 1. Oktober 1936 (4) zum Fregattenkapitän befördert. Während der Zeit als Kommandeur der III. Marineartillerieabteilung war er vom 31. Juni 1936 bis zum 8. August 1936, vom 18. Januar 1937 bis zum 6. Februar 1937 und vom 15. Februar 1938 bis zum 2. März 1938 parallel auch mit der Wahrnehmung der Geschäfte als Kommandant der Befestigungen der pommerschen Küste beauftragt. Er wurde am 1. März 1938 (2) zum Kapitän zur See befördert. Am 3. November 1938 wurde er als Nachfolger von Kapitän zur See Robin Schall-Emden zum Kommandant vom Leichten Kreuzer "Königsberg" ernannt. Am 27. Juni 1939 wurde er durch Kapitän zur See Kurt-Caesar Hoffmann abgelöst. Dafür wurde er zum Kommandeur der Marine-Flugabwehr- und Küstenartillerieschule (Fla.K.S.) in Swinemünde ernannt. Gleichzeitig wurde er in Personalunion auch zum Führer vom Artillerieversuchskommando Land (A.V.K.L.) ernannt. Gleichzeitig wurde er vom 3. Juli 1939 bis zum 15. Juli 1939 mit der Wahrnehmung der Geschäfte als Kommandant der Befestigungen der pommerschen Küste und vom 6. Oktober 1939 bis zum 17. Januar 1940 mit der Wahrnehmung der Geschäfte als Küstenbefehlshaber Pommern beauftragt. Vom 29. August 1940 bis zum 27. Oktober 1940 wurde er bei der Vorbereitung zur Invasion Englands (Unternehmen Seelöwe) als Kommandeur der Seebefehlsstelle Le Havre und designierter Chef der Transport-Flotte E verwendet. Diese Flotte sollte die erste Angriffswelle der 9. Armee (6. Gebirgs-Division, der 8. und 28. Infanterie-Division) sowie Stäbe und Korpstruppen vom VIII. und X. Armeekorps in den vorgesehenen Landungsraum Brighton bis Selsey übersetzen. Gleichzeitig sollte er selbst auch den Schleppverband 5 aus Le Havre befehligen. Die Spange zum Eisernen Kreuz 2. Klasse wurde ihm am 23. Oktober 1940 verliehen. Ende Dezember 1940 wurde die Personalunion als Führer vom Artillerieversuchskommando Land (A.V.K.L.) aufgehoben. Bei der Teilung der Fla.K.S. am 1. Januar 1941 in die Marineflugabwehrschule (M.Fla.S.) und die Küstenartillerieschule (K.A.S.), wurde Kapitän zur See Scheurlen Kommandeur der Marineflugabwehrschule, die im September 1941 in Marineflugabwehrschule I umbenannt wurde. Diese Stellung hatte er bis zum 28. Februar 1943 inne. Am 1. April 1942 wurde er zum Konteradmiral befördert und als solcher am 15. Juli 1942, bei gleichzeitiger Beibehaltung seines Postens als Schulkommandeur, zum Führer vom Marineeinsatzstab Krim ernannt. Dieser war für die Vorbereitung und Durchführung der Unternehmen "Blücher" bzw. "Blücher II", das Übersetzen deutscher Truppen in den ersten Septembertagen 1942 über die Straße von Kertsch, verantwortlich war. Bei der dann erfolgten Aufstellung vom Marineeinsatzstab Kertsch blieb er noch bis zum 7. Dezember 1942 dessen Befehlshaber. Auch bei der erneuten Neuaufstellung des zwischenzeitlich aufgelösten Landungseinsatzstab Kertsch war er wieder vom 15. Februar 1943 bis zum 15. Mai 1943 dessen Befehlshaber, aber die Aufstellung wurde nicht mehr vollständig vollzogen und es kam zu keinem weiteren Einsatz. Sein einziger Sohn Leutnant zur See Hans Joachim Scheurlen ist als Angehöriger der 3. U-Flottille an Bord von U 469 am 25. März 1943 südlich von Island gefallen, als das Boot durch Fliegerangriff versenkt wurde. Am 16. Mai 1943 wurde er zur Verfügung des Oberbefehkshabers vom Marineoberkommando der Ostsee gestellt. Am 23. Juni 1943 wurde er als Nachfolger von Vizeadmiral Hans-Hubertus von Stosch zum Küstenbefehlshaber Deutsche Bucht ernannt. Das Deutsche Kreuz in Gold wurde ihm am 29. September 1943 verliehen. Am 1. August 1944 wurde er zum Vizeadmiral befördert. Nur wenige Tage später wurde er am 13. August 1944 als Nachfolger des verstorbenen Vizeadmiral Paul Wever zum Kommandierender Admiral französische Südküste ernannt. Nach der Auflösung der Dienststelle am 6. September 1944 wurde er bis zum 10. Februar 1945 wieder als Küstenbefehlshaber Deutsche Bucht verwendet. Seine Tochter Gisela heiratete am 26. Januar 1945 den Leutnant zur See Heinz Haag. Am 11. Februar 1945 wurde er mit der Aufstellung der 2. Marine-Infanterie-Division beauftragt, die dann im März 1945 in Glückstadt und Itzehoe aufgestellt wurde. Die Division war ursprünglich dazu vorgesehen, mit der 7. Panzer-Division und der 25. Panzergrenadier-Division den geplanten Befreiungsangriff unter dem SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Felix Steiner („Armeegruppe Steiner“) auf Berlin durchzuführen. Sie meldete sich am 2. April 1945 einsatzbereit und wurde in den Raum Bremen verlegt und am 5. April 1945 für die Verteidigung der Linie Weser-Aller gegen die vorrückenden Briten (im Raum Cloppenburg, Bersenbrück, Nienburg, Verden, Schwarmstedt, Walsrode, Visselhövede) der Armeegruppe Student unterstellt. Vizeadmiral Scheurlen wurde am 7. April 1945 bei einem Tieffliegerangriff auf seinen Horch-Befehlswagen bei Groß Eilstorf in der Nähe von Walsrode so schwer verwundet, dass er am nächsten Tag verstarb. Seine Witwe lebte 1951 in der Rahlstedter Straße 217 in Hamburg.

Aus der am 11. August 1889 geschlossenen Ehe seiner Eltern sind noch mehrere Geschwister bekannt:
Sein ältester Bruder war der am 5. Dezember 1890 in Schöneberg geborene Richard Eugen Napoleon Scheurlen. Dieser schlug ebenfalls die Laufbahn als Marineoffizier ein. Er trat im April 1910 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. An der Marineschule wurde er am 15. April 1911 (Z4z) zum Fähnrich zur See befördert. Nach dem Abschluss der Marineschule besuchte er verschiedene Waffenlehrgänge. Sein Patent als Fähnrich zur See wurde am 2. November 1912 auf den 15. April 1911 (Y5y) abgeändert. Seine weitere Schiffsausbildung erhielt er an Bord vom Linienschiff "Nassau". Am 27. September 1913 (R5r) wurde er zum Leutnant zur See befördert. Vor dem 1. Weltkrieg diente er auf dem Kanonenboot "Tiger". Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde er mit dem Boot zur Ausrüstung des Hilfskreuzers "Prinz Eitel Friedrich" verwendet. Mit diesem führte er dann Handelskrieg, bis das Schiff im März 1915 in Newport News einlief, um interniert zu werden. Er floh im Mai 1915 aus der Internierung nach Deutschland. Ab November 1915 absolvierte er die U-Boot-Schule. Er wurde am 22. März 1916 (H4h) zum Oberleutnant zur See befördert. Im Dezember 1917 wurde er als Wachoffizier auf das U-Boot "U 71" versetzt. Er wurde im Januar 1918 auch noch Kommandant des Bootes. Im August 1918 wurde er als Kommandant auf das U-Boot "UB 98" versetzt. Er wurde nach dem Krieg am 22. November 1919 aus der Marine entlassen. Dabei wurde ihm der Charakter als Kapitänleutnant verliehen. Er wohnte damals in der 3. Etage der Kronenstraße 31 in Stutgart. Er war danach als Künstler vor allem in Italien tätig. 1960 wohnte er als Kunstmaler im Saumweg 21 in Stuttgart. Er starb am 8. Juni 1969 in Stuttgart.
Seine älteste Schwester war die am 30. April 1892 geborene Katharine Luise Scheurlen. Sie heiratete am 7. August 1923 den fast genau fünf Jahre älteren Karl Friedrich Schmidt. Aus dieser Ehe entsprangen mindesten 5 Kinder.
Eine weitere ältere Schwester war die am 13. Mai 1893 geborene Sophie Marie Elisabeth Scheurlen. Diese wurde Damenschneiderin und heiratete nie. 1960 wohnte sie im Erdgeschoß der Werastraße 37 in Stuttgart. Sie starb am 28. Juni 1963 in Stuttgart.
Sein jüngerer Bruder war der am 28. Januar 1896 in Straßburg geborene Friedrich 'Fritz' Wilhelm Paul Scheurlen. Dieser schlug die Laufbahn als Mediziner ein. Er wurde 1967 angezeigt wegen der 1945 als Obermedizinalrat begangenen Tötung von Patienten der Lungenheilstätte in Waren an der Müritz. Er starb im Jahr 1978.
Seine jüngste Schwester war die am 9. Juni 1900 in Straßburg geborene Hertha Adelheid Klara Scheurlen.

 

Literatur und Quellen:

Krug, Ottomar Deutsche Generale 1918-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/10853
Rangliste der Deutschen Reichsmarine, Hrsg.: Reichswehrministerium, Mittler & Sohn, Berlin 1929
Karl Friedrich Hildebrandt: Die Generale der Luftwaffe 1935–1945, Band 3: O-Z, Biblio Verlag, Osnabrück 1993
Pers 6/2248