Wever, Friedrich Leopold Paul
| * 28. Januar 1893, Langenberg im Rheinland
† 11. August 1944, Aix en Provence / Südfrankreich |
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Paul Wever war der Sohn des Bankvorstandes und späteren Reichsbankdirektors Ludwig Adolph Wever und dessen Ehefrau Anna Catharina Olga, geborene Michalowski. Er trat am 1. April 1912 in die Kaiserliche Marine ein, wo er seine Grundausbildung und anschließend seine Bordausbildung auf dem Schulschiff SMS "Hansa" absolvierte. Anschließend absolvierte er mehrere Spezialkurse und besuchte die Marineschule. Am 12. April 1913 wurde er zum Fähnrich zur See ernannt. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Paul Wever auf den kleinen Kreuzer SMS "Stuttgart" versetzt. Bei Kriegsbeginn lag der Kreuzer in der Kaiserlichen Werft in Danzig. Wieder einsatzbereit, kam er am 7. August 1914 zur IV. Aufklärungsgruppe, die in Wilhelmshaven lag. Das Schiff fand Einsatz im Vorposten- und Sicherungsdienst sowie bei Minenoperationen. Am 22. März 1915 wurde Paul Wever zum Leutnant zur See befördert. Im Mai 1915 nahm die SMS "Stuttgart" an Vorstößen in die östliche Ostsee teil. Dabei gab es einige Gefechtsberührungen mit russischen Kriegsschiffen. Nach einer Rückkehr in die Nordsee war das Schiff zwischen Oktober 1915 und Januar 1916 erneut in der Ostsee im Einsatz. Anschließend folgte eine längere Werftliegezeit in Wilhelmshaven. In der IV. Aufklärungsgruppe nahm SMS "Stuttgart" an der Skagerrakschlacht teil. Sie blieb dabei unversehrt. Am 15. Dezember 1916 wurde das Schiff außer Dienst gestellt und seine Besatzung übernahm nun den neuen Kleinen Kreuzer SMS "Emden". Auf SMS "Emden" war Paul Wever bis in den September 1917 eingesetzt. Nach dem Abschluss aller Erprobungen war die SMS "Emden" am 12. März 1917 einsatzbereit. Als Flaggschiff des II. Führers der Torpedoboote, Kapitän zur See Heinrich, war sie im Vorposten- und Sicherungsdienst im Einsatz. Am 26. August 1917 verlegte die Emden in die Ostsee. Im September 1917 wurde Paul Wever zur Unterseebootsausbildung an die Unterseebootsschule versetzt und ab Dezember 1917 diente er auf dem Unterseeboot UC 52 als Wachoffizier. Mit dem Boot absolvierte er mehrere Feindfahrten. Am 25. Dezember 1917 wurde er zum Oberleutnant zur See befördert. Im Oktober 1918 wurde Paul Wever Tiefersteuerlehrer auf dem Hilfsschiff SMS "Meteor". Über seine Verwendung zwischen Dezember 1918 und Juni 1920 liegen keine Aufzeichnungen vor. Ab dem 3. Juni 1920 fungierte er als Flaggleutnant im Stab des Befehlshabers der Seestreitkräfte der Ostsee, bevor er am 1. April 1922 als Torpedo-Offizier auf den Kreuzer "Thetis" versetzt wurde. Am 1. September 1922 zum Kapitänleutnant befördert, wurde Paul Wever am 23. Dezember 1923 Adjutant und Referent bei der Inspektion des Torpedo- und Minenwesens. Er reiste am 15. Juli 1927 gemeinsam mit Kapitänleutnant Erich Förste mit dem Dampfer "Portia" der Reederei Adolph Kirsten unter Kapitän Brandt von Hamburg nach London. Zwischen dem 6. Oktober 1927 und dem 23. März 1929 absolvierte er die Führergehilfenausbildung, die aufgrund des Versailler Vertrages getarnte Generalstabsausbildung. Anschließend wurde er zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Ostsee gestellt und am 17. April 1929 als Navigationsoffizier auf den Kreuzer "Königsberg" Hier erfolgte am 1. Oktober 1930 seine Beförderung zum Korvettenkapitän. Ab dem 28. Oktober 1930 war er Dezernent in der Flottenabteilung. Am 17. Januar 1933 wurde Paul Wever Marineattaché an den deutschen Botschaften in Paris und Madrid sowie an der Gesandtschaft in Lissabon mit dem Sitz in Paris. An allen drei Botschaften war er seit 1920 wieder der erste Marineattaché der vor Ort zum Einsatz kam. Er heiratete am 16. November 1933 die fast sechszehneinhalb Jahre jüngere Hildegard Dau, Tochter vom Kaufmann Wilhelm Dau, in Altona-Blankenese. Bei seiner Tätigkeit war vor allem wichtig, dass Wever in recht kurzer Zeit für das jeweilige Büro des Marineattaché in den einzelnen Ländern die geeigneten Arbeitsbedingungen und Arbeitskontakte herstellen musste. Vor allem in Frankreich und Portugal gab es 1933 sehr starke Bedenken und Unsicherheiten wie man politisch mit dem in Deutschland errichteten System des Nationalsozialismus umgehen sollte. Lediglich in Spanien waren die regierenden Kreise um General Franco durch die militärische Zusammenarbeit mit Deutschland bei der Zerschlagung der spanischen Republik ab 1936 in dem Bewusstsein, dass in Gestalt des neuen Herrschaftssystems in Deutschland ein möglicher Bündnispartner bei der zukünftigen Neuaufteilung Europas auf den Plan getreten war. Am 1. Januar 1936 erfolgte seine Beförderung zum Fregattenkapitän. Mit Ablauf der obligatorischen Dienstzeit von 3 Jahren als Marineattaché wurde Wever am 18. März 1936 von seinem Nachfolger Joachim Lietzmann (1894–1959) an allen drei Standorten abgelöst. Am 1. Januar 1936 folgte seine Beförderung zum Fregattenkapitän und am 24. März 1936 seine Verwendung als Erster Offizier auf dem Panzerschiff "Admiral Graf Spee". Hier wurde er am 1. April 1937 zum Kapitän zur See befördert. Bereits am 31. Mai 1937 wurde er Chef des Stabes der Inspektion des Bildungswesens der Marine. Sein Vater starb am 3. April 1938 in Hannover. Am 15. Juni 1938 wurde Paul Wever Kommandant des Kreuzers "Emden". Mit dem Schiff absolvierte Wever eine Ausbildungsreise vom 26. Juli bis zum 15. Dezember 1938: Norwegen, Reykjavík (Island), Vigo, Azoren, Bermudas, Madeira, Wilhelmshaven, von dort am 10. Oktober 1938 weiter nach Constanta (Rumänien), Warna (Bulgarien), Istanbul, Rhodos, Vigo. Vom 29. März bis zum 15. April 1939 war das Schiff im Fischereischutzdienst tätig. Am 6. Mai 1939 wurde Paul Wever zur Verfügung des Kommandierenden Admirals der Marinestation der Nordsee gestellt und am 23. August 1939 Chef des Stabes im Stab des Marinegruppenkommandos West. Ab dem 1. Januar 1940 wurde er Chef der Abteilung Marinenachrichtenauswertung im Oberkommando der Kriegsmarine und am 22. Juni 1940 Leiter der Untergruppe Marine in der Waffenstillstandskommission Frankreich. Am 1. September 1941 folgte seine Beförderung zum Konteradmiral. Am 16. Januar 1943 wurde er zur Verfügung des Oberbefehlshabers der Marinegruppe West gestellt und am 2. September 1943 zum Kommandierenden Admiral der französischen Südküste ernannt. Am 1. Oktober 1943 wurde er zum Vizeadmiral befördert. Seine Mutter starb am 9. Oktober 1943 in Hannover. Kurz vor der alliierten Landung in Südfrankreich erlag Paul Wever am 11. August 1944 in Aix en Provence einem Herzschlag. Seine Nachfolge als Kommandierender Admiral der französischen Südküste trat am 18. August 1944 Vizeadmiral Ernst Scheurlen an. Seine Witwe wohnte auch nach dem Krieg weiter in Hamburg-Blankenese und starb am 17. Mai 1986.
Aus der am 3. April 1888 in Danzig geschlossenen Ehe seiner Eltern hatte er
mehrere Geschwister:
Sein älterer Bruder war der am 16. September 1890 in
Bremen geborene Ernst Hans Adolph Wever. Dieser
Bruder schlug die Laufbahn als Bankmitarbeiter ein. Er trat als Bankeleve mit
einer Größe von 179 Zentimetern am 1. Oktober 1912 seinen Dienst als Einjährig
Freiwilliger beim 1. Pommersches Fußartillerie-Regiment "von Hindersin" Nr. 2
an.
Sein jüngerer Bruder war der am 30. September 1900 in Altona geborene
Ernst Erich Nicolaus Wever. Dieser Bruder
schlug ebenfalls die Laufbahn als Bankmitarbeiter ein. Dabei heiratete er als
Rintelner Bankvorsteher am 3. April 1924 die drei Jahre ältere
Anna Hedwig Vieregge in Hannover. Aus dieser
Ehe entsprang am 14. Februar 1925 der Sohn Erich Wolfgang Wever. Der Bruder
starb 1943 in Straßburg (Elsaß).
Literatur und Quellen:
Dermot Bradley, Hans H. Hildebrand, Ernest Henriot: Deutschlands Admirale
1849–1945 Band 3: P-Z Biblio Verlag, Osnabrück 1990
Oberkommando der
Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1938, Verlag Mittler und
Sohn, Berlin, 1938
Oberkommando der Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen
Kriegsmarine 1937, Verlag Mittler und Sohn, Berlin, 1937
Oberkommando der
Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1936, Verlag Mittler und
Sohn, Berlin, 1936
Oberkommando der Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen
Kriegsmarine 1935, Verlag Mittler und Sohn, Berlin, 1935
Oberkommando der
Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1944, Verlag Mittler und
Sohn, Berlin, 1944