Schall-Emden, Robert William

 

* 22. März 1893, Stuttgart

† 29. Januar 1946, Ostende (Belgien)
 

 

Robin Vidal-Schall war der Sohn des späteren Ministerialdirektors und Geheimen Regierungsrates Karl Rudolf Schall und dessen fast fünf Jahre jüngere Ehefrau Louise, geborene Vidal. Er trat nach seinem Abitur am Gymnasium in Stuttgart am 1. April 1911 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Nach seiner Grundausbildung absolvierte seine Schiffsausbildung auf dem Großen Kreuzer SMS "Victoria Louise". Dabei war er vom 30. Juni 1911 bis zum 1. März 1912 auf großer Fahrt. Anschließend kam er an die Marineschule in Mürwik, wo er der IV. Inspektion zugeteilt wurde. Dort wurde er am 15. April 1912 zum Fähnrich zur See befördert. Nachdem er die Schule erfolgreich absolviert hatte, wurde er am 1. Oktober 1913 auf den Stationskreuzer SMS "Emden" versetzt, dessen Einsatzgebiet als Teil des dortigen Geschwaders bei der Ostasienstation lag. Dort erfolgte nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs seine Beförderung zum Leutnant zur See am 3. August 1914, vorläufig ohne Patent. Nach der Versenkung des Schiffes im Zuge eines Gefechts vor den Kokosinseln geriet Schall am 9. November 1914 in Kriegsgefangenschaft, die er die längste Zeit in Malta verbrachte. Sein Patent als Leutnant zur See wurde am 18. Februar 1916 auf den 3. August 1914 (P2p) festgelegt. Aus der Kriegsgefangenschaft wurde er erst am 6. Dezember 1919 entlassen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er zunächst zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Ostsee gestellt, und im Marinelazarett Wilhelmshaven behandelt. Später wurde er in die Reichsmarine übernommen und am 1. Januar 1920 zum Oberleutnant zur See befördert. Das Patent wurde dabei auf den 26. April 1917 festgelegt. Es folgte ab dem 13. Februar 1920 seine Verwendung als Wachoffizier auf dem Kleinen Kreuzer Königsberg. Er diente dann vom 14. März 1920 bis 28. September 1921 als Kommandamt der "M 122" bei der 8. Halbflottille der Nordsee. Dort wurde er zwischenzeitlich am 1. September 1921 zum Kapitänleutnant befördert. Als solcher wurde er dann bis 30. September 1922 als Kommandeur der 11. Halbflottille eingesetzt. Schall besuchte danach einen drei Monate langen Lehrgang an der Sperrschule in Kiel und wurde im Anschluss am 26. März 1925 Chef der 1. Minensuchflottille in Pillau. Er heiratete 1926 die fast genau acht Jahre jüngere geschiedene Lissy Meyer-Nelthropp, geborene Rückert, geschiedene Ehefrau vom Kaufmann Otto Meyer-Nelthropp. Vom 29. Juni 1926 bis 27. September 1927 war Schall als Kompaniechef bei der IV. Marineartillerieabteilung in Cuxhaven und anschließend zwei Jahre auf dem Linienschiff "Schleswig-Holstein" als Rollenoffizier eingesetzt. Am 1. August 1929 zum Korvettenkapitän befördert, war er anschließend Artillerieoffizier bei der Marinekommandantur Swinemünde sowie kurzzeitig vom 18. bis 24. April 1930 mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Kommandeurs der III. Marineartillerieabteilung beauftragt. Anschließend wurde Schall zum Kommandeur der III. Marine-Artillerie-Abteilung ernannt. Während seiner Zeit als Kommandeur der III. Marine-Artillerie-Abteilung war er mehrfach kurzzeitig zugleich mit der Wahrung der Geschäfte des Kommandanten der Kommandantur von Swinemünde beauftragt. Am 1. Oktober 1932 wurde er als Marine-Verbindungsoffizier zum Stab der 6. Division der Reichswehr nach Münster versetzt. Am 3. März 1934 erhielt Robin Schall den Namenszusatz "Emden" auf Grund der Verfügung des preußischen Ministers des Innern in Übereinstimmung mit dem Reichswehrminister als ehemaliges Besatzungsmitglied des Kleinen Kreuzers SMS "Emden" verliehen. Am 25. September 1933 wurde Schall-Emden als Erster Offizier auf das Linienschiff "Hessen" versetzt. Vom 1. August bis zum 11. November 1934 durchlief er die Baubelehrung auf dem Panzerschiff "Admiral Scheer", wurde bei der Indienststellung des Schiffes am 12. November 1934 dessen Erster Offizier und am 1. April 1935 zum Fregattenkapitän befördert. Ab dem 4. Oktober 1935 fungierte er als Leiter der Kriegsmarinedienststelle Stettin, wo er am 1. Oktober 1936 zum Kapitän zur See befördert wurde. Am 16. Februar 1937 wurde er Kommandant des Leichten Kreuzers "Königsberg". Er wog damals bei einer Körpergröße von 182 Zentimetern 88,5 Kilogramm. Das Schiff war ab Herbst 1937 Schulkreuzer der Torpedoschule. Am 2. November 1938 gab er das Komamndo über das Schiff wieder ab und wurde am 5. November Kommandeur vom 1. Schiffsstamm-Regiment in Stralsund. Zugleich war er Kommandant von Stralsund. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Robin Schall-Emden am 13. September 1939 Festungskommandant von Gotenhafen und ab dem 13. Januar 1940 zugleich Küstenbefehlshaber östliche Ostsee. Nach der Besetzung Norwegens wurde er am 10. April 1940 Hafenkapitän von Narvik. Er kehrte dann bis zum 20. Juni 1940 auf seine alte Dienststelle als Festungskommandant von Gotenhafen und als Küstenbefehlshaber östliche Ostsee zurück und wurde am 21. Juni 1940 zum Marinebefehlshaber Westfrankreich ernannt sowie am 1. Dezember 1940 zum Konteradmiral befördert. Vom 4. Dezember 1940 bis zum 18. Februar 1941 war er zur Verfügung des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine gestellt, danach wurde er zum Chef der Seebefehlstelle Calais ernannt. Am 8. März 1941 wurde er zum Admiral der Seebefehlstellen ernannt. Am 1. Februar 1943 wurde Schall-Emden zum Vizeadmiral befördert. Das Deutsche Kreuz in Silber wurde ihm am 28. Dezember 1943 verliehen. Am 14. November 1944 kam Schall-Emden in die Führerreserve. Er wohnte damals privat in der Villa Seeblick 8 in Gotenhafen. Im letzten Kriegsjahr war Schall ab dem 2. Januar 1945, als Nachfolger von Konteradmiral Rudolf Schulte, noch Inspekteur der Wehrersatzinspektion Schleswig-Holstein. Ab dem 15. Mai 1945 befand Schall-Emden sich in britischer Kriegsgefangenschaft. Er kam in das berüchtigte Gefangenenlager Zedelghem in Belgien. In diesem war die Behandlung so schlecht, das er an einem Hungerödem erkrankte. An dieser Erkrankung ist er am 29. Januar 1946 im Lazarett in Ostende verstorben. Seine Witwe wohnte 1950 in der Edendorfer Straße 80 in Itzehoe. Später wohnte die Witwe im Kirchberg 3 in Wohltorf bei Hamburg.

Aus der am 10. Juli 1880 in Stuttgart geschlossenen Ehe seiner Eltern sind keine weiteren Geschwister bekannt.

 

Literatur und Quellen:

Hans H. Hildebrand: Deutschlands Admirale 1849–1945. Band 2: P–Z (Packroß bis Zuckschwerdt). Biblio Verlag, Osnabrück 1990
Chroniken der deutschen Marinebesatzung 1911
Pers 6/2319