Reinhard, Hans Wolfgang

 

* 11. Dezember 1888, Hohenstein-Ernsttal

† 6. Oktober 1950, Karlsruhe

 

 

Hans Reinhard trat am 30. März 1908 als Fahnenjunker in die Kaiserliche Armee ein. Der Sohn vom Oberjustizrat Hans Eberhard Reinhard und seiner Frau Helene, geborene Klien, kam dabei zum Königlich Sächsisches 8. Infanterie-Regiment "Prinz Johann Georg" Nr. 107. In diesem wurde er am 4. November 1908 zum Fähnrich befördert. Nach dem Besuch der Kriegsschule wurde er am 19. August 1909 zum Leutnant befördert. Das Patent wurde dabei auf den 20. August 1907 datiert. Ab dem 1. Oktober 1912 wurde er als Bataillonsadjutant und Gerichtsoffizier beim 16. Königlich Sächsisches Infanterie-Regiment Nr. 18 eingesetzt. Vor dem 1. Weltkrieg war er als Leutnant beim 16. Königlich Sächsisches Infanterie-Regiment Nr. 182 im Einsatz. Am 3. August 1914 hat er Dorothea Mosebach geheiratet. Am 1. Oktober 1914 wurde er zur Kriegsakademie versetzt. Am 1. Dezember 1914 wurde er zum Oberleutnant befördert. Als solcher wurde er ab dem 12. Dezember 1914 als Kompanieführer eingesetzt. Ab dem 27. Februar 1915 wurde er als Bataillonsadjutant im 16. Königlich Sächsisches Infanterie-Regiment Nr. 18 verwendet. Am 4. März 1915 wurde er als Ordonanzoffizier zum Stab der 2. Königlich Sächsische Infanterie-Brigade Nr. 46 versetzt. Ab dem 2. November 1916 wurde er als Bataillonsführer des II. Bataillons im 16. Königlich Sächsisches Infanterie-Regiment Nr. 18 eingesetzt. Am 21. Dezember 1916 wurde er zum Hauptmann befördert. Als solcher wurde er am 21. Februar 1917 zum stellvertretenden Adjutant vom I. Königlich Sächsisches XII. Armee-Korps ernannt. Ab dem 1. Juli 1917 erhielt er eine Ausbildung im Generalstabsdienst. Ab dem 9. Dezember 1917 wurde er als 2. Generalstabsoffizier (Ib) bei der Königlich Sächsische 19. Ersatz-Division eingesetzt. Im Februar 1918 besuchte er einen Minenwerferkurs. Im Ersten Weltkrieg wurde er mit beiden Eisernen Kreuzen und anderen Orden ausgezeichnet. Am 1. März 1919 wurde seine Tochter Gisela Reinhard geboren. Nach dem Ende des Krieges wurde er ab dem 1. Februar 1919 wieder beim 16. Königlich Sächsisches Infanterie-Regiment Nr. 182 eingesetzt.  Ab dem 17. März 1919 wurde er als Führer der Radfahrerabteilung 3 eingesetzt. Im Herbst 1919 wurde er in das vorläufige Reichsheer übernommen. Dort wurde er zuerst als Generalstabsoffizier im Stab der Reichswehr-Brigade 19 eingesetzt. Diese Funktion hatte er auch noch bei der Bildung des 200.000 Mann Heeres der Reichswehr im Mai 1920 inne. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr kam er dann am 1. Oktober 1920 als Regimentsadjutant zum 11. (Sächs.) Infanterie-Regiment in Leipzig. An diesem 1. Oktober 1920 wurde sein Rangdienstalter als Hauptmann auf den 27. Januar 1917 festgelegt. Am 1. April 1922 wurde er zum Chef der 9. Kompanie vom 11. (Sächsisches) Infanterie-Regiment ernannt. Am 15. März 1923 wurde seine Tochter Brigitte Reinhard geboren. Ab dem 1. April 1924 wurde er beim Generalstab vom Infanterieführer IV in Dresden eingesetzt. Danach wechselte er dann am 1. Oktober 1925 in den Generalstab vom Artillerieführer IV ebenfalls in Dresden. Vom 27. März 1927 bis zum 3. April 1927 besuchte er den Gasschutzlehrgang G. Am 1. Oktober 1927 wurde er zum Stab der 4. Division der Reichswehr versetzt. Am 1. Februar 1928 wurde er dort dann auch zum Major befördert. Am 1. Oktober 1931 wurde er dann zum Kommandeur des I. Bataillons vom 11. (Sächs.) Infanterie-Regiment in Freiberg ernannt. Vom 5. Oktober 1931 bis zum 24. Oktober 1931 besuchte er den Schießlehrgang A für schwere Infanteriewaffen. Am 1. April 1932 wurde er dort auch zum Oberstleutnant befördert. Am 1. Oktober 1933 wurde er zur Wehrgauleitung Leipzig versetzt. Am 1. April 1934 wurde er zum Kommandeur des 11. (Sächs.) Infanterie-Regiment in Leipzig ernannt. Am 1. Juli 1934 wurde er zum Oberst befördert. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 1. Oktober 1934 zum Kommandeur vom Infanterie-Regiment Leipzig ernannt. Bei der Enttarnung der Verbände wurde er am 15. Oktober 1935 zum Kommandeur vom Infanterie-Regiment 11 ernannt. Am 14. März 1937 gab er dann das Kommando über das Infanterie-Regiment 11 an Oberst Konrad Haase ab. Am 1. April 1937 wurde er zum Kommandeur der Heeresdienststelle 2 in Deutsch Krone ernannt. Am 1. Juni 1937 wurde er als Offizier z.b.V. dem Oberbefehlshaber des Heeres zugeordnet und von diesem dem Generalkommando IV. Armeekorps zugeteilt. Am 1. Juli 1937 wurde er der Luftwaffe als erfahrener Generalstabsoffizier zur Verfügung gestellt. Dabei trug er jetzt auch die Uniform der Luftwaffe und wäre im Mobilmachungsfall auch dort verblieben. Am 1. Oktober 1937 wurde er unter gleichzeitiger Beförderung zum Generalmajor mit der Wahrnehmung der Geschäfte als Kommandierender General im Luftgau VII in Dresden beauftragt. Durch die Umbennung des Stabes wurde er am 12. Oktober 1937 mit der Wahrnehmung der Geschäfte als Kommandeur vom Luftgau-Kommando Dresden beauftragt. Am 4. Februar 1938 gab er dieses Kommando wieder ab. Am 10. November 1938 wurde er zum Infanterie-Kommandeur 26 in Düsseldorf ernannt. Am 24. November 1938 wurde er dann zum Kommandeur der 35. Infanterie-Division in Karlsruhe ernannt. Kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges hatte er die Maximilianstraße 8 in Karlsruhe als letzte private Adresse mit der Telefonnummer 1083. Mit seiner Division bezog er dann bei Beginn des 2. Weltkrieges Stellungen im Westen. Er führte seine Division dann zuerst im Westfeldzug in den Einsatz. Dabei wurden ihm beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen verliehen. Am 1. November 1940 wurde er zum General der Infanterie befördert. Am 24. November 1940 gab er dann sein Kommando über die 35. Infanterie-Division an Generalleutnant Walther Fischer von Weikersthal ab. Er wurde dafür am 25. November 1940 zum Kommandierenden General des neuen LI. Armeekorps ernannt. Am 22. Februar 1941 erhielt er folgende Beurteilung von Generaloberst Maximilian Freiherr von Weichs: "Vornehmdenkend, gute Menschenkenntnis. Lehrtalent. Bewertung: Führt sehr gut aus." Sein Generalkommando führte er dann zuerst im Frühjahr 1941 im Balkanfeldzug in den Kampf. Danach wurde er dann im Sommer 1941 im Ostfeldzug beim Angriff auf Südrussland eingesetzt. Am 22. September 1941 wurde ihm nach den Kämpfen im Raum Kiew das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Am 1. März 1942 erhielt er von General der Panzertruppen Friedrich Paulus folgende Beurteilung: "Guter, tapferer Kommandierender General. Weichherzigkeit gegenüber den an Truppe zu stellenden Anforderungen. Läßt es jedoch erwünscht erscheinen, ihn im Hinblick auf die kommenden Operation an einer ruhigen Front zu verwenden." Dazu ergänzte General von Bock am 2. März 1942: "Als Kommandierender General mir nicht genügend bekannt." Am 1. April 1942 erhielt er von General der Panzertruppen Friedrich Paulus folgende Beurteilung: "Ruhige, abwägende Person. Sehr warmherzig und fürsorglich für seine Truppen und aus dieser Veranlagung heraus die Schwierigkeiten der Truppe mitempfindende Persönlichkeit, tapfer hat er sein Korps im Angriff und in der Abwehr gut geführt. Bewertung: Füllt gut aus." Dazu ergänzte General von Bock am 1. Mai 1942: "Nach Urteil der Armee den erhöhten Anforderungen eines Bewegungskrieges nicht gewachsen. Dies ist ihm eröffnet." Am 8. Mai 1942 gab er sein Kommando über das LI. Armeekorps ab. Er wurde jetzt in die Führerreserve OKH versetzt und dabei dem Wehrkreis V zugeteilt. Anfang Juni 1942 wurde er dann zum Kommandierenden General vom LXXXVIII. Armeekorps in der Niederlande ernannt. Am 1. März 1943 erhielt er folgende Beurteilung von Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt: "Liebenswürdig, feinfühlige Persönlichkeit, tapfer vor dem Feind voll bewährt. Gute geistige und körperlichen Anlagen. Bewertung: Über Durschnitt. Empfehlung: Belassung in jetziger Stelle." Am 1. März 1944 erhielt er dann folgende Beurteilung von Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt: "Sehr wertvolle und gediegende Persönlichkeit. Ruhig abwägend, sehr warmherzig und fürsorglich für die Truppe. Nationalsozialist. Vor dem Feind bewährt. Persönlich tapfer. Ausgezeichnete dienstliche Leistungen. Sehr gute geistige und körperliche Anlagen. Äußerst rührig und gründlich. Bewertung: Über Durschnitt. Empfehlung: Belassung." Am 15. März 1944 ergänzte dazu General der Flieger Friedrich Christiansen: "Gefestigte und erfahrende Führerpersönlichkeit. Planvoll in Ausbildung und Führung seines Korps wie im Aufbau der Küstenverteidigung. Unermüdlich tätig. Vorbildlicher Vorgesetzter und liebenswerter Kamerad." Vom 27. März 1944 bis zum 2. April 1944 befand er sich im Urlaub. Seine Vertretung übernahm Generalleutnant Wolf Trierenberg. Als es im Herbst 1944 zu umfangreichen Plünderungen der Fallschirmjäger der Wehrmacht in der Niederlande kam, verwahrte er sich dagegen und forderte korrektes Verhalten und maßvolles Requirieren von seinen Soldaten. Am 27. November 1944 erhielt er von General der Infanterie Gustav Adolf von Zangen folgende Beurteilung: "Hat sich während 2monatiger Unterstellung an der Spitze des LXXXVIII. Armeekorps im Großkampf in Südholland sehr bewährt. Ruhig und überlegt in der Führung trotz fortgesetzter Begelfe, versteht zu improvisieren, hat sich persönlich vorbildlich eingesetzt. Warmherzig und auch in kritischer Lager immer positiv. Geeignet zur weiteren Verwendung als Kommandierender General." Am Abend vom 24. Dezember 1944 gab er sein Kommando über das LXXXVIII. Armeekorps an Generalleutnant Felix Schwalbe ab, nachdem beide noch an der Weihnachtsfeier teilgenommen hatten. Er wurde erneut in die Führerreserve OKH versetzt und diesmal dem Wehrkreis IV zugeteilt. Am 27. Dezember 1944 erhielt er von General der Flieger Friedrich Christiansen ergänzend zur letzten Beurteilung die folgende Beurteilung: "Ich habe dieser, wie auch meiner früheren guten Beurteilung aus langjähriger Kenntnis der Person hinzuzufügen: außerordentlich aktiv und schwungvoll, wenn er auch äußerlich im Wesen nicht so erscheint." Am 3. Januar 1945 erhielt er von Generaloberst Kurt Student folgende Beurteilung: "Hat seine Stelle als Kommandierender General sehr gut ausgefüllt. Zur Führung größerer Verbände über den Korpsrahmen hinaus nicht geeignet." Ergänzt wurde dazu von Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt am 10. Januar 1945: "Hat sich gut bewährt und ist zum Kommandierenden General eines Stellvertretenden Generalkommandos sehr geeignet." Am 1. Februar 1945 wurde er als Nachfolger von General der Infanterie Viktor von Schwedler zum Kommandierenden General vom Stellvertretenden Generalkommando IV. Armeekorps in Dresden ernannt. Als solcher wurde er gleichzeitig zum Befehlshaber vom Wehrkreis IV ernannt. Als vorläufige private Adresse war jetzt der Siebenlehner Weg 10 in Nossen bei Dresden hinterlegt. Ab dem 10. Februar 1945 wurde er gleichzeitig auch als Kommandant des Verteidigungsbereiches Dresden ernannt. Diese Ernennung zum Kommandant des Verteidigungsbereiches Dresden wurde am 9. März 1945 wieder aufgehoben. Am 10. April 1945 gab er sein Kommando über das Stellvertretenden Generalkommando IV. Armeekorps an General der Panzertruppen Walther Krüger ab und wurde erneut in die Führerreserve versetzt. Bis Kriegsende erhielt er kein Kommando mehr.

 

Ritterkreuz (21. September 1941)

 

Literatur und Quellen:
BArch, MSG 109/4919 : Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867-1945
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich  Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. Mai 1933
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. April 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938

Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955 
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
Gerhard von Seemen: Die Ritterkreuzträger 1939-1945, Podzun-Verlag, Friedberg 1976
NARA Akte T-78 R-891