Rossi, Franz

 

* 13. August 1889, Berndorf bei Graz

† 23. Juni 1944, bei Graz (Flugzeugabsturz)

 

 

Franz Rossi besuchte die Infanterie-Kadettenschule in Marburg. Am 18. August 1908 trat er als Kadett-Offiziers-Stellvertreter (Fähnrich) in die k.u.k.-Armee ein. Er kam dabei in das k.u.k. Infanterieregiment „Erzherzog Rainer“ Nr. 59 nach Salzburg-Lehen. Dort wurde er nach dem Besuch der Kriegsschule am 1. Mai 1911 zum Leutnant befördert. Als solcher wurde er dann als Kompanieoffizier im k.u.k. Infanterieregiment „Erzherzog Rainer“ Nr. 59 eingesetzt. Noch deutlich vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde er am 15. Oktober 1913 zur Artillerie versetzt. Er kam dabei zum neuen Gebirgs-Artillerie-Regiment Nr. 8 in Brixen. Am 1. August 1914 wurde er dort zum Oberleutnant (überzählig) befördert und rückte dann auch mit dem Gebirgs-Artillerie-Regiment Nr. 8 als Batterieoffizier an die Front. Ab dem 20. Juni 1916 wurde er dann auch als Batterieführer im Gebirgs-Artillerie-Regiment Nr. 8  eingesetzt. Am 9. Juli 1917 wurde er zur Gebirgskanonenabteilung 3/9 versetzt. Am 1. August 1917 wurde er dort zum Hauptmann befördert. Als solcher wurde er am 17. Mai 1918 zum Kommandeur der I. Abteilung vom Gebirgs-Artillerie-Regiment Nr. 9 ernannt. Neben vielen österreichischen Auszeichnungen wurde ihm auch das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. Von 1918 bis 1920 wurde er zur Dienstleistung bei der provisorischen österreichischen Wehrmacht kommandiert. Dort wurde er als 1. Offizier bei der Gebirgs-Kanonen-Batterie der Brigade-Artillerie-Abteilung 5. Im September 1920 wurde er in das neue österreichische Bundesheer übernommen und dort am 1. Januar 1921 zum Major befördert. Nach Einsprüchen der Entente gegen die aus ihrer Sicht zu hohe Anzahl von Stabsoffizieren wurde er am 1. März 1923 zum Stabshauptmann ernannt. Am 1. Juli 1924 wurde er als Batterieoffizier zur Gebirgskanonenabteilung 1 versetzt. Am 27. September 1927 wurde er dann wieder zum Major befördert. In den Jahren danach erlangte er das Sportabzeichen in Gold. Ende April 1931 wurde er als Abteilungsadjutant eingesetzt. Ab dem 1. Juli 1933 wurde er dann als Batteriechef in die Brigade-Artillerie-Abteilung 7 nach Klagenfurt versetzt. Am 1. Mai 1934 absolvierte er einen Stabsoffizierskurs. In Klagenfurt wurde er am 28. Dezember 1935 zum Oberstleutnant befördert. Im Januar 1936 wurde er zum Kommando der 5. Division nach Graz versetzt. Am 1 April 1936 wurde er als Stabsoffizier z.b.V. zum leichten Artillerieregiment 6 versetzt. Am 1. Oktober 1936 wurde er zum Kommandant der I. Abteilung vom leichtes Artillerie-Regiment 8 ernannt. Am 15. März 1938 folgte nach dem Anschluß Österreichs die Übernahme als Oberstleutnant in die Wehrmacht. Sein Rangdienstalter wurde dabei jetzt auf den 1. März 1936 festgelegt. Er wurde jetzt durch die Umbenennung seiner Abteilung bei der Übernahme auch zum Kommandeur der I. Abteilung vom Gebirgs-Artillerie-Regiment 113 ernannt. Am 1. Februar 1939 wurde er zum Oberst befördert, sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Oktober 1938 festgelegt. Mit Beginn der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg am 26. August 1939 wurde er in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte dabei jetzt der Wehrkreis XVIII. Am 30. September 1939 wurde er als Nachfolger von Oberst Wilhelm Berlin zum Kommandeur vom Artillerie-Regiment 33 ernannt. Im Frühjahr 1940 führte er sein Regiment im Verband der 33. Infanterie-Division im Westfeldzug. Danach trug er bereits das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Im November 1940 blieb er auch bei der Motorisierung des Regiments und der dadurch erfolgten Umbenennung zum Artillerie-Regiment (motorisiert) 33 weiter der Kommandeur. Sein Regiment gehörte jetzt zur 15. Panzer-Division. Am 10. März 1941 wurde er vor der Verlegung des Regiments nach Afrika erneut in die Führerreserve OKH versetzt und wieder dem Wehrkreis XVIII zugeteilt. Seine Privatanschrift war die Zwerggasse 9 in Graz. Am 25. April 1941 wurde er zum Kommandeur vom neuen Küsten-Artillerie-Regiments-Stab z.b.V. 837 ernannt. Mit seinem Stab wurde er dann nach Norwegen verlegt. Am 1. April 1942 erhielt er folgende Beurteilung von Generalmajor Kurt Schmidt, Kdr. der 702. Infanterie-Division: "Hart gegen sich und Untergebende. Guter Kamerad, einsatzbereit, tatkräftig. Als Regimentskommandeur vor dem Feinde bewährt. Tüchtiger Artillerist mit hervorragendem Lehrtalent. Hat sich beim Einrichten der Heeres-Küstenartillerie besonders bewährt. Bewertung: Füllt gut aus. Empfehlung: Artilleriekommandeur, Kommandeur einer Gebirgsartillerie-Schule oder Heeres-Küsten-Artillerie-Schule." Dazu ergänzte Generalleutnant Emmerich von Nagy, Kdr. vom Höheres Kommando LXXI: "Einverstanden! Hat als Artillerist einen guten Namen. Ist sehr tätig und in der Ausbildung erfolgreich." Eine weitere Ergänzung dazu kam von Generalleutnant Ernst Goettke, Höherer Küstenartillerie-Kommandeur Nord: "Volle Eignung zum Artilleriekommandeur." Ab dem 7. Mai 1942 wurde er als Nachfolger für Generalmajor Friedrich Kammel zum Artillerie-Kommandeur 127 (Arko 127) in Kirkenes in Norwegen ernannt. Am 1. Juli 1942 folgte seine Beförderung zum Generalmajor. Ab August 1942 tauchte er dann mehrmals mit seinem Namen als Gruppe Rossi auf dem nördlichen Kriegsschauplatz um Petsamo auf. Diese wurde bereits Ende August 1942 aus Kampfgruppe Nord und Verteidigungsgruppe "Liinahamari"gebildet. Dazu gehörte als Kerntruppe das Infanterie-Regiment 193. Unterstellt wurde der Verband bis mindestens Anfang November 1942 dem Gebirgskorps Norwegen. Eingesetzt wurde die Gruppe für Aufklärungs-, Angriffs- und Verteidigungsoperationen und zum Küstenschutz im Bereich Linakhamari, Parkkina, Luostari und Petsamo Fjord. Sie sollten vor allem den Fischerhals absichern. Am 9. Januar 1943 beurteilte ihn Generaloberst Eduard Dietl, OB der 20. Gebirgsarmee, in einem Privatbrief an Generalmajor Rudolf Schmundt, den Chef vom Heeres-Personalamt: "Füllt sehr gut aus. Zum Divisionskommandeur nach weiterer Bewährung geeignet. Sollte mit Rücksicht auf das schwierige und umfangreiche Aufgabengebiet (Führer einer wichtigen Kampfgruppe am Fischerhals) ebenfalls bis auf weiteres in der derzeitigen Stellung belassen werden." Im Februar 1943 wurde dieser lose Verband als Divisionsgruppe Rossi bzw. Divisionsgruppe Petsamo bezeichnet. Auch die Bezeichnung Festungskomandantur Petsamo wurde dafür verwendet. Dieser Verband unterstand jetzt dem XIX. Gebirgs-Armeekorps und wurde im Bereich Petsamo, Linakhamari, Parkkina, Luostari und Petsamo Fjord eingesetzt. Am 15. Februar 1943 wurde er auch offiziell zum Kommandant von Petsamo in Finnland ernannt. Am 1. März 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General der Gebirgstruppe Ferdinand Schörner, KG vom XIX. Gebirgs-Armeekorps: "Als Führer der Divisionsgruppe Rossi bewährt. Technisch und praktisch sehr guter Artillerist, auch für größere Verhältnisse. Höherer Artillerie-Kommandeur, Divisionskommandeur bei Bedarf." Dazu ergänzte am 4. März 1943 Generaloberst Eduard Dietl, OB der 20. Gebirgsarmee: "Einverstanden." Ab Juli 1943 führte er mit seinen Truppen im Bereich Petsamo, Kutovaya und Luostari Aufklärungs-, Angriffs- und Verteidigungsoperationen durch. Weiterhin wurden sie auch zum Küstenschutz eingesetzt. Am 1. September 1943 wurde er zum Generalleutnant befördert. Am 8. Oktober 1943 wurde er dann zum Kommandeur der Divisionsgruppe Rossi ernannt. Zum Jahresende 1943 befanden sich die ihm unterstellten Einheiten im Raum Titovka, Parkkina, Linakhamari, Rybachi Peninsula, Petsamo Fjord, Peura-Vuono Bay. Im ersten Halbjahr 1944 folgten dann Einsätze in den Bereichen Petsamo, Kutovaya, Parkkina, Luostari, Linakhamari und Petsamo Fjord. Am 1. März 1944 erhielt er folgende Beurteilung von General der Gebirgstruppe Georg Ritter von Hengl, KG vom XIX. Gebirgs-Armeekorps: "Herbe, etwas verschlossene Persönlichkeit. Hart gegen sich und Untergebene. Persönlich tapfer und einsatzbereit. Besondere artilleristische Fähigkeiten. Als Führer der Divisionsgruppe Rossi am Fischerhals gut bewährt. Geistig gut veranlagt, sehr guter Alpinist, körperlich besonders zäh. Artilleristisches Können im größeren Rahmen. Wenig Kontakt mit seinen Untergebenen. Bewertung: Durchschnitt. Empfehlung: Divisionskommandeur, Küstensciherungsverband, Höherer Artilleriekommandeur. Belassung." Dazu ergänzte am 13. März 1944 Generaloberst Eduard Dietl, OB der 20. Gebirgsarmee: "Einverstanden. Besonders geeignet als höherer Artilleriekommandeur." Am 15. Mai 1944 erhielt er folgende Beurteilung von General der Gebirgstruppe Georg Ritter von Hengl, KG vom XIX. Gebirgs-Armeekorps: "Anläßlich meiner Versetzung als Chef des NS-Führungsstabes im OKH schließe ich meine Beurteilung ohne Zusatz ab." Am 22. Juni 1944 wurde er gemeinsam mit anderen führenden Generälen des nördlichen Kriegsschuaplatzes zu einer Besprechung mit Adolf Hitler über die Möglichkeiten des Weiterkämpfens der Finnen auf den Obersalzberg befohlen. Nach der Besprechung sollte die Gruppe nach Helsinki fliegen, um an Verhandlungen mit den führenden finnischen Politikern und Militärs teilzunehmen. Die noch nicht einmal zwei Jahre alte Ju 52/3m-8e, (NB+GT bzw. A2+AA; Werk-Nummer 7596), die zur Flugbereitschaft des Kommandierenden Generals der Deutschen Luftwaffe Finnland gehörte, startete am Morgen des 23. Juni 1944 von Graz zum Flughafen Aspern bei Wien. Beim Anflug auf den 1.800 m hohen Hochwedel geriet die Maschine in eine Talböe, sackte durch und zerschellte um 7:42 Uhr auf der steirischen Seite des Hochwechsels, in Waldbach-Breitenbrunn bei Hartberg in der Steiermark, 15 km südöstlich Semmering. Er verunglückte an diesem 23. Juni 1944 zusammen mit den anderen Passagieren Generaloberst Eduard Dietl, General der Infanterie Thomas-Emil von Wickede, General der Gebirgstruppe Karl Eglseer, Oberfeldwebel Georg Huber (Dietls Fahrer) und Oberleutnant der Reserve Altfeld tödlich. Von der Besatzung starben ebenfalls Oberleutnant Erich Jakob (Beobachter), Oberleutnant Hans Kowollik (Pilot), Unteroffizier Heinz Thieme (Bordschütze). Das Flugzeug wude zu 95 Prozent zerstört. Den Absturz überlebten nur der Bordfunker Feldwebel Huber und der Bordmechaniker Oberfeldwebel Mayer. Posthum wurde Generalleutnant Rossi am 2. Juli 1944 noch das Deutsche Kreuz in Gold verliehen. Am 3. Juli 1944 wurde durch Generalleutnant Ferdinand Jodl, Führer des XIX. Gebirgs-Armeekorps, folgender Eintrag in seiner Karteikarte hinterlassen: "Generalleutnant Rossi verunglückte am 23. Juni 1944 bei einem Flugzeugunfall in Süddeutschland tödlich." Seine Einheit bestand noch eine Weile unter seinem Namen weiter, bevor sie dann unter Verwendung des Namens des neuen Kommandeurs als Divisionsgruppe van der Hoop im Herbst 1944 eingesetzt wurde.

 

Literatur und Quellen:
BArch, MSG 109/10853: Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867-1945
Stellenbesetzung des Heeres 1938

Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955 
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
NARA Akte T-78 R-892
Horst Scheibert: Die Träger des Deutschen Kreuzes in Gold und Silber, 2 Bände, Verlag Podzun-Pallas, 1983 und 1990
Dr. Waldemar Erfurth: The Last Finnish War 1941-44), Manuscript Foreign Military Studies for the Historical Division, Headquarters US. Army Europe, Europe, between 1945 and 1959, Finland, MS C-073