Stephanus, Konrad

 

* 30. Januar 1880, Rittergut Omulef bei Zimnawodda bzw. Katenborn im Kreis Neidenburg in Ostpreußen

† 23. Juli 1961, Lindenfels im Odenwald

 

 

Konrad Stephanus war der Sohn des Forstmeisters und Rittergutsbesitzers auf Omulef und späteren Mitglied des Reichstages Heinrich Moritz Stephanus und dessen Ehefrau Auguste Marie, geborene Paul, verwitwete Wagner. Sein Vater starb am 1. März 1895 im Alter von 51 Jahren in der Dr. Fränkelschen Privatheilanstalt in Lankwitz, als er bereits nicht mehr Mitglied des Reichstages war. Er selbst trat am 1. Oktober 1899 als Einjährig-Freiwilliger in die Königlich Preußische Armee ein. Er kam dabei zum Jäger-Bataillon "Graf Yorck von Wartenburg” (Ostpreußisches) Nr. 1 in Ortelsburg. Am 3. Mai 1900 wurde er in diesem zum Fahnenjunker ernannt. Bald darauf folgte am 22. Mai 1900 seine Beförderung zum Fähnrich. Nach dem Besuch der Kriegsschule wurde er am 18. Mai 1901 zum Leutnant befördert. Sein Patent wurde dabei auf den 23. Mai 1900 (F) datiert. Danach wurde er anfangs als Kompanieoffizier in der 4. Kompanie seines Bataillons in Ortelsburg eingesetzt. Im Herbst 1903 wurde er in gleicher Funktion in die 2. Kompanie seines Bataillons am gleichen Standort versetzt. Er heiratete Dora Emma Sperl, welche auch die Schwester der Mutter und damit die Tante vom späteren Generaloberst Hans Jeschonnek war. Am 28. September 1905 wurde seine Tochter Augusta Stephanus in Ortelsburg geboren. Nach zwei Jahren kehrte er im Herbst 1905 als Kompanieoffizier wieder in die 4. Kompanie vom Ostpreußisches Jäger-Bataillon "Graf Yorck von Wartenburg” Nr. 1 in Ortelsburg zurück. Sein Sohn Kurt Stephanus wurde am 15. Oktober 1906 in Ortelsburg geboren. Im Herbst 1907 wurde er in gleicher Funktion in die 3. Kompanie seines Bataillons am gleichen Standort versetzt. Sein Sohn Konrad Stephanus wurde am 14. Dezember 1907 ebenfalls in Ortelsburg geboren. Im Herbst 1908 versetzt man ihn auch noch in die 1. Kompanie seines Bataillons. Am 27. Januar 1910 (W2w) wurde er dort als Kompanieoffizier zum Oberleutnant befördert. Im Juni 1910 wurde er als Hilfslehrer zum III. Informationskurs vom 20. Juni 1910 bis zum 29. Juni 1910 zur Infanterie-Schießschule kommandiert. Kurz darauf wurde er zur Dienstleistung komplett an die Infanterie-Schießschule nach Spandau kommandiert. Vom 13. April 1912 bis zum 3. Mai 1912 wurde er als Hilfslehrer zum I. Lehrkurs an die Infanterie-Schießschule kommandiert. Am 13. September 1912 wurde er mit Wirkung vom 1. Oktober 1912 als Assistent zur Infanterie-Schießschule kommandiert. Während des Kommandos wurde er am 27. Januar 1914 (F3f) zum überzähligen Hauptmann befördert. Am 22. März 1914 wurde er von dem Kommando zur Infanterie-Schießschule nach Spandau entbunden und mit dem gleichen Tag zum Stab vom Hannoversches Jäger-Bataillon Nr. 10 nach Goslar versetzt. Bei der Mobilmachung für den 1. Weltkrieg wurde er Anfang August 1914 zum Chef der 2. Kompanie vom Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 10 in Goslar ernannt. Am 26. August 1914 wurde er durch einen Gewehrschuß in der linken Backe leicht verwundet beim Gefecht um Le Grand Fayt, verblieb aber bei der Truppe. Am 6. September 1914 wurde er bei Charleville durch Granatsplitter am linken Unterarm erneut leicht verwundet, verblieb abermals bei der Truppe. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde ihm am 15. September 1914 verliehen. Mitte September 1914 übernahm er auch für einen Monat sogar die Führung über das Bataillon. Danach führte er wieder seine 2. Kompanie. Vom 1. Dezember 1914 bis zum 10. Dezember 1915 führte er die MG-Kompanie seines Bataillons. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde ihm dabei bereits am 12. Dezember 1914 verliehen. Vom 10. Dezember 1915 bis zum 13. März 1916 wurde er als Bataillonsführer zum Jäger-Regiment Nr. 3 kommandiert. Mit diesem marschierte er an der griechischen Grenze auf. Ab Anfang März 1916 begannen die Kämpfe an der griechischen Grenze. Am 13. April 1916 wurde er als Führer des I. Bataillons (I. Bayerisches Schneeschuh-Bataillon) erneut zum Jäger-Regiment Nr. 3 kommandiert. Dieses stand inzwischen an der Westfront in Stellungskämpfen in der Champagne im Einsatz. Im Juni und Juli 1916 führte er das Bataillon in die Schlacht bei Verdun. Danach wurde das Bataillon an die Ostfront verlegt, wo das Regiment in die neue 200. Infanterie-Division eingegliedert wurde. Mit dieser wurde er dem Karpathenkorps unterstellt und kam anfangs im Ludowagebiet eingesetzt. Daran anschließend folgte im September 1916 die Schlacht in den Karpathen, bevor vom 1. Oktober 1916 ab sich Stellungskämpfe in den Waldkarpathen anschlossen. Am 29. Dezember 1916 wurde er zum Sturm-Bataillon der Heeresgruppe Erzherzog Josef versetzt. Im Januar 1918 wurde er zum Kommandeur vom Sturm-Bataillon 17 bei der 4. Armee ernannt. Im Mai 1918 wurde er als Kommandeur eines türkischen Sturm-Bataillons verwendet. Er wurde in diesem Ersten Weltkrieg nicht nur zweimal verwundet, was sich in der Verleihung des Verwunetenabzeichens widerspiegelte. Im 1. Weltkrieg wurden ihm neben dem Ritterkreuz des Königlich Preußischen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern (15. Oktober 1916), beiden Eisernen Kreuze noch andere Auszeichnungen verliehen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er im Frühjahr 1919 als Hauptmann in das Reichsheer übernommen. Bei der Bildung vom 200.000 Mann-Übergangsheer der Reichswehr Mitte Mai 1920 gehörte er zum 2. Lehrgang der Infanterieschule. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er beim 2. Lehrgang der Infanterieschule in Wünsdorf eingesetzt. Am 1. Oktober 1921 wurde er als Kompanieführer zum 4. (Preußisches) Infanterie-Regiment versetzt. Bald darauf wurde er in den Stab des III. Bataillons dieses Regiments nach Deutsch Krone versetzt. Im Jahr 1922 hat er als Hauptmann ein neues Rangdienstalter vom 22. März 1914 erhalten.  Am 1. Dezember 1922 (4) wurde er zum Major befördert. Am 1. März 1925 wurde er als Nachfolger von Oberstleutnant Paul Hausser zum Kommandeur des III. Bataillons vom 4. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Deutsch Krone ernannt. Er reiste am 24. Juni 1927 von Hamburg mit einem Schiff der Hamburg-Amerika Linie via Boulogne sur mer und Southampton nach New York. Als Bataillonskommandeur wurde er am 1. Februar 1928 zum Oberstleutnant befördert. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. November 1927 (6) festgelegt. Am 1. April 1928 wurde er in das Reichswehrministerium (RWM) nach Berlin versetzt. Er fand jetzt als Referent in der Inspektion der Infanterie (In 2) Verwendung. Seine einzige Tochter heiratete am 19. September 1928 den vierzehn Jahre älteren Hauptmann Wolf Trierenberg. Bei der In 2 wurde er am 1. August 1929 als Nachfolger von Oberst Karl-Ulrich Neumann-Neurode zum Chef des Stabes der Inspektion der Infanterie (In 2) ernannt. In dieser Funktion wurde er zum 1. November 1930 (9) auch zum Oberst befördert. Am 1. April 1933 wurde er durch Oberst Eugen Ritter von Schobert abgelöst. Er selbst wurde zu diesem Datum als Nachfolger von Generalmajor Paul Bauer zum Infanterieführer VII in Nürnberg ernannt. Zu diesem 1. April 1933 (3) wurde er auch zum Generalmajor befördert. Noch vor der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 3. August 1934 als Infanterieführer VII in Nürnberg abgesetzt. Sein Nachfolger wurde erneut Oberst Eugen Ritter von Schobert. Hintergrund war der verweigerte Eid auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. Damit wurde er zum einzigen General, von dem dieser Umstand bekannt wurde. Er wurde daraufhin am 31. August 1934 verabschiedet. Dabei wurden ihm die Charakter als Generalleutnant verliehen.

Nach Beginn des 2. Weltkrieges trat er wieder zur Verfügung des Heeres. Am 1. Dezember 1939 wurde er zum Kommandeur der Division Nr. 148 in Gleiwitz ernannt. Am 7. Februar 1940 gab er sein Kommando an Generalmajor z.V. Karl Bornemann ab. Dafür wurde er zu diesem Datum als Nachfolger von Generalmajor Walther Gräßner zum Kommandeur der Division Nr. 187 in Linz ernannt. Sein Sohn Kurt Stephanus ist als Unteroffizier in der 3. Kompanie vom Infanterie-Regiment 154 am 20. Juli 1941 300m Westlich von Niso, 14 Kilometer südlich von Narwa, im Osten gefallen. Privat wohnte sein Sohn damals als Garagenmeister im Ausschlägerweg 3 in Hamburg und war seit 1933 mit Helene Domke verheiratet. Sein Sohn Kurt wurde 300 Meter südlich der Kirche in Niso an der Straße nach Narwa beerdigt und im Spätsommer 1942 auf den Ehrenfriedhof Narwa an der Hungerburgerstraße überführt. Zum 1. Februar 1942 hat er selbst sein Patent als Generalleutnant z.V. erhalten. Am 15. August 1942 gab er das Kommando über die Division Nr. 187, noch vor deren Umbenennung zur 187. Reserve-Division, an Generalleutnant Josef Brauner von Haydringen ab. Er wurde dabei in die Führerreserve OKH versetzt. Am 1. Oktober 1942 wurde eine Mobilmachungsbestimmung aufgehoben. Am 31. August 1943 wurde seine z.V.-Stellung aufgehoben. Kurz vor seinem Tod lebte er in der Burgsstraße 15 in Lindenfels im Odenwald.

Er hatte mehrere Geschwister und auch ein Stiefgeschwister aus der ersten Ehe seiner Mutter mit dem am 25. August 1868 verstorbenen Franz Wilhelm Wagner, Seargant der 5. Kompanie vom 8. Pommersches Infanterie-Regiment "von der Marwitz" Nr. 61.
Seine jüngere Schwester war die 1881 geborene Marta Stephanus. Diese heiratete am 31. August 1905 den etwa zwei Jahre älteren Mühlenbesitzer Wilhelm Walter Sperl, Sohn des Mühlenbesitzers Wilhelm Sperl, in Königsberg.
Eine weitere jüngere Schwester war die am 23. November 1883 auf Rittergut Omulef geborene Erna Stephanus. Diese heiratete am 29. August 1907 den neuneinhalb Jahre älteren Landvermesser und späteren Katasterdirektor Gustav Albert Ferdinand Viktor Cochius, Sohn vom verstorbenen Gutsbesitzer Gustav Cochius, in Königsberg.
Noch eine weitere jüngere Schwester war die am 20. Oktober 1885 in geborene Frieda Stephanus. Sie heiratete am 17. Mai 1906 den über zehn Jahre älteren Apothekenbesitzer Ernst Wilhelm Schultze, Sohn vom gleichnamigen Apothekenbesitzer Ernst Wilhelm Schultze aus Konitz, in Königsberg.

 

Literatur und Quellen:
Krug, Ottomar Deutsche Generale 1918-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/10853
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1900, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1900
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1901, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1901
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1902, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1902
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1903, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1903
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1904, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1904
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1905, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1905
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1906, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1906
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1907, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1907
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1908, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1908
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1909, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1909
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1910, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1910
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1911, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1911
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1912, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1912
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1913, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1913
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1914, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1914
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich  Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. Mai 1933
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. April 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955 
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983