Röttiger, Hans

 

* 16. April 1896, Hamburg

† 15. April 1960, Bonn

 

Der aus einer alten Offiziersfamilie stammende Hans Röttiger trat nach dem Ausbruch vom 1. Weltkrieg am 15. September 1914 als Fahnenjunker in die Kaiserliche Armee ein. Er kam dabei zum Lauenburgisches Feldartillerie-Regiment Nr. 45 nach Hamburg-Altona. Er kam dann im Frühjahr 1915 an die Ostfront. Am 30. September 1915 wurde er im Lauenburgisches Fußartillerie-Regiment Nr. 20 zum Leutnant befördert. Sein Rangdienstalter wurde später auf den 1. Oktober 1915 festgelegt. Ab 1916 wurde er dann an der Westfront eingesetzt. Ab dem Juni 1918 wurde er als Ordonnanzoffizier beim Artilleriekommandeur der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz eingesetzt. Im Ersten Weltkrieg wurden im beide Eisernen Kreuze verliehen. Nach dem Krieg wurde er in das Reichsheer übernommen. Er kam dabei zum Reichswehr-Artillerie-Regiment 4. Sein Vater wurde nach dem Krieg als Major der Reserve verabschiedet und wurde dann später Direktor einer Oberrealschule. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr kam er dann als Batterieoffizier zum 4. Artillerie-Regiment. 1923 hat er geheiratet. Zwischen 1923 bis 1925 absolvierte er seine Führergehilfenausbildung im Stab der 4. Division der Reichswehr in Dresden. Dabei gehörte er im Frühjahr 1924 etatmäßig zur 1. Batterie vom 4. Artillerie-Regiment in Halberstadt. Am 1. April 1925 wurde er zum Oberleutnant befördert. Die nächsten drei Jahre wurde er dann in der 2. Batterie vom 4. Artillerie-Regiment in Halberstadt eingesetzt. 1927/28 wurde er dann zum Adjutant der I. (Preuß.) Abteilung vom 4. Artillerie-Regiment in Halberstadt ernannt. 1930/31 gehörte er dann zur 1. Batterie vom 4. Artillerie-Regiment in Halberstadt. Von diesem wurde er zur Absolvierung vom Reinhardt-Lehrgang, drittes Jahr der Führergehilfenausbildung, in das Reichswehrministerium nach Berlin kommandiert. Am 1. Oktober 1931 wurde er zum Hauptmann befördert. Danach wurde er dann in 1. Kompanie der 6. (Preuß.) Kraftfahr-Abteilung in Münster versetzt. 1934 wurde er dann zum 1. Generalstabsoffizier (Ia) vom Kraftfahr-Lehrstab in Berlin-Moabit ernannt. Dort wurde dann während der Erweiterung der Reichswehr eingesetzt. Später verlegte der Stab nach Zossen. Am 1. Januar 1936 wurde er zum Major i.G. ernannt. Ab dem 10. November 1938 wurde er dann in den Generalstab des Heeres versetzt. Am 1. Februar 1939 wurde er zum Oberstleutnant i.G. befördert. Dort wurde er auch noch während des Polenfeldzuges eingesetzt. Am 15. Oktober 1939 wurde er dann zum 1. Generalstabsoffizier (Ia) vom Generalkommando VI. Armeekorps ernannt. Anfang Februar 1940 wurde er dann zum Chef des Generalstabes vom XXXXI. Armeekorps ernannt. Als solcher wurde er dann im Westfeldzug verwendet. Am 1. Januar 1941 wurde er zum Oberst i.G. befördert. Er nahm dann mit dem Generalkommando XXXXI. Armeekorps bei Sommerbeginn 1941 im Ostfeldzug am Angriff auf Nordrussland teil. Am 1. Januar 1942 wurde er abgelöst. Er trug jetzt bereits beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen. Er wurde dafür zum Chef des Generalstabes der 4. Panzerarmee ernannt. Am 26. Januar 1942 wurde ihm das Deutsches Kreuz in Gold verliehen. Als Generalstabschef wurde er am 1. Februar 1942 zum Generalmajor befördert. Am 27. April 1942 wurde er abgelöst. Am 28. April 1942 wurde er dann zum Chef des Generalstabes der 4. Armee ernannt. Mitte Juli 1943 wurde er abgelöst. Er wurde dafür zum Chef des Generalstabes der Heeresgruppe A ernannt. Ende April 1944 wurde er abgelöst und in die Führerreserve versetzt. Anfang Juni 1944 wurde er dann zum Chef des Generalstabes der Heeresgruppe C, gleichzeitig Oberbefehlshaber Südwest, ernannt. Am 30. Januar 1945 wurde er zum General der Panzertruppen befördert. Am 29. April 1945 wurde er wegen Vorbereitung der Kapitulation, gemeinsam mit seinem Oberbefehlshaber Generaloberst Heinrich von Vietinghoff genannt Scheel, welcher sogar verhaftet wurde, für die Ablösung vorgesehen. Beim Eintreffen des neuen Oberbefehlshabers, General der Infanterie Friedrich Schulz, verhaftete er diesen am 1. Mai 1945 und machte sich selbst zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe C. Nach der Kapitulation geriet er am 2. Mai 1945 in die Gefangenschaft der westlichen Besatzungsmächte. Im November 1945 schrieb er zur Vorbereitung auf den Nürnberger Prozess nieder, er sei zu der Erkenntnis gekommen, "daß die Bandenbekämpfung, die wir führten, im Endziele den Zweck hatte, den militärischen Bandenkampf des Heeres dazu auszunutzen, um die rücksichtslose Liquidierung des Judentums und anderer unerwünschter Elemente zu ermöglichen". Diese Niederschrift wurde später zurückgezogen und durch eine gereinigte Fassung ersetzt. 1948 wurde er wieder entlassen. 1950 war er Teilnehmer an der Himmeroder Konferenz zur Frage der Wiederbewaffnung. Dazu außerdem kamen auch noch Heinrich v. Vietinghoff, Fridolin von Senger und Ettlerlin, Hermann Foertsch, Rudolf Meister, Dr. Robert Knauss, Adolf Heusinger, Dr. Hans Speidel. Außerdem wirkten die Obersten Eberhard Graf, v. Nostitz, Johann Adolf Graf v. Kielmansegg, Majore Horst Krüger, Wolf Graf v. Baudissin, die Admirale Walter Gladisch, Friedrich Ruge und Kapitän Alfred Schulze-Hinrichs mit bei der Entstehung der Himmeroder Denkschrift zur deutscher Wiederaufrüstung. Bei der Bildung der Bundeswehr wurde er dann zum ersten Inspekteur des Heeres der Bundeswehr ernannt. Er wurde in dieser Funktion als Generalleutnant eingesetzt. In diesem Amt ist er einen Tag vor seinem 64. Geburtstag verstorben. Sein Nachfolger wurde Generalleutnant Alfred Zerbel. 1962 wurde auch eine Kaserne im Südwesten Hamburgs, im Stadtteil Neugraben-Fischbek nach ihm benannt.