Schulte, Ernst Fritz August Rudolf

 

* 11. April 1885, Siegen

† 23. November 1969, Freiburg im Breisgau

BArch Pers 6/2275

 

Rudolf Schulte war das älteste Kind des Lederfabrikanten Ernst August Rudolf Schulte und dessen fast fünf Jahre jüngere Ehefrau Karoline 'Lina' Wilhelmine Julie, geborene Klingspor. Sein Vater starb am 18. November 1898. Er selbst trat nach seinem Abitur am 1. April 1903 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Er kam zuerst vom 1. April 1903 bis zum 6. April 1903 zur Marineschule Kiel. Es folgte vom 7. April 1903 bis zum 10. Mai 1903 seine 1. Infanteristische Grundausbildung beim Sekadettendetachement "Stosch", an die sich direkt vom 11. Mai 1903 bis zum 31. März 1904 seine Schiffsausbildung auf dem Schulschiff der Gedeckten Korvette SMS "Stosch" anschloß. Mit dem Schiff unter Fregattenkapitän, später Kapitän zur See, Otto Mandt machte er bereits ab dem 19. Mai 1903 eine Übungsfahrt in Ost- und Nordsee, die Stopps in Libau und Bergen, wo Kaiser Wilhelm II. das Schiff besuchte, beinhaltete. Die Wintertrainingsfahrt führte von Mitte August 1903 nach Südamerika bis nach Bahia in Brasilien. Sie endete am 16. März 1903. Er wurde nach der Reise für den Offizierkursus vom 1. April 1904 bis zum 31. März 1905 an die Marineschule in Mürwik kommandiert.  Dabei wurde er unter Erteilung des Reifezeugnis zum Fähnrich zur See am 15. April 1904 (F2f) auch zum Fähnrich zur See befördert. Nachdem er die Schule erfolgreich absolviert hatte, absolvierte er danach bis zum 30. September 1904 verschiedene Spezialkurse. Am 1. Oktober 1905 schiffte er für seine weitere Bordausbildung auf dem Linienschiff "Kurfürst Friedrich Wilhelm" ein. Dabei handelte es sich um das Flaggschiff des II. Admirals des II. Geschwaders der aktiven Schlachtflotte. Bereits am 12. Oktober 1905 wurde sein Patent als Fähnrich zur See auf den 15. April 1904 (Rr) festgelegt. Seine Offizierskameraden erachteten ihn am 9. Juli 1906 für würdig Seeoffizier zu werden, obwohl er starken Dialekt sprach. Vom 19. Juli 1906 bis zum 6. August 1906 befand er sich mit seinem Schiff auf hoher See. An Bord der "Kurfürst Friedrich Wilhelm" erfolgte am 28. September 1906 (Oo) auch seine Beförderung zum Leutnant zur See. Nur wenige Tage später wurde er am 1. Oktober 1906 als Kompanieoffizier zur II. Torpedo-Division nach Wilhelmshaven versetzt. Vom 19. November 1906 bis zum 1. Dezember 1906 wurde er zu einem F.T.-Lehrgang kommandiert. Bei der II. Torpedodivision sollte er fast genau drei Jahre bleiben, wobei er auch bei der VI. Reserve-Halbflottille bzw. der II. Schul-Flottile (aktiviert vom 18. Januar 1907 - 14. September 1907) verwendet wurde. So war er als Wachoffizier auf verschiedenen Torpedobooten im Einsatz. Im ersten Jahr waren das die Torpedoboote "S 104" und "S 106". Im Zeitraum vom 2. November 1907 bis zum 30. November 1907, vom 10. April 1908 bis zum 6. Juni 1908 und vom 25. August 1908 bis zum 14. September 1908 war er als Wachoffizier auf dem Torpedoboot "G 111", welches zur VI. Halbflottille der II. Manöver-Flottille gehörte. Außerdem war er vom 16. Januar 1908 bis zum 9. April 1908 als Wachoffizier auf dem Torpedoboot "S 114" welches dagegen zur VIII. Halbflottille der II. Manöver-Flottille gehörte. Am 15. September 1908 wurde er dann für über ein Jahr als Wachoffizier auf das Torpedoboot "D 7" eingeteilt, welches als Flottillenschiff zur VI. Halb-Flottille der II. Reserve-Flottille gehörte. Vom 1. Oktober 1908 bis Ende Februar 1909 wurde er zur Ausbildung zum Winterkursus der Militär-Turnanstalt kommandiert. Dabei wurde er am 27. Januar 1909 (B) zum Oberleutnant zur See befördert. Als er im März 1909 wieder zur II. Torpedo-Division nach Wilhelmshaven zurückkehrte tat er anfangs als Kompanieoffizier bei K3 Dienst. Am 30. September 1909 wurde er als Inspektionsoffizier zur Marineschule nach Kiel versetzt. Seinen Antrag auf Erteilung der Heiratserlaubnis reichte er am 30. Oktober 1909 ein. Er heiratete am 31. März 1910 die fast auf den Tag genau vier Jahre jüngere Erna Luise Auguste Deichmann, Tochter des ehemaligen Fabrikbesitzers und jetzigen Rentiers Karl Wilhelm Georg Deichmann, in Schöneberg bei Berlin. Trauzeugen waren seine Mutter und sein Schwiegervater. Nach nicht ganz einem Jahr an der Marineschule in Kiel wurde er am 15. September 1910 als Wachoffizier auf das zukünftige Spezialschiff "Pfeil" versetzt. Mit diesem Schiff gehörte er zum Lehrgeschwader und blieb dort zwei Jahre im Einsatz. Am 1. Oktober 1912 wurde er als Kompanieoffizier zur I. Torpedodivision in Kiel versetzt. Sein einziger Sohn war der am 7. November 1912 in Kiel geborene Werner Karl Rudolf Schulte. Während der Zeit bei der I. Torpedodivision war er als I. Offizier bei der III. Reserve-Halbflottille und zugleich Torpedobootskommandant bei der III. Halbflottille verwendet.  Als Kommandant war er auf "S 143" dem Führerboot der III. Halbflottille (5. Oktober 1912 bis 20. Mai 1913) und auf "S 138" (10. Oktober 1913 bis 1. Juli 1914) im Einsatz. Vom 2. Januar 1913 bis zum 28. Februar 1913 besuchte er den Ausbildungskursus im Torpedowesen an Bord des Torpedoschulschiffes der SMS "Württemberg". Vom 15. Juni 1914 bis zum 15. Juli 1914 besuchte er den Prüfungslehrgang im Torpedowesen auf dem gleichen Schiff. Am 2. Juli 1914 wurde er fest zum Kommandant vom Torpedoboot "S 143" ernannt. Dieses Kommando behielt er auch bei Beginn des 1.Weltkrieges Anfang August 1914. In dem Kommando wurde er am 16. Dezember 1914 zum Kapitänleutnant befördert. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde ihm am 6. Januar 1915 verliehen. Anfang März 1915 gab er sein Boot ab und übernahm dafür das Torpedoboot "G 101". Mit diesem nahm er an der Skagerrakschlacht teil. Später wurde er bis zum Ende des Krieges als Kommandant vom Torpedobootzerstörer "B 111" verwendet, welches vorher von Kapitänleutnant Heinrich Schickhardt kommandiert wurde. Seine einzige Tochter war die am 7. Januar 1917 ebenfalls in Kiel geborene Gudrun Schulte. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde ihm am 4. Mai 1917 verliehen. Damals wog er bei einer Körpergröße von 171 Zentimetern genau 69 Kilogramm. Er wurde in diesem Krieg nicht nur verwwundet, was sich in der Verleihung des Verwundetenabzeichens in Schwarz der Marine im Juli 1917 wiederspiegelte. Außerdem wurde ihm im Ersten Weltkrieg nicht nur beide Eisernen Kreuze, sondern auch andere Orden wie das Friedrich-August-Kreuz 1. Klasse (beide Stufen im Jahr 1916) und das Hamburger Hanseatenkreuz (24. Januar 1918) verliehen. Er gehörte vom 1. Januar 1919 bis zum 30. März 1919 zum Internierungsverband Scapa Flow. Nach dem Krieg und der Rückkehr von Scapa Flow wurde er Ende März 1919 zum Chef der 3. Torpedoboot-Halbflottille ernannt, zugleich war er mit der Abwicklung der II. Torpedoboot-Flottille beauftragt. Ab dem 9. November 1919 war er Sportoffizier und Hilfsarbeiter des Vorstandes der Fürsorgeabteilung beim Kommando der Marinestation der Ostsee in Kiel. Er wurde zeitweise auch zum Kommandant von Kiel kommandiert. Die Verpflichtungserklärung für die Reichsmarine hat er am 11. Februar 1920 unterschrieben. Sein Privatwohnsitz zu jener Zeit war die Holtenauer Straße 125 in Kiel. Außerdem leitete er vom 13. Juli 1921 bis zum 15. August 1921 und vom 22. Dezember 1921 bis zum 4. Januar 1922 stellvertretend die Fürsorgeabteilung der Marinestation der Ostsee. Bereits am 1. Oktober 1921 wurde er zum Korvettenkapitän befördert. Am 20. März 1923 wurde er als Referent in die Inspektion des Torpedo- und Minenwesens ebenfalls in Kiel versetzt. Er hat zeitweise auch in Vertretung von Kapitän zur See Bruno Hintze die Leitung der Torpedoversuchsanstalt (T.V.A.) in Eckernförde inne. Am 15. Mai 1924 wurde er als Nachfolger von Korvettenkapitän Wilhelm Canaris als I. Offizier auf den Kreuzer "Berlin" versetzt. Dieser gehörte unter dem Kapitän zur See Paul Wülfing von Ditten damals zur Inspektion des Bildungswesens der Marine. Im Winter 1924/25 fuhr er mit dem Schiff am 3. November 1924 nach Portugal/Spanien. Im ersten Ausbildungshafen brach er sich das linke Fersenbein, wodurch er 6 Wochen komplett ausgefallen ist. Danach war er an Stöcken nur mit Einschränkung verwendbar, was seine Abkommandierung notwendig machte. Anfang April 1925 wurde er für die nächsten anderthalb Jahre zum Fürsorgeoffizier beim Kommando der Marinestation der Ostsee ernannt. Während dieser Zeit wurde er zugleich vom 17. Juni 1925 bis zum 25. Juli 1925 als Admiralstabsoffizier (Asto) beim Stab der Marinestation der Ostsee eingesetzt. Außerdem war er vom 15. März 1926 bis zum 18. April 1926 mit der Vertretung des Hafenkapitäns Kiel beauftragt und vom 12. Juli 1926 bis zum 7. August 1926 zur Marineleitung kommandiert. Am 29. September 1926 wurde er für fast drei Jahre als Leiter des Lehrganges für Leibesübungen an die Marineschule Mürwik versetzt, die anfangs von Kapitän zur See Paul Wülfing von Ditten kommandiert wurde. Dabei wurde er am 1. Oktober 1928 (3) zum Fregattenkapitän befördert. Vom 16. September 1929 bis zum 31. Dezember 1929 stand er zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Ostsee. Er stellte am 2. November 1929 ein Abschiedsgesuch, weil er sich körperlich den Anforderungen des Dienstes in der Reichsmarine nicht mehr gewachsen fühlte. Am 17. Dezember 1929 wurde er mit Wirkung vom 31. Dezember 1929 unter Bewilligung der gesetzlichen Versorgung und der Berechtigung zum Tragen der bisherigen Uniform unter Verleihung des Charakters als Kapitän zur See aus der Reichsmarine verabschiedet. Dabei wurde ihm vom 1. Januar 1930 bis zum 31. März 1930 die zuletzt bezogenen Gebührnisse für die Entlassungsfrist zugesprochen.

Anfangs wohnte er in der Kelmstraße 2 in Flensburg-Mürwik. Ab dem 1. Januar 1931 war er als char. Kapitän zur See a.D. als Marine L-Bearbeiter (Landesschutz) beim Stabe des Wehrkreiskommandos VI in Münster in Westfalen angestellt. In dieser Funktion wurde er am 1. Oktober 1933 als Landesschutzoffizier (L-Offizier)* reaktiviert. Während der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 5. März 1935 als char. Kapitän zur See (E) in das Ergänzungsoffizierkorps übernommen. Er wurde im Frühjahr 1936 als Referent Marine im Stab vom Generalkommando VI. Armeekorps bezeichnet. Zum 1. Oktober 1936 wurde er zum Kapitän zur See (E) befördert. Als solcher wurde er ab dem 6. Oktober 1936 als Marinereferent bei der Wehrersatzinspektion Münster und zugleich als Marine-Verbindungsoffizier beim Wehrkreiskommandos VI eingesetzt. Die Tätigkeit als Marinereferent wurde später als Gruppenleiter Marine bei der Wehrersatzinspektion Münster bezeichnet.  Am 3. Januar 1939 wurde er zum Kommandeur vom Wehrbezirkskommando Essen I ernannt. An diesem Tag wurde er mit einem Rangdienstalter vom 1. Oktober 1936 (1) als Kapitän zur See zu den Truppenoffizieren überführt. Diese Funktion behielt er bis zum 28. Februar 1940. Am 1. März 1940 (Verfügung vom 19. Februar 1940) wurde er zum Kommandeur vom Wehrbezirkskommando Wesermünde ernannt. Dazu wurde am 22. Februar 1940 auch die Umzugsgenehmigung von Essen nach Wesermünde genehmigt. Als solchem wurde ihm am 20. April 1941 das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern verliehen. Am 19. April 1941 wurde er mit Wirkung vom 20. April 1941 auch zu den aktiven Truppenoffizieren überführt, wobei sein Rangdienstalter als Kapitän zur See auf den 1. April 1941 festgelegt wurde. Am 12. Juni 1941 wurde er zum Kommandeur vom Wehrbezirkskommando Hamburg IV ernannt. Diese Position behielt er bis zum 30. September 1942. Zeitweise vcrtrat er auch den Inspekteur der Wehrersatzinspektion Hamburg. Am 1. Oktober 1942 wurde er zum Wehrersatzinspekteur der Wehrersatzinspektion Schleswig Holstein ernannt. Seine Frau wohnte privat damals im Twedterholz 3 bei Ringelmann in Flenburg-Mürwik. Sein Sohn, Kapitänleutnant Werner Schulte, ist am 5. Oktober 1942 als Kommandant von "U 582" der 1. U-Flottille im Nordatlantik mit der gesamten Besatzung gefallen. Sein U-Boot wurde durch Flieger südwestlich von Island versenkt, als es den Geleitzug HX 209 angegriffen hat. Der Sohn wurde posthum noch zum Korvettenkapitän befördert. Er selbst wurde zum 1. Dezember 1942 zum Konteradmiral befördert. Das Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse mit Schwertern wurde ihm am 27. August 1943 verliehen. Er wurde Anfang Januar 1945 in seiner Position als Wehrersatzinspekteur Schleswig-Holstein durch Vizeadmiral Robin Schall-Emden abgelöst. Dafür wurde er zur Verfügung des Oberbefehlshabers des Marineoberkommandos Nordsee gestellt. Am 28. Februar 1945 wurde er unter Berechtigung zum Tragen der bisherigen Uniform wegen Fehlens einer weiteren Verwendungsmöglichkeit endgültig aus dem Dienst verabschiedet. Danei wohnte er danach im Brunnenstieg 10 in Itzehoe. Er wohnte direkt nach dem Krieg mehrere Jahre in der Liliencronstraße 18 in Itzehoe.

Aus der am 3. Juli 1884 in Siegen geschlossenen Ehe seiner Eltern sind noch keine Geschwister bekannt.

 

*Ausgeschiedene ehemalige Offiziere wurden oft als zivile Angestellte der (schwarzen) Reichswehr in "Landesschutzangelegenheiten" beschäftigt (L-Angestellte). Ab dem 1. Oktober 1933 taten diese als sog. L-Offiziere (L = Landsschutz; nicht Landwehr) Dienst in Kommandostellen der Reichswehr, trugen weiterhin Zivil und hatten an ihrem Rang ein "a.D." Das war wie eine eigene Laufbahn mit eigener Besoldung neben dem aktiven Offizierskorps. Am 5. März 1935 erfolgte die Umbenennung in E-Offiziere für Ergänzungsoffizierskorps. Hier trugen die Ränge dann ein (E) als Zusatz. Diese Offiziere wurden nur in bestimmten Bereichen, meist Innendienst eingesetzt und machten während der Aufrüstung aktive Offiziere frei für andere Verwendungen.

 

Literatur und Quellen:

Hans H. Hildebrand: Deutschlands Admirale 1849–1945. Band 2: P–Z (Packroß bis Zuckschwerdt). Biblio Verlag, Osnabrück 1990
Chroniken der deutschen Marinebesatzung 1903
Pers 6/2275