Schickhardt, Heinrich Karl

 

* 2. Mai 1885, Stuttgart

† 25. Februar 1944, Pleschen (Warthe)

 

Heinrich Schickhardt war der jüngste Sohn des Verlagsbuchhändlers Karl Lucas Heinrich Schickhardt und dessen fast zwölf Jahre jüngere Ehefrau Mathilde Hermine, geborene Reitz. Sein Vater starb bereits am 31. Dezember 1886 in Stuttgart und wurde auf dem Pragfriedhof beigesetzt. Er selbst trat nach seinem Abitur am 1. April 1902 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Er kam zuerst vom 1. April 1902 bis zum 6. April 1902 zur Marineschule Kiel. Es folgte vom 7. April 1902 bis zum 10. Mai 1902 seine 1. Infanteristische Grundausbildung beim Sekadettendetachement "Stosch", an die sich direkt vom 11. Mai 1902 bis zum 31. März 1903 seine Schiffsausbildung auf dem Schulschiff der Gedeckten Korvette SMS "Stosch" anschloß. Mit dem Schiff unter Fregattenkapitän, später Kapitän zur See, Georg Janke machte er vom 6. Juni 1902 bis zum 29. Juli 1902 erste Ausbildungsfahrten, gefolgt von Besuchen in Kopenhagen und Oslo. Die Wintertrainingsfahrt führte über Vigo in Spanien nach Westindien. Am 25. November 1902 kam das Schiff in Venezuela an und trat der Ostamerikanischen Kreuzerdivision bei, die wegen der Blockade während der Venezuela-Krise vor Ort war. Die Tätigkeit der "Stosch" war allerdings auf den Transfer des deutschen Botschafters von La Guaira nach Curaçao beschränkt. Am 29. Januar 1903 verließ die Stosch das Geschwader wieder in Richtung Heimat und erreichte Kiel am 20. März 1903. Er wurde nach der Reise für den Offizierkursus vom 1. April 1903 bis zum 31. März 1904 an die Marineschule in Mürwik kommandiert. Dabei wurde er unter Erteilung des Reifezeugnis zum Fähnrich zur See am 11. April 1903 (Vv) auch zum Fähnrich zur See befördert. Nachdem er die Schule erfolgreich absolviert hatte, absolvierte er danach bis zum 30. September 1904 verschiedene Spezialkurse. Am 1. Oktober 1904 reiste er nach Honkong ab, wo er am 27. November 1904 auf dem Panzerdeckkreuzer "Fürst Bismarck" für die weitere Bordausbildung einschiffte. Dabei handelte es sich um das Flaggschiff des Kreuzergeschwaders. Bereits am 29. Oktober 1904 wurde sein Patent als Fähnrich zur See auf den 11. April 1903 (P2p) festgelegt. An Bord der "Fürst Bismarck" erfolgte am 29. September 1905 (G2g) auch seine Beförderung zum Leutnant zur See. Das Schiff befand sich zur Grundreparatur im Trockendock in Tsingtau. Anfang 1906 unternahm man eine längere Kreuzfahrt durch Niederländisch-Indien. Am 22. Juni 1906 wurde er auf den Panzerdeckkreuzer "Hansa" versetzt, der am 4. Juli 1906 die Heimreise nach Deutschland antrat, wo er Ende Oktober 1906 in Danzig außer Dienst gestellt wurde. Bereits am 13. Oktober 1906 wurde er auf das neue Torpedoschulschiff "Württemberg" versetzt.  Mit diesem verlegte er am nächsten Tag zum Stützpunkt Flensburg-Mürwik, wo die Torpedostation der Kaiserlichen Marine eingerichtet war. Im April 1907 wurden die ersten Übungen im Verband der Schul- und Versuchsschiffe unternommen. Nach nicht ganz einem Jahr an Bord erfolgte am 1. Oktober 1907 seine Versetzung auf das Linienschiff "Preußen". Dort sollte er für ein Jahr bleiben. Dabei wurde er am 30. März 1908 (V) zum Oberleutnant zur See befördert. Am 1. Oktober 1908 wurde er als Kompanieoffizier zur I. Torpedodivision in Kiel versetzt. Dort sollte er zwei Jahre bleiben, wobei er auch bei der I. Schul-Flottile verwendet wurde. So war er als Wachoffizier auf verschiedenen Torpedobooten im Einsatz. Dies waren "S 142" (4. Januar 1909 bis 6. September 1909); "S 140" (1. November 1909 bis 27. November 1909, 4. April 1910 bis 10. Juni 1910, 23. August 1910 bis 10. September 1910), beide von der I. Halb-Flottille. Am 1. Oktober 1910 wurde er zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Ostsee gestellt und reiste am 13. Oktober 1910 gemeinsam mit Oberleutnant zur See Karl Meissner von Hamburg mit dem Dampfer "Cincinnati" über Southampton und Cherbourg nach New York und später weiter nach Panama. In Lateinamerika angekommen schiffte er am 21. Dezember 1910 auf den Kleinen Kreuzer "Bremen" als Torpedooffizier ein. Mit der Besatzung des Schiffes nahm er am 3. Februar 1911 an der Beerdigung von Chiles Präsident Pedro Montt Montt teil. Den Atlantik erreichte sein Schiff am 28. Februar 1911. Während eines Zwischenstopps in Rio de Janeiro traf sein Schiff am 19. März 1911 den Schlachtkreuzer "Von der Tann", der sich damals auf einer Langstrecken-Versuchsfahrt befand. Vom 5. Mai 1911 bis zum 22. Mai 1911 folgte ein weiterer Überholungsaufenthalt in Newport News und anschließend ein Einsatz vor Haiti, wo wieder Unruhen ausgebrochen waren. Ab dem 2. August 1911 war das Schiff vor Ort und schützte Zivilisten durch kleine Landungseinheiten. Bereits am 15. August 1911 lief sie für erneute Wartungsarbeiten wieder zurück nach Newport News, wo sie bis zum 24. November 1911 blieb. Zwischenzeitlich löste Korvettenkapitän Hans Seebohm den Kapitän zur See Ernst Goette als Kommandant ab. Anfang des Jahres 1912 kreuzte die "Bremen" im Golf von Mexiko und später an der Atlantikküste der Vereinigten Staaten. Am 30. Mai 1912 traf sie vor Cape Henry, Virginia, auf den Schlachtkreuzer "Moltke" und den Kleinen Kreuzer "Stettin". Die beiden Schiffe waren von Deutschland als "Detachierte Division" zu einem offiziellen Besuch in die Vereinigten Staaten geschickt worden, nachdem im vergangenen Sommer ein US-amerikanisches Geschwader Kiel besucht hatte. Gemeinsam liefen die Kreuzer in die Hampton Roads ein, wo sie am 3. Juni 1912 durch die amerikanische Atlantikflotte in Anwesenheit des US-Präsidenten Taft empfangen wurden. Am 8. und 9. Juni 1912 verlegte das kleine, unter dem Befehl von Konteradmiral Hubert von Rebeur-Paschwitz stehende Geschwader nach New York, von wo die "Moltke" und die "Stettin" am 13. Juni 1912 ihren Rückmarsch nach Deutschland begannen. Die "Bremen" lief jetzt wieder nach Süden und passierte die Magellanstraße für eine weitere Reise entlang der Westküste Südamerikas. Er bestieg am 12. November 1912 in Punta Arenas den Dampfer "Elkab" für die Rückreise in die Heimat. Ab Dezember 1912 war er bis zum ersten Weltkrieg als Kompanieoffizier wieder bei der I. Torpedodivision in Kiel im Einsatz. Er heiratete am 6. Januar 1913 (standesamtlich in Höfen an der Enz) und 8. Januar 1913 (kirchlich in Stuttgart) die fast genau drei Jahre jüngere Bertha Beisbarth, Tochter des 1907 verstorbenen Kaufmanns Wilhelm Ludwig Josef Beisbarth. Während der Zeit bei der I. Torpedodivision wurde er vom 1. März 1913 bis zum 20. Mai 1913, vom 3. November 1913 bis zum 29. November 1913, vom 15. März 1914 bis zum 27. März 1914 und vom 8. April 1914 bis zum 30. Mai 1914 als Kommandant vom Torpedoboot "S 145" bei der IV. Halbflottille eingesetzt. Außerdem war er vom 21. Mai 1913 bis zum 4. September 1913, vom 18. Oktober 1913 bis zuu 2. November 1913, vom 30. November 1913 bis zum 14. März 1914, vom 28. März 1914 bis zum 7. April 1914 und vom 1. Juni 1914 bis zum 31. Juli 1914 als 1. Offizier auf dem Torpedoboot "S 144" der IV. Reserve-Halbflottille tätig. Seine älteste Tochter Leonore Elisabeth Schickhardt wurde am 30. September 1913 in Kiel geboren. Außerdem wurde er noch am 15. November 1913 (A) zum Kapitänleutenant befördert. Als solcher wurde er bei Ausbruch des 1. Weltkrieges am 1. August 1914 wieder zum Kommandant vom Torpedoboot "S 145" ernannt, war er für ein Jahr bei der IV. Torpedoboots-Halbflottille auch blieb. Seine zweite Tochter war die am 17. März 1915 in Kiel geborene Rosemarie Hedwig Viktoria Schickhardt. Am 10. August 1915 wurde er zum Kommandant vom Torpedoboot "B 111" ernannt, welches ebenfalls zur IV. Torpedoboots-Halbflottille gehörte. Dieses Boot kommandierte er auch in der Schlacht am Skagerrak. Nach etwas mehr als einem weiteren Jahr wurde er am 6. September 1916 zur Verfügung der Inspektion des Torpedowesens gestellt. Am 14. November 1916 wurde er zum Adjutant der Inspektion des Torpedowesens ernannt. Seine jüngste Tochter war die am 30. August 1917 in Kiel geborene Berta 'Bertel' Ilse Adelaide Schickhardt. Kurz vor Ende des Krieges wurde er am 27. Oktober 1918 zum Chef der 16. Torpedoboots-Halbflottille ernannt, was er bis zum 5. Dezember 1918 auch geblieben ist. Seine Mutter starb am 30. November 1918. Am 6. Dezember 1918 wurde er zum Chef der 15. Torpedoboots-Halbflottille ernannt. Am 28. Januar 1919 wurde er zum Chef der 2. Torpedoboots-Halbflottille ernannt. Ab dem 16. April 1919 war er Chef der 2. Eisernen Torpedoboots-Halbflottille. Sein Privatwohnsitz zu jener Zeit war die Wilhelminenstraße 14 b in Kiel. Sein ältester Sohn war der am 12. April 1920 in Kiel geborene Gottfried Heinrich Schickhardt. Er selbst wurde dann in die Reichsmarine übernommen und dabei am 31. Mai 1920 zum 1. Adjutant im Stab der Marinestation der Ostsee ernannt. Diese Funktion behielt er bis zum 19. Februar 1922, wobei er am 1. Januar 1921 (6) auch zum Korvettenkapitän befördert wurde. In dieser Zeit wurde er vom 10. April 1921 bis zum 1. Mai 1921, vom 12. September 1921 bis zum 2. Oktober 1921 und vom 23. Dezember 1921 bis zum 5. Januar 1922 als stellvertretender Chef des Stabes der Marinestation der Ostsee verwendet. Im Februar 1922 wurde er zur Stammbesatzung vom Kreuzer "Berlin" versetzt. Am 2. Juli 1922 wurde er zum I. Offizier des Kreuzers "Berlin" ernannt. Nicht einmal ein Jahr später wurde er am 3. April 1923 zum Kommandant vom Sperrversuchs- und Lehrkommando (S.V.K.) und zum Kommandant der Tender-Halbflottille des SVK ernannt. Anfang Oktober 1926 wurde er als Abteilungsleiter in die Marinewaffenabteilung (B W) beim Allgemeinen Marineamt (B) im Reichswehrministerium (RWM) eingesetzt. Dort wurde er am 1. Januar 1928 (4) zum Fregattenkapitän befördert. Er wohnte jetzt privat im Hohenzollernkorso 65 in Berlin-Tempelhof und hatte dort die Telefonnummer F6 Baerwald 3705. Am 12. Oktober 1928 wurde er als Nachfolger von Kapitän zur See Siegfried Punt zum Inspekteur der Marinedepotinspektion in Wilhelmshaven ernannt. In dieser Funktion wurde er am 1. April 1929 (1) zum Kapitän zur See befördert. Sein jüngster Sohn war der am 28. Dezember 1929 in Wilhelmshaven geborene Gerhard Werner Schickhardt. Er gab die Position als Marine-Depot-Inspekteur erst Ende September 1933 wieder ab und wurde am 30. September 1933 aus dem aktiven Dienst der Reichsmarine verabschiedet.Dabei wurde ihm der Charakter als Konteradmiral verliehen.

Bereits am 1. Oktober 1933 wurde er als Kapitän zur See a.D. zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Nordsee gestellt. Dort blieb er bis zum 30. September 1935. Dabei wohnte er 1935 in der Viktoriastraße 32 in Wilhelmshaven-Rüstringen. Ab 1936 bis mindestens 1941 wohnte er privat in der Beuckestraße 22 in Berlin-Zehlendorf und hatte dort die Telefonnummer 848286. Seine älteste Tochter Leonore Schickhardt heiratete am 2. Juni 1936 den fast auf den Tag genau zehn Jahre jüngeren Bürgermeister von Birkenfeld in Württemberg, Doktor der Staatswissenschaften Karl Theodor Steimle, in Berlin-Zehlendorf. Aus dieser Ehe entsprangen mindestens drei Kinder (Tochter 1938 in Berlin-Nikolassee, Tochter 1940 in Berlin-Zehlendorf, Sohn Hartmut Heinrich Theodor am 8. Januar 1942 in München). Am 15. Februar 1939 wurde er zur Verfügung der Kriegsmarine gestellt. Da war er auch noch bei Ausbruch des 1. Weltkrieges. Am 13. September 1939 wurde er als stellvertretender Prisenrichter am Oberprisenhof Berlin eingesetzt. Am 30. November 1940 wurde er endgültig verabschiedet. Sein Schwiegersohn Karl Theodor Steimle ist als Schütze und Angehöriger der 2. Kompanie vom Landesschützen-Bataillon 506 im Reservelazarett II Ulm/Donau, Teillazarett Städtisches Krankenhaus. am 3. Oktober 1942 um 16 Uhr an einem Schlaganfall gestorben. Sein ältester Sohn Gottfried Schickhardt starb am 18. Februar 1943 in Mariupol als Angehöriger der Küstensicherungs-Flottille Mariupol an Typhus. Steuermannsmaat Gottfried Schickhardt wurde auf dem dortigen Heldenfriedhof beigesetzt. Er starb noch vor Ende des 2. Weltkrieges am 25. Juni 1944 in Pleschen im Warthegau. Er wurde am 5. Juli 1944 in Stuttgart im Familiengrab auf dem Pragfriedhof beigesetzt. Seine Witwe ist in einem sowjetischen Deportierungslager im August 1945 ebenfalls gestorben.

Aus der am 3. Mai 1875 in Stuttgart geschlossenen Ehe seiner Eltern sind noch Geschwister bekannt.
Sein ältester Bruder war der am 15. Mai 1876 in Stuttgart geborene Paul Heinrich Schickhardt.
Ein weiterer älterer Bruder war der am 11. September 1877 ebenfalls in Stuttgart geborene Karl Eugen Schickhardt. Er wanderte bereits vor dem 1. Weltkrieg aus. Am 10. März 1904 ging es als Landwirt mit der "Eleonore Woermann" nach Afrika und später nach Südamerika. Im Jahr 1913 heiratete er in Chile. Dieser Bruder starb im Jahr 1960 in Santiago de Chile.
Seine ältere Schwester war die am 23. September 1878 ebenfalls geborene Anna Pauline Schickhardt. Diese heiratete am 21. März 1901 den Karl Heinrich Strohaecker in Stuttgart. Aus dieser Ehe entsprangen mindestens zwei Töchter. Der Ehemann starb am 29. Dezember 1932 in Rom in Italien. Seine Schwester starb am 28. März 1936 in Rom in Italien.
Ein weiterer älterer Bruder war der am 15. Juni 1882 ebenfalls in Stuttgart geborene Max Schickhardt.

 

Literatur und Quellen:

Hans H. Hildebrand: Deutschlands Admirale 1849–1945. Band 2: P–Z (Packroß bis Zuckschwerdt). Biblio Verlag, Osnabrück 1990
Chroniken der deutschen Marinebesatzung 1902