Reinhardt, Hellmuth Conrad August Walther

 

* 27. Juni 1900, Stuttgart

† 16. September 1989,

 

 

Helmuth Reinhardt war der Sohn des Generalleutnants Ernst Reinhardt und dessen Ehefrau Anna, geborene Wedemeyer. Er besuchte das humanistische Eberhard-Ludwigs-Gymnasium Stuttgart und beendete sein Abitur am Gymnasium in Ludwigsburg. Als Fahnenjunker trat er am 12. Juni 1918 während des Ersten Weltkriegs als Fahnenjunker in das Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württembergisches) Nr. 119 der Württembergischen Armee in Stuttgart ein. Nach Kriegsende wurde Reinhardt für ein forstwissenschaftliches Studium in Tübingen beurlaubt. Er war dann Angehöriger einer freiwilligen Studentenkompanie in Stuttgart und u. a. an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik beteiligt. Am 1. Oktober 1919 wurde er in das vorläufige Reichsheer übernommen, wo er seinen Dienst im Reichswehr-Schützen-Regiment 25 versah. Er besuchte die Infanterieschule in München und Wünsdorf. Auch bei der Bildung des 200.000 Mann Heeres der Reichswehr im Mai 1920 gehörte er noch zum Reichswehr-Schützen-Regiment 25 der Reichswehr-Brigade 13. Mit der Bildung des 100.000 Mann Heeres der Reichswehr entstand am 1. Oktober 1920 aus seinem Regiment dann das 13. (Württembergisches) Infanterie-Regiment, in dem er am 1. April 1922 zum Leutnant befördert wurde. Als solcher wurde er jetzt in der 10. Kompanie vom III. (Jäger) Bataillon vom 13. (Württ.) Infanterie-Regiment als Zugführer eingesetzt. Vom 16. Januar 1924 bis zum 14. Juni 1924 besuchte er den 8. Lehrgang für Leibesübungen. 1926 wurde er dann in die 11. Kompanie vom 13. (Württ.) Infanterie-Regiment versetzt. Am 1. Februar 1927 wurde er bei dieser zum Oberleutnant befördert. Als solcher folgte im Sommer 1927 die Ernennung zum Adjutanten des III. Bataillons vom 13. (Württ.) Infanterie-Regiment in Ulm. Zwischen 1929 und 1932 fungierte er erst als Aufsichtsoffizier, später als Ordonanzoffizier an der Infanterieschule in Dresden. Etatmäßig gehörte er in dieser Zeit zur 9. Kompanie vom 13. (Württ.) Infanterie-Regiment in Ulm. Am 11. März 1932 absolvierte er seine Wehrkreisprüfung. Am 1. Oktober 1932 wurde er in den Stab der 3. Division der Reichswehr nach Berlin versetzt. Er war jetzt als Schüler zu den Offizierslehrgängen kommandiert, später Kriegsakademie. Während der dortigen Zeit absolvierte er auch seine Prüfung zum Hilfsdolmetscher für französisch. Im Mai 1933 trat er zur Verfügung des Chefs der Heeresleitung. Von diesem wurde Reinhardt auf die Kriegsakademie nach Berlin kommandiert. Dort wurde er am 1. April 1934 zum Hauptmann befördert. Am 15. April 1935 wurde er zum Allgemeinen Heeresamt versetzt. Am 9. Mai 1935 hat er Irmgard Koch, Tochter von Generalmajor Rudolf Koch, geheiratet. Ab dem 1. Juli 1935 war er in der Organisationsabteilung des Reichskriegsministeriums tätig. Am 1. Oktober 1936 folgte seine Versetzung in den Generalstab des Heeres, wodurch er ab jetzt als Hauptmann i.G. wurde. Am 12. Oktober 1937 wurde er Kompaniechef im Infanterie-Regiment 119 und am 1. Juni 1938 zum Major im Generalstab (Major i.G.) befördert. Am 10. November 1938 wurde Reinhardt Zweiter Generalstabsoffizier (Ib) im Generalkommando des V. Armeekorps in Stuttgart. Seine Privatanschrift lautete Troppau, Josef-Friedrich-Hummel-Gasse 35 mit der Telefonnummer 2709. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges fungierte er ab der Mobilmachung 1939 als Erster Generalstabsoffizier (Ia) vom Generalkommando des Stellvertretenden Generalkommando V. Armeekorps. Bereits am 14. September 1939 wurde er als Ia dann zum Stab der 25. Infanterie-Division versetzt, mit der er im Frühjahr 1940 am Westfeldzug teilnahm. Am 31. Mai 1940 verließ er den Stab wieder und wurde in das Oberkommando des Heeres versetzt. Dort wurde er jetzt wieder in der Organisationsabteilung vom Generalstab eingesetzt. Im Oktober 1940wurde er mit der Wahrnehmung der Geschäfte als Chef des Stabes im Allgemeinen Heeresamt beauftragt. Am 1. November 1940 folgte seine Beförderung zum Oberstleutnant i.G. Am 10. Februar 1941 erhielt er von Generalmajor Walter Buhle, Chef der Organisationabteilung im Generalstab des Heeres, folgende Beurteilung: "Klare, charakterstarke, reife Persönlichkeit. Wertvoller Mensch und guter Kamerad. Über Durchschnitt begabt und besonders militärisch veranlagt. Unermüdlicher Arbeiter mit rascher Auffassungsgabe, überlegener Ruhe und sicherem Blick für größere Verhältnisse. Interessiert und erfahren auf allen militärischen Gebieten, sein organisatorisches Verständnis tritt besonders hervor. Ein ausgezeichneter Generalstabsoffizier. Während seiner Zugehörigkeit zur 25. Division hat er sich nach dem Urteil seines Divisionskommandeurs als Ia durch persönliche Tapferkeit und Kaltblütigkeit vor dem Feind besonders ausgezeichnet. Bewertung: Füllt sehr gut aus. Empfehlung: Korpschef." Am 1. März 1941 wurde er unter General der Infanterie Friedrich Olbricht zum Chef des Stabes im Allgemeinen Heeresamt (AHA) beim Oberkommando des Heeres (OKH) ernannt. Am 22. Mai 1941 erhielt er folgenden Zusatz zur vorangegangenen Beurteilung von Generaloberst Franz Halder, Chef des Generalstabes des Heeres: "Über Durchschnitt. Mit günstiger Beurteilung voll einverstanden. Geeignet zum Korpschef." Am 17. März 1942 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Friedrich Olbricht, Chef des AHA: "Ein Generalstabsoffizier bester Prägung. Militärisch weit über Durchschnitt. Ein vorzüglicher Chef des Stabes, der nach Charakter, Können und Leistungen in hohem Maß das Rüstzeug zum höheren Führer besitzt. Verdient daher in erster Linie zur vorzugsweisen Beförderung vorgeschlagen zu werden." Am 20. April 1942 erhielt er von General der Infanterie Friedrich Olbricht, Chef des AHA, folgende Beurteilung: "Beurteilung vom März 1942 wird voll aufrecht erhalten. Bewertung: Füllt vorzüglich aus. Empfehlung: Korpschef, später Armeechef." Dazu ergänzte am 12. Mai 1942 Generaloberst Friedrich Fromm, Befehlshaber des Ersatzheeres: "Einverstanden. Ein hervorragender Chef des Stabes. Weit über Durchschnitt. Besonders zu fördern." Am 1. Juni 1942 wurde er als Abteilungsleiter zum Oberst i.G. befördert. Am 24. März 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Friedrich Olbricht, Chef des AHA: "Meine unter dem 17. März 1942 abgegebene Beurteilung kann ich auf Grund der weiteren hohen Bewährung Reinhardts unter bei weitem schwieriger gewordenen Verhältnissen nur erneut unterstreichen. Reinhardt ist ein Offizier von hohen menschlichen und soldatischen Eigenschaften, erfüllt von den Ideen des Nationalsozialismus, ein vorzüglicher Chef, der auch als Truppenführer zu den besten Hoffnungen berechtigt. Bewertung: Weiter über Durchschnitt. Empfehlung: Armeechef, Divisionskommandeur." Am 20. Juni 1943 ergänzte dazu Generaloberst Friedrich Fromm, Befehlshaber des Ersatzheeres: "Weiterhin auf das Beste bewährt. In jeder Beziehung zu fördern und für hohe Stellen vorzusehen." Am 31. Oktober 1943 wurde ihm das Deutsche Kreuz in Silber verliehen. Am 4. November 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Friedrich Olbricht, Chef des AHA: "Hat sich weiterhin als Chef des Stabes des AHA vorzüglich bewährt." Am 12. November 1943 erhielt er folgende Beurteilung von Generaloberst Friedrich Fromm, Befehlshaber des Ersatzheeres: "Als Mensch, wie als Soldat gleich wertvolle Persönlichkeit. Vorzüglich bewährt. Ein Generalstabsoffizier, der jeder Förderung wert ist und für hoher Führerstellen in Betracht kommt." Am 1. Dezember 1943 in die Führerreserve OKH versetzt. Als seinen Nachfolger im Allgemeinen Heeresamt schlug er Oberstleutnant i. G. Claus Schenk Graf von Stauffenberg vor, den er bereits aus der Organisationsabteilung kannte und der ebenfalls ein Alumni des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums war. Er wies OTL Stauffenberg auch  in seine neue Tätigkeit ein. Danach wurde er dann zur Heeresgruppe Süd kommandiert. Am 30. März 1944 wurde er zum Generalstab der 8. Armee kommandiert um dort seine Einweisung als Chef des Generalstabes zu erhalten. Am 15. April 1944 wurde Reinhardt als Nachfolger von Generalleutnant Dr. phil. Hans Speidel zum Chef des Generalstabs der an der Ostfront stehenden 8. Armee ernannt. Am 1. Juni 1944 wurde er zum Generalmajor befördert. Am 5. November 1944 vermerkte Generaloberst Johannes Friessner, OB der Heeresgruppe Süd , in seiner Akte: "General der Infanterie Wöhler gibt seinen Chef des Generalstabes, Generalmajor Reinhardt für Truppenverwendung (Divisionskommandeur) frei."   Am 7. Dezember 1944 wechselte er in die gleiche Position (Chef des Generalstabes) zu der an der Westfront stehenden 1. Armee. Seinen alten Posten übernimmt Generalmajor Karl Klotz. Am 24. Dezember 1944 erhält er folgende Beurteilung von General der Infanterie Otto Wöhler, OB der 8. Armee: "wertvolle, gerade Persönlichkeit mit sehr guten menschlichen uns soldatischen Eigenschaften. Geistig sehr gut veranlagt. Klares taktisches Urteilsvermögen. Taktvoll beim Vertreten der eigenen Ansicht. Bewertung: Füllt sehr gut aus. Empfehlung: Baldige Verwendung als Divisionskommandeur erwünscht." Am 28. Dezember 1944 wurde er Chef des Generalstabs beim Wehrmachtbefehlshaber Dänemark ernannt. Am 2. Januar 1945 erhielt er noch folgende Beurteilung von General der Gebirgstruppen Hans Kreysing, OB der 8. Armee: "Infolge kurzer Unterstellung ist mir Beurteilung nicht möglich." Am 9. Januar 1945 traf er bei seinem neuen Stab in Dänemark ein. Am gleichen Tag erhielt er rückblickend auch eine Beurteilung von Generalleutnant Helmuth von Grolmann, Chef des Generalstabes der Heeresgruppe Süd: "Persönlichkleit von großem menschlichen Wert und hoher soldatischer Pflichauffassung. Ein klar denkender, gewissenhafter Armeechef, der jedoch nach den ununterbrochenen starken Belastungen gelegentlich noch mehr Vitalität und Schwungkraft hätte zeigen können. Besonderes Organisationsbefähigung. Seine Verwendung als Divisionskommandeur würde seiner körperlichen und seelischen Leistungsfähigkeit günstig sein." Seine Position als Chef des Generalstabs beim Wehrmachtbefehlshaber Dänemark behielt er bis zum Kriegsende Anfang Mai 1945. Am 1. März 1945 wurde er auf der Eignungsliste vom Oberbefehlshaber des Ersatzheeres als Divisionskommandeur verzeichnet. Anfänglich wurde er danach in der alliierten Internierung als Generalstabschef beim Armee-Oberkommando Lindemann verwendet. Vom 7. Juni 1945 bis 1. April 1948 befand er sich in britischer Kriegsgefangenschaft (u. a. Kriegsgefangenenlager Zedelgem). Nach der Kriegsgefangenschaft wurde er bis 1955 zum Mitarbeiter der Historical Division berufen. Er arbeitete als „Heimarbeiter“ der Operational History (German) Section in Königstein im Taunus und später in Karlsruhe. Am 1. Januar 1956 wurde er als Brigadegeneral in die Bundeswehr übernommen. Am 10. Juni 1956 wurde er zum Chef des Truppenamtes bestellt. Als solcher wurde er am 5. April 1957 zum Generalmajor der Bundeswehr befördert. Am 1. Oktober 1960 wurde er als Befehlshaber im Wehrbereich V nach Stuttgart versetzt. Nach seiner Verabschiedung am 30. September 1962 erhielt er das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 1963 fungierte er einjährig als Studienleiter und Leiter der Abteilung für Soldatenfragen an der Evangelischen Akademie in Bad Boll. Am 18. Juni 1965 wurde er als Nachfolger von General der Panzertruppen Smilo Freiherr von Lüttwitz Vorsitzender der Gesellschaft für Wehrkunde. Diese Funktion behielt er bis zum 31. Dezember 1971.

 

Literatur und Quellen:
BArch, MSG 109/4919 : Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867-1945
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich  Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. Mai 1933
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. April 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938

Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955 
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
Horst Scheibert: Die Träger des Deutschen Kreuzes in Gold und Silber, 2 Bände, Verlag Podzun-Pallas, 1983 und 1990
Esther-Julia Howell: Von den Besiegten lernen? Die kriegsgeschichtliche Kooperation der U.S. Armee und der ehemaligen Wehrmachtselite 1945–1961. (= Studien zur Zeitgeschichte. Bd. 90). De Gruyter Oldenbourg, Berlin 2015