Graf von Stillfried und Rattonitz, Waldemar Bolko Egon Julius Georg

 

* 29. Oktober 1867, Wetzlar

† 29. Juni 1941, Reservelazarett II Würzburg

 

 

Georg Harry Graf von Stillfried und Rattonitz war der zweite Sohn vom Hauptmann Heinrich Louis Georg Graf von Stillfried und Rattonitz und dessen Ehefrau Caroline Marie Bertha Alwine, geborene Gräfin von Reichenbach-Goschütz. Sein Vater ist als Kompaniechef vom Rheinisches Jäger-Bataillon Nr. 8 durch Kopfschuß am 18. August 1870 in der Schlacht bei Gravelotte im Alter von 36 Jahren 4 Monaten und 2 Tagen gefallen. Er selbst trat nach seiner Kadettenausbildung am 22. März 1888 als charakterisierter Portepeefähnrich in die Königlich Preußische Armee ein. Er wurde dabei von der Haupt-Kadettenanstalt in Groß-Lichterfelde zum 4. Garde-Grenadier-Regiment "Königin" nach Koblenz überwiesen. Bei diesem wurde er am 18. Oktober 1888 zum Portepeefähnrich befördert. Nach dem Besuch der Kriegsschule wurde er am 21. September 1889 zum Sekondeleutnant befördert. Danach wurde er anfangs als Kompanieoffizier in der 5. Kompanie seines Regiments in Koblenz verwendet. Durch die Umbenennung des Regiments am 9. Januar 1890 gehörte er dann als Kompanieoffizier zur 5. Kompanie vom Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4 in Koblenz. Im Herbst 1891 wurde er in gleicher Funktion in die 4. Kompanie seines Regiments am gleichen Standort versetzt. Am 1. Oktober 1893 wurde er im Rahmen der Verlegung des Regiments nach Spandau als Kompanieoffizier in die 2. Kompanie versetzt. Ein Jahr später wurde er in gleicher Funktion in die 10. Kompanie des Regiments am gleichen Standort versetzt. Im Herbst 1895 wurde er als Nachfolger vom Premierleutnant von Pommer-Esche zum Adjutant des Füsilier-Bataillons (III. Bataillon) in Spandau ernannt. In dieser Funktion wurde er am 22. März 1897 (Q4q) zum Premierleutnant befördert. Das Regiment war 1897 auch nach Berlin verlegt wurden. Am 1. Oktober 1898 wurde er als Nachfolger von Premierleutnant Graf von Blumenthal zum Regimentsadjutant vom Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4 in Berlin ernannt. Sein Nachfolger als Bataillonsadjutant wurde Leutnant von Kempis. Durch die Umbenennung seines Dienstgrades wurde er am 1. Januar 1899 zum Oberleutnant ernannt. Nach etwas mehr als drei Jahren wurde er am 17. Dezember 1901 zum Militär-Gouverneur der beiden ältesten Söhne des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen ernannt. Sein Nachfolger als Regimentsadjutant in Berlin wurde Leutnant von Oppen. Am 18. April 1903 (L7l) wurde er zum Hauptmann befördert. Dabei trug er weiterhin die Uniform seines Regiments. Am 27. Februar 1904 hat er die zehneinhalb Jahre jüngere Anna Elise Marie Erika Burggräfin und Gräfin zu Dohna-Schlodien geheiratet. Seine älteste Tocher war die am 24. Dezember 1904 in Naumburg an der Saale geborene Marie Alexandrine Adolfine Erika Christa Gräfin von Stillfried und Rattonitz. Sein ältester Sohn war der am 11. August 1906 in Naumburg an der Saale geborene Friedrich Heinrich Christoph Georg Rudolf Alexander Graf von Stillfried und Rattonitz. Am 3. April 1907 wurde er als Nachfolger von Hauptmann von der Hardt zum Chef der 6. Kompanie vom Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4 in Berlin ernannt. Seine Nachfolge als Militärgouverneur trat Hauptmann von Gaertner an, der erster Militär-Gouverneur für alle drei Söhne wurde. Außerdem wurde ihm jetzt das Ritterkreuz des Königlich Preußischen Hausordens von Hohenzollern verliehen. Die Familie wohnte jetzt in der Hasenheide 61 in Berlin-Rixdorf. Sein drittes Kind war die am 27. Februar 1908 dort geborene Marie Adolfine Gräfin von Stillfried und Rattonitz. Diese starb nur wenige Stunden nach ihrer Geburt am 28. Februar 1908 in der Friedrich Wilhelmstraße 6 in Berlin. Am 1. März 1910 wurde er als Nachfolger von Hauptmann Freiherr von Meerscheidt-Hülessem als Chef der 4. Kompanie zum 1. Garde-Regiment zu Fuß nach Potsdam versetzt. Sein Nachfolger als Chef der 6. Kompanie in seinem alten Regiment in Berlin wurde Hauptmann Houben. Unter gleichzeitiger Beförderung zum Major wurde er am 16. Juni 1913 (Kk) zum Regimentsstab vom 1. Garde-Regiment zu Fuß ebenfalls in Potsdam versetzt. Sein Nachfolger als Chef der 4. Kompanie wurde seine Königliche Hoheit Hauptmann Oskar Karl Gustav Adolf Prinz von Preußen. Bei der Mobilmachung für den 1. Weltkrieg wurde er Anfang August 1914 als Bataillonskommandeur zum 1. Garde-Reserve-Regiment zu Fuß versetzt. Im Jahr 1915 wurde er in gleicher Funktion in das 4. Garde-Regiment zu Fuß versezt. Am 6. November 1916 wurde er zum Kommandeur vom Infanterie-Regiment Nr. 442 ernannt. Dieses Kommando behielt er bis zum Ende des Krieges. Er wurde als solcher am 15. Juli 1918 (W) auch zum Oberstleutnant befördert. Seine Frau starb am 24. Oktober 1918 im Alter von 40 Jahren in Potsdam. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm neben beiden Eisernen Kreuzen auch das Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern verliehen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er von März 1919 bis Mai 1919 als Kommandeur vom Detachement Graf Stillfried innerhalb vom Freikorps Hülsen verwendet. Im Juni 1919 wurde er in das vorläufige Reichsheer übernommen. Er gehörte jetzt zur Reichswehr-Brigade 3. Am 1. Oktober 1919 gehörte er als Stabsoffizier beim Regimentsstab zum Reichswehr-Infanterie-Regiment 5. Bei der Bildung des 200.000 Mann-Heeres der Reichswehr gehörte er Mitte Mai 1920 als Stabsoffizier zum Reichswehr-Schützen-Regiment 1 der Reichswehr-Brigade 1. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er am 1. Oktober 1920 in das Infanterie-Regiment 8 in Frankfurt an der Oder übernommen. Bei diesem wurde er als Stabsoffizier beim Regimentsstab am 18. Dezember 1920 zum Oberst befördert. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Oktober 1920 festgelegt. Am 8. Februar 1921 hat er die elfeinhalb Jahre jüngere Mary Elsa von Eschwege, geborene von Rosenberg, als zweite Ehefrau geheiratet. Seine zweite Frau war die Witwe seines Regimentskameraden als Kompaniechef im 1. Garde-Regiment zu Fuß, Arthur Julius von Eschwege, der als Major vom 1. Garde-Reserve-Regiment zu Fuß am 23. Oktober 1914 bei Boze-Mate gefallen ist. Ihr Vater war der Oberst a.D. Johann von Rosenberg, Am 15. Juni 1921 wurde er als Nachfolger von Oberst Karl Felsch zum Kommandeur vom 18. Infanterie-Regiment in Paderborn ernannt. Am 31. Januar 1923 gab er sein Kommando an Oberst Hans Kloebe ab. Er wurde an diesem Tag aus dem aktiven Dienst im 100.000 Mann-Heer verabschiedet. Außerdem wurde ihm auch der Charakter als Generalmajor verliehen.

Er verbrachte seinen Lebensabend in Reichensachsen im Kreis Eschwege. Seine Tochter Marie Gräfin von Stillfried und Rattonitz heiratete am 7. Dezember 1929 den einen Tag älteren Landwirt Reimar von Cramon-Taubadel in Reichensachsen. Sein Sohn heiratete am 17. Oktober 1936 die fast sieben Jahre jüngere Agnes Minette Eugenie Adda Freiin zu Innhausen und Knyphausen in Labuhn. Seine Tochter Marie lebte mit ihre Mann in Weidenbach im Kreis Oels und starb am 2. Juni 1939 um 23:57 Uhr in der Universitäts-Klinik Breslau an einer Lungenentzündung. Er wurde im 2. Weltkrieg wieder mobil gemacht. Am 15. Mai 1940 wurde er zum Kommandant von Erfurt ernannt. Sein Sohn starb als Hauptmann und Kommandeur der II. Gruppe vom Nachtjagdgeschwader 1 (ehemals I. Gruppe vom Zerstörergeschwader 76) bei einem Flugzeugabsturz am 6. Oktober 1940. Dies passierte mit einer Messerschmidt Bf 110 bei einem Reiseflug in der Nähe von Lienen, 40 Kilometer nordöstlich von Münster in Westfalen, ohne Waffeneinwirkung vermutlich durch Motorexplosion. Sein Sohn Heinrich wurde daraufhin in Geiglitz im Kreis Plathe in Pommern beerdigt. Er selbst wurde am 1. März 1941 in dei Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte der Wehrkreis IX. Zum 1. April 1941 wurde er zum Generalmajor z.V. befördert. Er starb nach einer Gallenblasenoperation am 29. Juni 1941 um 08:30 Uhr in der chirurgischen Abteilung vom Reservelazarett II Würzburg. Als Todesursache wurden Gallensteine, Gallenblasenentzündung sowie postoperative Herz- und Kreislaufschwäche angegeben. Er wurde danach in Reichensachen am Rohenberg beigesetzt. Seine Witwe starb am 20. Januar 1945 im Kreiskrankenhaus Eschwege. Als Todesursache wurde muskuläre Herzinsuffizienz angegeben. 

Er hatte mehrere Geschwister:
Sein älterer Bruder war der am 31. August 1865 in Wetzlar geborene Harry Louis Leopold Graf vom Stillfried und Rattonitz.
Seine jüngere Schwester war die am 21. Februar 1870 in Braunfels im Kreis Wetzlar geborene Marie Harriet Ottilie Gräfin Von Stillfried und Rattonitz. Sie heiratete am 29. Oktober 1890 den fast zehn Jahre älteren Leutnant Carl Friedrich Wilhelm Winzer in Kassel. Am 9. Januar 1892 wurde dem Paar der Sohn Heinrich Karl Leopold Georg Alfons Winzer in der Theaterstraße 3 in Magdeburg geboren. Am 12. August 1894 wurde der Sohn Carl Ulrich Harry Hermann Rudolf Winzer in Burg bei Magdeburg geboren. Am 29. November 1896 wurde der Sohn Friedrich Rudolf Reinhold Carl Eberhard Winzer in Magdeburg geboren. Dieser starb bereits am 18. Oktober 1898 ebenfalls in Magdeburg. Am 17. Mai 1899 wurde dem Paar noch der Sohn Karl Gerhard Wilhelm Eberhard Winzer in seiner Wohnung in der Oranienstraße 11 in Magdeburg geboren.

 

Literatur und Quellen:
Krug, Ottomar Deutsche Generale 1918-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/10853
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee für 1889, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1889
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee für 1890, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1890
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee für 1891, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1891
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee für 1892, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1892
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee für 1893, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1893
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee für 1894, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1894
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1895, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1895
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1896, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1896
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1897, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1897
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1898, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1898
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1899, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1899
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1900, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1900
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1901, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1901
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1902, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1902
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1903, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1903
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1904, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1904
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1905, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1905
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1906, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1906
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1907, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1907
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1908, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1908
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1909, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1909
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1910, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1910
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1911, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1911
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1912, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1912
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1913, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1913
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1914, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1914
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich  Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983