Roesinger, Otto Heinrich

 

* 3. Juli 1890, Speyer

† 27. März 1957, Speyer

 

 

Otto Roesinger war der Sohn des Oberregierungsrates Wilhelm Roesinger und dessen Ehefrau Elisabeth, geborene Bender. Er trat am 5. Juli 1911 als Fahnenjunker in das Großherzoglich Mecklenburgische Jäger-Bataillon Nr. 14 in Colmar ein. Ab dem 1. November 1911 besuchte er die Kriegsschule in Kassel und wurde am 22. März 1912 zum Fähnrich ernannt. Am 18. November 1912 folgte seine Beförderung zum Leutnant. Sein Patent wurde dabei auf den 18. November 1910 datiert. Am 18. November 1913 schied er aus dem Preußischen Heer aus und trat in die bayerische Armee über. Er wurde an diesem Tag als Leutnant in das Königlich Bayerische 2. Pionier-Bataillon in seiner Heimatstadt Speyer übernommen. Sein Patent wurde dabei auf den 21. Oktober 1913 datiert. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 2. August 1914 wurde er Zugführer in der 1. Reserve-Kompanie des Königlich-Bayerischen 2. Pionier-Bataillons. Am 9. Mai 1915 geriet er während der Loretto-Schlacht in französische Kriegsgefangenschaft. Am 13. Juli 1918 wurde er in der Schweiz interniert. Dabei wurde er als Adjutant und Aufsichtsoffizier eingesetzt. Am 15. August 1919 aus der Internierung entlassen. Im Ersten Weltkrieg wurde er nicht nur verwundet, was sich in der Verleihung des Verwundetenabzeichens in Schwarz widerspiegelte. Außerdem wurden ihm im 1. Weltkrieg neben beiden Eisernen Kreuzen auch noch andere Auszeichnungen verliehen. Nach seiner Rückkehr wurde er am 11. September 1919 in das vorläufige Reichsheer übernommen. Er wurde an diesem Tag auch zum Oberleutnant befördert. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 17. Januar 1917 festgelegt. Am 1. Oktober 1919 kam er als Zugführer zum Reichswehr-Pionier-Bataillon 24 der Reichswehr-Brigade 24 in Nürnberg. Ab dem 16. Dezember 1919 wurde er als stellvertretender Bataillonsadjutant im Reichswehr-Pionier-Bataillon 24 verwendet. Ab dem 14. Januar 1920 war er Führer der 4. technischen Kompanie des Bataillons. Bei der Bildung des 200.000 Mann Heeres der Reichswehr Mitte Mai 1920 war er Führer der Technischen Abteilung 4 der Reichswehr-Brigade 24. Kurz darauf gehörte er wieder direkt zum Reichswehr-Pionier-Bataillon 24 der Reichswehr-Brigade 24. Bei der Bildung des 100.000 Mann Heeres der Reichswehr wurde er am 1. Oktober 1920 in das 7. (Bayerisches) Pionier-Bataillon in München übernommen. Er wurde dort als Kompanieoffizier anfangs eingesetzt. Am 9. März 1922 wurde er zum Bataillonsadjutant vom 7. (Bayer.) Pionier-Bataillon in München ernannt. Am 13. März 1922 absolvierte er seine Wehrkreisprüfung. Am 1. Juli 1922 hat er den 18. April 1916 als neues Rangdienstalter zugewiesen bekommen. Am 1. Februar 1923 wurde er zum Hauptmann befördert. Als solcher wurde er im 7. (Bayer.) Pionier-Bataillon als Führer der Brücken-Kolonne eingesetzt. 1924 wurde er dann Führer des Scheinwerfer-Zuges, die Brückenkolonne übernahm dafür Oberleutnant Hans Hoeflmayr, der spätere SA Brigadeführer und Faltbootpionier. Ab dem 10. April 1924 wurde er als Hauptmann beim Stabe des 7. (Bayer.) Pionier-Bataillon geführt. Am 8. August 1924 heiratete er Louise-Therese Schulze, Tochter des Fabrikbesitzers Wilhelm Schulze. Am 1. Oktober 1925 wurde er als Nachfolger von Hauptmann Oskar Cantzler zum Chef der 1. Kompanie vom 7. (Bayer.) Pionier-Bataillon in München ernannt. Dieses Kommando behielt er dann einige Jahre. Am 4. Dezember 1927 wurde seine Tochter Edith Roesinger geboren. Am 1. Februar 1929 wurde er Pionier-Offizier im Stab der Kommandantur München. Seine 1. Kompanie vom 7. (Bayer.) Pionier-Bataillon in München übernahm dafür Hauptmann Franz Geiger. Am 31. Oktober 1930 wurde sein Sohn Albrecht Roesinger geboren. Ab dem 1. Oktober 1931 war er Pionier-Lehr-Offizier an der Infanterie-Schule in Dresden. Dort wurde er am 1. Juni 1933 auch zum Major befördert. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 1. Oktober 1934 zum Kommandeur vom Pionier-Bataillon Riesa B in Pirna ernannt. Dieses sollte eigentlich das Pionier-Bataillon 14 sein. Bei der Enttarnung der Einheiten wurde er am 15. Oktober 1935 zum Kommandeur vom Pionier-Bataillon 13 in Pirna ernannt. Am 1. Januar 1936 wurde er als Bataillonskommandeur zum Oberstleutnant befördert. Am 12. Oktober 1937 gab er sein Bataillon an Major Georg Klemm ab. Dafür wurde er an diesem Tag zum Führer vom Festungs-Pionierstab 20 in Landau (Pfalz) ernannt. Seine Privatanschirft wurde jetzt die Ludwig-Siebert-Straße 27 in Landau in der Pfalz mit der Telefonnummer 2480. Am 1. Juni 1938 wurde er zum Oberst befördert. Auch bei der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg Ende August 1939 blieb er weiter der Führer vom Festungs-Pionierstab 20. Am 5. Januar 1941 gab er sein Kommando ab. Am 6. Januar 1941 wurde dafür Otto Roesinger zum Kommandeur vom Pionier-Regimentstab (motorisiert) 685 ernannt. Am 7. Februar 1941 erhielt er von der Kommandantur der Befestigungen Saarpfalz folgende Beurteilung: "Knorrige, feste, aufrechte Soldatennatur. Offizier alter Schule mit betont strenger Pflichtauffassung. Hart gegen sich und Untergebene, vorbildlich besorgt um das Wohl seiner Untergebenen. Strenger befähigter Erzieher seines Offizierskorps. Seine Neigung gilt der Truppe, für die er sich am besten eignet." Im Sommer 1941 verunglückte er im Dienst und verbrachte die Zeit bis Herbst 1941 im Lazarett. Er hatte einen Schenkelhalsbruch erlitten. Nach seiner Genesung wurde er am 1. Oktober 1941 zum Kommandeur vom Festungs-Nachschubstab West in Wiesbaden ernannt. Ende März gab er sein Kommando über den Festungs-Nachschub-Stab West bereits wieder ab. Am 1. April 1942 wurde er zum Kommandeur der Pionierschule für schweren Brückenbau in Speyer ernannt. Diese Schule befand sich in der Kaserne Rulandstraße. Von General der Infanterie Friedrich Olbricht dem Chef vom Allgemeinen Heeresamt (AHA) erhielt er am 20. April 1942 folgende Beurteilung: "Ein Offizier von aufrechtem Charakter, eifrig und korrekt, verlangt viel, sorgt aber unermüdlich für seine Untergebenen. Erst fiel es diesem ausgesprochenen Truppenoffizier schwer, seiner jetzigen Tätigkeit Geschmack abzugewinnen. Jetzt hat er dies voll überwunden, hat sich mit Hingabe und großem Geschick eingearbeitet und die ihm gestellten Nachschubaufgaben reibungslos geleitet. Durch einen Dienstunfall (Beinverkürzung 4 cm) für Verwendung in der Truppe behindert." Am 8. April 1942 folgte die Beförderung zum Generalmajor. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. April 1942 festgelegt. Am 20. März 1943 erhielt er von General der Pioniere Walter Kuntze, dem Chef des Ausbildungswesens im Ersatzheer, folgende Beurteilung: "Aufrechte, klare, gegen sich harte Persönlichkeit. Als Kommandeur der Schule dank seines Könnens, seines Vorbildes als Soldat und Mensch, seines guten Einflusses auf Untergebene besonders bewährt. Durch und durch Nationalsozialist. Vor dem Feinde bewährt. Ausgezeichnetes Fach-Können und -Wissen. Guter Organisator. Beurteilung: Über Durchschnitt. Empfehlung: Eignung als Inspekteur der Pioniere und Eisenbahnpioniere im Ersatzheer, Kommandeur eines Festungsabschnittes." Am 28. Oktober 1943 wurde er dann durch den Umzug des Lehrstabs C von Dessau nach Straßburg auch zum Kommandeur des Lehrstab C der Pionierschule für schweren Brückenbau in Straßburg ernannt. Am 20. März 1944 erhielt er von General der Pioniere Walter Kuntze, dem Chef des Ausbildungswesens im Ersatzheer, folgende Beurteilung: "Aufrecht, klar, hart gegen sich selbst. Überzeugter Nationalsozialist. Vor dem Feinde bewährt. Dank seines Wissens und Könnens, seines guten Einflusses auf Untergebene und seiner Fürsorge als Kommandeur seiner Schule besonders bewährt. Geistig gut beanlagt, körperlich trotz eines Beinschadens leistungsfähig. Guter Organisator, recht gutes Fachwissen und -Können. Bewertung: Über Durchschnitt. Empfehlung: Eignung als Inspekteur der Pionier-Bautruppen im Ersatzheer." Dazu ergänzte Generaloberst Friedrich Fromm, Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres: "Einverstanden." Am 3. Juli 1944 wurde er durch die erneute Umbenennung seiner Schule nach der Rückverlegung zum Kommandeur der Pionierschule 2 in Speyer ernannt. Im Dezember 1944 wurde der Lehrstab C in Rosenheim neu aufgestellt. 1945 verlegte er mit seiner Schule von Speyer nach Rosenheim. Anfang Mai 1945 hatte er die Inn-Brücke in Rosenheim zur Sprengung vorbereiten lassen. Am 2. Mai 1945 verhinderte er die Sprengung der Brücke durch seinen Befehl. An diesem Tag geriet er auch in amerikanische Gefangenschaft. Am 30. Juni 1945 und 13. August 1945 gab er persönliche Berichte vor dem Kriegsverbrechertribunal ab. Aus der Gefangenschaft wurde er im September 1946 wieder entlassen. Später wurde er in Speyer auch als Stadtrat tätig.

 

Literatur und Quellen:
BArch, MSG 109/4919 : Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867-1945
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. Mai 1933
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. April 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938

Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955 
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
NARA Akte T-78 R-895