Niehoff, Hermann

 

* 3. April 1897, Papenburg an der Ems

† 5. November 1980, Ringsee / Obb.

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Nach seinem Abitur trat Hermann Niehoff am 1. Juni 1915 als Fahnenjunker in die Kaiserliche Armee ein. Dabei kam er dann zum 8. Westfälisches Infanterie-Regiment "Herzog Ferdinand von Braunschweig" Nr. 57 nach Wesel. Bei diesem wurde er an der Front am 27. Januar 1916 zum Leutnant befördert. Das Patent wurde dabei auf den 24. März 1915 datiert. Bei Kriegsende war er Kompanieführer. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm neben beiden Eisernen Kreuzen auch noch andere Auszeichnungen verliehen. Er wurde nach einer gewissen Zeit als Angehöriger des "Freikorps Wesel" in das Reichsheer übernommen. Beim Übergangsheer im Frühjahr 1920 gehörte er dann zum Reichswehr-Infanterie-Regiment 110. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr kam er dann zum 17. Infanterie-Regiment. Dort wurde er dann zumindest die ersten Jahre als Kompanieoffizier eingesetzt. Spätestens ab dem Frühjahr 1924 gehörte er für längere Zeit zur 1. Kompanie vom 16. Infanterie-Regiment in Bremen. Im Sommer 1925 wurde er bei dieser dann zum Oberleutnant befördert. Das Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. April 1925 festgelegt. Er wurde als solcher dann für die nächsten Jahre in die 4. (MG.) Kompanie vom 16. Infanterie-Regiment in Bremen versetzt. Am 1. Oktober 1927 wurde er dann für zwei Jahre zur Führergehilfenausbildung in den Stab der 6. Division der Reichswehr nach Münster versetzt. Am 1. Oktober 1929 wurde er dann wieder in das 16. Infanterie-Regiment versetzt. Dort wurde er jetzt die nächsten Jahre in der 8. (MG.) Kompanie in Hannover eingesetzt. Im Frühjahr 1932 gehörte er dann zum Stab des II. (Preuß.) Bataillons vom 16. Infanterie-Regiment in Hannover. Kurz darauf wurde er zum Hauptmann befördert. Am 1. August 1936 wurde er zum Major befördert. Am 1. Mai 1938 wurde er dann zum Kommandeur des I. Bataillons vom Infanterie-Regiment 39 in Düsseldorf ernannt. Zum Beginn des 2. Weltkrieges führte er sein Bataillon im Sommer 1939 in Stellungen in Westen. Nach wenigen Tagen wurde er Anfang September 1939 zum Führer vom Infanterie-Ersatz-Regiment 211 in Köln-Mühlheim ernannt. Am 1. November 1939 wurde er zum Oberstleutnant befördert. Gleichzeitig wurde er dann auch zum Kommandeur vom Infanterie-Ersatz-Regiment 211. Am 3. Juni 1940 gab er sein Kommando ab. Ab diesem Tag befehligte er das Infanterie-Regiment 464 im Westfeldzug gegen Frankreich. Dabei wurde ihm noch die Spange zum Eisernen Kreuz 2. Klasse verliehen. Zum Beginn des Sommers 1941 führte er das Regiment im Ostfeldzug beim Angriff Nordrussland. Bereits nach wenigen Wochen wechselte die Angriffsrichtung nach Mittelrussland. Dabei wurde ihm jetzt auch die Spange zum Eisernen Kreuz 1. Klasse verliehen. Am 29. September 1941 wurde ihm dann die Ehrenblattspange des Heeres verliehen. Am 1. Oktober 1941 wurde er im Osten zum Oberst befördert. Das Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. April 1941 festgelegt. Am 16. Januar 1942 wurde er mit dem Deutsches Kreuz in Gold ausgezeichnet. Im Februar 1942 wurde er zur Verleihung vom Ritterkreuz eingereicht, aber abgelehnt. Auch bei der Umbenennung seines Regiments zum Grenadier-Regiment 464 im Herbst 1942 blieb er weiter der Kommandeur. Im Frühjahr 1943 gab er sein Kommando ab. Dafür übernahm er am 1. April 1943 dann die Führung über die neu aufgestellte 371. Infanterie-Division in der Bretagne. Am 1. Juni 1943 folgte seine Beförderung zum Generalmajor. Damit wurde er dann zum Kommandeur der 371. Infanterie-Division ernannt. Ab dem Herbst verlegte er mit der Division Frontabschnitt für Frontabschnitt in Richtung des Südabschnitts der Ostfront. Am 1.April 1944 wurde er zum Generalleutnant befördert. Für die Erfolge bei der Führung seiner Division wurde ihm am 15. Juni 1944 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Nach den harten Abwehrkämpfen im Weichselbogen erhielt er am 5. März 1945 das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Kurz zuvor, am 2. März 1945 wurde er seines Kommandos bei der 371. Infanterie-Division enthoben und dafür zum Festungs-Kommandant von Breslau ernannt. Am 1. April 1945 wurde Niehoff zum General der Infanterie befördert. Er setzte sich gegen den selbstherrlichen Gauleiter Karl Hanke in den Fragen der Festungs-Verteidigung durch, wobei die Festung aus der fast vollständig zerstörten Stadt Breslau mit etwa 140000 Zivilisten bestand, dazu bunt zusammengewürfelte Einheiten von Heer, Luftwaffe und Waffen-SS (u.a. Reg. Besslein, Reg. Mohr, Luftwaffen-Reg. Wehl, Luftkriegsschule 5 Breslau). Am 26. April 1945 erfolgte die Verleihung der Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub an General Niehoff. In aussichtsloser Lage entschloss sich Niehoff am 6. Mai 1945, die Stadt der Roten Armee zu übergeben. Niehoff kam in russische Gefangenschaft, wurde wegen angeblicher Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt und anschließend zu 25 Jahren Gefängnis begnadigt. Erst Ende 1955 kehrte er nach Deutschland zurück.

Nach dem Krieg ging Niehoff in die Industrie und schrieb zahlreiche Artikel zum Untergang Breslaus. Er zog nach Leichlingen an der Wupper und anschließend in das bayrische Ringsee.

 

Ritterkreuz (15. Juni 1944) Eichenlaub (5. März 1945) Schwerter (26. April 1945)

Literatur und Quellen:
Peter Stockert: Die Eichenlaubträger 1940 - 1945, 4 Bände, Bad Friedrichshall, 1996 / 1997
Peter Stockert: Die Eichenlaubträger 1940 - 1945, 9 Bände, 4. überarbeitete Auflage, Bad Friedrichshall 2010 / 2011