Pflugbeil, Kurt

 

* 9. Mai 1890, Hütten bei Königstein / Sachsen

† 31. Mai 1955, Weede bei Göttingen / Niedersachsen

 

Kurt Pflugbeil trat am 1. April 1910 als Fahnenjunker in die Königlich Sächsische Armee ein. Der Sohn eines Sägewerksbesitzers kam dabei zum 10. Königlich Sächsisches Infanterie-Regiment Nr. 134. Bei diesem wurde er dann nach dem Besuch der Kriegsschule Hannover am 23. November 1911 zum Leutnant befördert. Als Zugführer nahm er dann anfangs mit seinem Regiment am Ersten Weltkrieg teil. 1915 beantragte er die Versetzung zur Fliegertruppe, wo er zum Kampfflieger und Beobachter ausgebildet wurde. Bei dieser wurde er am 21. Oktober 1915 zum Oberleutnant befördert. Bei Kriegsende war er Oberleutnant. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm neben dem Ritterkreuz des Königlich Preußischen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern und beiden Eisernen Kreuzen noch einige weitere Auszeichnungen verliehen. Nach dem 1. Weltkrieg wurde er nach einem längeren Einsatz im Grenzschutz beim Grenzjäger-Regiment Zeithain als Oberleutnant in das Reichsheer übernommen. Am 1. Oktober 1919 kam er dann zum Reichswehr-Infanterie-Regiment 38. Auch beim 200.000 Mann-Übergangsheer im Frühjahr 1920 gehörte er dann noch zum Reichswehr-Infanterie-Regiment 38. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er dann in das 11. (Sächs.) Infanterie-Regiment übernommen. Bei diesem wurde er am 1. April 1921 zum Hauptmann befördert und als solcher auch zum Kompaniechef der 15. Kompanie vom 11. (Sächs.) Infanterie-Regiment ernannt. Sein Rangdienstalter wurde dann auf den 18. August 1918 festgelegt. Ab dem 1. April 1923 wurde er mehrere Jahre als Chef der 1. Kompanie vom 11. (Sächs.) Infanterie-Regiment in Freiberg (Sachsen) eingesetzt. Am 1. Oktober 1926 wurde er dann zum Rittmeister umbenannt. Als solcher wurde er dann zum 11. (Preuß.) Reiter-Regiment versetzt. Von diesem wurde er in den Stab der 4. Division der Reichswehr nach Dresden kommandiert. Im Frühjahr 1927 gehörte er dann zur Ausbildungs-Eskardon vom 11. (Preuß.) Reiter-Regiment in Ohlau, blieb aber weiter kommandiert. Als Rittmeister schied er dann am 31. März 1928 aus dem aktiven Dienst aus. Dies geschah nur zur Tarnung und in der Folge besuchte er die nächsten drei Jahre diverse geheime Fliegerkurse in Rußland, Schweden und Italien. Am 1. April 1931 wurde er dann als Rittmeister mit seinem alten Rangdienstalter wieder in die Reichswehr übernommen. Zuerst wurde er dann im Stab der 3. Division der Reichswehr in Berlin eingesetzt. Am 1. Oktober 1931 wurde er zum Major befördert. Als solcher wurde er am 1. Oktober 1931 zum Kommandeur der 2. (Preuß.) Fahr-Abteilung in Rendsburg ernannt. 1934 wurde er zur noch geheimen Fliegertruppe versetzt. Dort wurde er dann am 1. März 1934 zum Kommandeur der noch geheimen Kampfliegerschule Lechfeld ernannt. Diese nannte sich zur Tarnung noch Bombenschule Lechfeld. Am 1. August 1934 wurde er zum Oberstleutnant befördert. Als solcher wurde er am 1. Oktober 1935 zum Inspekteur der Kampfflieger im Reichsluftfahrtministerium (RLM) in Berlin ernannt. Als solcher wurde er am 1. April 1936 zum Oberst befördert. Von April 1937 bis Ende September 1937 wurde er parallel auch als Höherer Kommandeur der Lehrtruppen der Luftwaffe eingesetzt. Auch bei seiner Beförderung am 1. Januar 1939 zum Generalmajor wurde er noch im RLM in dieser Funktion eingesetzt. Anfang August 1939 wurde er dann zum Kommandeur vom Luftgaustab z.b.V. 8 im Luftgau VIII ernannt. In dieser Funktion wurde er dann auch bei Beginn des 2. Weltkrieges im Sommer 1939 eingesetzt. Durch die Umbenennung seines Stabes wurde er dann Ende 1939 zum Kommandeur vom Luftgaustab z.b.V. 16 ernannt. Nach dem Ende vom Frankreichfeldzug wurde er dann Ende Juni 1940 zum Kommandierender General vom Luftgau Belgien-Nordfrankreich in Brüssel ernannt. Er trug jetzt bereits beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen. Ende August 1940 übernahm er dann die Führung über das  IV. Fliegerkorps. Dieses führte er dann zuerst im Einsatz gegen England. Am 1. September 1940 wurde er dann zum Generalleutnant befördert. Als solcher wurde er dann auch am gleichen Tag zum Kommandierender General des IV. Fliegerkorps ernannt. Ab Sommer 1941 führte er sein Korps dann im Südabschnitt der Ostfront. Für seine Führungsleistung wurde er am 5. Oktober 1941 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Am 31. Oktober 1941 wurde er erstmals namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Von deutschen und rumänischen Truppen scharf verfolgt, ist der Feind auf der Krim in voller Flucht. Damit haben die langen und schweren Durchbruchskämpfe ihre Krönung gefunden, mit denen die Infanteriedivisionen der Armee des Generals der Infanterie von Manstein im Verein mit dem Fliegerkorps des Generalleutnants Pflugbeil die schmalen Landengen bezwungen haben, die zur Halbinsel führen." Am 1. Februar 1942 wurde er zum General der Flieger befördert. Am 30. Mai 1942 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Die Luftwaffenverbände des Generalobersten Löhr und des Generals der Flieger Pflugbeil unterstützten in schonungslosem Einsatz die Kämpfe des Heeres in der Abwehr wie im Angriff und schlugen die feindliche Luftwaffe aus dem Felde." Ende August 1943 übernahm er dann als Oberbefehlshaber die Luftflotte 1. Am 11. April 1944 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "An dem Erfolg der Abwehrschlacht hat die Luftflotte des Generals der Flieger Pflugbeil hervorragenden Anteil." Für seine Führungsleistung bei den Abwehrkämpfen 1944 wurde er am 27. August 1944 mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Am 1. Januar 1945 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "In 11 schweren Kampftagen haben die unter dem Oberbefehl des Generalobersten Schörner kämpfenden Verbände des Heeres, der Waffen-SS und lettisches SS-Freiwilligen, hervorragend unterstützt durch die fliegenden Verbände und Flakeinheiten der Luftwaffe unter Führung ihres Oberbefehlshabers, General der Flieger Pflugbeil, den Ansturm von 46. Schützendivisionen und 22 Panzer- und Sturmgeschützverbänden abgeschlagen." General der Flieger Kurt Pflugbeil führte die Luftflotte 1 bis zum Kriegsende im Mai 1945. Im April 1945 wurde der Stab dann auch zum Luftwaffen-Kommando Kurland umbenannt. Bei der Kapitulation in Kurland geriet er dann in russische Gefangenschaft. Am 8. Juni 1950 wurde er in Moskau zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Wegen einer schweren Krankheit wurde er Anfang Januar 1954 überraschend entlassen. Er war der jüngere Bruder vom Generalleutnant Johann Pflugbeil.

 

Ritterkreuz (5. Oktober 1941) Eichenlaub (27. August 1944)

Literatur und Quellen:
Peter Stockert: Die Eichenlaubträger 1940 - 1945, 4 Bände, Bad Friedrichshall, 1996 / 1997
Peter Stockert: Die Eichenlaubträger 1940 - 1945, 9 Bände, 4. überarbeitete Auflage, Bad Friedrichshall 2010 / 2011