Panzer V »Panther«

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Durch das Auftreten des neuen russischen Kampfpanzers T-34 und der damit verbundenen Wirkungslosigkeit der deutschen Kampfwagen- und Panzerabwehrkanonen sah sich das Waffenamt 1941/42 gezwungen, eine neue Kampfwagenkanone in Auftrag zu geben, die auf 1.000 m eine Panzerung von 140 mm durchschlagen sollte. Ende November 1941 wurden die Entwicklungsaufträge für ein dazugehöriges Fahrzeug an Daimler und MAN vergeben. Man entschied sich für den MAN-Entwurf, der Daimler-Entwurf erinnerte stark an den T-34. Am 14. Mai 1942 wurde der »Panther« von Hitler genehmigt, und im September 1942 konnten die ersten beiden Fahrzeuge in Weicheisenausführung geliefert werden. Speer fuhr dann am 3. November 1942 den mit einem behelfsmäßigen Turm ausgerüsteten »Panther« auf dem Übungsplatz in Bad Berka zur Probe. Bei weiteren Erprobungen des Waffenamtes zeigten sich zahlreiche Schwachstellen am Fahrgestell, durch die die Serienproduktion immer weiter verzögert wurde.

Die Truppe hatte für "Zitadelle", der geplanten Offensive bei Kursk, eine Auslieferung von 250 Fahrzeugen bis zum 12. Mai 1943 gefordert, nachdem aber von den im Februar/März gelieferten 77 Stück der größte Teil zurückgerufen und im April überhaupt nichts geliefert wurde, war der auf den 15. Mai festgesetzte Angriffstermin nicht zu halten.

Im Mai 1943 wurden überhastet 324 »Panther« ausgeliefert, von denen 183 Stück an die neu aufgestellten Panzerabteilungen 50 und 51 gingen. Schwierigkeiten bereitete das komplizierte, binokulare Turmzielfernrohr (TZF) 12. Im Juni wurden nochmals 98 »Panther« ausgeliefert, doch auch diese Zahl reichte für die Einhaltung des Termins für das Unternehmen "Zitadelle" nicht aus. Am endgültigen Angriffstermin, dem 5. Juli 1943, waren 196 »Panther« einsatzbereit. Nach 24 Stunden waren es nur noch 38, die meisten Fahrzeuge mußten wegen Fahrwerks- und Motorstörungen von der eigenen Besatzung gesprengt werden.

Der »Panther« lief als Ausführung D vom Band. und wog 44,5 t. Die Fahrzeuge waren 8.650 mm lang, 3.270 mm breit und 3.000 mm hoch. Angetrieben wurden die Fahrzeuge von einem Zwölfzylinder-Maybach- Motor HL 230 P 30, der den Fahrzeugen eine Höchstgeschwindigkeit von 55 km/h verlieh. Die mitgeführten 730 l Kraftstoff ermöglichten den Fahrzeugen eine Fahrstrecke von 100 km. Die Bodenfreiheit betrug 560 mm, 900 mm hohe Hindernisse konnten überklettert und Gräben bis zu 2,45 m überwunden werden. Die Steigfähigkeit betrug 35°, die Watfähigkeit 170 cm. Die Ketten waren 660 mm breit und hatten ein Gewicht von je 2.050 kg. Im Turm war die 7,5-cm-KwK 42 L/70 untergebracht, für die 79 Granatpatronen mitgeführt wurden. Verschossen wurden die 893 mm langen Panzergranaten-Patronen 39/42 von 14,3 kg Gewicht oder die mit 929 mm etwas längeren Sprenggranaten-Patronen, die 11,2 kg wogen. Aus dem Rohr, das mit der Mündungsbremse eine Länge von 542 mm besaß, wurde meist die 6,8 kg schwere Panzergranate 39/42 mit einer v0 von 925 m/Sek. verschossen. Das ergab auf 1.000 m eine Durchschlagsfähigkeit von 110 mm. Eine noch bessere Leistung zeigte die 4,75 kg schwere Panzergranate 40/42, die, mit einer v0 von 1.120 m/Sek. verschossen, infolge des Hartkernes sogar 150 mm durchschlug. Die Rohrlebensdauer, die mit der Panzergranate 39/42 etwa 2.400 Schuß betrug, verringerte sich durch die nur 21 Prozent höhere v0 bei der Panzergranate. 40/42 auf 800 Schuß. Wegen Wolframmangels wurde aber die Produktion der Panzergranate 40/42 im Juli 1943 wieder eingestellt. Den fünf Mann Besatzung standen zudem zwei MG 34 mit 5.100 Schuß zur Verfügung.  Gepanzert war das Fahrzeug vorn an der Wanne mit 80 mm, seitlich mit 60 und an der Frontseite des Turmes sogar mit 100 mm.

Das Bergen von beschädigten schweren Panzerfahrzeugen war ein Problem; die im Zweier-, ja oft im Dreierzug eingesetzten 18-t-Zugkraftwagen waren für die Kampflinie nicht genug geschützt, man forderte deshalb den beschleunigten Bau der Berge-»Panther«. Das Waffenamt hat von den 12 Stück, die MAN im Juni provisorisch noch ohne Stützsporn und Seilwinde geliefert hatte, auch sofort 11 an die Truppe weitergeleitet. Danach hat die Firma Henschel 70 dieser Fahrzeuge geliefert, ab Februar 1944 wurden aber die Berge-»Panther« von der Firma Demag-Benrath gefertigt.

Ab September 1943 kam die A-Ausführung zur Auslieferung. Die Fahrzeuge besaßen ein verstärktes Fahrwerk, eine neue Kommandantenkuppel, und das komplizierte TZF 12 wurde durch eine monukulare Ausführung 12a ersetzt, mit der Vergrößerungen zwischen 2,5- und 5-fach möglich waren. Insgesamt wurden von dieser Ausführung 2.000 Stück geliefert.

Die ab März 1944 gelieferte G-Ausführung hatte eine erhöhte Panzerung: Die obere Seitenpanzerung stieg von 40 mm auf 50 mm, die Turmfront wurde auf 110 mm verstärkt. Der Vorrat an Granatpatronen für die KwK stieg auf 82 Schuß. De letzten Fahrzeuge erhielten auch noch die neuen gummisparenden Laufräder. All diese Neuerungen ließen das Gewicht auf 46,5 t steigen. Insgesamt wurden 3.286 Stück gebaut.

Als zusätzliches Gerät sollte hier der neuartige Bildwandler (Biwa) eingeführt werden. Bei der seit der Invasion im Westen wachsenden Luftüberlegenheit des Gegners wurden die Bewegungen der Panzerfahrzeuge während des Tages von feindlichen Jagdbombern besonders stark überwacht. Um die steigenden Verluste durch Luftangriffe herabzusetzen, wollte man nun das Nachtsichtgerät einsetzen, das schon im Herbst 1942 an der 7,5-cm-Pak erprobt wurde. Es wurde ein 200-Watt-Infrarotscheinwerfer auf die Kommandantenkuppel montiert, und über das dazugehörende Fernrohr konnte das Gelände auf etwa 200 m mit einer 1,2-fachen Vergrößerung betrachtet werden. Der Fahrer, der über kein Sichtgerät verfügte, fuhr nach den Anweisungen des Kommandanten. Da aber die Reichweite für das Schießen zu gering war, plante man den Einsatz von Beleuchtungswagen. Die Firma Leitz-Wetzlar hat für etwa 800 Geräte die Optik geliefert, und im November 1944 erhielt die Truppe die ersten 63 »Panther« mit dem Bildwandler. Für den gleichen Zweck hatte die Firma Zeiss-Jena das Wärmepeilgerät (WPG-Z) entwickelt, mit dem Panzerfahrzeuge auf etwa 4 km Entfernung geortet werden konnten. Wegen der Größe der Anlage - der Empfangsspiegel hatte 600 mm Durchmesser - ist damals aber eine Montage am »Panther« nicht weiterverfolgt worden.

Bei der Ausführung F sollte der neue "Schmalturm" aufgesetzt werden, dessen Panzerschutz auf 120 mm weiter verstärkt worden war. Die Turmdecke, gegen Fliegerbeschuß besonders empfindlich, sollte nun von 16 mm auf 45 mm verstärkt werden. Die bei Skoda geänderte KwK 44/1 trug keine Mündungsbremse mehr. Die neuartige Saukopfblende mit ihrer 120-mm-Panzerung sollte einen besseren Schutz bieten. An der Panzerwanne wollte man die obere Panzerung um 9 mm verstärken. Daimler hat noch acht dieser Fahrgestelle produziert, vom neuen Turm gab es aber nur zwei Stück.

Der Beobachtungspanzer V, zu dem 41 Fahrzeuge umgebaut wurden, besaß im Turm nur ein MG 34, die Kanone war eine Attrappe. Das mit vier Mann besetzte Fahrzeug besaß dafür den bereits erwähnten Entfernungsmesser, ein Turmbeobachtungs- und ein Scherenfernrohr sowie zwei Kommandanten-Beobach-tungsgeräte.

Beim Befehlspanzer, zu dem 329 Stück umgebaut wurden, mußte wegen der zusätzlichen FuG (Funkgeräte) 7 und 8 der Munitionsvorrat für die Kanone auf 64 Schuß reduziert werden.

Beim bereits erwähnten Berge-»Panther« war der Treibstoffvorrat auf 1.075 1 erhöht worden, die anfänglich zur Verteidigung montierte 2-cm-KwK 38 wurde durch zwei MG 34 mit 4.800 Schuß ersetzt.

Der »Panther II« sollte ein Fahrzeug werden, bei dem eine Anzahl Teile mit dem »Tiger II« austauschbar sein sollten. Der anfänglich vorgesehene Schmalturm sollte später durch einen neuen Turm mit der 8,8-cm-KwK 43 des »Tigers« ersetzt werden. Von den beiden begonnenen Mustern ist nur ein Fahrgestell mit dem Turm der G-Ausführung fertig geworden - bei 89 t der verschiedenen Rohstoffe ergab sich ein Fertiggewicht von fast 55 t.

Beim »Panther« finden sich auch einige Flakpanzer. Zuerst war es der von Rheinmetall entwickelte Turm "Coelian" mit zwei 3,7-cm-Flak-Waffen, von dem es eine Attrappe gab. Im Mai 1944 hatte man einen Flakpanzer mit der neuen 5,5-cm-Waffe gefordert, ein Holzmodell mit einem Zwillingsaufbau wurde noch Mitte Februar 1945 vorgestellt. Bei Krupp gab es noch den Versuchsflakwagen (VFW) mit einer 8,8-cm-Flak-Kanone - wenn auch nur als Holzmodell. Die Serienausführung hätte 31 t gewogen.

Abschließend zeigt die folgende Tafel die Produktion von drei »Panther«-Typen bis zum Mai 1945:

  1943 1944 1945
Panzer V »Panther« 1 848 3 777 507
Berge-Panzer V 82 227 38
»Jagdpanther« 1 226 198

Am 1. März 1945 standen 1.763 »Panther« der normalen Ausführung, 169 Befehlswagen, 256 Bergefahrzeuge und 202 »Jagdpanther« an der Front. Das Ersatzheer verfügte einschließlich der zwölf Schulungswagen und einiger Befehlswagen über 20 normale Fahrzeuge, sechs Jagd- und 21 Berge-»Panther«.

Mit der sich verschlechternden militärischen Situation verminderte sich der Bestand erheblich, am 10. April meldeten die Einheiten einschließlich der Befehlswagen noch 564 im Osten, 38 im Westen und die 26. Panzer-Division aus Italien noch 25 Fahrzeuge - einsatzfähig waren davon 321 Stück. Vom »Jagdpanther« waren im Osten, u. a. bei der Pz.Jg.Abt. 616, noch elf, im Westen bei der Pz.Jg.Abt. 512 sogar nur noch fünf einsatzfähig. Weitere 40 Fahrzeuge befanden sich in der Instandsetzung.

Produktionszahlen für drei verschiedene Granatpatronen (in 1.000 Schuß):

Bezeichnung 1943 1944 1945
7,5-cm-Spreng-Patrone 42 946,6 1.749,4 138,1
7,5-cm-Panzergranten-Patrone 39/42 882,6 1.044,2 58,9
7,5-cm-Panzergranaten-Patrone 40/42 18,8 - -