Ladungsträger

 

1939 wurde der Firma Borgward ein Auftrag über die Entwicklung eines ferngesteuerten Kettenfahrzeuges aus Beton vergeben, welches mit Hilfe eines Räumwalzen-Anhängers Gassen in feindliche Minenfelder ziehen sollte. Das Fahrzeug erhielt die Bezeichnung B1, hatte ein Gewicht von 1,5 t und wurde von einem 29 PS Motor angetrieben. Bis Mai 1940 wurden 50 Stück der offiziell »Minenräumwagen« genannten Fahrzeuge geliefert.

Die weiterentwickelte Version mit der Bezeichnung B11 wog 2,3 t und hatte einen 49 PS Motor. Eine Bestellung über 100 Fahrzeuge wurde annuliert, da sich in den Versuchen zeigte, daß die Fahrzeuge meist selbst Opfer der Minen wurden. Aus ihnen ging aber der schwere Ladungsträger hervor, der bei Borgward die Bezeichnung B IVa erhielt. Die 3,45 t schweren Fahrzeuge waren 3650 mm lang, 1800 mm breit und 1185 mm hoch. Sie wurden ebenfalls mit dem 49 PS Motor angetrieben, hatten eine Treibstoffvorrat von 130 l, was einen Fahrbereich von etwa 120 km im Gelände ergab. Die ersten dieser Fahrzeuge wurden im April 1942 vom Waffenamt abgenommen. Ihr erster Einsatz erfolgte im November 1942.

Von diesen Fahrzeugen wurden bis Juni 1943 insgesamt 613 Fahrzeuge ausgeliefert. Danach schloß sich die verbesserte Ausführung B an. Die Fahrzeuge dieser Version hatten zusätzliche Panzerbleche, so daß ihr Gewicht auf fast 4 t stieg. Insgesamt 260 Stück wurden bis November 1943 produziert. Die abschließende Ausführung C war 4100 mm lang, 1830 mm breit und 1250 mm hoch. Die Fahrzeuge waren mit einem 78 PS 6-Zyl.-Borgward-Motor ausgestattet, der ihnen eine Geschwindigkeit von 40 km/h verlieh. Der Panzerschutz war vorne und seitlich noch weiter verstärkt worden, er betrug nun 20 mm. Dadurch stieg das Gewicht der Fahrzeuge auf 5t. Insgesamt wurden 305 Stück davon gebaut. Es gab auch Versuche, die Fahrzeuge mit Fernsehkameras auszustatten, um sie auf größeren Entfernungen besser steuern zu können, diese waren allerdings bis Kriegsende noch nicht abgeschlossen. Anfang 1945 wurden einige Fhrzeuge mit drei Panzerschreckrohren zu Panzerjägern umgebaut, sie wurden vor allem in der Schlacht um Berlin verwendet. Im März 1945 gab es noch 397 Fahrzeuge der B 1V-Ausführung, die sich wie folgt verteilten: 73 in den Zeugämtern, 114 beim Ersatzheer, 131 in der Instandsetzung und nur 79 bei der Fronttruppe.

Bei der Schlacht um Frankreich erbeutete die Wehrmacht an der Seine einen von der französischen Firma Kegresse entwickelten kleinen Sprengladungsträger. In Deutschland baute man nun ein 370 kg schweres Fahrzeug mit zwei Bosch-Elektromotoren, einem Fahrbereich von 1,5 km und einer Geschwindigkeit von 10 km/h. Die später Goliath Fahrzeuge waren 1500 mm lang, 850 mm breit und 560 mm hoch. Die trugen mittels Drahtsteuerung 60 kg Sprengstoff ans Ziel und wurden bei der Detonation selbst vernichtet. Er wurde ab April 1942 an die Truppe geliefert. Da die Fahrzeuge wegen ihrer Elektromotoren sehr teuer waren (3000 RM), entschied man sich, eine neue Variante mit Vergasermotor zu entwickeln. Trotzdem lief die Fertigung der Elektro-Version bis Juli 1944 weiter, es wurden insgesamt 2650 Exemplare gebaut.

Die ersten Vergaser-Goliath wurden im April 1943 ausgeliefert. Sie waren 1600 mm lang, 850 mm breit und 600 mm hoch. Als Antrieb fand ein 703 cm³ 2-Zyl.-Zündapp-Motor Verwendung, der dem Fahrzeug mit seinen 12,5 PS eine Geschwindigkeit von 10 km/h brachte. Diese Version wog 365 kg, der Treibstoffvorrat von 6 l erbrachte einen Fahrbereich von 7 km. Die Sprengladung wuchs auf 75 kg. Insgesamt wurden 4594 Stück gebaut.

 

Eine Weiterentwicklung war ein auf 400 kg Gewicht angewachsenens, drahtgelenktes Fahrzeug, welches 100 kg Sprengstoff trug. Damit stieg das Gesamtgewicht auf 430 kg, die Länge auf 1630 mm und die Breite auf 910 mm. Im November 1944 wurden 325 Stück davon hergestellt.

Die Fahrzeuge waren empfindlich, schwer zu handhaben, und die Sprengladung war zu klein. Die erheblichen Bestände am 1. März 1945 von 2527 Stück mit Elektro- und 3797 Stück mit Vergasermotor zeigen den geringen Einsatzwert dieser Fahrzeuge.

Für amphibische Einsätze wurde bei Borgward die Ente entwickelt, von der nur zwei Muster gebaut wurden. Sie besaß das Fahrgestell des B II und war mit einem 6-Zylinder-Motor ausgestattet.

Wegen der schlechten Einsatzerfahrungen begann man 1944 mit der Entwicklung des mittleren Ladungsträgers Springer. Die Fahrzeuge wurden auf dem Fahrgestell des Sd.Kfz. 2 entwickelt, man erhöhte aber die Laufräder von vier auf fünf je Seite. Der Springer war aber zu schwer, und die Geländegängigkeit ließ zu wünschen übrig. Da vom großen Ketten-Krad bei der Firma Stoewer nur ein Muster existierte, verlängerten die Konstrukteure der NSU-Werke ihr Muster nun um ein weiteres Laufradpaar. Als Antrieb diente ein 4-Zyl.-Opel-Motor von 1,5 1 Hubraum mit 36 PS. Damit wurde eine Geschwindigkeit von 42 km/h erreicht. Der Kraftstoffvorrat von 42 1 reichte für eine Fahrstrecke von knapp 80 km im Gelände. Die Panzerung betrug vorn 10 mm, an den Seiten 5 mm. Das Fahrzeug trug 300 kg Sprengstoff; es wurde von einem Mann in die Nähe des Einsatzortes gefahren. Von dort aus wurde es über eine Funkfernsteuerung der Firma Blaupunkt in das Ziel gelenkt. Vom 2,4 t schweren Springer waren bis zum Mai 1945 nicht weniger als 460 Stück geplant; die Entwicklung wurde aber Ende 1944 aus dem Notprogramm gestrichen, und die NSU-Werke haben nur 50 Stück montiert. Davon hat das Waffenamt noch drei Stück in den Truppenversuch abgegeben. Man versuchte noch das Fahrgestell für den Kleinpanzer »Wanze« zu verwenden. Außer einem Holzmodell mit der 10,5-cm-PAW-Kanone ist aber kein Modell mehr fertig geworden.

Da alle bisherigen maschinellen Minenräumer versagten, vergab das Waffenamt im September 1940 einen Entwicklungsauftrag an die Firmen Alkett und Krupp, wobei die Räummethode wieder aus einer angehängten Walze bestehen sollte, welche eine Gasse mit 3 m Breite räumen sollte. Nachdem die Arbeiten bei Alkett wieder eingestellt worden waren, schuf man bei Krupp den Räumer-S. Dieses Fahrzeug wog 130t. Dabei wurden zwei gleich aussehende Fahrzeughälften mit einer hydraulischen Kupplung verbunden waren. Beide Hälften waren mit einem 360 PS Motor ausgestattet. Das Fahrzeug war 15630 mm lang und 2930 mm hoch. Es besaß 500 mm breite Stahlräder, welche einen Durchmesser von 2700 mm hatten und mit 150 mm dicken Gummipolstern ausgestattet waren..Durch die unterschiedliche Breite der Fahrzeughälften von bis zu 3270 mm sollte eine möglichst breite Minengasse geräumt werden. Es wurde aber nur ein Musterfahrzeug gebaut, da der Bodendruck für das Gelände viel zu hoch war.

Produktion der Ladungsträger bis zum März 1945:

  1942 1943 1944 1945
le.Lad.Träger »Goliath«/E 850 1 731 69 -
le.Lad.Träger »Goliath«/V - 2 112 2 684 123
m. Lad.Träger »Springer« - - 35 15
s.Lad.Träger B IV 238 651 304 -