von Stülpnagel, Joachim Fritz Constantin

 

* 5. März 1880, Glogau

† 17. Mai 1968, Oberaudorf

 

Joachim von Stülpnagel trat nach seiner Kadettenausbildung am 15. März 1898 als Leutnant ohne Patent in die Königlich Preußische Armee ein. Der Offizierssohn kam dabei zum 1. Garde-Regiment zu Fuß nach Potsdam. 1904 wurde er dann in das 1. Großherzoglich Hessisches Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115 nach Darmstadt versetzt. Im Herbst 1905 heiratete er. Am 1. Oktober 1906 wurde er dann für fast drei Jahre zur Kriegsschule nach Berlin kommandiert. Im Juli 1909 kehrte er wieder zum 1. Großherzoglich Hessisches Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115 zurück. Am 1. April 1910 wurde er in den Großen Generalstab kommandiert. Dort wurde er am 22. März 1912 zum Hauptmann i.G. befördert. Bei Beginn des 1. Weltkrieg kam er dann als Generalstabsoffizier vom X. Armeekorps an die Front. Im Ersten Weltkrieg wurde er auf einigen Generalstabsstellen verwendet. Am 28. Dezember 1916 wurde er als Ia der 11. Armee zum Major befördert. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm beide Eiserne Kreuze und noch weitere Auszeichnungen verliehen. 1919 wurde er als Major in das Reichsheer übernommen. Dabei wurde er zuerst im Reichswehrministerium in Berlin eingesetzt. Auch beim 200.000 Mann-Übergangsheer im Frühjahr 1920 und bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres blieb er weiter im Reichswehrministerium verwendet. Dort wurde er am 1. Juni 1921 als Leiter der Heeresabteilung (T 1) im Truppenamt (TA) zum Oberstleutnant befördert. Am 1. Februar 1926 wurde er unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberst in den Regimentsstab vom 17. Infanterie-Regiment nach Braunschweig versetzt. Am 1. November 1926 wurde er dann auch als Nachfolger von Oberst Heinrich von Bünau zum Kommandeur vom 17. Infanterie-Regiment ernannt. Am 31. Januar 1927 gab er dieses Kommando an Oberst Benno Pflugradt bereits wieder ab. Er wurde am 1. Februar 1927 zum Chef vom Heerespersonalamt (PA) im Reichswehrministerium ernannt. Als solcher wurde er am 1. April 1928 zum Generalmajor befördert. Am 1. Oktober 1929 wurde er unter gleichzeitiger Beförderung zum Generalleutnant als Nachfolger von Generalleutnant Rudolf Schniewindt zum Kommandeur der 3. Division der Reichswehr ebenfalls in Berlin ernannt. Dadurch wurde er gleichzeitig auch zum Befehlshaber vom Wehrkreis III. Am 31. Oktober 1931 wurde er wegen Meinungsverschiedenheiten mit politischen Generälen aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Dabei wurden ihm die Charakter eines General der Infanterie verliehen.

Danach versuchte er sich im Verlagswesen. 1935 heiratete seine Tochter Gisela den späteren Widerständler und Oberstleutnant i.G. Hans-Alexander von Voß, Sohn vom Generalleutnant a.D. Hans von Voß. 1936 gründete er den Verlag "Die Wehrmacht". In den 30iger Jahren wurde ihm die Berechtigung verliehen die Uniform des Infanterie-Regiment 17 mit den Generalsabzeichen zu tragen. 1939 wurde er kurzzeitig reaktiviert und als Befehlshaber des Ersatzheeres vorgesehen. Wegen seiner Kriegseinstellung wurde er aber noch vor Beginn des 2. Weltkrieges wieder entlassen. 1943 enteignete das NS-Presseamt seinen Verlag. Im Zusammenhang mit dem Putschversuch des 20. Juli 1944 wurde er am 16. August 1944 verhaftet. Anfang November 1944 wurde er wieder aus der Haft entlassen. Nach dem Krieg lebte er in Oberaudorf. Er war der ältere Bruder vom Generalmajor Siegfried von Stülpnagel.