von Unruh, Walter Rudolf Moritz

 

* 30. August 1877, Tillendorf (Fraustadt)

† 15. September 1956, Bad Berneck

 

Walter von Unruh trat nach seiner Kadettenausbildung am 7. März 1896 als Sekondeleutnant in das Königlich Preußische Heer ein. Er kam dabei zum 2. Posensches Infanterie-Regiment "von Coubière" Nr. 19. 1902 hat er erstmals geheiratet. Am 10. April 1906 wurde er bei diesem als Regimentsadjutant zum Oberleutnant befördert. Im Frühjahr 1908 wurde er in den Großen Generalstab kommandiert. Am 22. März 1910 wurde er mit seiner Ernennung zum Hauptmann i.G. auch offiziell dorthin versetzt. Am 1. Oktober 1910 wurde er zum Adjutant beim Oberquartiermeister ernannt. Ab Anfang 1912 wurde er dann im Generalstab des XIII. Armeekorps eingesetzt. Am 1. Oktober 1913 wurde er als Kompaniechef in das 6. Württembergisches Infanterie-Regiment "König Wilhelm I" Nr. 124 versetzt. Dort verblieb er dann bei zur Mobilmachung für den 1. Weltkrieg. Am 2. August 1914 wurde er dann in den Generalstab der 25. Reserve-Division versetzt. Dort wurde er am 22. März 1915 zum Major i.G. befördert. Im Frühjahr 1916 wurde er dann in den Generalstab der 22. Reserve-Division versetzt, bevor er im Sommer 1916 zum Chef des Generalstabes vom Karpathen-Korps ernannt wurde. Anfang 1918 wurde er dann zum Chef des IV. Reserve-Korps ernannt. Als solcher wurde er am 21. April 1918 mit dem Pour le mérite ausgezeichnet. Im Krieg wurden ihm neben neben dem Ritterkreuz des Königlich Preußischen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern und beiden Eisernen Kreuzen noch sehr viele andere Auszeichnungen verliehen. Nach dem 1. Weltkrieg wurde er nach einer kurzen Zeit als Freikorpsführer in das Reichsheer übernommen und im Generalstab vom Grenzschutz Süd eingesetzt. Im Übergangsherr wurde er dann in den Generalstab vom Gruppenkommando 2 versetzt. Am 1. Oktober 1920 wurde er dann zum Chef des Stabes der 6. Division der Reichswehr ernannt. Dort wurde er Ende 1920 zum Oberstleutnant befördert. Das Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Oktober 1920 festgesetzt. Zum 1. März 1922 wurde er dann in das 20. (Bayer.) Infanterie-Regiment versetzt. Am 1. Oktober 1922 wurde er zum Kommandeur des I. Bataillons vom 20. (Bayer.) Infanterie-Regiment in ernannt. Als solcher wurde er am 1. April 1924 zum Oberst befördert. Danach wurde er in den Regimentsstab vom 20. (Bayer.) Infanterie-Regiment nach Regensburg versetzt. Am 1. November 1925 wurde er zum Kommandant von Küstrin ernannt. Am 1. Dezember 1926 wurde er zum Kommandeur vom 6. Infanterie-Regiment in Lübeck ernannt. Am 28. Februar 1927 wurde er aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Dabei wurden ihm die Charakter eines Generalmajor verliehen.

Er wurde jetzt für die nächsten zehn Jahre Ehrenadjutant von Ex-Kaiser Wilhelm II. in dessen Exil in Doorn in der Niederlande. Bei der Mobilmachung für den zweiten Weltkrieg wurden ihm am 27. August 1939 als so genannten Tannenberg-General die Charakter eines Generalleutnant verliehen. Am 24. Juli 1941 wurde er zum Generalleutnant befördert. Das Patent wurde später auf den 1. Februar 1942 datiert. Er wurde an diesem Tag zum Kommandant von Brest-Litowsk ernannt. Mitte September 1941 wurde er dann zum Kommandant des rückwärtigen Armeegebiets 559 ernannt. Mit diesem wurde er anfangs im Raum Smolensk eingesetzt. Dadurch wurde er Ende 1941 zugleich auch zum Kommandant der Lücke zwischen 2. Armee und 4. Armee ernannt. Ihm wurden inzwischen die Spangen zu seinen beiden Eisernen Kreuzen verliehen. Ab Anfang 1942 befand er sich als Korück 559 dann im Raum Roslawl im Einsatz. Am 26. April 1942 gab er sein Kommando ab. Auf Initiative des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, ernannte Hitler am 4. Mai 1942 den General der Infanterie Walter von Unruh zum Kommandeur eines OKW-Stabes z.b.V. und zu seinem Sonderbeauftragten für die Überprüfung des zweckmäßigen Kriegseinsatzes in den Reichskommissariaten Ostland und Ukraine. Der Stab bestand neben General von Unruh mit einem Adjutanten und einem Ordonnanzoffizier aus Vertretern von NSDAP und SS, zwei Schreibern und fünf Fahrern. Darunter befand sich auch als Beauftragter des Reichsleiters M. Bormann SS-Brigadeführer Albert Hoffmann. Seine Tätigkeit als Auskämmkommissar, die ihm den Beinamen "General Heldenklau" einbrachte, begann er im Mai 1942 in Riga. Nachdem er bis Anfang Juli 1942 die Auskämmaktion in den beiden Reichskommissariaten erfolgreich abgeschlossen hatte, erteilte ihm Hitler am 11. Juli 1942 den Auftrag zu einer Fortsetzung seiner Tätigkeit im Generalgouvernement. An diesem Tag wurde er auch zum General der Infanterie befördert. Er wurde dann aber auch bei den Besprechungen bezüglich der Einberufung von Zivilisten im AHA eingesetzt. Im September 1942 starb seine erste Frau. Am 23. Juli 1944 wurde er endgültig aus dem aktiven Dienst der Wehrmacht verabschiedet. An diesem Tag wurde ihm auch das Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern verliehen. Im Sommer 1945 wurde er von den amerikanischen Besatzungstruppen verhaftet. Zwei Jahre später wurde er im Juli 1947 wieder entlassen.