Thomas, Georg Richard
| * 20. Februar 1890, Forst in der Lausitz † 29. Dezember 1946, Frankfurt am Main
BArch Pers 6/365 |
BArch Pers 6/301292 |
Georg Thomas war der Sohn des Fabrikbesitzers Richard Wilhelm Thomas und dessen Ehefrau Amalie Elise, geborene Buchholz. Er trat nach seinem Abitur am 2. September 1908 als Fahnenjunker in die Königlich Preußische Armee ein. Der Sohn eines Tuchfabrikanten kam dabei zum 4. Oberschlesisches Infanterie-Regiment Nr. 63. Bei diesem wurde er am 2. Oktober 1908 vereidigt. Seine Beförderung zum Fahnenjunker-Gefreiten erfolgte am 15. November 1908 und die zum Fahnenjunker-Unteroffizier am 27. Januar 1909. Am 22. Mai 1909 (K) wurde er zum Fähnrich befördert. Nach dem Besuch der Kriegsschule wurde er am 27. Januar 1910 zum Leutnant befördert. Sein Patent wurde dabei auf den 29. Januar 1908 (E) festgelegt. Danach urde er anfangs als Kompanieoffizier der 12. Kompanie seines Regiments in Oppeln verwendet. Ab Herbst 1912 gehörte er in gleicher Funktion zur MG-Kompanie seines Regiments am glechen Standort. Am 1. Oktober 1913 wurde er als Nachfolger von Oberleutnant Heck zum Adjutant und Gerichtsoffiziers des III. Bataillons vom 4. Oberschlesisches Infanterie-Regiment Nr. 63 in Oppeln ernannt. Auch kurz vor dem 1. Weltkrieg gehörte er noch in dieser Funktion zum 4. Oberschlesisches Infanterie-Regiment Nr. 63. Als Adjutant des III. Bataillons kam er bei Ausbruch des Krieges auch an die Front. Dort wurde er am 22. August 1914 im Gefecht bei Rossignol verwundet und musste danach im Lazarett behandet werden. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde ihm am 21. September 1914 verliehen. Ab Dezember 1914 wurde er dann bei seinem Regiment als Kompanieführer einer Infanterie- und einer MG-Kompanie eingesetzt. Am 27. Januar 1915 (E59e) wurde er zum Oberleutnant befördert. Am 14. Juni 1915 wurde er zum Regimentsadjutant vom 4. Oberschlesisches Infanterie-Regiment Nr. 63 ernannt. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde ihm am 4. Mai 1916 verliehen. Sein Vater starb am 24. Juni 1916 im Alter von 55 Jahren in der Bülowstraße 22 in Berlin. Danach wurde er vom 28. Juli 1916 bis zum 25. August 1916 zur Vertretung des 2. Adjutanten des Militärgouverement Brüssel und Brabant kommandiert. Bei seiner Rückkehr zum Regiment wurde er wieder als Regimentsadjutant eingesetzt. Am 10. Februar 1917 wurde er als Ordonanzoffizier zum Stab der 12. Infanterie-Division versetzt. Am 16. April 1917 wurde er unter Belassung seiner bisherigen Uniform in eine Generalstabsstelle vom Generalkommando 58 z.b.V. versetzt. Am 18. April 1917 (S4s) wurde er zum Hauptmann befördert. Am 20. Juli 1917 wurde er unter Belassung seiner bisherigen Uniform in eine Generalstabsstelle der 30. Infanterie-Division versetzt. Vom 6. Februar 1918 bis zum 9. März 1918 wurde er zum Generalstabskurs nach Sedan kommandiert. Danach wurde er am 20. März 1918 in den Generalstab der Armee versetzt. Am 9. August 1918 wurde er in den Generalstab der 6. Infanterie-Division verssetzt. Am 31. Dezember 1918 wurde er vom Generalkommando VI. Armeekorps in das 4. Oberschlesisches Infanterie-Regiment Nr. 63 zurückversetzt. Dort übernahm er am 6. Januar 1919 auch die Führung über das I. Bataillon des Regiments. Dieses wurde ab diesem Tag bis zum 24. April 1919 beim Grenzschutz in Schlesien eingesetzt. Am 31. Januar 1919 wurde er mit der Kommandeurstelle des I. Bataillons seines Regiments für Februar und März 1919 beliehen. Im Ersten Weltkrieg wurde er nicht nur verwundet, was sich in der Verleihung des Verwundetenabzeichens in Schwarz wiederspiegelte. Außerdem wurden ihm neben dem Ritterkreuz des Königlich Preußischen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern (18. August 1918) und beiden Eisernen Kreuzen noch andere Orden wie das Herzöglich-Sächsisches-Meininger Ehrenkreuz (29. Mai 1915) und das Österreichische Militär-Verdienstkreuz III. Klasse mit der Kriegsdekoration (4. September 1918) verliehen. Nach dem Krieg wurde er im Frühjahr 1919 als Hauptmann in das vorläufige Reichsheer übernommen. Er wurde Anfang April 1919 vom Generalkommando VI. Armeekorps zur Verwendung im Generalstabsdienst in das Generalkommando XX. Armeekorps übernommen. Am 1. Oktober 1919 wurde er auf eine Generalstabsstelle zum Stab der Reichswehr-Brigade 20 übernommen. Am 6. Oktober 1919 wurde er neu vereidigt. Von dort erfolgte vom 12. Februar 1920 bis zum 15. September 1920 seine Abkommandierung als Verbindungsoffizier zum Reichs- und Staatskommissar für das Abstimmungsgebiet Ostpreußen. Auch bei der Bildung vom 200.000 Mann-Übergangsheer Mitte Mai 1920 gehörte er noch als Generalstabsoffizier zur Reichswehr-Brigade 20. Während der weiteren Verkleinerung wurde er am 1. Oktober 1920 in das Reichswehr-Infanterie-Regiment 39 der Reichswehr-Brigade 20 versetzt. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr kam er am 9. November 1920 als Chef der 14. Kompanie des Ausbildungs-Bataillons zum Infanterie-Regiment 2. Er gehörte ab März 1921 durch die Umbenennung seines Regiments zum 2. (Preußisches) Infanterie-Regiment. Seine Mutter starb am 6. Februar 1922 in Forst in der Lausitz. Am 15. Mai 1922 wurde er mit Wirkung vom 1. Juni 1922 zum Stab der Kommandantur von Königsberg versetzt. Ein neues Rangdienstalter als Hauptmann vom 18. April 1917 (17) wurde ihm am 1. Juli 1922 zugewiesen. Am 11. Juli 1922 heiratete er die fast dreizehn Jahre jüngere Käthe Gertrud Emma Fischer, Tochter des Fabrikbesitzers Fischer, in Forst in der Lausitz. Aus dieser Ehe entsprangen zwei Kinder. Am 30. August 1924 wurde er mit Wirkung vom 1. Oktober 1924 zum Generalstab der 4. Division der Reichswehr nach Dresden versetzt. Sein einziger Sohn war der am 21. November 1924 in Dresden geborene Diether Thomas. Vom 23. Juli 1925 bis zum 6. August 1925 war er Teilnehmer an einer Nachschubübungsreise. Vom 25. April 1926 bis zum 8. Mai 1926 war er Teilnehmer an der Wehrkreisübungsreise. Seine einzige Tochter war die am 9. Februar 1927 in Potsdam geborene Brigitte Elise Gertrud Thomas. Vom 28. März 1927 bis zum 2. April 1927 wurde er zu einem Gasschutzlehrgang G nach Berlin kommandiert. Ab dem Frühjahr 1927 gehörte er dann zum Stab der 4. Division der Reichswehr in Dresden. Vom 27. Juni 1927 bis zum 10. Juli 1927 wurde er zur Wehrkreisübungsreise kommandiert. Den Militär-Kraftfahrzeug-Führerschein der Klasse 3b hat er am 9. August 1927 erhalten. Am 19. Oktober 1927 wurde er mit Wirkung vom 1. November 1927 in das Reichswehrministerium (RWM) nach Berlin versetzt. Dort wurde er jetzt die nächsten drei Jahre im Heeres-Waffenamt (WaA) eingesetzt. Dort wurde er am 1. November 1928 zum Major befördert. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Februar 1928 (15a) festgelegt. Am 14. Oktober 1930 wurde er mit Wirkung vom 1. November 1930 als Nachfolger von Generalmajor Theodor Endres zum Chef des Stabes vom Heeres-Waffenamt (WaA) ernannt. Als solcher wurde er am 1. Juni 1932 (1) zum Oberstleutnant befördert. Seine Beförderung zum Oberst erfolgte am 1. August 1934 (6). Seine Vereidigung auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erfolgte am 31. August 1934. Bei Beginn der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht am 1. Oktober 1934 blieb er weiter Chef des Stabes vom WaA in Berlin. Am 23. Oktober 1934 wurde er mit Wirkung vom 1. November 1934 zum Leiter des Wehrwirtschafts- und Waffenwesen-Abteilung im Wehrmachtamt ernannt. Seine bisherige Dienststelle als Chef des Stabes behielt er aber auch noch bis zum 30. November 1934. Infolge Umbenennung gehörte er ab dem 21. Mai 1935 mit seiner Abteilung zum neuen Reichskriegsministerium (RKM). Als Oberst wurde er am 23. Oktober 1935 mit Wirkung vom 1. November 1935 infolge Umbenenung seines Stabes zum Chef vom Wehrwirtschaftsstab im Wehrmachtamt ernannt. Als solcher wurde er am 31. Dezember 1937 mit Wirkung vom 1. Januar 1938 (9) zum Generalmajor befördert. Bereits jetzt gehörte er zum militärischen Widerstandskreis um General der Artillerie Ludwig Beck und Carl Goerdeler. Im Zuge der Blomberg-Fritsch-Affäre kam er am 4. Februar 1938 als Chef der Amtsgruppe Wehrwirtschaftsstab zum Oberkommando der Wehrmacht (OKW). Bei der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg im Sommer 1939 wurde er zum Chef vom Wehrwirtschafts- und Rüstungsamt ernannt. Als solcher wurde er am 31.Dezember 1939 mit Wirkung vom 1. Januar 1940 (2) zum Generalleutnant befördert. Bereits am 31. Juli 1940 wurde er mit Wirkung vom 1. August 1940 (10) zum General der Infanterie befördert. Ihm wurden auch beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen verliehen. Nebenher wurde er auch in vielen zivilen Positionen in der Wirtschaft eingesetzt. Das Kriegsverdienstkreuz 2. und 1. Klasse wurde ihm am 30. Januar 1941 verliehen. Anfang 1941 beteiligte er sich durch den Entwurf des Hungerplans aktiv am Massenmord der sowjetrussischen Bevölkerung. Sein Entwurf zum Hungerplan wurde aber von Hitler nie unterschrieben. Vom 1. Juli 1942 bis zum 2. August 1942 wurde er auch noch kommissarisch als Chef des Wirtschaftsstab Ost eingesetzt. Am 20. Dezember 1942 wurde er bei der Aufteilung seines Wehrwirtschafts- und Rüstungsamt beim Reichsminister für Bewaffnung und Munition mit Wirkung vom 17. November 1942 von seiner Tätigkeit als Chef vom Rüstungsamt entbunden. Dadurch war er ab dem 18. November 1942 nur noch Chef vom Wehrwirtschaftsamt. In der Folge wurden aber die Arbeitsgebiete zwischen dem Reichsminister und dem OKW neu festgelegt. Am 15. Januar 1943 wurde verfügt, das er von der Leitung vom Wehrwirtschaftsamt ebenfalls entbunden wird. Er sollte aber in der Dienststellung eines Amtschefs zur Verfügung von Generalfeldmarschall Keitel gestellt werden. Seine Vertretung in der Leitung vom Wi-Amtes übernahm der Chef der Amtsgruppe Wi Z. Er war dann ab dem 16. Januar 1943 als General z.b.V. 1 dem OKW zugeteilt und sollte den Chef vom OKW für die Umbildung des Wehrwirtschaftsamtes persönlich beraten. Später sollte er die Kriegsgeschichte aus Sicht der Wehrwirtschaft dokumentarisch behandeln. Eigentlich sollte er zum 1. Oktober 1944 entlassen werden. Es wurde am 12. August 1944 aber darauf hingewiesen, das bei ordnungsgemäßer Durchführung seiner Entlassung nach den Offizier-Entlassungsbestimmungen seine Entlassung erst zum 30. November 1944 möglich wäre. Am 13. August 1944 (Verfügung 15. August 1944) wurde er mit Wirkung vom 15. August 1944 in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte der Wehrkreis III. Ende August 1944 wurde die Verschiebung der Entlassung auf den 31. Dezember 1944 durch GFM Keitel beantragt, was ihm bereits eröffnet worden war, damit er noch eine Arbeit abschließen könne. Seine Dienstregelung ging am 9. September 1944 mit Wirkung vom 15. August 1944 auf den Chef vom OKW über. Er wohnte damals noch immer in der Taubertstraße 14 in Berlin-Grunewald, wo er die Telefonnummer 895867 hatte. Er wurde dann aber im Herbst 1944 von der Gestapo verhaftet und am 1. Januar 1945 aus der Wehrmacht entlassen. Am 31. Januar 1945 wurde er informiert, dass seine Entlassung aus dem aktiven Dienst der Wehrmacht nach § 24 (3) Wehrgresetz unter Aussetzung der Uniformtrageberechtigung zum 30. April 1945 geplant wäre. Im Februar 1945 wurde er dann wegen Hochverrat angeklagt und in das Konzentrationslager Flossenbürg verlegt. Von dort wurde er im April 1945 in das Konzentrationslager Dachau verlegt. Mit einer größeren Anzahl von Sonderhäftlingen wurde er dann Ende April 1945 auf Befehl von Kaltenbrunner zur Liquidierung in Marsch gesetzt. Dies konnte aber in letzter Minute verhindert werden. Nach Kriegsende wurde er durch amerikanische Besatzungstruppen verhaftet. Während der Internierung in der Landesheilstätte in falkenstein im Taunus ist er am 29. Dezember 1946 um 22:45 Uhr in der Universitätsklinik in der Eschenbachstraße 14 in Frankfurt/Main gestorben. Als Todesursache wurde Kreislaufversagen und bösartige Geschwulst angegeben. Er wurde auf dem Waldfriedhof Heerstraße in Frankfurt beerdigt. Seine einzige Tochter die Rot-Kreuz-Helferin Brigitte Thomas starb bereits am 22. Februar 1947 in der Eschenbachstraße 14 in Frankfurt am Main. Als Todesursache wurden akuter Herztod, Pluraschock und beiderseitige Lungentbc angegeben. Seine Witwe wohnte später in der Trabener Straße 11 in Berlin-Grunewald und starb am 8. November 1955 um 20:45 Uhr im Alter von 52 Jahren im Städtischen Krankenhaus Westend im Spandauer Damm 130 in Berlin-Charlottenburg. Als Todesursache wurden Lungenschwindsucht, Empyem mit innerer Fistel und Lungenödem bei Herzversagen angegeben.
Sein jüngerer Bruder war der am 20. Oktober 1894 ebenfalls in Forst geborene Wilhelm Thomas. Dieser schlug zu Beginn des 1. Weltkrieges die Laufbahn als Infanterieoffizier ein. Er gehörte 1915 zum 4. Thüringisches Infanterie-Regiment Nr. 72. Sein Bruder Wilhelm ist als Leutnant am 2. Juli 1915 bei Angers gefallen.
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Pers 6/301092