von Rintelen, Enno Emil

 

* 6. November 1891, Stettin

† 7. August 1971, Heidelberg

 

 

Enno Rintelen trat nach dem Ende seiner Schulausbildung am Gymnasium in Cüstrin am 17. September 1910 als Fahnenjunker in die Kaiserliche Armee ein. Der Sohn vom späteren Generalleutnant a.D. Wilhelm von Rintelen und seiner Frau Hedwig, geborene Russell, kam dabei zum 1. Pommersches Grenadier-Regiment "König Friedrich Wilhelm IV" Nr. 2. In diesem Regiment wurde er am 27. Januar 1911 zum Fahnenjunker-Unteroffizier befördert. Am 23. Mai 1911 wurde er zum Fähnrich befördert. Nach dem Besuch der Kriegsschule wurde er am 27. Januar 1912 zum Leutnant befördert. Das Patent wurde auf den 30. Januar 1910 datiert. Durch die Erhebung seines Vaters in den erblichen preußischen Adelsstand wurde er am 16. Juni 1913 zum Enno von Rintelen. Auch vor dem Beginn vom 1. Weltkrieg gehörte er zum 1. Pommersches Grenadier-Regiment "König Friedrich Wilhelm IV" Nr. 2. Bei der Mobilmachung für den 1. Weltkrieg wurde er zum Adjutant des III. Bataillons vom Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 2 ernannt. Vom 13. Januar 1915 bis zum 22 August 1915 wurde er als Ordonanzoffizier bei der 81. Reserve-Infanterie-Brigade eingesetzt. Am 18. September 1915 wurde er zum Oberleutnant befördert. Vom 13. Dezember 1915 bis zum 17. Dezember 1917 wurde er beim 1. Pommersches Grenadier-Regiment "König Friedrich Wilhelm IV" Nr. 2 an der Front eingesetzt. Dabei zuerst beim Regimentsstab und ab dem 30. Januar 1916 als Regimentsadjutant. Vom 17. Dezember 1917 bis zum 24. Januar 1917, vom 5. März 1918 bis zum 5. April 1917 und vom 3. Mai 1918 bis zum 23. Mai 1918 war er jeweils zum Stab der 109. Infanterie-Division kommandiert. Vom 24. Mai 1918 bis zum 12. Juli 1918 wurde er zum Generalkommando IX. Armeekorps kommandiert. Vom 14. Juli 1918 bis zum 17. August 1918 wurde er als 2. Generalstabsoffizier (Ib) bei der 78. Reserve-Division eingesetzt. Am 17. August 1918 wurde er als Generalstabsoffizier zur 44. Landwehr-Division versetzt. Am 18. Oktober 1918 wurde er dort zum Hauptmann befördert. Im 1. Weltkrieg wurden ihm beide Eisernen Kreuze verliehen. Nach Kriegsende wurde er am 18. Dezember 1918 wieder in das 1. Pommersches Grenadier-Regiment "König Friedrich Wilhelm IV" Nr. 2 versetzt. 1919 wurd er auch in das vorläufige Reichsheer übernommen. Vom 10. Januar 1919 bis zum 30. September 1919 wurde er zum Generalkommando II. Armeekorps kommandiert. Von dort wurde er ab dem 3. Februar 1920 als Hilfsoffizier in das Reichswehrministerium (RWM) nach Berlin kommandiert und dort unter Belassung der bisherigen Uniform eingesetzt. Am 9. Juni 1920 hat er die fünfeinhalb Jahre jüngere Ernina Boy-Keßler, Tochter vom Major Harry von Keßler, geheiratet. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr kam er dann als Hilfsoffizier im Stab der 2. Division der Reichswehr in Stettin unter Abkommandierung in das RWM nach Berlin, was einer Versetzung gleich war. Am 1. April 1921 wurde er etatmäßig in das 5. (Preuß.) Infanterie-Regiment versetzt. Am 4. April 1921 wurde seine Tochter Frieda Dorothea Ernina Gerlind von Rintelen in Berlin-Lichterfelde geboren. Ab dem 1. Oktober 1921 wurde er etatmäßig als Abwehroffizier im Stab vom Gruppenkommando 1 in Berlin eingesetzt, blieb aber weiter zum RWM kommandiert. Am 1. August 1922 wurde er bis zum 30. September 1922 zum Generalstab der 6. Division der Reichswehr nach Münster versetzt. Ab dem 1. Oktober 1922 wurde er dann für mehrere Jahre zum Generalstab vom Gruppenkommando 2 nach Kassel versetzt. Am 15. März 1923 wurde sein Sohn Harald von Rintelen geboren. Am 1. Oktober 1925 wurde er dann für drei Jahre zum Chef der 11. Kompanie des III. (Preuß.) Jäger-Bataillons vom 15. Infanterie-Regiment in Kassel ernannt. Am 1. Oktober 1928 wurde er für mindestens vier Jahre in den Stab der 2. Kavallerie-Division nach Breslau versetzt. Seine Privatadresse war damals die Menzelstraße 55 in Breslau. Er wurde beim Territorialbefehlshaber Schlesien mit der Bearbeitung der Grenz- und Landesschutfragen beauftragt. Unter seiner Leitung stand dabei ein Arbeitsstab von Landesschutz-Angestellten*. Dabei waren natürlich die 5 Grenzschutzkommandanturen von besonderer Bedeutung bei diesem Thema. Dabei handelte es sich um die Festungskommandanturen Breslau, Glogau, Glatz, die Kommandantur Oppeln und die Kommandantur vom Truppenübungsplatz Neuhammer. Dort wurde er am 1. April 1931 zum Major befördert. Das Rangdienstalter wurde auf den 1. Oktober 1929 festgelegt. In Breslau lebte er in der Menzel-Straße 55. Am 1. Oktober 1932 wurde er in den Stab vom Infanterieführer III nach Potsdam versetzt. Ab dem 1. Oktober 1933 wurde er dann im Stab der Wehrgauleitung Potsdam aktiv. Am 1. Dezember 1933 wurde er dort zum Oberstleutnant befördert. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 1. Oktober 1934 zum Kommandeur des I. Bataillons vom Infanterie-Regiment Döberitz ernannt. Am 1. Oktober 1935 wurde er zum Oberst befördert. Als solcher wurde er jetzt für ein Jahr als Lehrgangsteilnehmer an der Wehrmachtakademie in Berlin eingesetzt. Am 1. Oktober 1936 wurde er zum Militärattaché bei der Deutschen Botschaft in Rom ernannt. Vom 5. Dezember 1937 bis April 1939 wurde er zusätzlich auch noch als Militärattaché von Albanien eingesetzt. Damit trug er jetzt die Bezeichnung Militärattaché bei der Deutschen Botschaft in Rom und der Deutschen Gesandschaft in Tirana mit Sitz in Rom. Am 1. Juni 1939 wurde er in Rom zum Generalmajor befördert. Am 20. April 1940 wurde er zum Deutschen General im italienischen Hauptquartier (Commando Supremo)  in Rom ernannt. Am 6. Mai 1941 erhielt er von Generaloberst Franz Halder folgende Beurteilung: "Tüchtiger Generalstabsoffizier. Organisator, der mit Fleiss und Umsicht nach gegebenen Richtlinien arbeitet und auch in unbequemen Lagen seinen Mann steht. Anpassungsfähig. In seinem eigenen Interesse Verwendung im Truppendienst. Beurteilung: Führt gut aus. Empfehlung: Divisionskommandeur." Auch bei seiner Beförderung zum Generalleutnant am 1. Juni 1941 wurde er noch in gleicher Funktion in Rom eingesetzt. Am 24. April 1942 erhielt er folgende Beurteilung von Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel: "Hat sich außerordentliche Vertrauensstellung beim Duce und gegenüber der italienischen Wehrmachtsführung geschaffen. Vertritt die Belange der deutschen Wehrmacht in Italien bestens. Seine Tätigkeit ist von größter Bedeutung für die militärisch erfolgreiche Zusammenarbeit beider Länder. Zusammenarbeit mit der Botschaft und den anderen Wehrmachtsteilen hat er sehr nutzbringend gestaltet. Beurteilung: Führt sehr gut aus Empfehlung: zum General der Infanterie geeignet." Am 1. Mai 1942 wurde dazu durch Generaloberst Franz Halder ergänzt: "In den umfangreichen und zum Teil recht schwierigen Aufgaben seines Amtes hat er treffsicheres Urteil in Führungsfragen, Geschick und Durchsetzigkeit in den Verhandlungen mit Stellen außerhalb des Heeres und beachtliche Organisationskraft in der Beherrschung seines vielverzweigten Dienstbereiches bewiesen. Seine ruhige Sicherheit, seine Rührigkeit und Arbeitskraft und sein offenes und stets hilfsbereites soldatisches Wesen haben ihm das besondere Vertrauen der führenden Männer seines Gastlandes gesichert. "Beurteilung: Führt sehr gut aus Empfehlung: Geeignet zur Beförderung und zur Verwendung im Truppenkommando in Stellen seines Dienstgrades." Ebenso bei seiner Beförderung zum General der Infanterie am 1. Juli 1942. Inzwischen trug er bereits beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen. Am 1. März 1943 wurde durch Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel folgendes als Beurteilung eingetragen: "Keine Veränderung." Mit dem Fall Achse im Spätsommer 1943 wurde er am 1. September 1943 durch General der Infanterie Rudolf Toussaint abgelöst und in die Führerreserve OKH versetzt. Er wurde dabei dem Wehrkreis III zugeteilt. Vom 5. Januar 1944 bis zum 25. Januar 1944 wurde er zum 1. Lehrgang für Kommandierende Generale nach Hirschberg kommandiert. Am 10. Januar 1944 wurde folgender ärztlicher Befund während des Lehrgangs hinterlegt: "Deutliches Gefühl geminderter Leistungsfähigkeit und mangelnden Selbstvertrauens, wobei ihm das Bewusstsein, neuen ungewohnten Aufgaben gegenüberzustehen, eine erhebliche Rolle spielen dürfte. Zur Wiedererlangung des Sicherheitsgefühls wäre demnach eine zunehmende Beschäftigung und Belastung mit dem zukünftig für ihn in Frage kommenden Obliegenheiten ärztlich zu befürworten. Bedingt kriegsdienstverwendungsfähig." Am 20. Januar 1944 urteilte General der Infanterie Kurt Brennecke: "Operativ und taktisch gesundes Urteil. Grosse Linie. In praktischer Führung noch wenig erfahren. Nach persönlichen, taktischen und operativem Können zum Kommandierenden General geeignet. Schlage aber vor, besonders auch mit Rücksicht auf die überstandene schwere Erkrankung, ihm zunächst an ruhiger Front Gelegenheit zur Einarbeitung und zum Einleben zu geben." Ergänzend wurde im Februar 1944 durch Generaloberst Kurt Zeitzler (Chef des Generalstabes des Heeres) vermerkt: "Ich schliesse mich dieser Beurteilung an. Ich schätze General der Infanterie von Rintelen sehr." Am 29. Februar 1944 wurde eine Bemerkung vom Generalleutnant Wilhelm Burgdorf vom Heerespersonalamt vermerkt: "Der Führer beabsichtigt nicht, General der Infanterie von Rintelen in absehbarer Zeit als Führer eines Frontkorps einzusetzen! Soll für Sonderverwendung freibleiben. Hat auch für Reservekorps, Befehlshaber Heeresgebiet und ähnliches keine Vorbildung und Kenntnisse." Davon erhielt General von Rintelen selbst keine Kenntnis. Am 31. Dezember 1944 wurde er aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Am gleichen Tag wurde ihm auch das Deutsches Kreuz in Silber verliehen. Vom 26. Juli 1946 bis zum 20. Dezember 1947 befand er sich in amerikanischer Gefangenschaft. Er war in den Lagern Neustadt und Allendorf untergebracht und arbeitete für die Historical Division. Nach dem Krieg war er ab 1952 mehrere Jahre als Verwalter des Weingutes Reichsrat von Buhl in Deidesheim an der Weinstraße tätig.

 

Literatur und Quellen:
Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/10851 Ple-Sac
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich  Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. Mai 1933
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. April 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938
Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955 
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
Horst Scheibert: Die Träger des Deutschen Kreuzes in Gold und Silber, 2 Bände, Verlag Podzun-Pallas, 1983 und 1990
Enno von Rintelen, Mussolini als Bundesgenosse, Erinnerungen des deutschen Militärattachés in Rom 1936-1943, Tübingen, Stuttgart 1951
BArch, MSG 109/4919  : Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867-1945