Rieve, Friedrich

 

* 27. Juni 1896, Kiel

† 16. Februar 1981, Swisstal-Butschhoven

 

 

Friedrich Rieve war der Sohn des Konteradmirals Johannes Rieve und seiner Frau Clara, geb. Amort. Sein älterer Bruder war der spätere Kapitän zur See Johannes Rieve. Friedrich Rieve trat am 1. April 1914 in die Kaiserliche Marine ein. Er absolvierte seine Grundausbildung und anschließend seine Bordausbildung auf dem Großen Kreuzer SMS "Victoria Louise". Ab dem 10. August 1914 war er dem Schiffsstamm des Großen Kreuzers SMS "Derfflinger" zugeteilt. Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde er am 1. September 1914 in das 1. Matrosen-Regiment im Marinekorps Flandern versetzt und dort am 29. Oktober 1914 zum Fähnrich zur See ernannt. Am 18. Januar 1915 folgte seine Versetzung in das 1. Marine-Infanterie-Regiment und am 7. März 1915 zum 1. Matrosen-Regiment. Ab dem 27. Oktober 1915 war er beim 5. Matrosen-Regiment eingesetzt, Ende 1915 diente er dort als Zugführer. Zwischen dem 18. Januar und dem 5. März 1916 absolvierte er auf dem Linienschiff SMS "Wittelsbach" einen Navigationslehrgang. Zwischen dem 6. März und dem 5. Mai 1916 folgte ein Artillerie-Lehrgang auf dem Großen Kreuzer "SMS Augusta" und daran anschließend ein Torpedolehrgang auf dem Torpedoboot "T 102". Am 9. Juli 1916 wurde er an die Marineschule Mürwik kommandiert und dort am 13. Juli 1916 zum Leutnant zur See befördert. Am 1. Oktober 1916 folgte seine Versetzung auf den Kleinen Kreuzer SMS "Königsberg". Zwischen dem 27. Mai und dem 8. Juli 1917 war er zu einem Artilleriekursus auf das Linienschiff SMS "Keiserin Augusta" kommandiert. Am 23. Januar 1918 wurde er Artillerieoffizier auf dem Kleinen Kreuzer SMS "Nürnberg" und ab dem 8. März 1918 auf dem Kleinen Kreuzer SMS "Straßburg". Zwischen dem 11. Januar und dem 27. April 1919 war er kurzzeitig beurlaubt. Anschließend trat er in die Marinebrigade von Loewenfeld ein, in der er als Kompanieoffizier eingesetzt wurde. Die Brigade war antirepublikanisch, antidemokratisch und antisemitisch. Im Sommer 1919 entsandte die Reichsregierung das Freikorps Loewenfeld ins gemischtethnische Oberschlesien zum einen gegen polnische Freiwilligenverbände, die für den Anschluss an Polen eintraten, und zum anderen zur Beendigung einer Welle von Streiks im oberschlesischen Industriegebiet. Während des Winters 1919/20 wurde es in der Nähe von Breslau im Grenzschutz Ost verwendet. Ein Einsatz im Baltikum schloss sich an. Die Einheiten übten "hemmungslos Gewalt" aus, auch in Massakern, denen Tausende zum Opfer fielen, und auch gegen lettische Verbündete. Während des Kapp-Lüttwitz-Putsches im März 1920 unterstützte die Brigade den Umsturzversuch durch die Besetzung Breslaus, räumte aber nach dem Scheitern der Putschisten die Stadt wieder. Während der Besetzung war es unter von Loewenfeld zur Folterung und Tötung von Verhafteten durch Freikorpsangehörige gekommen. Im April 1920 schickte die Reichsregierung die Gesamtbrigade zur Bekämpfung des Ruhraufstands. Am 1. Juni 1920 wurde Friedrich Rieve in die Reichsmarine übernommen und Kompanieoffizier bei der Schiffstammdivision der Ostsee. Am 6. Juli 1920 wurde er als Wachoffizierin die III. Flottille versetzt und dort am 28. September 1920 zum Oberleutnant zur See befördert. Zwischen dem 3. Oktober und dem 31. Dezember 1921 besuchte er einen Lehrgang auf der Marinenachrichtenschule. Im Anschluß daran wurde er Flaggleutnant beim Stab des Befehlshabers der Seestreitkräfte der Ostsee. Am 10. April 1923 wurde er als Lehrer an die Schiffsartillerieschule versetzt Am 28. September 1925 wurde er dem Schiffsstamm des Kreuzers "Emden" zugeteilt und am 10. November 1925 Wach- und Divisionsoffizier auf dem Schiff. Am 1. April 1926 zum Kapitänleutnant befördert, nahm er vom 14. November 1926 bis zum 14. März 1928 an der ersten Auslandsreise des Kreuzers teil. Am 1. April 1926 wurde er zum Kapitänleutnant befördert. Am 29. Mai 1928 wurde er an die Schiffsartillerieschule versetzt, wo er zuerst als Adjutant und ab dem 1. Oktober 1926 als Lehrer fungierte. Zwischen dem 1. Oktober 1929 und dem 8. April 1931 absolvierte er seine Führergehilfenausbildung (geheime Generalstabsausbildung). Am 22. April 1930 heiratete er Margarethe Anna Maria Persicke. Das Paar hatte mehrere Kinder. Im Anschluß an seinen Führergehilfenlehrgang wurde er zuerst zur Schiffsartillerieschule und dann zur Marinewehrabteilung in der Marineleitung kommandiert. Ab dem 23. September 1931 fungierte er als Artillerieoffizier auf dem Kreuzer "Königsberg". Am 28. September 1932 wurde er 2. Admiralstabsoffizier im Stab des Befehlshabers der Aufklärungsstreitkräfte und dort am 1. Oktober 1933 zum Korvettenkapitän befördert. Am 15. Januar 1935 wurde er in die Wehrwirtschaftsabteilung im Reichskriegsministerium versetzt und am 6. Oktober 1936 Chef der Rüstungswirtschaftsabteilung. Am 1. April 1937 folgte seine Beförderung zum Fregattenkapitän. Am 13. September 1938 wurde Rieve zum Stab des Marinegruppenkommandos Ost kommandiert und am 9. Oktober 1938 2. Admiralstabsoffizier im Stab des Flottenkommandos. Am 1. April 1939 wurde er zum Kapitän zur See befördert. Kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs folgte seine Ernennung zum Kommandanten des Kreuzers "Karlsruhe". Mit diesem nahm er als Führer der Kriegsschiffgruppe 4 im April 1940 am Unternehmen "Weserübung", der Besetzung Norwegens teil. Auf dem Rückmarsch von Kristansand gelang am 9. April gegen 19.58 Uhr dem britischen U-Boot Truant im Skagerrak ein Torpedotreffer, der beide Maschinen und die elektrische Anlage, das Ruder und die Lenzmittel des Kreuzers außer Betrieb setzte und 13 Mann der Besatzung tötete. Das Schiff zeigte sehr schnell Schlagseite und begann zu sinken. Gegen 21.00 Uhr stieg die Besatzung auf die Torpedoboote "Luchs" und "Seeadler" über. Als das Schiff bis zur Schanz weggesackt war, gab Kapitän Rieve dem Torpedoboot "Greif" den Befehl, den Kreuzer durch Torpedoschuss zu versenken. Sodann trafen um 22.50 Uhr zwei Torpedos der "Greif" die "Karlsruhe", welche nahe Kristiansand sank. Nach dem Verlust seines Schiffes wurde Rieve am 22. April 1940 zum Hafenkommandanten von Oslo ernannt, ab dem 4. Mai 1940 Kommandant der Seeverteidigung Oslo bzw. Oslofjord. Am 21. August 1940 wurde er Chef des Stabes im Stab der Marinestation der Nordsee unter dem Stationschef Hermann Densch und blieb dort bis April 1943. Am 2. Februar 1942, knapp zwei Wochen nach seinem Bruder Johannes, erhielt er das Deutsche Kreuz in Gold verliehen. Am 1. Januar 1943 wurde er zum Konteradmiral befördert. Vom 11. Mai 1943 bis zur Auflösung der Dienststelle am 8. September 1944 war er Kommandierender Admiral Kanalküste. In dieser Position wurde er am 1. Oktober 1943 zum Vizeadmiral befördert. Von September 1944 bis zum 11. November 1944 war er als Nachfolger von Vizeadmiral Friedrich Ruge letzter Admiral bei der Heeresgruppe B und anschließend in gleicher Funktion für einen Monat der einzige Admiral bei der Heeresgruppe D. Vom 11. Dezember 1944 bis 3. Januar 1945 war er zur Verfügung des Marineoberkommandos der Nordsee gestellt. Für einen Monat war er im Januar 1945 Inspektor Gas- und Luftschutz. Ab 1. Februar 1945 folgte seine Kommandierung zum Oberkommando der Kriegsmarine. Von März 1945 bis 22. Juli 1945 war er als Nachfolger vom Admiraloberstabsintendant Hanns Benda Chef des Marineverwaltungsamtes (C) der Kriegsmarine. Am 28. Dezember 1946 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.


Literatur und Quellen:

Dermot Bradley (Hrsg.), Hans H. Hildebrand, Ernest Henriot: Deutschlands Admirale 1849–1945. Die militärischen Werdegänge der See-, Ingenieur-, Sanitäts-, Waffen- und Verwaltungsoffiziere im Admiralsrang. Band 3: P–Z. Biblio Verlag. Osnabrück 1990
Oberkommando der Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1938, Verlag Mittler und Sohn, Berlin, 1938
Oberkommando der Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1937, Verlag Mittler und Sohn, Berlin, 1937
Oberkommando der Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1936, Verlag Mittler und Sohn, Berlin, 1936
Oberkommando der Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1935, Verlag Mittler und Sohn, Berlin, 1935
Rangliste der Kaiserlich Deutschen Marine für das Jahr ... E.S. Mittler und Sohn, 1918
Albert Stoelzel: Ehrenrangliste der Kaiserlich Deutschen Marine, 1914-1918. Marine Offizier Verband, 1930
Hans Sakkers: Normandie, 6. Juni 1944 im Spiegel der deutschen Kriegstagebücher: der Grossangriff auf den Atlantikwall. Biblio, 1998