Freiherr von Richthofen, Wolfram Karl Ludwig Moritz Hermann

 

* 11. Oktober 1895, Gut Barzdorf, Schlesien

† 12. Juni 1945, Bad Ischgl

 

Wolfram von Richthofen trat nach seiner Kadettenausbildung im Frühjahr 1913 als Fähnrich in die Königlich Preußische Armee ein. Der Sohn eines Gutsbesitzers und Kammerherrn kam dabei zum 1. Schlesisches Husaren-Regiment "von Schill" Nr. 4. In diesem wurde er am 19. Juni 1914 zum Leutnant befördert. Mit diesem kämpfte er zu Beginn des Ersten Weltkrieges im Westen und Osten. Am 1. Januar 1916 wurde er zum Leutnant befördert. Am 6. September 1917 wurde der Cousin des Roten Barons auf eigenen Wunsch zur Jagdflieger-Ausbildung bei der Fliegerschule in Halle an der Saale kommandiert. Nach seiner Ausbildung wurde er zum Jagdgeschwader 1 seines Cousins Manfred von Richthofen versetzt. Bis Kriegsende gelangen ihm an der Westfront acht Luftsiege. Nach dem Kriege kam er zuerst zu seinem alten Regiment zurück. 1920 verließ er mit den Charakter eines Oberleutnants die Armee und studierte an der technischen Hochschule in Hannover Maschinenbau. 1923 legte er sein Examen ab und trat anschließend wieder in die Reichswehr ein. Er kam dabei als Leutnant zur 2. Eskadron vom 11. (Preuß.) Reiter-Regiment nach Leobschütz in Oberschlesien. Er wurde aber bei der Kommandantur von Berlin eingesetzt. Sein Dienst wurde dabei vom Heereswaffenamt geregelt. Mit dem Rangdienstalter vom 1. April 1925 wurde er im Sommer 1925 bei der Kommandantur in Berlin zum Oberleutnant befördert. Danach wurde er bei der 4. Eskadron vom 11. (Preuß.) Reiter-Regiment in Neustadt in Oberschlesien geführt. 1928 wurde das Rangdienstalter auf den 1. Juni 1924 geändert. Am 1. Oktober 1928 wurde er dann zur 1. Eskadron vom 13. (Preuß.) Reiter-Regiment unter Rittmeister von Langermann und Erlencamp in Hannover versetzt, war aber bereits am dem 5. Oktober 1928 wieder bei der Kommandantur von Berlin. Am 1. Oktober 1928 wurde er zur 5. Sanitäts-Abteilung versetzt. Anfang 1929 wurde er dann zum Reichswehrministerium (RWM) ebenfalls in Berlin kommandiert. Dort wurde er am 1. Februar 1929 zum Hauptmann befördert. Ab dem 1. April 1929 wurde er dann zum Stab der III. Abteilung vom 5. Artillerie-Regiment versetzt. Er blieb aber weiter zum Reichswehrministerium kommandiert. Ab dem Frühjahr 1929 wurde er nach Italien beurlaubt, wo er bis zum Herbstanfang 1932 als Attaché an der deutschen Botschaft in Rom blieb. Offiziell gehörte er auch noch im Frühjahr 1930 zum Stab der III. Abteilung vom 5. Artillerie-Regiment. Im Frühjahr 1932 wurde er bei der 7. Batterie vom 5. Artillerie-Regiment geführt. Ebenfalls 1932 promovierte er zum Dr. Ing, auch wenn ihm das Recht zum Tragen des Dr. Ing. erst 1939 verliehen wurde. Am 1. Oktober 1932 wurde er dann als Kompaniechef zur 6. (Preuß.) Kraftfahr-Abteilung versetzt. Anfang 1933 wurde er für drei Monate zum taktisch-technischen Offizierslehrgang beim Kraftfahr-Lehrstab kommandiert. Im Herbst 1933 wurde er in das Reichsluftfahrtministerium versetzt. Dort wurde er Leiter der Erprobungsabteilung und wirkte beim Aufbau der neuen Luftwaffe mit. Am 1. Juni 1934 wurde er zum Major befördert. Am 1. März 1935 wurde als Major in die neue Luftwaffe übernommen. Am 20. April 1936 wurde er zum Oberstleutnant befördert. Anfang November 1936 wurde er Chef des Stabes der "Legion Condor" in Spanien. Dort wurde er wegen herausragender Leistungen zum Oberst befördert. Ihm wurde auch das Deutsche Spanienkreuz in Gold mit Brillanten, sowie die Spanische Goldene Medalla militar verliehen. Am 1. April 1938 übernahm er für ein halbes Jahr als Kommodore das Kampfgeschwader 257 "Löwengeschwader". Ab dem 1. November 1938 war er als Generalmajor der letzte Kommandeur der Legion bis Mai 1939. Bei Kriegsbeginn übernahm General von Richthofen das neu aufgestellte Nahkampf-Fliegerkorps als Fliegerführer z.b.V.. Sein Hauptquartier befand sich jetzt im Schloß Schönwald in Schlesien. Nach dem Polenfeldzug übernahm er durch Umbenennung seines Stabes das VIII. Fliegerkorps. Für die Leistungen seiner Stukas im Westfeldzug wurde ihm am 10. Mai 1940 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Am 20. Juni 1940 wurde er erstmals namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Beim Durchbruch durch die Maginotlinie sowie bei der schnellen Einschließung des Feindes in Elsass-Lothringen und Burgund zeichneten sich vor allem die von Generalleutnant Ritter von Greim und Generalmajor von Richthofen geführten Fliegerverbände sowie eine von Hauptmann Steiner geführte Schlachtfliegergruppe aus." Außerdem wurde er noch unter Überspringens des Generalleutnants am 19. Juli 1940 zum General der Flieger befördert. Nach dem Frankreichfeldzug nahm das VIII. Fliegerkorps an der Luftschlacht um England teil. Dabei erlitten vor allem die Stukas schwere Verluste. Im April 1941 folgte der Balkanfeldzug und die Eroberung Kretas. Richthofen führte das VIII. Fliegerkorps dann auch im Russlandfeldzug. Am 17. Juli 1941 wurde ihm das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen. Am 7. August 1941 wurde er wieder namentlich im Wehrmachtsbericht im Wehrmachtsbericht genannt: "Am Verlauf dieser gewaltigen Schlacht waren die Armeen des Generalfeldmarschalls von Kluge und der Generalobersten Strauß und Freiherr von Weichs, die Panzergruppen der Generalobersten Guderian und Hoth sowie die Luftwaffenverbände der Generale der Flieger Loerzer und Freiherr von Richthofen ruhmreich beteiligt." Am 21. Oktober 1941 wurde er in einer Sondermeldung zum Wehrmachtsbericht erneut namentlich genannt: "In schwerem, von den Fliegerverbänden der Generale der Flieger Freiherr von Richthofen und Förster unermüdlich unterstützen Ringen, haben die in der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Ritter von Leeb zusammengefaßten Verbände des Heeres und der Waffen-SS seit dem Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht vom 6. August 1941 über 300.000 Gefangene eingebracht, 1.581 Panzerkampfwagen und 4.063 Geschütze erbeutet oder vernichtet." Am 1. Februar 1942 folgte seine Beförderung zum Generaloberst. Am 19. Mai 1942 (Sondermeldung) und 20. Mai 1942 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Auf der Krim haben deutsche und rumänische Truppen unter dem Oberbefehl des Generalobersten von Manstein, unterstützt von starken Luftwaffenverbänden unter Führung der Generalobersten Löhr und Freiherr von Richthofen, in der Verfolgung des geschlagenen Feindes die Meerenge von Kertsch in ganzer Breite erreicht und die letzten stark befestigten Brückenköpfe beiderseits der Stadt nach erbittertem Widerstand genommen." Am 2. Juli 1942 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Wie bereits durch Sondermeldung bekanntgegeben, haben deutsche und rumänische Truppen unter Führung des Generalfeldmarschalls von Manstein, hervorragend unterstützt von den bewährten Nahkampffliegerkorps des Generalobersten Freiherrn von Richthofen, nach fünfundzwanzigtägigem erbitterten Ringen am Mittag des 1. Juli 1942 die bisher stärkste Land- und Seefestung Sewastopol, bezwungen." Bis zum Sommer 1942 kämpfte sein Korps bei der 11. Armee auf der Krim. Am 4. Juli 1942 wurde er zum Oberbefehlshaber der Luftflotte 4 ernannt. Damit wurde er auch zum Oberbefehlshaber Südost. Am 12. August 1942 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, haben Truppen des Heeres unter Führung des Generals der Panzertruppen Paulus, hervorragend unterstützt durch die Flakartillerie und die fliegenden Verbände der Luftwaffe unter Führung des Generalobersten Freiherrn von Richthofen, im Grossen Don-Bogen westlich Kalatsch die Masse der sowjetrussischen 62. Armee und starke Teile der 1. Panzerarmee vernichtet." Am 16. Februar 1943 wurde er zum Generalfeldmarschall befördert. Am 20. März 1943 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "Die unter dem Oberbefehl des Generalfeldmarschalls von Manstein stehenden Truppen des Heeres und der Waffen-SS haben in hervorragendem Zusammenwirken mit Verbänden der Luftwaffe unter dem Oberbefehls des Generalfeldmarschall von Richthofen im Verlaufe der deutschen Gegenoffensive zwischen Donez und Dnjepr, die zur Wiedereroberung der Städte Charkow und Bjelgorod führte, dem Feind schwerste Verluste an Menschen und Material zugefügt."  Am 12. Juni 1943 übernahm er zusätzlich noch die Führung über die Luftflotte 2 in Italien. Anfang September 1943 gab er dann die Luftflotte 4 ab und wurde damit zum Oberbefehlshaber der Luftflotte 2 ernannt. Anfang September 1944 zwang ihn eine Krankheit in die Heimat zurückzukehren. Er litt unter einem Gehirntumor, der operativ entfernt werden musste. Am 12. Juni 1945 starb er in Bad Ischl an einem Hirnschlag in amerikanischer Gefangenschaft.

 

Ritterkreuz (10. Mai 1940) Eichenlaub (17. Juli 1941)

 

Literatur und Quellen:
Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/10851 Ple-Sac
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Peter Stockert: Die Eichenlaubträger 1940 - 1945, 4 Bände, Bad Friedrichshall, 1996 / 1997
Peter Stockert: Die Eichenlaubträger 1940 - 1945, 9 Bände, 4. überarbeitete Auflage, Bad Friedrichshall 2010 / 2011