"Romania"
Bootstyp:
Die "Romania" war ein ehemaliges rumänisches Kombischiff, das von mehreren
Nationen zu verschiedenen Aufgaben eingesetzt wurde.
Namensgebung:
Benannt war das Schiff nach dem Staat Rumänien.
Morsename: -
Flaggenname: -
Friedenskennung:
Schiffsdaten:
Kiellegung: 1904
Stapellauf: 1905
Indienststellung: 1905
Bauwerft: Société Anonyme des Ateliers et Chantiers de la Loire in Saint-Nazaire
Besatzung: ? Mann
Baukosten: ?
Verdrängung: 3.152 BRT
Länge über alles: 108,26 m
Breite: 12,77 m
Tiefgang: 5,75 m
Maschinenanlage: zwei stehende Dreifach-Expansions-Dampfmaschinen
Anzahl der Wellen: 2
Leistung an den Wellen: 7.200 PS
Höchstgeschwindigkeit: 18 kn
Fahrbereich: ?
Bennstoffvorrat: ?
Bewaffnung (als Minenschiff):
Seeziel-Artillerie: keine
Flak: 4 x 2-cm Flak
Torpedos: keine
Wasserbomben: ?
Minen: 80 Minen
Ortungsgeräte: ?
Kommandanten:
Beschreibung des Bootes:
Das Schiff (ein Schornstein, zwei Masten mit Ladebäumen) wurde im Auftrag der rumänischen Staatsreederei Serviciul Maritim Român (S.M.R.) 1904/05 auf der Werft der Société Anonyme des Ateliers et Chantiers de la Loire in Saint-Nazaire, Frankreich, gebaut. Es war 108,26 m lang und 12,77 m breit und hatte maximal 5,75 m Tiefgang. Es war mit 3152 BRT vermessen und hatte 1067 tdw Tragfähigkeit. Die Dreifach-Expansions-Dampfmaschinen lieferten 7.200 PS und ermöglichten eine Geschwindigkeit von 18 Knoten. 69 Passagiere konnten in der Ersten, 41 in der Zweiten, 62 in der Dritten Klasse und 87 an Deck befördert werden. Die Besatzung bestand aus 75 Mann.
Lebenslauf:
Die Romania lief im Februar 1905 vom Stapel und kam am 1. April 1905 in ihrem
Heimathafen Constanța an. Sie wurde dann auf den von der Reederei neu
eingerichteten Linien Constanța – Konstantinopel – Mytilini (Lesbos) – Smirna
und Constanța – Konstantinopel – Piräus eingesetzt. Der Ausbruch des Ersten
Weltkriegs machte den Betrieb der Linien durch Bosporus und Dardanellen
unmöglich, und die Romania und die anderen Postschiffe des SMR verbrachten die
nächsten zwei Jahre als Auflieger auf der Donau. Als Rumänien dann am 27. August
1916 auf der Seite der Entente in den Krieg eintrat, fand sich eine neue Nutzung
für die Schiffe. Am 27. September 1916 pachtete die russische Regierung fünf der
größeren rumänischen Kombischiffe, um sie zu Hilfskriegsschiffen umzurüsten und
im Schwarzen Meer einzusetzen: die "Regele Carol I", die "Împăratul Traian", die
"Dacia", die "Principesa Maria" und die "Romania". Während die "Principesa
Maria" zum Netzleger umfunktioniert wurde, rüstete die russische Marine die
"Romania" zum Hilfskreuzer und Hilfs-Flugzeugmutterschiff und die anderen drei
zu Hilfskreuzern um. Die "Romania" erhielt in Sewastopol ein einfaches Stell-
und Arbeitsdeck über dem Achterschiff mit Platz für vier bis sieben
Grigorowitsch M-9-Flugboote, spezielle Ladebäume am hinteren Masten zum Wassern
und Aufnehmen der Flugboote sowie je einen leistungsfähigen Scheinwerfer am
vorderen und am hinteren Mast. Als Bewaffnung erhielt sie vier 15,2-cm-Geschütze
und zwei 7,5-cm-Flugabwehrkanonen. Voll ausgerüstet verdrängte sie nunmehr etwa
4.500 Tonnen und ihr Tiefgang betrug nun 8,4 m. Am 16. November 1916 wurde das
so umgebaute Schiff, nun mit dem russischen Namen "Rumynija", in der
Schwarzmeerflotte in Dienst gestellt. In der Folge der Oktoberrevolution
übernahmen die Bolschewiki auch die Mehrzahl der Schiffe der Schwarzmeerflotte,
und im Februar 1918 erhielten sie neue Namen, die der veränderten politischen
Realität Rechnung tragen sollten: aus der "Rumynija" wurde die "Respublika
Rumynija". Im April 1918 gelangte das in Sewastopol liegende Schiff in den
Besitz der kurzzeitig unabhängigen Ukrainischen Volksrepublik, aber schon am 1.
Mai 1918 fiel es bei der Einnahme von Sewastopol durch deutsche Truppen in
deutsche Hand. Es wurde wieder in "Romania" umbenannt und unter deutscher Flagge
in Dienst gestellt, kam aber nicht mehr zum Einsatz.
Bei Kriegsende im
November 1918 wurde das Schiff in Sewastopol von Großbritannien in Besitz
genommen, dann jedoch 1919 an seine ursprünglichen rumänischen Eigner, die
Staatsreederei SMR, zurückgegeben. Die militärischen Ein- und Aufbauten wurden
entfernt und die "Romania" nahm ihren Passagier- und Frachtdienst im Schwarzen
Meer und Mittelmeer wieder auf. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schiff erneut für
militärische Zwecke genutzt. Die deutsche Kriegsmarine übernahm es im März 1942,
mit gemischt deutscher und rumänischer Besatzung, zunächst als
Verwundetentransportschiff, aber in dieser Funktion fuhr es keine Einsätze.
Nachdem dann im Mai 1942 die ersten sechs Schnellboote der 1.
Schnellboot-Flottille über Elbe und Donau im Schwarzen Meer eingetroffen waren,
wurde die "Romania" im Oktober 1942 als Hilfs-Schnellbootbegleitschiff, d. h.
Wohnschiff der Flottille und Depot für deren Treibstoff und Munition, im
inzwischen eroberten Sewastopol stationiert. Ab November 1943 wurde das Schiff
dann als Minenschiff ausgerüstet und eingesetzt, ab Januar 1944 der neu
gebildeten 10. Sicherungs-Division unterstellt, welche im Juni 1944 bereits
wieder aufgelöst wurde. Dazu konnte sie 80 Minen transportieren. Ihre Bewaffnung
beschränkte sich auf lediglich vier 20-mm-Flak zur Fliegerabwehr. Als die auf
der Halbinsel Krim in und um Sewastopol eingeschlossenen deutschen und
rumänischen Truppen im Mai 1944 über See evakuiert werden sollten, wurde auch
die Romania dazu herangezogen. Sie war Teil des Geleitzugs „Ovidiu“, der am 9.
Mai von Constanța nach Chersones auslief und dort abzuziehende Truppen an Bord
nahm. Zum Geleitzug gehörten außerdem die beiden Kriegstransporter "KT 26" und
"KT 38" und die beiden Marinefährprahme "F 316" und "F 446" sowie als
Begleitschutz die beiden U-Boot-Jäger "UJ 301" und "UJ 305" und der rumänische
Zerstörer "Regele Ferdinand". Am Morgen des 11. Mai wurde der ablaufende Konvoi
von 12 Iljuschin Il-2 Schlachtflugzeugen angegriffen. Die "Romania" geriet nach
Bombentreffer und Munitionsexplosion in Brand und wurde von ihrer Besatzung
aufgegeben, aber es gelang, alle an Bord befindlichen Personen abzubergen. Das
schwer beschädigte, westlich von Kap Fiolent treibende Schiff wurde kurz vor
Mitternacht von den zwei sowjetischen Motortorpedobooten "TK-301" und "TK-353"
entdeckt. Nach einem Torpedotreffer von "TK-301" geriet es erneut in Brand und
sank schließlich im Morgengrauen. Das Wrack liegt etwa 5,5 Seemeilen westlich
von Kap Fiolent in etwa 96 m Tiefe.