"Ostmark"
ex "Côte d’Argent"
Bootstyp:
Die "Ostmark" war eine ehemalige französische Kanalfähre, die nach der
deutschen Besetzung Frankreichs von der Kriegsmarine zum Minenschiff umgebaut
wurde.
Namensgebung:
Benannt war das Schiff nach der Bezeichnung des 1938 dem
Deutschen Reich angeschlossenen ehemaligen Staat Österreich.
Morsename: -
Flaggenname: -
Friedenskennung:
Schiffsdaten:
Kiellegung: ?
Stapellauf: 12. April 1932
Indienststellung: 1. April 1933
Bauwerft: Forges et Chaniters de la Méditerranée, Le Havre
Besatzung: 240 Mann
Baukosten: ?
Verdrängung: 3.047 BRT
Länge über alles: 99,26 m
Breite: 13,72 m
Tiefgang: 3,65 m
Maschinenanlage: Vier Babcock-Dampfkessel und zwei Parsons-Turbinen
Anzahl der Wellen: 2
Leistung an den Wellen: 14.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: 23 kn
Fahrbereich: 1.500 sm bei 19 kn
Bennstoffvorrat: ?
Bewaffnung (als Minenschiff):
Seeziel-Artillerie: 2 x 10,5 SK L/45
Flak: 4 x 4-cm Flak, 2 x 3,7-cm Flak, 4 x 2-cm Flak
Torpedos: keine
Wasserbomben: ?
Minen: 240 Minen
Ortungsgeräte: ?
Kommandanten:
5. Oktober 1941 Korvettenkapitän d.R. K. F. Barthel
Beschreibung des Bootes:
Das Schiff lief am 12. April 1932 auf der Werft Forges et Chantiers de la Méditerranée in Graville, Le Havre, vom Stapel. Es war 99,26 m lang und 13,72 m breit, hatte 3,65 m Tiefgang, verdrängte 2.636 Tonen (maximal) und war mit 3.047 BRT bzw. 1050 NRT vermessen. Die Maschinenanlage bestand aus vier Babcock-Dampfkesseln und zwei Parsons-Turbinen, die zusammen 14.000 PS erzeugten, und zwei Schrauben. Seine bei den Probefahrten erreichte Höchstgeschwindigkeit betrug 22,94 Knoten. Das Schiff hatte Platz für 1.400 Passagiere in der ersten und zweiten Klasse. Es machte seine erste offizielle Probefahrt am 14. März 1933 und wurde am 1. April 1933 in Dienst gestellt. Unter dem Namen "Côte d’Argent" befuhr es die Strecke Calais-Dover über den Ärmelkanal für die französische Reederei Société Anonyme de Gérance et d’Armement (SAGA). Heimathafen war Le Havre.
Lebenslauf:
Nach der Besetzung Frankreichs wurde das Schiff am 30. Juni 1940 in Bayonne
von der Wehrmacht beschlagnahmt und von der Kriegsmarine als Wohnschiff genutzt.
Nach einem Brand an Bord im Frühjahr 1941 wurde das Schiff in Nantes zum
Minenschiff umgebaut. Dabei wurde es auf 103,5 m Länge vergrößert und erhielt
als Bewaffnung zwei 10,5-cm-Kanonen (eine vorn und eine achtern) sowie vier
4-cm-Flak und vier 2-cm-Flak. Das Schiff wurde am 5. Oktober 1941 mit dem Namen
"Ostmark" in Dienst gestellt. Die Besatzung kam zum größten Teil von dem am 9.
Juli 1941 bei Öland in der Ostsee nach Minentreffer gesunkenen Minenschiff
"Preußen". Am 15. Februar 1942, nach Beendigung der Ausstattung und der
Probefahrten, fuhr das Schiff nach Rotterdam. Dabei wurde es am 21. Februar bei
Boulogne von britischen Spitfires angegriffen, ohne jedoch größeren Schaden zu
nehmen. Von Rotterdam marschierte es nach Wilhelmshaven, wo 180 Minen geladen
wurden, und weiter nach Bergen (Norwegen), wo es am 26. März 1942 eintraf.
Nachdem die Minen in der Minensperre „5e Krefeld“ verlegt worden waren, ging die
Ostmark über Bergen zurück nach Wesermünde, wo sie am 19. April eintraf. Nach
Ausbesserungsarbeiten übernahm sie am 18. Mai in Cuxhaven 200 Minen und ging
danach über Kiel nach Lødingen in Nordnorwegen. Im Juni verlegte die "Ostmark"
mit der "Ulm" von Tromsø aus im Varangerfjord, vor Vardø, die Minensperre „UMB
V“, im Juli und August ebenfalls im Varangerfjord mit der "Kaiser" die
Minensperren „NW 32“ oder „NW 33“. Danach ging sie noch im August erst einmal zu
Werftarbeiten nach Stettin zurück, wo ihre Maschinenanlage auf Ölfeuerung
umgestellt wurde.
Mitte Juni 1943 ging das Schiff wieder nach Norwegen, wo es
– wie auch das Schwesterschiff "Elsaß" – in der vierten Juni-Woche mit dem
Minenleger "Brummer" und den Zerstörern "Z 27" und "Z 30" am Legen der
Minensperren „Erzengel“, „Wildschwein“ und „Steinadler“ beteiligt war, mit denen
der maritime Abschnitt der Westwall-Sperre nach Norden verlängert wurde. Vom 15.
bis 17. Juli legte die "Ostmark" im Nordmeer bei Makkaur (bei Båtsfjord)
zusammen mit den Räumbooten "R 54" und "R 56" und den Minensuchbooten "M 272",
"M 346" und "M 364" die Minensperre „NW.31 (153 UMB)“. Dabei überstand sie am
16. Juli während des Minenwerfens einen Angriff von fünf sowjetischen Bombern,
deren Abwürfe ihr Ziel verfehlten. Auf dem Rückmarsch wurde der Verband am
Tanafjord von dem sowjetischen U-Boot "S-56" angegriffen. Die drei auf die
"Ostmark" abgeschossenen Torpedos verfehlten ihr Ziel, aber zwei davon trafen
das Minensuchboot "M 346", das daraufhin sank; seine Besatzung konnte geborgen
werden. Die "Ostmark" warf zwei Wasserbomben und das U-Boot verschwand. Am
21.–24. Juli und 10.–12. August legten die "Ostmark" und die "Kaiser" drei
Minensperren zum Schutz der Varanger-Halbinsel. Dabei wurden die beiden
Minenschiffe und ihre Sicherungsschiffe ("M 272", "M 302", "M 361", "M 364", "UJ
1202", "UJ 1209" und "NH 06") am 21. Juli von drei sowjetischen
Torpedoflugzeugen und neun Jagdflugzeugen angegriffen, konnten den Angriff
jedoch ohne große Schäden überstehen. Im Oktober legten die Minenschiffe
"Ostmark" und "Roland", gesichert von den Minensuchbooten "M 406", "M 426", "M
445" und "M 462" und einigen Vorpostenbooten, im Skagerrak die Minensperren
„Lithium“, „Natrium“ und „Kalium“. Am 3. November 1943 liefen die "Ostmark" und
die "Roland" von Kopenhagen nach Kiel. Dabei kollidierte die "Ostmark" mit dem
vermutlich unter Segeln den Kurs der Ostmark kreuzenden "KFK 99", einem
Schulboot. Der Kutter sank, seine Besatzung konnte von der "Ostmark" gerettet
werden, die ohne ernsthaften Schaden blieb. Vom 2. bis 4. Dezember erneuerten
und verstärkten die Minenschiffe "Ostmark", "Elsaß" und "Brummer" zusammen mit
den Zerstörern Theodor Riedel, Hans Lody und Z 31 von Stavanger aus im Zuge der
Unternehmen „16e Wandschrank“ und „16f Handkoffer“ Minensperren im westlichen
Skagerrak, um den Zugang nach Dänemark und ins Skagerrak wieder zu blockieren.
Danach lag die "Ostmark" von Mitte Dezember 1943 bis 7. März 1944 zur
Werftüberholung in den Oderwerken Stettin. Am 8. März war sie wieder beschränkt
und am 26. März voll kriegsbereit.
Vom 2. bis 7. April 1944 legten die
Minenschiffe "Ostmark", "Elsaß" und "Kaiser", gemeinsam mit den Zerstörern
"Erich Steinbrinck" und "Hans Lody" und den Minensuchbooten "M 301", "M 381", "M
406" und "M 462", westlich des Skagerraks die neuen Westwall-Abschnitte „Katzbach
A“ und „Katzbach B“ und am 15./16. April die Skagerraksperre „XXI Leipzig“.
Danach nahmen die drei Minenschiffe am 19. April in Kiel neue Minen an Bord und
legten dann von Frederikshavn aus am 25./26. April die Skagerraksperre „XXIV
Ligny“. Nach Verlegung nach Kristiansand warfen die "Ostmark", die "Elsaß" und
die "Kaiser" zusammen mit den Minensuchbooten "M 15" und "M 29" am 7./8. Mai
westlich des Skagerraks die Minensperre „XXII Waterloo“ und liefen dann am 9.
Mai nach Kopenhagen. Dort wurde die "Ostmark" am 25. Mai zur Sicherung des
Schiffsverkehrs zwischen Frederikshavn und Fredrikstad bereitgestellt, am 31.
Mai nach Frederikshavn verlegt und am 3. Juni der 8. Sicherungs-Division
unterstellt. Am 5./6. Juni ging das Schiff nach Aarhus und gab dann am 15.–17.
Juni einem Geleitzug von Aarhus nach Oslo Flakschutz.
Am 18. Juni wurde die
"Ostmark" dem MOK Norwegen unterstellt. Sie lief am 19./20. Juni zur
Minenaufnahme nach Kopenhagen, kehrte dann nach Norwegen zurück, und legte am 5.
Juli die Minensperre „NW 107 A München“, zum Schutze des Geleitweges um
Stadlandet. Nach erneuter Minenaufnahm in Swinemünde am 12. Juli lief das Schiff
nach Trondheim und legte von dort aus am 20. Juli die Minensperre „NW 107 B“.
Dann fuhr es am 22.–27. Juli nach Frederikshavn, legte am 3./4. August die
Minensperre „XXVII Kalahari“ und am 5./6. August die Sperre „XXV Sambesi“ und
lief danach nach Kopenhagen. Von dort ging es nach Stettin, wo es ab 17. August
bei den Stettiner Oderwerken zur Überholung in die Werft ging. Bei britischen
Luftangriffen erlitt es am 17. August durch Brandbombentreffer und am 30. August
durch Bombenluftdruck leichte Beschädigungen. Die schweren Schäden an den
Werftanlagen und der Ausfall von erheblichen Teilen der Belegschaft verursachten
jedoch lange Verzögerungen bei den Werftarbeiten, und das Schiff kam 1944 nicht
mehr zum Einsatz.
Am 15.–17. Februar 1945 nahm die "Ostmark" dann wieder an
einem Minenunternehmen teil, als sie gemeinsam mit den Minenschiffen
"Lothringen" und "Linz", dem Zerstörer "Friedrich Ihn" und den Torpedobooten "T
17" und "T 20" zweimal vergeblich die Minensperre „Titus II“ im Skagerrak zu
legen versuchte. Am 6./7. März lief das Schiff mit dem Zerstörer "Z 4 Richard
Beitzen", dem Minenschiff "Lothringen" und den Torpedobooten "T 20" und "T 17"
nach Kristiansand. Von dort aus warf es im Verband mit der "Lothringen", der
"Linz", dem Zerstörer "Karl Galster" und den Torpedobooten "T 17" und "T 20"
schließlich doch noch die Minensperre „Titus II“. Am 17./18. März legten die
"Ostmark", die "Lothringen" und die "Linz", gesichert von dem Zerstörer "Karl
Galster" und den Torpedobooten "T 17", "T 19" und "T 20", die Minensperre
„Augustus“ im westlichen Skagerrak. Dabei erlitt die "Lothringen" einen
Ruderversager, und das Schiff kreuzte über die gerade von der "Ostmark"
geworfene Minenreihe. Eine noch nicht in die Tiefe gegangene Mine schlierte an
der Bordwand der "Lothringen" entlang und detonierte dann etwa 100 m hinter der
Lothringen, ohne aber Schaden anzurichten.
In der Nacht vom 20. zum 21. April
1945 wurden die "Ostmark" und die "Lothringen", begleitet von dem Minensuchboot
"M 293", auf der Fahrt von Frederikshavn nach Kopenhagen in der frühen Nacht,
bei starkem Wind und schwerer See, im Kattegat von britischen Flugzeugen
angegriffen. Die Marschgeschwindigkeit war nur 7–8 Knoten. Der erste Angriff
schlug in starkem Abwehrfeuer fehl, aber um 0:30 Uhr wurde die "Ostmark" von
zwei Bomben getroffen. Eine schlug auf dem Vorderschiff auf, wo sie eine
Explosion der Munitionskammer auslöste und den Bug bis zur Brücke wegriss; die
zweite traf das Schiff zwischen Brücke und Schornstein, und der dadurch
ausgelöste Brand brachte die Bereitschaftsmunition mittschiffs zur Explosion.
Das Schiff kenterte und sank um 1:00 Uhr etwa zwei Seemeilen südöstlich der
Insel Anholt. Von der Besatzung kamen 109 Mann ums Leben, 138 wurden gerettet,
aber sieben von ihnen erlagen danach ihren Verletzungen. Der Kommandant erlitt
ebenfalls schwere Verletzung und starb 1963 an den Spätfolgen einer
Unterschenkelamputation.