Schiff 36 »Orion«
1. Technische Daten
- Werft: Blohm & Voß, Hamburg
- Stapellauf: 1930
- Hauptbewaffnung: 6 x 15 cm, 1 x 7,5 cm
- Flugzeug: 1
- Torpedos: 6 Torpedorohre 53,3 cm
- Minen: 228
- Besatzung: 376 Mann
- Maße: 7.021 BRT, Länge 148 m, Breite 18,6 m, Geschwindigkeit 14 kn
2. Werdegang
Als zweiter deutscher Hilfskreuzer des
Zweiten Weltkrieges lief die »Orion« am 30. März.1940 aus Kiel aus. Das Schiff mußte aber noch eine Woche in
deutschen Gewässern verbringen, um nicht gleichzeitig mit der »Atlantis« durch
die Dänemarkstraße durchzubrechen. Am 6. April ging die »Orion« (als
holländischer Frachter »Beemsterdijk« getarnt) dann auf Kurs Atlantik. Dabei
geriet er am 8.4. in die Nähe britischer Flottenverbände, die im Zusammenhang
mit dem Norwegenunternehmen ausgelaufen waren, und wurde schließlich auch von
britischen Zerstörern gesichtet. Es gelang ihm aber, dank seiner Tarnung, diese
zu täuschen und durch die Dänemarkstraße Mitte April den freien Atlantik zu
erreichen.
Entgegen den ursprünglichen Anweisungen der Seekriegsleitung, unbemerkt durch
den Atlantik zu laufen und erst im Pazifik bzw. im Seeraum Australien
Handelskrieg zu führen, erhielt der Kommandant, Fregattenkapitän Kurt Weyher,
jetzt den Befehl, im Atlantik aufzutreten und das Vorhandensein eines
Panzerschiffes vorzutäuschen. Damit sollten umfangreiche Abwehr- und
Geleitsicherungsmaßnahmen seitens des Gegners ausgelöst werden mit der erhofften
Folge, daß dieser in erheblichem Umfang dadurch benötigte Seestreitkräfte aus
dem Norwegen- und Nordseeraum abziehen würde.
Tatsächlich gelang es nach Umtarnung am 24.04., den britischen Frachter Haxby (5.207
BRT) zu versenken, und dieser hatte wie erhofft zuvor einen Funknotruf mit "RRR"
abgesetzt und damit ein reguläres Kriegsschiff gemeldet.
In der Folgezeit stieß Orion unbemerkt über den Südatlantik und um Kap Hoorn
herum in seine vorgegebenen Operationsgebiete vor.
Am 13. und 14.06. wurden vor Auckland (Neuseeland) alle mitgenommenen Minen
gelegt.
Bereits wenige Tage später lief der 13.415 BRT große britische Passagierdampfer Niagara in
diese Minensperre und sank. Die Besatzung der Orion konnte den betreffenden
Funkverkehr mithören.
Der Hilfskreuzer operierte dann nordöstlich von Neuseeland, wo er am 19.06. den
mit Weizen beladenen norwegischen Frachter Tropic Sea (5.781 BRT) aufbrachte und
als Prise ausrüstete (Das Schiff kam allerdings nicht nach Frankreich durch; es
wurde von einem britischen U- Boot angehalten und daraufhin von der
Prisenbesatzung versenkt).
Im August kreuzte Weyher in der Korallen- und in der Tasmansee. Hier wurden der
französische Frachter Notou (2.489 BRT) und - nach schwerem Gefecht mit 36 Toten
- der britische Dampfer Turakina (9.691 BRT) versenkt.
Auf seinen weiteren Kursen südlich von Australien wurde Orion am 3.9. von einem
australischen Aufklärungsflieger gesichtet und gemeldet. Trotz konzentrischer
Verfolgung durch die Luftstreitkräfte über zwei Tage hinweg gelang es ihm, vor
allem durch Ausnutzung der schlechten Witterung, zu entkommen.
Danach steuerte der Hilfskreuzer das Gebiet der Karolineninseln an, wo er am
13.10. das leere norwegische Motorschiff Ringwood (7.203 BRT) versenkte.
Am 18.10. traf er mit dem Hilfskreuzer Komet (Kdt Konteradmiral Eyssen) und
dessen Versorger Kulmerland zusammen (die bisherige Treibstoffversorgung war
hauptsächlich durch den alten Tanker Winnetou erfolgt), und die Schiffe
operierten fortan im Verband, zeitweise auch noch mit den
Versorgern Regensburg und Ole Jacob (einer Prise des Hilfskreuzers Atlantis)
zusammen.
Beim ersten Vorstoß in neuseeländische Gewässer wurden der britischen Frachter Holmwood (546
BRT) und das Passagierschiff Rangitane (16.712 BRT), letzteres mit wertvoller
Ladung, versenkt.
Die Rangitane war das größte Opfer dieser Unternehmung und das zweitgrößte
überhaupt von einem deutschen Hilfskreuzer im II. Weltkrieg aufgebrachte oder
versenkte Schiff.
Anfang Dezember erfolgte ein spektakulärer Schlag gegen die Phosphatschiffahrt
vor der Insel Nauru. Vom 6. bis 8. Dezember 1940 wurden fünf Schiffe mit
zusammen 25.904 BRT versenkt, darunter drei Speizialfrachter für das
kriegswichtige Phosphat (Triona, Triadic und Triaster). Der durch diesen Angriff
angerichtete wirtschaftliche Schaden war dementsprechend groß. Von einer
ursprünglich geplanten Landung auf der Insel mit Zerstörung der an Land
befindlichen Phosphatlager wurde dann aber abgesehen.
Nach Abgabe von Gefangenen auf die Insel Emirau trennte sich der Verband, und
Orion ging mit Regensburg und Ole Jacob zur Maschinenüberholung in das
Maug-Atoll, das zum japanischen Hoheitsbereich gehörte. DaKomet später doch
Nauru noch von See aus beschoß, gab es kurzfristig diplomatische Verwicklungen
mit Japan, die aber beigelegt werden konnten.
Die Arbeiten waren Anfang Februar abgeschlossen, und danach verlegte der
Hilfskreuzer wieder in die Gewässer um Australien und kreuzte schließlich im
Indischen Ozean. Jetzt blieben die Erfolge aus, und die sehr störanfällige
Maschinenanlage zwang zu einer baldigen Heimkehr.
Am 18.5.1941 kam der britische schwere Kreuzer Cornwall in Sicht. Wider Erwarten
wurde Orion aber vom Kreuzer aus nicht gesehen und konnte abermals entkommen.
Nach schweren Sturmschäden erreichte sie Ende Juni den Atlantik und versenkte am
29.07. auf der Höhe von Freetown ihr letztes Opfer, den leeren britischen
Frachter Chaucer (5792 BRT).
Insgesamt wurden damit während der Unternehmung von Orion allein 6 Schiffe mit
36.163 BRT versenkt. Mit Zurechnung der Hälfte der im Verband versenkten Tonnage
(insgesamt 43.162 BRT, also 21.581 BRT zuzurechnen) beträgt die Gesamtzahl
57.744 BRT, wozu noch die Minenverluste (insgesamt 2 Schiffe mit 14.392 BRT) zu
zählen sind.
Dabei ist zu bemerken, daß Orion der langsamste und - insbesondere hinsichtlich
der Unterkunft von Besatzung und Gefangenen - der am schlechtesten ausgerüstete
deutsche Hilfskreuzer gewesen ist.
Am 23. August lief die »Orion« nach 511 Tagen in See und 127.337 zurückgelegten Seemeilen in Royan ein. »Orion «wurde am 24. August außer Dienst gestellt und in der Folgezeit als Werkstattschiff eingesetzt. Danach wurde es am 12. Januar 1944 als Artillerieschulschiff »Hektor« in Dienst gestellt und Ende Oktober 1944 dem Ausbildungsverband der Flotte zugeteilt. Im Januar 1945 erhielt die »Hektor« wieder den Namen »Orion« und die Bezeichnung Hilfskreuzer. In den letzten Monaten des Krieges half sie, Flüchtlinge und Verwundete aus den Ostgebieten zu transportieren. Bei ihrer letzten Fahrt von Swinemünde nach Kopenhagen wurde sie am 04. April 1945 von mehreren Bomben getroffen und sank. Von den 4.000 an Bord befindlichen Personen fanden etwa 150 den Tod.
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| Die Torpedos der »Orion« |
Literatur und Quellen:
Kurt Weyher, Hans Jürgen Ehrlich: Vagabunden auf See. Tübingen 1953.
Jochen Brennecke. Die deutschen Hilfskreuzer im 2. Weltkrieg. Hamburg 2001 (4.
Auflage)
Und - wie immer - :de.wikipedia.org/wiki/Orion_(Schiff,_1930)
Im Wiki-Artikel wird übrigens - fälschlicherweise - behauptet, die "Rangitane" sei
das größte von einem deutschen HK versenkte Schiff gewesen.
Dieses war aber die "Kosmos III", versenkt von Thor am 26.09.40. Das Schiff war
17.801 BRT groß.