Heinkel He 59
Das Reichswehr- und Reichsverkehrsministerium forderte ein zweimotoriges Mehrzweck-See-Flugzeug für die neu zu schaffenden Marine-Luftstreitkräfte. Konzipiert als hochseefähiger Aufklärer und Bomber, wurde die Entwicklung unter Federführung von Reinhold Mewes und Victor Maugsch 1930 noch unter der Bezeichnung HD 59 (für Heinkel Doppeldecker) durchgeführt, ehe dem Muster bei Einführung der RLM-Typenliste die Bezeichnung He 59 zugewiesen wurde. Der Erstflug erfolgte im September 1931. Um den Versailler Vertrag zu umgehen, fand die Erprobung der Hd 59b im russischen Lipezk statt, wobei das Muster mit einem Radfahrwerk ausgestattet war. Im Januar 1932 folgte der Erstflug der HD 59a als Wasserflugzeug mit Doppelschwimmern. In dieser Form ging das Flugzeug als He 59 B-1 in die Serienfertigung. Die He 59 wurde von 1934 bis April 1939 in monatlich geringen Stückzahlen gebaut. Heinkel in Rostock lieferte 41, Arado in Warnemünde 122 Serienflugzeuge ab. Mit den drei Prototypen wurden insgesamt 166 He 59 produziert. Die Maschinen hatten bis zu vier Mann Besatzung, waren stoffbespannt und wurden von zwei BMW VI 6,0 ZU-flüssigkeitsgekühlten-Motoren angetrieben und erreichten damit eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h. Die maximale Reichweite betrug bei einem Tankvolumen von 2.700 Litern 775 km. Die Maschinen waren 17,35 m lang, 7,10 m hoch und hatten eine Spannweite von 23,70 m. Die Maschine wurde 1935 bei der Truppe eingeführt, so dass am 19. September 1938 37 Maschinen vorhanden waren. Die He 59 besaß sehr gute Flugeigenschaften, war aber nicht einmotorenflugfähig. Zwar waren Reichweite, Zuladung und Bewaffnung für damalige Verhältnisse ausreichend, insgesamt gesehen aber war die He 59 zu langsam. Nach der Einführung wurden die Maschinen im Erprobungs- und Ausbildungsbetrieb bei diversen Schulen und den Küstenfliegerstaffeln eingesetzt. Ein Teil der Maschinen war die He 59 während des Spanischen Bürgerkrieges bei der Seefliegerstaffel 88 der Legion Condor zum Einsatz, die Flugzeuge waren unter anderem in Cádiz-Puntales, Melilla-El Atalayón und Port de Pollença auf Mallorca stationiert und wurden mit einer 20-mm-Maschinenkanone im Bug bewaffnet. In den ersten Monaten des Zweiten Weltkriegs war sie als Torpedo- und Minenflugzeug im Einsatz. 1940 wurden 84 einsatzklare He 59 als Transporter für Angriffstruppen und Ausrüstung bei der Kampfgruppe z.b.V. 108 für das Unternehmen Weserübung zur Invasion in Norwegen eingesetzt. Am 10. Mai 1940 flogen zwölf He 59 der 3. Staffel der KGr z.b.V. 108 zur Besetzung der Niederlande Angriffstruppen in den Rotterdamer Hafen und besetzten diesen. Anschließend wurden die Flugzeuge bis 1943 für Seenotaufgaben aufgebraucht. Danach nahmen die Do 18 und die Do 24 ihren Platz ein. Hauptsächlich wurden folgende Versionen produziert:
He 59 A
Vorserienversion (14 Stück) durch Heinkel, vor allem zu Versuchszwecken und zur Grundschulung
He 59 B-1
Erste Serienproduktion (16 Stück) in Lizenz bei Arado
He 59 B-2
Zweite Serienproduktion bei Arado mit verbesserter Funkausrüstung. Durch geringfügige Modifikationen war die Höchstgeschwindigkeit auf 240 km/h gestiegen, die Reichweite betrug indes nur 875 km und die Dienstgipfelhöhe 3.500 m. Die Maschinen waren mit drei beweglichen 7,92-mm-MG 15 bewaffnet, ab 1937 im Buggefechtsstand ein 20-mm- MG FF. Im Krieg wurde die Bewaffnung weiter verstärkt: bis zu zwei 20-mm-MK und zwei Zwillings-MG 81 Z, dazu ein 675-kg-Torpedo, vier 250-kg-Bomben oder zwei Nebelgeräte mit je 375 kg, als Minenleger vier 500-kg-Minen
He 59 B-3
Version als Seeaufklärer. Hierfür wurden den Maschinen im Bombenschacht zwei 500-l-Zusatztanks zur Reichweitensteigerung installiert.
Serienvariante mit vollständig verglastem Rumpf.
He 59 C-1
Ausbildungsflugzeug für Bordfunker und Navigatoren
He 59 C-2
Version als Seenotflugzeug. Die Maschinen wurden bei der Firma Bachmann umgebaut und erhielten einen Heckeinstieg im C-Stand, sechs Schlauchboote und einen Suchscheinwerfer im Bug, eine neue Einstiegsleiter im Heck und eine Talje, mit der Schiffbrüchige aus dem Wasser an Bord gehievt werden konnten. Die Seenotflugzeuge waren unbewaffnet, weiß lackiert und trugen rote Kreuze.
He 59 D-1
Umbau vorhandener C-1 mit abgerundetem Rumpfbug aus Leichtmetall für die Navigatoren-Ausbildung
He 59 D-2
Modifizierte C-1/D-1 mit abgerundetem Rumpfbug für die Navigatoren-Ausbildung
He 59 E-1
Schulflugzeug für den Einsatz von Lufttorpedos
He 59 E-2
Schulflugzeug für Seeaufklärer mit drei fest installierten Reihenbild-Kameras im Rumpf
He 59 N-1
Modifizierte C-1/D-1 mit rundem Bug für die Navigationsausbildung, ebenfalls größtenteils Umbauten.
Literatur und Quellen:
Peter W. Cohausz: Heinkel He 59. Robuster See-Doppeldecker. In: Flugzeug
Classic. Nr. 3/2018
Christian König: Aufklärer, Bomber, Seenotretter.
See-Mehrzweckflugzeuge Heinkel He 59 und Heinkel He 115. Helios, Aachen 2020