"Doggerbank"
ex
"Speybank"
Bootstyp:
Das Minenschiff bzw. der Blockadebrecher "Doggerbank" war das ehemalige
britische Frachtschiff "Speybank" der Inverbank-Klasse.
Namensgebung:
Das Schiff erhielt den Namen "Doggerbank" nach der
Untiefe Doggerbank in der Nordsee.
Morsename: -
Flaggenname: -
Friedenskennung:
Schiffsdaten:
Kiellegung:
Stapellauf: 25. Februar 1926
Indienststellung: 1926
Bauwerft: Harland & Wolff, Glasgow
Besatzung: 108
Baukosten: ?
Verdrängung: 5.154 BRT
Länge über alles: 133,7 m
Breite: 16,4 m
Tiefgang: 7,8 m
Maschinenanlage: Zwei 6-Zylinder Viertakt-Dieselmotoren
Anzahl der Wellen: 2
Leistung an den Wellen: 2.400 PS
Höchstgeschwindigkeit: 11 kn
Fahrbereich: ?
Bennstoffvorrat: 1.030 Dieselkraftstoff
Bewaffnung (als Minenschiff):
Seeziel-Artillerie: 1 x 10,5-cm SK L/45
Flak: 2 x 2-cm Flak
Torpedos: keine
Wasserbomben: keine
Minen: 280 Minen
Ortungsgeräte: keine
Kommandanten:
Beschreibung des Bootes:
Die Speybank lief am 25. Februar 1926 auf der Werft von Harland & Wolff in Glasgow mit der Baunummer 686 für die Londoner Reederei Bank Line vom Stapel. Sie war 133,7 m lang (128,92 m in der Wasserlinie) und 16,41 m breit, hatte 7,8 m Tiefgang und war mit 5.154 BRT vermessen. Die Maschinenanlage bestand aus zwei einfachwirkenden 6-Zylinder-Viertakt-Dieselmotoren von Harland & Wolff und zwei Schrauben, die 2.400 PSe und eine Höchstgeschwindigkeit von 11 Knoten ergaben.
Lebenslauf:
Am Abend des 31. Januar 1941 befand sich die "Speybank" im Indischen Ozean
nördlich von Madagaskar bei den Seychellen mit einer Ladung Manganerz,
Kautschuk, Tee und Teakholz auf dem Weg von Cochin nach New York, als sie von
dem deutschen Hilfskreuzer Atlantis
entdeckt und aufgebracht wurde. Angesichts der wertvollen Ladung und der
Tatsache, dass die "Speybank" genug Treibstoff und Proviant an Bord hatte, um
bis nach Frankreich zu fahren, beorderte der Kommandant der Atlantis, Kapitän
zur See Bernhard Rogge, ein Prisenkommando an Bord und befahl ihm, zunächst in
Wartestellung zu bleiben und als Aufklärer für den Hilfskreuzer zu dienen. Die "Speybank"
blieb bis zum 21. März in der Nähe der Atlantis, wobei sie auch an mehreren
Treffen mit dem Schweren Kreuzer Admiral
Scheer, dem Blockadebrecher "Tannenfels" und dem am 2. Februar von der
Atlantis aufgebrachten norwegischen Tanker "Ketty Brøvig" teilnahm. Am 21. März
wurde das Schiff, getarnt als sein eigenes Schwesterschiff "Springbank", unter
dem Kommando von Leutnant zur See Paul Schneidewind, der Erster Wachoffizier auf
der Tannenfels gewesen war, auf den Weg nach Europa geschickt. Das Schiff
erreichte den südfranzösischen Hafen Bordeaux am 10. Mai 1941. In der Werft
Forges et Chantiers de la Gironde in Bordeaux wurde das Schiff auf Schneidewinds
Anregung zum Minenschiff und U-Boot-Versorger ausgerüstet, um in entfernten
Seegebieten zu operieren. Das Schiff erhielt eine 10,5-cm-Kanone L/45 und zwei
20-mm-Flak und nahm dann in La Pallice 280 Minen verschiedenen Typs (155 EMC und
55 EMF zur eigenen Verwendung und 70 TMB zur Weitergabe an U-Boote) sowie 50
Torpedos für U-Boote an Bord. Minenschienen wurden nicht installiert. Der
Bunkervorrat betrug 1.030 Tonnen Dieselkraftstoff, um einen langen Aufenthalt
auf See zu ermöglichen. Die Besatzung bestand aus 108 Mann. Das Schiff wurde in
"Doggerbank" umbenannt; die Bereederung erfolgte durch die Deutsche
Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Hansa“.
Am 21. Januar 1942 lief die
!Doggerbank! aus, begleitet von dem U-Boot !U 432!, um bei Kapstadt und dem Kap
Agulhas Minen zu legen und dann nach Japan weiterzufahren. Diesmal war das
Schiff als die "Levernbank" getarnt, ein weiteres Schwesterschiff der "Speybank".
Am 2. März 1942, auf hoher See, erfolgte die Indienststellung als
Hilfskriegsschiff mit der Bezeichnung "Schiff 53". Die Tarnung funktionierte,
als das Schiff am 12., am 13. und noch einmal am 14. März zunächst von einem
südafrikanischen Flugzeug, dann von dem Leichten Kreuzer !Durban! und
schließlich von dem britischen Hilfskreuzer "Cheshire" nach Name, Herkunft und
Ziel gefragt wurde. Die ersten Minensperren (Operation Kopenhagen) wurden am
12./13. März gelegt, mit 60 Minen vor Kapstadt und 15 beim Kap Agulhas. Dann zog
sich die Doggerbank erst einmal in den Südatlantik zurück, um weiteren
Kontrollen alliierter Schiffe aus dem Weg zu gehen, insbesondere da inzwischen
die ersten Schiffsverluste auf den von ihr gelegten Minen eingetreten waren.
Erst in der Nacht vom 16. zum 17. April legte sie dann, wiederum vor Kap Agulhas,
80 weitere Minen in fünf Teilstücken (Operation Kairo). Damit wurden, obwohl
noch Minen an Bord waren, die Minenoperationen beendet. Die Doggerbank traf sich
dann zunächst am 21. Juni im Südatlantik mit dem
Hilfskreuzer Michel und dem
Versorgungstanker "Charlotte Schliemann"; dabei versorgte sie die "Michel" mit
Proviant und Munition und übernahm gleichzeitig von ihr 124 Seeleute von
Schiffen, die die "Michel" versenkt hatte. Von der "Charlotte Schliemann" kamen
weitere 68 Kriegsgefangene hinzu, die diese von dem
Hilfskreuzer Stier übernommen hatte. Nach einer Woche in der Gesellschaft
der "Michel" und der "Charlotte Schliemann" fuhr die "Doggerbank" durch den
Indischen Ozean nach Jakarta und von dort nach Yokohama, wo sie am 19. August
1942 eintraf. In Yokohama lagen bereits der Hilfskreuzer Thor
und die beiden Versorgungsschiffe "Leuthen" und "Uckermark". Am 30. November kam
es auf der "Uckermark" bei der Reinigung eines Öltanks zu einer Explosion und
einem Großbrand, der nicht nur die "Uckermark", sondern auch die "Leuthen" und
die "Thor" zerstörte. Lediglich die "Doggerbank" blieb verschont.
Am 17.
Dezember lief sie unter dem Kommando von Paul Schneidewind nach Europa aus. An
Bord waren eine Ladung von Fetten, Fischöl und 7.000 Tonnen Kautschuk sowie mehr
als 200 ehemalige Besatzungsmitglieder der "Thor" und die überlebende Besatzung
der "Uckermark". Insgesamt befanden sich 365 Mann an Bord. Die Fahrt ging über
Kōbe, Saigon (wo Tabak ausgeladen und eine große Ladung Kautschuk an Bord
genommen wurde), Singapur (wo kein Dieselkraftstoff verfügbar war) nach Jakarta,
wo schließlich Diesel gebunkert werden konnte. Am 10. Januar 1943 ging es von
dort ohne Zwischenfälle weiter durch den Indischen Ozean, um das Kap der Guten
Hoffnung und dann nach Norden durch den Südatlantik. Am 3. März 1943 befand sich
die "Doggerbank" bereits im Mittelatlantik, rund 1.000 Seemeilen westlich der
Kanarischen Inseln. Dort wurde sie kurz vor 22.00 Uhr von dem deutschen U-Boot
"U 43" gesichtet, das sie für ein Schiff der britischen Dunedin Star-Klasse
hielt. Da die "Doggerbank" früher als erwartet und auch nicht in dem
Seeabschnitt fuhr, der für deutsche Blockadebrecher aus Japan vorgesehen war,
schoss "U 43" drei Torpedos auf sie ab. Alle drei trafen, und das Schiff sank
innerhalb von nur drei Minuten. Etwa 200 der an Bord befindlichen Seeleute kamen
dabei wohl sofort ums Leben. Da die "Doggerbank" kein Notsignal mehr ausgesandt
hatte, blieb die deutsche Seekriegsleitung noch tagelang über den Verbleib des
Schiffs im Unklaren. Als dann der Sachverhalt klar wurde, instruierte man den
Kommandanten von "U 43", Oberleutnant zur See Hans-Joachim Schwandtke, die
entsprechenden Einträge aus dem Kriegstagebuch seines Bootes zu streichen. 26
Tage später, am 29. März 1943, fand der spanische Tanker "Campoamor" ein kleines
Boot (4 m lang und 1,80 m breit) mit dem einzigen Überlebenden der "Doggerbank",
Fritz Kürt, und brachte ihn nach Aruba, wo er zunächst behandelt und dann als
Kriegsgefangener in die USA gebracht wurde. Kürts Aussagen nach seiner Rettung
waren widersprüchlich und zumindest teilweise unglaubwürdig, so dass später
verschiedene Versionen zum Schicksal der letzten 15 Mann in dem kleinen Boot in
Umlauf kamen.