Kleiner Kreuzer "Arcona"
Schwimmende Flak-Batterie "Arcona"
Kreuzertyp:
Der kleine Kreuzer "Arcona" gehörte zur "Gazelle"-Klasse
Namensgebung:
Der kleine Kreuzer "Arcona" wurde nach dem nördlichsten Kap der Insel
Rügen benannt.
Schiffsdaten (als kleiner Kreuzer):
Kiellegung: 1901
Stapellauf: 22. April 1902
Indienststellung: 12. Mai 1903
Bauwerft: A.G. Weser in Bremen
Besatzung: 270 - 329 Mann
Baukosten: 4,439 Millionen Goldmark
Verdrängung: 2.706 t Konstruktion, 3.180 t maximal
Länge über alles: 105 m
Breite: 12,2 m
Tiefgang: 5,39 m normal
Maschinenanlage: 9 Dampfkessel, 2 stehende 3-Zylinder-Dreifachexpansions-Dampfmaschinen
Anzahl der Wellen: 2
Leistung an den Wellen: 8.000 PSi
Höchstgeschwindigkeit: 21,5 kn
Fahrbereich: 3.650 sm bei 12 kn
Bennstoffvorrat: 700 t Kohle
Bewaffnung:
Seeziel-Artillerie: 10 x 10,5-cm L/40
Flak: 10 x 3,7-cm Revolverkanone
Torpedos: 2 x 45-cm Torpedorohre
Wasserbomben: keine
Minen: keine
Minenräumgeräte: keine
Kommandanten:
12. Mai 1903 Korvettenkapitän Karl Zimmermann
September 1940 Korvettenkapitän Hubert von Rebeur-Paschwitz
September 1940 Korvettenkapitän Herwarth Schmidt von Schwind
April 1907 Kapitänleutnant Paul Boethke
Juni 1907 Kapitänleutnant Wilhelm Schultz
August 1907 Kapitän zur See Horst von Hippel
Juni 1909 Fregattenkapitän Hermann Schröder
7. Februar 1910 Fregattenkapitän Karl Heuser
30. März 1910 unbesetzt
31. Oktober 1912 Korvettenkapitän Wilhelm von Hippel
Oktober 1916 Fregattenkapitän Ernst Piper
Juli 1917 Korvettenkapitän Erich Heyden
Februar 1918 Korvettenkapitän Carlo Peucer
Dezember 1918 unbesetzt
Mai 1919 Kapitänleutnant Erich Haecker
25. Mai 1921 Fregattenkapitän Friedrich Hermann
3. Juli 1923 Kapitän zur See Walter Gladisch
Beschreibung des Bootes:
Bei dem leichten Kreuzer "Arcona" handelt es sich um das neunte Schiff der "Gazelle"-Klasse. Die Schiffe dieser Klasse waren die ersten modernen Kleinen Kreuzer der kaiserlichen Marine und entstanden als Vermehrungsbauten aufgrund des ersten Flottengesetzes von 1898. Als Schiffsklasse besaßen sie keine Vorgänger, sondern wurden in Anlehnung an die Avisos der Meteor-Klasse (1890/92) sowie des Einzelschiffs SMS Hela (1895) konstruiert. Von der Hela wurde die Generalspezifikationen und der Linienriss übernommen und der Schiffskörper in der Breite vergrößert, so dass eine stärkere Bewaffnung eingebaut werden konnte. Die Klasse ist der Urahn einer Reihe weiterer Klassen Kleiner Kreuzer, die mit der Kolberg-Klasse von 1910 ihren Abschluss fand. Die folgenden Kleinen Kreuzer der Magdeburg-Klasse wurden nach moderneren Prinzipien entworfenen.
Lebenslauf:
Der kleine Kreuzer "Arcona" wurde am 12. Mai 1903 in Dienst gestellt. Nach
den erfolgten Probefahrten wurde das Schiff am 18. Juli 1903 in den Verband der
Aufklärungsschiffe eingegliedert. Der kleine Kreuzer nahm an mehreren
Auslandsreisen teil. 1907 wurde sie für Auslandsreisen auf der Kaiserlichen
Werft in Wilhelmshaven hergerichtet. Hierzu erhielt sie u.a. einen weißen
Anstrich. Der Umbau war am 14. August 1907 beendet. Im Anschluß unternahm das
Schiff eine Ostasienreise. Mit Erreichen von Singapur am 23. Oktober trat der
Kreuzer in den Bereich der Ostasiatischen Station und des Kreuzergeschwaders
ein. Der kleine Kreuzer unternahm hier weitere Reisen und besuchte Ende 1909 die
USA. Am 17. Januar 1910 trat die "Arcona" ihren Heimweg an und erreichte am 24.
März 1910 Wilhelmshaven, wo das Schiff am 30. März 1910 außer Dienst gestellt
wurde. Der Kreuzer ging zu einer Grundreparatur in die Kaiserliche Werft, wo er
zu einem Minenkreuzer umgebaut wurde. Dabei wurden die beiden mittleren 10,5-cm
Geschütze ausgebaut und Einrichtungen zur Aufnahme von 200 Minen geschaffen.
Außerdem wurde das Heck abgeflacht und das Schiff erhielt einen zweiten
Schornstein. Am 31. Oktober 1912 wurde der Kreuzer erneut in Dienst gestellt und
der Inspektion der Küstenartillerie und des Minenwesens zugeteilt. Es folgten
Ausbildungs- und Manöverfahrten in der Deutschen Bucht. Mit Ausbruch des Ersten
Weltkrieges wurden die beiden ausgebauten 10,5-cm Geschütze wieder eingebaut und
das Schiff Führerschiff der dortigen Küstenschutz-Division der Ems, ab Herbst
1915 Küstenschutz-Flottille und ab Herbst 1917 Vorpostenflottille der Ems. Im
Frühjahr 1919 wurde das Schiff umgebaut und diente fortan als Mutterschiff für
UZ-Boote für die V. Minensuchflottille. Bei dem Umbau waren bis auf die leichten
Back-Geschütze zum Minenabschießen alle Geschütze von Bord gegeben worden. Im
Februar 1920 endete auch diese Aufgabe für "Arcona" und der kleine Kreuzer wurde
zurückgebaut. Das Schiff wurde zum Flottenkreuzer umgebaut, wobei auf größere
Umbauarbeiten verzichtet wurde. Am 25. Mai 1921 wurde der Kreuzer wieder in
Dienst gestellt und trat zu den Nordseestreitkräften. Am 1. Dezember 1923 wurde
"Arcona" schließlich endgültig außer Dienst gestellt und in die Reserve
überführt.
Am 15. Januar 1930 wurde das Schiff aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen
und zuerst in Wilhelmshaven, dann in Swinemünde und Kiel als Wohnschiff für
Schiffsbesatzungen genutzt. Zu Beginn des Jahres 1940 wurde "Arcona" zu einer
schwimmenden Flak-Batterie umgebaut. Hierzu erhielt sie vier 2-cm
Flak-Geschütze, ein 3,7-cm Flak-Geschütz und vier 10,5-cm Flak-Geschütze. Ein
fünftes 10,5-cm Flak-Geschütz montierte man 1941. Die fünf 10,5-cm Geschütze
wurden in zwei Batterien aufgeteilt. Um einen möglichst großen Abstand zwischen
den Backbord- und Steuerbord-Geschützen zu erreichen, mußten diese dicht an der
Bordwand errichtet werden. Die Brücke und ein Teil der hinteren Decksaufbauten
wurden zum Leitstand umgebaut und erhielten je ein 4 Meter
Basis-Entfernungsmeßgerät. Bei einem letzten Umbau erhielt die "Arcona" eine
über das Heck hinausragende Plattform, auf der eine 2-cm Flak montiert wurde. Am
18. September 1940 bezog sie, ohne eigenen Antrieb, ihre Feuerposition auf der
Jade. Am 7. Mai 1942 verlegte das Schiff auf seine neue Position 53° 39'8 Nord
und 8°9'33 Ost. Bei Kriegsende wurde das Schiff am 3. Mai 1945 in der 2.
Einfahrt von Wilhelmshaven versenkt und in den Jahren 1948 / 49 abgewrackt.
Literatur und Quellen:
Hans H. Hildebrand/Albert Röhr/Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen
Kriegsschiffe: Biographien - ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur
Gegenwart, Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford
Friedrich August Greve: Die Luftverteidigung im Abschnitt Wilhelmshaven
1939-1945. 2. Marineflakbrigade
Erich, D. Jung, M. Maass (Bearb.) Gröner: Die Schiffe der deutschen Kriegsmarine
und Luftwaffe 1939 - 45 und ihr Verbleib,