Kleiner Kreuzer »Amazone«
Kreuzertyp:
Der kleine Kreuzer "Amazone" gehörte zur "Gazelle"-Klasse
Namensgebung:
Der kleine Kreuzer "Amazone" wurde nach den Angehörigen eines
Frauenvolkes
der griechischen Mythologie benannt.
Schiffsdaten:
Kiellegung: Dezember 1899
Stapellauf: 6. Oktober 1900
Indienststellung: 18. Mai 1901
Bauwerft: Germaniawerft, Kiel
Besatzung: (bei Indienststellung): 257 Mann
Baukosten: 4,858 Millionen Reichsmark
Verdrängung: 2.659 t Konstruktionsverdrängung, 3.082 t Maximalverdrängung
Länge über alles: 104,8 m
Breite: 12,2 m
Tiefgang: 5,39 m maximal
Maschinenanlage: Neun Marinekessel, zwei 4-Zylinder Verbundmaschinen
Anzahl der Wellen: 2
Leistung an den Wellen: 9.018 PS
Höchstgeschwindigkeit: 21,3 kn
Fahrbereich: 2.400 sm bei 19 kn / 5.000 sm bei 12 kn
Bennstoffvorrat: 500 t Kohle
Bewaffnung:
Seeziel-Artillerie: 10 x 10,5-cm SK L/40, 10 x 3,7-cm MK
Flak: keine
Torpedos: 2 x 45-cm Torpedorohre seitlich unter Wasser
Wasserbomben:
Minen:
Flugzeuge:
Ortungsgeräte:
Kommandanten:
15. November 1901 Korvettenkapitän / Fregattenkapitän Ludwig Bruch
Oktober 1902 Korvettenkapitän / Fregattenkapitän Gerhard Gerdes
April 1904 Korvettenkapitän Leberecht Maass
Mai 1904 Korvettenkapitän / Fregattenkapitän Rudolf Berger
April 1905 Korvettenkapitän Leberecht Maass
Mai 1905 Fregattenkapitän Rudolf Berger
2. August 1914 Korvettenkapitän Johannes Horn
Oktober 1914 Korvettenkapitän / Fregattenkapitän Max Lutter
1. Dezember 1923 Kapitän zur See Walter Gladisch
24. März 1925 Kapitän zur See Eduard Eichel
24. September 1926 Fregattenkapitän Alfred Saalwächter
28. September 1927 Fregattenkapitän / Kapitän zur See Albrecht Meißner
12. Oktober 1929 Fregattenkapitän Ludwig von Schröder
Beschreibung des Bootes:
Die leichten Kreuzer der "Gazelle"-Klasse waren die
ersten modernen Kleinen Kreuzer der Kaiserlichen Marine und entstanden als
Vermehrungsbauten aufgrund des ersten Flottengesetzes von 1898. Als
Schiffsklasse besaßen sie keine Vorgänger, sondern wurden in Anlehnung an
die Avisos der Meteor-Klasse (1890/92) sowie des Einzelschiffs SMS Hela (1895)
konstruiert. Von der Hela wurde die Generalspezifikationen und der Linienriss
übernommen und der Schiffskörper in der Breite vergrößert, so dass eine stärkere
Bewaffnung eingebaut werden konnte. Die Klasse ist der Urahn einer Reihe
weiterer Klassen Kleiner Kreuzer, die mit der Kolberg-Klasse von 1910 ihren
Abschluss fand. Die folgenden Kleinen Kreuzer der Magdeburg-Klasse wurden nach
moderneren Prinzipien entworfenen. Die Schiffe waren mit gehärtetem Nickelstahl
gepanzert: Die Decks horizontal 20 - 50 mm, die Böschung 50 mm, der Leitstand
horizontal 20 mm und vertikal 80 mm, die Geschützschilde 50 mm.
Werdegang:
Der kleine Kreuzer SMS "Amazone" wurde am 15.
November 1901 in Dienst gestellt. Nach Absolvierung von Erprobungsfahrten wurde
das Schiff am 21. Dezember 1901 als Aufklärungskreuzer der Flotte zugeteilt.
Nach einer Geschwaderübung im März 1902 nahm SMS "Amazone" ab dem 24. April 1902
an einer Verbandsfahrt zur Umrundung der britischen Inseln teil. Dabei wurde das
Schiff durch das Linienschiff SMS "Kaiser Wilhelm II." hinter dem Fockmast
gerammt, wodurch mehrere Abteilungen beschädigt wurden und das Schiff Wasser
aufnahm. Es blieb schwimmfähig und wurde im Mai und Juli 1902 in der
Kaiserlichen Werft in Kiel repariert. Anschließend nahm das Schiff an den
Herbstmanövern der Flotte teil und gehörte dabei zur I. Aufklärungsgruppe.
Während eines Übungsmanövers wurde das Schiff durch das Lazarettschiff "Hansa"
an der Bordwand beschädigt und musste am 21. September erneut in die Werft
gehen. Der erneut nötige Werftaufenthalt verhinderte eine geplante Entsendung
des Kreuzers nach Venezuela. Als der Verband der Aufklärungsschiffe am 1. März
1903 als neue Kommandostelle geschaffen wurde, wurde die Amazone diesem
zugeteilt. Während der Frühjahrsreise der Flotte nach Spanien wurde SMS
"Amazone" als Postholer nach Brest abgestellt, wo es am 2. Juni 1903 auf eine
Steinaufschüttung auflief, die nicht in den Karten verzeichnet war. Bei
Hochwasser kam das Schiff ohne Beschädigungen wieder flott. Im Juli 1903
beteiligte sich das Schiff an Geschwaderübungen in der Nordsee und vom 15.
August bis 12. September an den Herbstmanövern sowie vom 23. November bis 5.
Dezember 1903 an der Winterübungsreise. Das Jahr 1904 begann mit weiteren
Übungen und Manövern, bei denen SMS "Amazone" im Aufklärungsverband häufig als
Führungsschiff der 1. Torpedobootsflottille eingesetzt wurde. Am 12. August 1904
erlitt das Schiff seinen nächsten Unfall, als es auf der Kieler Förde von der
russischen Bark "Anna" gerammt wurde. Am 3. März 1905 folgte eine Kollision mit
dem Torpedoboot "D 6", das vom Kreuzer eingeschleppt werden konnte. Er selbst
musste für drei Wochen in die Werft zur Reparatur. Am 28. September 1905 schied
die Amazone aus dem Verband der Aufklärungsschiffe aus, in dem sie vom Kleinen
Kreuzer SMS "Berlin" ersetzt wurde, der auch die Besatzung übernahm.
Die Amazone wurde der Reserve zugeordnet.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde SMS "Amazone" reaktiviert und erneut
in Dienst gestellt. Vom 6. bis 8. August diente es als Flaggschiff der
Küstenschutzdivision der Ostsee und wurde anschließend zur Bewachung des Sundes
und zur Beobachtung des Seegebietes zwischen Gotland und der russischen Küste
eingesetzt. Sie nahm an den Aktivitäten des Detachierten Admirals in der
östlichen Ostsee teil, schleppte zum Beispiel das alte SM "U 3" nach Dagerort,
unterstützte Kräfte des Heeres im Raum Memel und beschoss die litauische Küste.
Am 26. August barg sie zusammen mit dem Torpedoboot "V 26" über 300 Verwundete
und Besatzungsmitglieder von der bei Odensholm an der estnischen Nordküste
aufgelaufenen SMS "Magdeburg" ab. Am 9./10. Oktober schleppte sie das mit
Maschinenhavarie liegen gebliebene SM U 25 nach Danzig zurück. Im November 1914
beteiligte sich das Schiff am Vorstoß zur Sperrung und Beschießung Libaus. Vor
der Einfahrt der Stadt wurden dabei Blockschiffe versenkt und die Stadt
beschossen. Im April 1915 wurde SMS "Amazone" nach erfolgter Grundüberholung der
Küstenschutzdivision der Ostsee zugeteilt. Sie absolvierte nun
Patrouillenfahrten in der westlichen Ostsee und sicherte dabei auch die
Fähre Saßnitz – Trelleborg. Im März 1916 schied SMS "Amazone" aus der
Küstenschutzdivision der Ostsee aus und wurde der Unterseeboots-Inspektion als
Zielschiff für Unterseeboote zugeteilt. Anfang April 1916 wurde die Besatzung
des Schiffes reduziert und im Juli und August 1916 die 10,5-cm Geschütze durch
sechs 8,8-cm Schnellfeuergeschütze ausgetauscht. Am 14. März 1917 außer Dienst
gestellt, diente das Schiff bis Kriegsende als Wohnschiff in Kiel.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Schiff nach den Bestimmungen des
Versailler Vertrages von der Reichsmarine übernommen und wurde von 1921 bis 1923
in Wilhelmshaven modernisiert. Statt des ausladenden Rammsporns erhielt sie
einen modernen Kreuzerbug und einen neuen Fockmast. Am 1. Dezember 1923 wurde
sie wieder in Dienst gestellt und den leichten Seestreitkräften der Nordsee
zugeteilt. "Amazone" nahm an den Ausbildungs- und Übungsfahrten des Verbandes
teil. 1924 besuchte das Schiff Bodö, 1925 Rotterdam und Norwegen. 1926 nahm sie
an der Flottenreise mit dem Flottenflaggschiff "Schleswig-Holstein" in das
Mittelmeer ab dem 14. Mai teil, die bis zum 17. Juni dauernden Atlantik- und
Spanienreise und an der alle großen Einheiten des Flottenkommandos der
Reichsmarine teilnahmen: die Linienschiffe "Hannover", "Elsass" und "Hessen" und
das Schwesterschiff der "Amazone", der Kreuzer "Nymphe" der Ostseestation, an
der Reise teil. Die "Amazone" besuchte mit den Linienschiffen
"Schleswig-Holstein" und "Hessen" unter anderem vom 22. bis zum 30. Mai Palma de
Mallorca. Es war die erste große Reise eines Verbandes der Reichsmarine. 1927
nahm sie an der Flottenreise vom 29. März bis zum 16. Juni in den Atlantik teil,
auf der die beteiligten Schiffe verschiedene Häfen in Gruppen anliefen. Die
"Amazone" lief abweichend von der Planung zuerst Pontevedra vom 2. bis zum
5. April an, da die "Nymphe" in Ferrol einen Schaden an der Rudermaschine
beheben lassen musste. Am 9. April lief sie dann zusammen mit dem
ehemalige Schulkreuzer "Berlin" den Hafen von Santa Cruz de Tenerife an, von wo
sie am 18. zu den Kap Verden nach Porta da Praia weitermarschierte. Der nächste
Hafen für den Kreuzer war dann La Luz bei Las Palmas de Gran Canaria und am
11. Mai traf sie dann in Madeira wieder mit der "Berlin" zusammen, die
allerdings früher wieder in See ging, um erst einem portugiesischen Segler, dann
dem deutschen Dampfer "Cuba" Hilfe zu leisten. Am 24. Mai traf
die "Amazone" in Ponta Delgada, Azoren, wieder auf die "Berlin" mit ihrem in
Sicherheit gebrachten Schützling. Anschließend besuchte das Schiff noch mit
ihrem Schwesterschiff "Nymphe" Anfang Juni Sevilla, ehe die Reise mit einem
Aufenthalt in Lissabon und einer Parade der vier Linienschiffe und drei Kreuzer
vor dem portugiesischen Staatspräsidenten endete. 1928 besuchte
die "Amazone" zusammen mit dem Linienschiff "Schlesien" Molde und Merok in
Norwegen und im August 1929 als letzten Auslandshafen Göteborg. Am 1. Januar
1930 wurde "Amazone" dem Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte unterstellt,
jedoch bereits am 15. Januar 1930 außer Dienst gestellt und durch den neuen
leichten Kreuzer "Köln" ersetzt. Nach ihrer Außerdienststellung diente das
Schiff als Wohnhulk in Kiel. Während des Zweiten Weltkrieges wurde es nach
Bremen geschleppt und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Wohnhulk für
Ostflüchtlinge genutzt. 1954 wurde "Amazon" nach Hamburg geschleppt und dort
abgewrackt.
Literatur und Quellen:
Hans H. Hildebrandt, Albert Röhr und Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Herford: Koehlers Verlagsgesellschaft mbH 1983
Lutz Bengelsdorf: Der Seekrieg in der Ostsee 1914–1918. Hauschild, Herford 2008
Erich Gröner: Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945. Band 1. Panzerschiffe, Linienschiffe, Schlachtschiffe, Flugzeugträger, Kreuzer, Kanonenboote. Bonn: Bernard & Graefe 1998
Alfred G. Nagel: Amazone Erinnerung aus der Werdezeit dreier Marinen. Kommissionsverlag Walter G. Mühlau, Kiel.