Zieb, Paul-Willy

 

* 3. Juni 1892, Ruhland bei Hoyerswerda in Sachsen

† 9. August 1972, Koblenz

 

 

Paul-Willy Zieb trat am 1. Oktober 1912 als Marineingenieuranwärter in die Kaiserliche Marine ein. Bei der II. Werft-Division absolvierte er seine Grundausbildung und kam am 3. Januar 1913 auf das Linienschiff SMS Schleswig-Holstein. Hier wurde er am 1. April 1913 zum Marineingenieuroberanwärter befördert. Kurz nach seiner Rückkehr zur II. Werft-Division am 16. September 1913 folgte am 1. Oktober 1913 seine Beförderung zum Marineingenieurapplikant und seine gleichzeitige Versetzung auf den Kleinen Kreuzer SMS Stralsund. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges gehörte das Schiff zur II. Aufklärungsgruppe. Am 17. August 1914 begann der erste Kriegseinsatz des Schiffes. Zusammen mit dem Schwesterschiff Straßburg, sowie den U-Booten U 19 und U 24 unternahm es einen Vorstoß in die Hoofden (südliche Nordsee). Dabei kam es zu einem Schusswechsel mit britischen Zerstörern. Am 28. August 1914 nahm das Schiff an der Seeschlacht bei Helgoland teil. Am 20. September 1914 verlegte die Stralsund in die Ostsee, wo sie bis zum 26. September an einem Vorstoß zwischen der Insel Gotland und dem Rigaischen Meerbusen teilnahm. Beim ersten Vorstoß der I. und der II. Aufklärungsgruppe nach Great Yarmouth mit den Schlachtkreuzern Seydlitz, Von der Tann, Moltke, dem Panzerkreuzer Blücher und den Kleinen Kreuzern Straßburg, Graudenz und Kolberg zur englischen Ostküste am 3. November 1914, verminte die Stralsund, gesichert durch die Kolberg, die Zufahrt nach Great Yarmouth. Es folgten mehrere Aufklärungsfahrten vor Helgoland. Beim zweiten Vorstoß am 16. Dezember 1914, begleitete das Schiff anfangs die I. Aufklärungsgruppe beim Anmarsch zur Beschießung von Hartlepool, Scarborough und Whitby, wurde aber mit Straßburg und Graudenzbei sehr schlechtem Wetter schon frühzeitig entlassen. Auch bei der dritten Flottenunternehmung (23. und 24. Januar 1915) war die Stralsund beteiligt. Hierbei kam es zum Gefecht auf der Doggerbank, welches sie ohne Verluste überstand. Am 17. Mai 1915 folgte eine Minenoperation vor der Ostküste Englands gemeinsam mit den Kleinen Kreuzern Pillau, Rostock, Straßburg und Regensburg. Zwischen dem 2. Oktober 1915 und dem 25. September 1916 besuchte Paul-Willy die Ingenieur- und Deckoffizierschule, wobei er am 1. April 1915 zum Marineingenieuroberapplikant und am 26. September 1916 zum Marineingenieuraspirant befördert wurde. Ab dem 1. Oktober 1916 war er der 4. Torpedobootshalbflottille zugeteilt und diente auf dem Torpedoboot B 104. Dieser Verwendung schloss sich ab dem 29. Oktober 1917 der Besuch der Marineschule an. Nach deren erfolgreichem Abschluß wurde Paul-Willy Zieb am 16. April 1918 der VIII. Unterseebootsflottille zugeteilt und ab dem 15. Juni auf dem Unterseeboot UB 118 als Leitender Ingenieur eingesetzt. Am 1. Juli 1918 zum Marineingenieuroberaspiranten befördert, wurde er am 20. November 1918 der III. Unterseebootsflottille zugeteilt. Am 1. Januar 1919 folgte seine Versetzung in die 1. Abteilung der I. Werft-Division.  Zwischen dem 24. Januar und dem 24. Februar 1919 besuchte er erneut kurzzeitig die Ingenieur- und Deckoffizierschule. Im Anschluß daran diente er in der I. Marine-Brigade und ab dem 1. Juni 1919 der III. Marine-Brigade. Ab dem 26. September 1919 besuchte er die Marineschule "B", wo er am 16. Dezember 1919 zum Leutnant (Ing.) befördert wurde. Am 21. März 1920 kehrte er als Kompanieführer in die III. Marine-Brigade zurück. Ab dem 22. Juli 1920 besuchte Leutnant Zieb die Marineschule in Kiel-Wik. Im Anschluss daran wurde er am 4. Januar 1921 Ordonnanzoffizier bei der Küstenwehrabteilung I und am 21. Juli 1921 zum Oberleutnant (Ing) befördert. Ab dem 1. Februar 1922 diente er dann in der 2. Torpedobootshalbflottille und war hier nacheinander den Torpedobooten T 144, T 141 und T 144 als Leitender Ingenieur zugeteilt. Am 1. April 1924 wurde er Kompanieoffizier bei der Küstenwehrabteilung III und am 1. Oktober 1924 Führer des Kraftfahrzuges bei der Küstenwehrabteilung III. Am 1. April 1925 folgte seine Beförderung zum Kapitänleutnant (Ing.) und am 6. Oktober 1927 seine Verwendung als Kraftfahrreferent im Stab der Marinestation der Ostsee. Am 27. September 1928 wurde er Halbflottilleningenieur bei der 1. Torpedobootshalbflottille und am 1. März 1930 Hilfsreferent in der Marineleitung. Ab dem 4. April 1932 war er Leitender Ingenieur auf dem Kreuzer Köln, mit dem er von Dezember 1932 bis Dezember 1933 eine Ausbildungsreise in das Mittelmeer und den Indischen Ozean absolvierte. Am 1. Oktober 1932 wurde Paul-Willy Zieb zum Korvettenkapitän (Ing) befördert. Ab dem 7. Oktober 1934 war er zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Nordsee gestellt und am 1. April 1935 zum Kommandeur der Marineschule Wesermünde ernannt. Nach seiner Beförderung zum Fregattenkapitän (Ing) am 1. Oktober 1936 wurde er am 7. Oktober 1936 Verbandsingenieur im Stab des Befehlshabers der Aufklärungsstreitkräfte. Am 1. April 1938 folgte seine Beförderung zum Kapitän zur See (Ing.). Ab dem 31. Oktober 1938 fungierte er als Inspektionsingenieur bei der Inspektion des Bildungswesens der Marine, bis er am 18. August 1939 als Ingenieuroffizier beim Stabe in den Stab des Marinegruppenkommandos Ost versetzt wurde. Am 19. November 1939 wurde er an die Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven versetzt, wo er zuerst als Direktor des Ausrüstungsressorts und ab dem 1. April 1940 als Direktor des Nachschubressorts fungierte. Zwischen dem 28. August und dem 16. Dezember 1940 sowie dem 1. Mai und 10. Oktober 1941 war er gleichzeitig zum Stab des Kommandierenden Admirals Frankreich kommandiert. Am 1. April 1942 zum Konteradmiral (Ing) befördert, war er zwischen dem 16. November 1942 und dem 19. Januar 1943 zugleich dem Stab des Marinegruppenkommandos West als Ingenieuroffizier im Oberquartiermeisterstab zugeteilt. Im Februar 1943 wurde Konteradmiral Zieb zum Chef des Oberwerftstabes Schwarzes Meer ernannt. Am 18. Mai 1944 wurde Paul-Willy Zieb mit dem Deutschen Kreuz in Silber ausgezeichnet. Ab dem 26. August 1944 war er Befehlshaber der Seestreitkräfte auf der unteren Donau. Als Führer der Kampfgruppe Zieb führte er die ihm unterstellten Soldaten vom Balkan zurück nach Deutschland. Am 28. September 1944 wurde er mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Am 23. Oktober 1944 kehrte er an die Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven zurück, wo er als Oberwerftdirektor fungierte. Nach Kriegsende war er für die Abwicklung der Werft zuständig. Am 17. März 1947 war diese Aufgabe beendet. Paul-Willy Zieb wurde daraufhin am 29. Mai 1947 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

 

Literatur und Quellen:

Dermot Bradley, Hans H. Hildebrand, Ernest Henriot: Deutschlands Admirale 1849–1945 Band 3: P-Z Biblio Verlag, Osnabrück 1990