Wildermuth, Dr. jur. Hermann-Eberhard

 

* 23. Oktober 1890

+ 9. März 1952

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Nach bestandenem Abitur am Eberhard-Ludwig-Gymnasium in Stuttgart im Jahre 1908 trat Wildermuth als Einjährig-Freiwilliger seinen Dienst beim 1. Württembergischen Grenadierregiment "Königin Olga" Nr.119 an. Als Vize-Feldwebel verließ der 19jährige 1909 die kaiserliche Armee und begann in Tübingen Jura zu studieren. Kurz nach der ersten Staatsprüfung brach der Erste Weltkrieg aus. Umgehend meldete sich der frischgebackene Referendar in der Rotebühlkaserne in Stuttgart bei den Königin-Olga-Grenadieren. Noch in Friedensuniform wurde der junge Offizieranwärter zur immobilen Festungsbesatzung nach Neubreisach im Elsaß versetzt, ein Einsatz, der ihn keineswegs befriedigte. Schließlich erwirkte er die Erlaubnis, bei den Giga-Grenadieren an der Front eingesetzt zu werden. Bereits am zweiten Gefechtstag wurde Wildermuth durch einen Oberschenkelschuß und zwei Streifschüsse verwundet. Wenig später wurde er während einer Patrouille in der Gegend von Ypern so schwer verwundet, daß man ihn totsagte. Doch acht Tage später traf er in Stuttgart ein und überraschte seine trauernde Mutter. Noch weitere Überraschungen dieser und anderer Art haben ihm schon in jungen Jahren einen fast legendären Ruf verschafft. Unter anderem bei einem Einsatz an der Narew in Polen im Frühjahr 1915. Bei einem gewagten Erkundungsgang gegen die Feste Roshan erzwang er den übergang über eine vom Feind kontrollierte Brücke. Nach erfolgreich durchgeführtem Auftrag kehrte er zum Regimentsstab zurück, beschrieb die Lage und schloß mit den Worten: " . und außerdem habe ich einen Lungenschuß." Zur Ausheilung dieser Wunde wurde er in das Lazarett nach Baden-Baden transportiert, wo er den Sommer verbrachte. Erst im November 1915 kehrte Wildermuth wieder zur Truppe zurück, die vom Balkan nach Flandern verlegt worden war. Im Juni 1916 erwischte es ihn abermals. Nach seiner Entlassung aus dem Lazarett kam er wieder an die Front, diesmal nach Italien, wo er wie Rommel an den großen Isonzo-Schlachten teilnahm. Als der Soldat Wildermuth nach Kriegsende in die Heimat zurückkehrte und die deutschen Verhältnisse in den Revolutions wirren 1918/19 sah, kommentierte er: Wäre mir der Glaube nicht angeboren, daß wirnoch ein Staatsvolk werden, ich hätte ihn hier verloren. . . Vielleicht sind Demokratie und Republik Wege zur Nation.' Der Heimkehrer wollte es keineswegs zulassen, daß die Radikalen auch in Württemberg die Oberhand gewinnen würden. In kürzester Zeit sammelte er Studenten der Technischen Universität Stuttgart um sich und bildete ein Studentenbataillon, das die Ordnung aufrechterhalten und die demokratische Regierung unterstützen sollte. Doch dieser Einsatz wurde ihm nicht gedankt. Gekränkt wandte Wildermuth Stuttgart den Rücken und nahm die Gelegenheit wahr, die ihm der Stuttgarter Rechtsrat Dr. Woelz bot: Er ging nach Berlin zur obersten Reichsstelle für Arbeitsvermittlung. Zuerst befasste er sich mit dem Problem der Erwerbslosenfürsorge und später mit dem Bauwesen und der Wohnungsnot jener Jahre. Schließlich wechselte er im Jahre 1928 zur Deutschen Bau- und Bodenbank, wo er als Vorstandsmitglied wirkte. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde Wildermuth als Major der Reserve bei der Mobilmachung eingezogen. Er erhielt das Kommando über das II. Bataillon vom Infanterie-Regiment 272. Mit dieser Truppe durchbrach er im Mai 1940 die Maginotlinie und eroberte zehn Betonbunker mit zwei MG-Panzerkuppen, die eine Beute von drei Panzerabwehrkanonen nebst 24 Maschinengewehren brachten, dazu 150 Gefangene. Bald darauf ganz im Stile früherer Einsätze ein zweiter Streich: Bei einem "Panzerangriff" mit Lkw's, ein Trick, der später Erwin Rommel in Afrika zu Ruhm verhalf, stellte Wildermuth eine Abteilung des nervösen Feindes und nahm diesmal 12 Offiziere und 250 Mann gefangen. Seine Leistungen an der Westfront wurden im Wehrmachtsbericht erwähnt und es wurde ihm am 15. August 1940 das Ritterkreuz verliehen. Auch im Osten bewies Wildermuth wieder Einsatzfreude, klaren Blick und besonnene Tapferkeit, zuerst bei der 717. Infanterie-Division an der Leitha auf dem Balkan, wo Partisanen zu bekämpfen waren, und dann als Oberstleutnant und Kommandeur vom Infanterie-Regiment 371 im Mittelabschnitt der Ostfront ab Mai 1942. Am 25. Oktober 1942 wurde ihm als solchem das Deutsches Kreuz in Gold verliehen. Im Mai 1943 übernahm er dann das Grenadier-Regiment 578 der 305.Infanterie-Division, das an der Gote d'Azur zur Beobachtung des unzuverlässig gewordenen Italien verwandt wurde. An der Verschwörung des 20. Juli 1944 war Wildermuth nur indirekt beteiligt. Er hatte Glück, daß sein Name in den Listen der Verschwörer nicht verzeichnet war. Am 12. August 1944 wurde Wildermuth - zwischenzeitlich zum Oberst befördert - nach Le Havre kommandiert. Die französische Hafenstadt war von Hitler zur Festung erklärt worden und war deshalb bis zum äußersten zu verteidigen. Bis 12. September harrte der Oberst mit seinen Mannen in Le Havre aus, dann brach die Abwehr zusammen. Wildermuth geriet in Kriegsgefangenschaft nach England und wurde erst am 3. Juli 1946 von dort entlassen. Nach seiner Heimkehr hatte Eberhard Wildermuth alsbald Kontakte geknüpft zu Garlo Schmid, dem Staatssekretär der französischen Zone, und zu Dr. Paul Binder, dem Landesdirektor für das Finanzwesen im damaligen Land Württemberg-Hohenzollern. Ende Oktober 1946 konnte man dem Heimkehrer und FDP-Abgeordneten Eberhard Wildermuth das Amt des Wirtschaftsdirektors übertragen. Als Landesdirektor, später als Staatssekretär und nach 1947 als Minister war er maßgeblich bemüht, den Wiederaufbau zu forcieren. Kein Wunder, daß er 1949 als gewählter Abgeordneter bei der Eröffnung des 1. Deutschen Bundestages in Bonn zugegen war. Später hat er im Kabinett Konrad Adenauers das Wohnungsbauministerium übernommen.



Ritterkreuz (15. August 1940)