Verhein, Siegfried Julius Theodor

 

* 1. Oktober 1897, Gahlkow bei Greifswald

† Januar 1963, Rod an der Weil

 

 

Siegfried Verhein trat am 2. Juli 1915 als Fahnenjunker in die Königlich Preußische Armee ein. Der Sohn vom Rittergutsbesitzer Julius Verhein und seiner Frau Anna, geborene von Tigerström kam dabei zum Vorpommersches Feldartillerie-Regiment Nr. 38. Bei diesem wurde er am 4. September 1916 zum Leutnant befördert. Das Patent wurde dabei auf den 13. Juli 1915 datiert. In der Folge wurde er bis zum Ende des 1. Weltkrieges als Batterieoffizier, Ordonanzoffizier, Abteilungsadjutant und Batterieführer im Vorpommersches Feldartillerie-Regiment Nr. 38 verwendet. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm beide Eisernen Kreuzen verliehen. Nach dem Krieg gehörte er dann ab dem 1. Februar 1919 als Ordonanzoffizier zum Stab der 3. Infanteriedivision. Am 1. Oktober 1919 wurde er als Leutnant in das Reichsheer übernommen. Sein Rangdienstalter wurde später auf den 1. August 1916 festgelegt. Dabei wurde er dann dem Stab vom Befehlshaber der Artillerie der Reichswehr-Brigade 2 zugeteilt. Beim 200.000 Mann-Übergangsheer im Frühjahr 1920 gehörte er zum Reichswehr-Artillerie-Regiment 2. Am 20. Mai 1920 hat er Ellinor Heydenreich geheiratet. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er im Oktober 1920 in das 2. (Preußisches) Artillerie-Regiment übernommen. Bei diesem wurde er dann die nächsten Jahre als Batterieoffizier eingesetzt. Seiner Ehe entsprangen 2 Töchter, die 1921 und 1922 geboren wurden.  Spätestens ab dem Frühjahr 1923 gehörte er zur 2. Batterie vom 2. (Preuß.) Artillerie-Regiment in Stettin. Am 31. Juli 1925 wurde er bei dieser zum Oberleutnant befördert. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. April 1925 festgelegt. Als solcher gehörte er weiter zur 2. Batterie vom 2. (Preuß.) Artillerie-Regiment in Stettin. Am 1. Oktober 1926 wurde er zum Adjutant der I. Abteilung vom 2. (Preuß.) Artillerie-Regiment in Stettin ernannt. Diese Funktion übte er dann mehrere Jahre aus. Am 31. Juli 1930 wurde er aus dem aktiven Dienst der Reichswehr verabschiedet.

Danach wurde er ab dem 1. Oktober 1933 als Hauptmann a.D. (L)* im pommerschen Grenzschutz tätig. Am 1. Mai 1934 trat er als Hauptmann wieder in den aktiven Dienst der Reichswehr ein. Dabei wurde sein Rangdienstalter auf den 1. April 1933 festgelegt. Er wurde jetzt wieder dem 2. Artillerie-Regiment zugeteilt. Dabei wurde er zuerst beim Stab der I. Abteilung eingesetzt. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 1. Oktober 1934 zum Batteriechef im Artillerie-Regiment Stettin ernannt. Bei der Enttarnung der Verbände kam er am 15. Oktober 1935 durch die Umbenennung seines Regiments als Batteriechef der 2. Batterie zum Artillerie-Regiment 2 in Altdamm. Am 6. Oktober 1936 wurde er als Taktiklehrer an die Kriegsschule Dresden versetzt. Dort wurde er zum 1. Januar 1937 zum Major befördert. Bei der Kriegsschule verblieb er auch bis zu deren Auflösung zum Beginn des 2. Weltkrieges im Sommer 1939. Im gleichen Jahr ist er auch als Besitzer des elterlichen Rittergutes Gahlkow mit 279 Hektar aufgeführt. Anfang September 1939 wurde er dann zum Oberkommando des Heeres (OKH) versetzt. Dort wurde er dann als Referent im Heeres-Personalamt (HPA) eingesetzt. Dabei wurde er zum 1. April 1940 zum Oberstleutnant befördert. Als solcher wurde er dann am 5. März 1941 zum Leiter der 4. Abteilung (Artillerie) der Amtsgruppe 1 (P1) vom HPA ernannt. Als solcher wurde er zum 1. Februar 1942 zum Oberst befördert. Am 24. Juni 1943 wurde er zum Kommandeur vom Artillerie-Regiment 32 ernannt. Dieses führte er dann im Verband der 32. Infanterie-Division im Nordabschnitt der Ostfront. Bereits im Dezember 1943 wurden ihm beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen verliehen. Am 15. Februar 1944 wurde er mit der Führung vom Grenadier-Regiment 94 seiner Division beauftragt. Mitte Juli 1944 wurde er dann mit der Führung der neuen 551. Grenadier-Division beauftragt. Im August 1944 verlegte er mit seiner Division nach Litauen. Anfang September 1944 wurde er für einige Tage durch einen Oberst Schmidt vertreten. Am 12. September 1944 übernahm er dann wieder das Kommando über die 551. Grenadier-Division. Zum 1. Oktober 1944 wurde er zum Generalmajor befördert. Damit wurde er dann auch zum Kommandeur der 551. Grenadier-Division ernannt. Durch die Umbenennung seines Stabes wurde er nur wenige Tage später zum Kommandeur der 551. Volks-Grenadier-Division ernannt. Ab Ende Oktober 1944 führte er seine Division in der Memel-Stellung. Später führte er seine Division in den Rückzugskämpfen nach Ostpreußen. Dabei wurde sie mehrmals schwer angeschlagen. Besonders erwähnenswert ist dabei die Deime-Linie bei Labiau. Am 28. Februar 1945 wurde ihm das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Zum 1. April 1945 wurde er auch noch zum Generalleutnant befördert. Ab Mitte April 1945 führte er die Reste der 551. Volks-Grenadier-Division nach Pillau. Von dort setzte er mit seinen Soldaten auf die Frische Nehrung über. Am 19. April 1945 wurde er angeblich in Pillau verwundet. Dort wurden die Reste seiner Kampfgruppe Ende April 1945 in die 28. Jäger-Division eingegliedert. Er selbst wurde jetzt zum Kommandeur der 28. Jäger-Division ernannt. Bei der Kapitulation der deutschen Wehrmacht geriet er am 9. Mai 1945 in Danzig in sowjetische Gefangenschaft. Diese sollte er die nächsten Jahre in verschiedenen Lagern und Gefängnissen verbringen. Dazu gehörten die NKWD-Lager Nr. 27/Krasnogorsk, 48/Černy, Ležnevo, 270/Boroviči, 144/Vorošilovgrad und die Gefängnisse Nr. 3/Boroviči und Nr. 1/Novgorod. Am 14. Juli 1949 wurde er von einem sowjetischen Militärgericht im Bereich von Nowgorod zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt. Dazu wurde er dann in das Gulag Workuta verlegt. Anfang Oktober 1955 wurde er dann wieder in die Heimat entlassen. Inzwischen war sein Rittergut der Bodenreform in der DDR zum Opfer gefallen und er ging daher in die BRD.

Ritterkreuz (28. Februar 1945)

*Ausgeschiedene ehemalige Offiziere wurden oft als zivile Angestellte der (schwarzen) Reichswehr in "Landesschutzangelegenheiten" beschäftigt (L-Angestellte). Ab dem 1. Oktober 1933 taten diese als sog. L-Offiziere (L = Landsschutz; nicht Landwehr) Dienst in Kommandostellen der Reichswehr, trugen weiterhin Zivil und hatten an ihrem Rang ein "a.D." Das war wie eine eigene Laufbahn mit eigener Besoldung neben dem aktiven Offizierskorps. Am 5. März 1935 erfolgte die Umbenennung in E-Offiziere für Ergänzungsoffizierskorps. Hier trugen die Ränge dann ein (E) als Zusatz. Diese Offiziere wurden nur in bestimmten Bereichen, meist Innendienst eingesetzt und machten während der Aufrüstung aktive Offiziere frei für andere Verwendungen.

 

Literatur und Quellen:
BArch, MSG 109/4919 : Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867-1945
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich  Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955 
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983