von Unruh, Walther Willy Hermann

 

* 3. Mai 1875, Klein Münche / Birnbaum

† 4. August 1945, Berlin-Zehlendorf

 

 

Walter von Unruh war des Sohn des Rittergutsbesitzers Eugen Karl Boguslav von Unruh und dessen Ehefrau Emma Friederike Alexandra, geborene Freytag. Er trat nach der Ausbildung in einer Militärvorbereitungsanstalt am 5. November 1894 als Avantageur (Fahnenjunker) in das Königlich Preußische Heer ein. Er kam dabei zum 1. Niederschlesisches Infanterie-Regiment "Graf Kirchbach" Nr. 46 nach Posen. Bei diesem wurde er am 18. Juni 1895 zum Portepeefähnrich befördert. Am 9. Januar 1896 starb sein Vater in Klein Münche. Nach dem Besuch der Kriegsschule wurde er am 18. April 1896 bei seinem Regiment zum Sekondeleutnant befördert. Knapp ein Jahr später gehörte er als Kompanieoffizier zur 1. Kompanie seines Regiments in Posen. Im Frühjahr 1898 wurde er in gleicher Funktion in der 7. Kompanie des Regiments am gleichen Standort eingesetzt. Durch die Umbenennung seines Dienstgrades wurde er am 1. Januar 1899 zum Leutnant ernannt. Als solcher wurde er als Kompanieoffizier in der 9. Kompanie vom 1. Niederschlesisches Infanterie-Regiment "Graf Kirchbach" Nr. 46 in Posen eingesetzt. Anfang 1900 gehörte er in gleicher Funktion wieder zur 7. Kompanie des Regiments in Posen. Am 30. Juni 1900 schied er mit Wirkung vom 5. Juli 1900 aus dem Heer aus. Dafür wurde er am 6. Juli 1900 mit seinem bisherigen Patent in der Schutztruppe für Kamerun angestellt. Dort blieb er bis zum 22. November 1902 im Einsatz. Dabei war er im Jahr 1901 bei der Expedition gegen den Yesum-Chief Simekoa und bei der Jaunde-Jabassi-Expedition unter Hauptmann von Schimmelpfennig beteiligt. Ab dem 22. November 1902 gehörte er dann zum Schleswig-Holsteinisches Füsilier-Regiment "Königin" Nr. 86 in Flensburg. Anfänglich wurde er als Kompanieoffizier in der 7. Kompanie des Regiments eingesetzt. Am 1. April 1903 wurde er als Nachfolger von Oberleutnant Schrobsdorff zum Adjutant des I. Bataillons vom Schleswig-Holsteinisches Füsilier-Regiment "Königin" Nr. 86 in Flensburg ernannt. Diese Funktion übte er einige Jahre aus. Am 13. Februar 1906 wurde er mit Wirkung vom 1. April 1906 zur Unteroffiziersschule Ettlingen versetzt, wo er der 1. Kompanie zugeteilt wurde. Sein Nachfolger als Bataillonsadjutant wurde Leutnant von Festenberg-Pakisch. Am 10. März 1906 hat er die sieben Jahre jüngere Lizzi Doris Ingeborg Jespen, Tochter des Eisenwarenbesitzers Heinrich Martin Jepsen, in Flensburg geheiratet. In Ettlingen wurde er am 25. Mai 1906 zum Oberleutnant befördert. Am 20. Februar 1909 wurde sein Patent als Oberleutnant auf den 20. Mai 1903 vordatiert. Er wurde an diesem Tag auch zum 2. Westpreußisches Grenadier-Regiment "König Wilhelm I" Nr. 7 versetzt. Bei diesem wurde er als Kompanieoffizier in der 12. Kompanie in Liegnitz eingesetzt. Am 27. Januar 1911 wurde er zum überzähligen Hauptmann befördert und in die 11. Kompanie versetzt. Am 23. Mai 1911 wurde er im 2. Westpreußisches Grenadier-Regiment "König Wilhelm I" Nr. 7 zum Kompaniechef ernannt. Am 19. Dezember 1911 wurde bekannt gegeben, dass er am 7. Januar 1912 aus dem Heer ausscheidet und am 8. Januar 1912 in der Schutztruppe für Kamerun wieder angestellt wird. Dazu reiste er am 9. Januar 1912 mit der "Henny Woermann" nach Afrika. Dort wurde er anfangs in der Stammkompanie eingesetzt. Am 1. Mai 1912 starb seine Mutter in Klein Münche. Im März 1913 wurde er von der Stammkompanie als Kompaniechef zur 2. Kompanie nach Bamenda versetzt und mit der Verwaltung der Station Bameda beauftragt. Dort war er am Kele-Fluss mit dem neuen Posten Wum auch für das Volk der Age zuständig. Kurz vor Beginn des 1. Weltkrieges im Sommer 1914 gehörte er noch zur Schutztruppe. Direkt nach Beginn des Krieges wurde er als Hauptmann und Kompaniechef im 5. Thüringisches Infanterie-Regiment "Großherzog von Sachsen" Nr. 94 angestellt. Am 25. November 1916 wurde er zum Major befördert. Nach dem Krieg wurde er im Jahr 1919 als Major in das vorläufige Reichsheer übernommen. Dabei wurde er als Kommandeur des III. Bataillons vom Reichswehr-Infanterie-Regiment 12 eingesetzt. Auch bei der Bildung des 200.000 Mann-Heeres der Reichswehr Mitte Mai 1920 gehörte er in dieser Funktion noch zur Reichswehr-Brigade 6. Am 31. Dezember 1920 wurde er dann bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres aus der Reichswehr verabschiedet. Dabei wurden ihm die Charakter als Oberstleutnant verliehen.

Anfänglich arbeitete etwas mehr als ein Jahr bei der Organisation Escherich, danach ging er dann in die Industrie. Er war ab 1922 als Kaufmann bei den Metallwerken in Nordenham im Oldenburger Land tätig. Er wohnte 1926 privat in der Bismarckstraße 1 in Bremen. Ab dem 1. April 1926 wurde er beim Landesschutz angestellt. Dabei wurde er als Kreisleiter Stade Süd, als Kommandeur der Meldestelle II Bremen und dann der Reichswehr-Werbestelle Bremen II eingesetzt. 1928 wohnte er in der Rembrandtstraße 3 in Bremen. Spätestens ab 1929 wohnte er in der Elsasserstraße 46 in Bremen. Am 1. Dezember 1930 wurde er zum Bezirksleiter Stade-Bremen ernannt. Am 1. Oktober 1933 wurde er als Landesschutzoffizier angenommen. Als Oberstleutnant a.D. wurde er weiter als Kommandeur der Reichswehr-Werbestelle Bremen II verwendet. Er wohnte jetzt in der Metzerstraße 58 in Bremen. Im Mai 1934 wurde er als Landesschutzoffizier zum Oberst a.D. befördert. Während der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er Anfang März 1935 als Oberst (E) in das Ergänzungsoffizierskorps übernommen. Am 30. September 1935 wurde er dann bei der Umbenennung seines Stabes zum Wehrbezirkskommando Bremen II aus der Wehrmacht verabschiedet.

Dafür wurde er am 1. Oktober 1935 als Oberst a.D. wieder beim Landesschutz angestellt. Er war jetzt beim Wehrbezirks-Kommando Ausland in Berlin im Einsatz. Er wohnte damals privat in der Beuckestraße 16 in Zehlendorf. Spätestens ab 1939 wohnte er in der Karolinenstraße 14 in Berlin-Zehlendorf und hatte die Telefonnummer 845391. Nach der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg im Sommer 1939 trat er im September 1939 zur Verfügung des Oberbefehlshabers des Heeres. Ende September 1939 wurde er dann zum Quartiermeister bei der Oberfeldkommandantur 581 (OFK 581) ernannt. Anfang Februar 1940 wurde er dann zum 1. Generalstabsoffizier (Ia) der Kommandantur Warschau ernannt. Am 1. März 1940 wurde er dann zum Kommandant der Kommandantur Warschau ernannt. Dieser Stab wurde auch als Korück 586 bezeichnet. Im Sommer 1940 wurde er dann durch die Umbenennung seines Stabes zum Oberfeldkommandant der Oberfeldkommandantur Warschau (OFK Warschau) ernannt. In dieser Funktion wurde er dann zum 1. Juli 1941 zum Generalmajor z.V. befördert. Ende April 1942 gab er sein Kommando über die Oberfeldkommandantur Warschau ab. Er wurde in die Führerreserve OKH versetzt. Am 30. Juni 1942 wurde er dann unter Aufhebung seiner Mobilmachungsverwendung aus dem aktiven Dienst der Wehrmacht verabschiedet. Kurz nach Ende des 2. Weltkrieges ist er dann im Krankenhaus Dr. Sandmeyer in der Claczeile 40 in Berlin-Zehlendorf gestorben. Als Todesursache wurden Herzmuskelschwäche, Hungeroedeme und Verdacht auf Leberkrebs angegeben. Seine letzte Adresse war die Karolinenstraße 14 in Berlin-Zehlendorf.  Seine älteste Schwester Anna Carolie Auguste Emma von Unruh wurde am 13. Mai 1863 in Klein Münche geboren. Am 7. August 1865 wurde seine Schwester Elisabeth Alexandra Hildegard von Unruh ebenfalls in Klein Münche geboren. Sein am 21. März 1867 in Klein Münche geborener älterer Bruder Georg Ferdinand Ignatz Hugo Paul Wilhelm Von Unruh war ebenfalls Infanterieoffizier. Dieser heiratete am 11. Oktober 1910 die über dreizehn Jahre jüngere Elisabeth Maria Olga Freytag, Tochter des Oberstleutnant z.D. Hugo Ferdinand Leopold Freytag, in Berlin-Charlottenburg. Er selbst schied nach dem 1. Weltkrieg als Oberstleutnant aus der Armee aus. Seine 1878 ebenfalls in Klein Münche geborene Schwester Lina Alexandra Luise Henriette von Unruh starb bereits 1926.

 

*Ausgeschiedene ehemalige Offiziere wurden oft als zivile Angestellte der (schwarzen) Reichswehr in "Landesschutzangelegenheiten" beschäftigt (L-Angestellte). Ab dem 1. Oktober 1933 taten diese als sog. L-Offiziere (L = Landsschutz; nicht Landwehr) Dienst in Kommandostellen der Reichswehr, trugen weiterhin Zivil und hatten an ihrem Rang ein "a.D." Das war wie eine eigene Laufbahn mit eigener Besoldung neben dem aktiven Offizierskorps. Am 5. März 1935 erfolgte die Umbenennung in E-Offiziere für Ergänzungsoffizierskorps. Hier trugen die Ränge dann ein (E) als Zusatz. Diese Offiziere wurden nur in bestimmten Bereichen, meist Innendienst eingesetzt und machten während der Aufrüstung aktive Offiziere frei für andere Verwendungen.