Tzschöckell, Paul

 

* 29. August 1872, Leipzig

† 1971, (Hannover)

 

Paul Tzschöckell begann nach seinem Abitur sein Medizinstudium. Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges trat er am 11. August 1914 als Kriegsfreiwilliger in die Königlich Preußische Armee ein. Der Sohn eines Staatsbeamten kam dabei zur 2. Ersatz-Maschinengewehr-Kompanie vom XI. Armeekorps. Ab November 1914 wurde er dann bei der MG-Kompanie vom Reserve-Infanterie-Regiment 236 an der Front eingesetzt. Am 18. August 1915 wurde er zum Leutnant der Reserve befördert. Von April bis September 1916 befand er sich im Lazarett. Ab Oktober 1916 war er dann bei der Ersatztruppe in Erfurt. Im November 1916 wurde er als Lehroffizier zum MG-Lehrkurs nach Döberitz versetzt. Im Juni 1917 wurde er dann zum MG-Scharfschützen-Kommando West versetzt. Dort wurde er als Ausbilder beim III. Bataillon eingesetzt. Im 1. Weltkrieg wurden ihm auch beide Eisernen Kreuze verliehen. Nach dem Krieg wurde er dann Anfang 1919 zuerst im Freikorps bei der Garde Kavallerie-Schützen-Division tätig. Später war er Regimentsadjutant und Brigadeadjutant bei der Eisernen Eskadron und zum Ende des Jahres 1919 Bataillonsführer eines Studenten-Verbandes. Am 18. Dezember 1919 trat er dann in die Polizei in Berlin ein. Dort wurde er dann als die nächsten Jahre als Ordonanz-Offizier, Kraftfahr-Offizier und Adjutant eingesetzt. 1924 wurde er zum Hauptmann der Polizei befördert. Später wurde er dann auch als Hundertschaftsführer und Revier-Vorsteher verwendet. Außerdem war er dann in den 30iger Jahren auch stellvertretender  Abteilungs-Kommandeur. Im Zuge der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 1. Oktober 1935 als Hauptmann in das Heer übernommen. Dabei wurde er jetzt zum Chef der 3. Kompanie vom MG-Bataillon 4 auf dem Truppenübungsplatz Münsingen ernannt. Als solcher wurde er am 1. November 1935 zum Major befördert. Am 6. Oktober 1937 wurde er dann als Chef der 9. Kompanie zum Infanterie-Regiment 35 nach Tübingen versetzt. Am 1. Juni 1938 wurde er dann zum Stab der Nebel-Lehr- und Versuch-Abteilung nach Celle versetzt. Dort wurde er am 1. Oktober 1938 zum Oberstleutnant befördert. Im Zuge der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg im Sommer 1939 wurde er dann zum Kommandeur vom Ausbildungs-Kommando der Nebel-Lehr- und Versuchsabteilung in Celle ernannt. Dadurch wurde er dann Ende September 1939 zum Kommandeur der Nebel-Abteilung 3 ernannt. Mit dieser verlegte er dann Ende des Jahres 1939 an die Westfront. Zum Beginn des Westfeldzuges im Frühjahr 1940 unterstand er mit seiner Abteilung dem Generalkommando XI. Armee-Korps. Mitte Januar 1941 wurde er dann mit der Aufstellung eines Regiments im Wehrkreis VI beauftragt. Nach dessen Aufstellung wurde er dann auch zum Kommandeur vom Nebelwerfer-Regiment 53 ernannt. Zum Sommerbeginn 1941 führte er sein Regiment dann in den Ostfeldzug. Dabei wurde er hauptsächlich im Mitteabschnitt der Ostfront eingesetzt. Am 1. Oktober 1941 wurde er zum Oberst befördert. Am 1. Oktober 1942 wurde er dann mit der Wahrnehmung der Geschäfte als Kommandeur der Nebeltruppen 2 beauftragt. Mit diesem geriet er dann im Verband der 6. Armee in den Kessel von Stalingrad. Dabei gelang ihm mit seinem Stab und Teilen der unterstellten Einheiten aus dem Kessel auszubrechen. Dann sammelte er im November 1944 einige Versprengte und Urlauber und errichtet eine neue Abwehrfront am Don und am Tschir. Dort wurde er dann die nächsten Monate eingesetzt. Im Februar 1943 musste er sein Kommando nach einem Kfz-Unfall abgeben. Er kam jetzt ins Lazarett. Nach seiner Genesung wurde er im Sommer 1943 in die Führerreserve versetzt. Später wurde er dann als Leiter der Offiziers-Lehrgänge an der Heeres-Gasschutzschule in Celle eingesetzt. Am 5. März 1944 wurde er dann mit der Aufstellung der Werfer-Brigade 7 beauftragt und danach zum Kommandeur dieses Stabes ernannt. Mit dieser Brigade verlegte er im Mai 1944 nach Frankreich, wo sie nördlich von Paris unterzog. Bei Beginn der alliierten Invasion in der Normandie machte er seine Brigade marschbereit, erhielt aber erst am 10. Juni 1944 den Einsatzbefehl. Er wurde mit seiner Brigade jetzt dem I. SS-Panzerkorps zugeteilt und in den nächsten Wochen zur Abwehr der vorstoßenden Invasionskräfte eingesetzt. Zum 1. August 1944 wurde er zum Generalmajor befördert. Im Brückenkopf von Nantes hat sich seine Brigade verschossen. Die Reste der Werfer-Brigade 7 sammelten dann im Raum Lüttich und verlegten nach Celle. Am 15. November 1944 wurde er dann zum Kommandeur der Heeres-Gasschutzschule Celle ernannt. In dieser Funktion wurde er dann Anfang April 1945 zum Kommandant von Uelzen und Celle ernannt. Er organisierte dann die Verteidigung von Celle mit einer Kampfgruppe Tzschökell. Am 8. April 1945 wurde der Güterbahnhof Celle von einem amerikanischen Luftangriff getroffen. Dabei gelang es Häftlingen eines Transportzuges ins Neustädter Holz zu entkommen. Generalmajor Tzschöckell wurde dann als Standortältester verantwortlich für die folgenden als "Celler Hasenjagd" bekannt geworden Vorgänge. Dabei wurden die entflohenen Häftlinge sowohl durch Streifen als auch durch Zivilisten gejagt und einige bezahlten die Flucht mit ihrem Leben. Im April 1945 wurde dann angeblich auch das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes für ihn beantragt. Er ging dann in die Geschichte als Retter der Stadt Celle ein. Nach der Kapitulation kam er dann in westalliierte Gefangenschaft. Aus dieser wurde er, ohne für die Vorgänge bei der Hasenjagd zur Rechenschaft gezogen zu werden, Ende Juni 1947 wieder entlassen.