Thiele, August

 

* 26. August 1893, Berlin-Charlottenburg

† 31. März 1981, Mölln

 

 

August Thiele trat am 1. April 1912 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Er absolvierte seine Grundausbildung und anschließend seine Bordausbildung auf dem Schulschiff SMS "Vineta". Anschließend besuchte er die Marineschule Mürwik und absolvierte mehrere Spezialkurse. Am 12. April 1913 zum Fähnrich zur See ernannt, wurde August Thiele bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 4. August 1914 auf den Kleinen Kreuzer SMS "Gazelle" versetzt. Der Kleine Kreuzer wurde zu Kriegsbeginn reaktiviert und der Küstenschutz-Division der Ostsee zugeteilt. Bei einer Unternehmung des IV. Geschwaders gegen den Finnischen Meerbusen vom 24. bis 29. August nahm der Kreuzer eine Vorpostenlinie zwischen der Insel Gotland und der kurländischen Küste ein. Bei einer weiteren Unternehmung vom 4. bis 9. September musste die "Gazelle" vorerst mit einem Maschinenschaden in Danzig verbleiben, um nach der Reparatur diesem Vorstoß bis zur Aaland-See doch noch mitzufahren. Danach erfolgte die Rückkehr zur Küstenschutz-Division, wobei sie zeitweise als Flaggschiff fungierte. Die Hauptaufgabe bestand im Schutz des Öresunds und des Langeland-Belts gegen eindringende britische U-Boote. Am 23. Januar 1915 wurde er auf das Linienschiff SMS "Preußen" und im März 1915 auf das Linienschiff SMS "Deutschland". Mit dem Schiff nahm August Thiele 1916 an der Skagerrakschlacht teil. Am 22. März 1915 wurde er zum Leutnant zur See befördert und am 1. Dezember 1916 als Flaggleutnant in den Stab des II. Geschwaders versetzt. Ab dem 15. August 1917 wurde er Flaggleutnant im Stab des Befehlshabers des Sicherungsverbandes der westlichen Ostsee und am 25. Dezember 1917 zum Oberleutnant zur See befördert. Am 24. Januar 1918 wurde er als Flaggleutnant in den Stab des Befehlshabers der Sicherung der Ostsee versetzt. Nach Kriegsende wurde August Thiele in die Reichsmarine übernommen und am 16. März 1920 zur Verfügung des Führers der Minensuchboote der Ostsee gestellt und gleichzeitig Kommandant des Minensuchbootes "M 111". Am 3. Juni 1920 kam er als Adjutant zur Kommandantur Kiel und am 17. Juni 1920 wurde er zum Schiffstamm des Kleinen Kreuzers "Medusa" versetzt. Nach der Wieder-Indienststellung des Kreuzers am 17. Juli 1920 wurde Thiele Wachoffizier auf dem Schiff. Am 1. Juni 1922 folgte seine Beförderung zum Kapitänleutnant. Zwischen dem 30. September 1922 und dem 13. April 1925 war er zur Dienstleistung zur Marineleitung kommandiert. Anschließend wurde er Kompanieführer an der Marineschule Mürwik und am 27. September 1928 Erster Offizier auf dem Vermessungsschiff "Meteor". Am 3. Oktober 1929 wurde er dann zur Verfügung des Chefs der Marineleitung gestellt. Am 3. Juli 1930 kam er als Navigationsoffizier auf den Kreuzer "Emden". In dieser Position wurde er am 1. Oktober 1930 zum Korvettenkapitän befördert. Am 24. September 1932 folgte seine Versetzung als 1. Adjutant in den Stab der Marinestation der Nordsee. Zwischen dem 27. September 1934 und dem 26. März 1935 war er zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Ostsee gestellt und auf das Segelschulschiff "Deutschland" kommandiert. Am 27. März 1935 folgte seine Ernennung zum Kommandanten des Schulschiffs "Deutschland" und am 1. Oktober 1935 seine Beförderung zum Fregattenkapitän. Am 17. September 1936 stellte er das neue Segelschulschiff "Horst Wessel" in Dienst, dessen Kommandeur er bis zum 27. Januar 1939 war. In diese Zeit fällt seine Beförderung zum Kapitän zur See am 1. April 1937. Am 28. Januar 1939 wurde er zur Verfügung der Inspektion des Bildungswesens der Marine gestellt, am 21. Februar 1939 dann dem Kommandierendem Admiral der Marinestation der Ostsee. Ab dem 30. März 1939 fungierte er als Festungskommandant der Pommerschen Küste und wurde am 6. Oktober 1939 zur Verfügung des Admirals der Kriegsmarinedienststelle Hamburg gestellt. Am 30. November 1939 wurde er Kommandant des Schweren Kreuzers "Lützow". Das Schiff befand sich zu dieser Zeit zur Grundüberholung in die Danziger Werft. Im März 1940 lag die "Lützow" wieder auslaufbereit in Wilhelmshaven. Im April 1940 nahm der Schwere Kreuzer "Lützow" an der Besetzung Norwegens teil, wo er der Gruppe 5 zugeteilt war, die Oslo einnehmen sollte. Die "Lützow" lief am 7. April durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal nach Kiel. Sie schloss sich der aus Swinemünde kommenden Gruppe 5 an und stand am 9. April vor dem Oslofjord. Nachdem das Flaggschiff der Gruppe, der Schwere Kreuzer "Blücher", in der Drøbak-Enge versenkt worden war und die "Lützow" drei Treffer erhalten hatte, die sechs Tote und 25 Verwundete kosteten, wobei unter anderem das Schiffslazarett völlig ausbrannte, beschloss Kapitän zur See Thiele, die Gebirgsjäger weiter südlich in Sonsbukten auszuschiffen. Erst als mit Unterstützung durch die Luftwaffe schließlich die Gebirgsjäger die Landbatterien ausgeschaltet hatten, liefen die "Lützow" und die übrigen Schiffe der Gruppe 5 am 10. April Oslo an.  Die "Lützow" fuhr darauf nach Horten, wurde aber zur sofortigen Instandsetzung in die Heimat zurückbeordert. Ohne Geleitschutz fahrend, erhielt sie am 11. April um 1:29 Uhr auf dem Rückmarsch nach Kiel beim Kap Skagen einen Torpedotreffer durch das britische U-Boot Spearfish. Hierbei knickte das gesamte Heck weg. Es gab 15 Tote. Die Propellerwellen und das Ruder wurden zerstört, so dass der Kreuzer antriebslos und manöverierunfähig trieb. Schiff und Mannschaft hatten aber Glück: Der Torpedo war der äußerste eines Fächers, der gerade noch eben das Heck getroffen hatte. Das U-Boot hatte seine letzten vier Torpedos auf die "Lützow" abgeschossen und konnte keinen weiteren Angriff fahren. Mit Hilfe von drei herbeigerufenen Kuttern der 19. Minensuchflottille konnte das Schiff nach einem vorübergehenden Festlaufen mit 1300 t Wasser im Rumpf nach Kiel geschleppt werden, das am Abend des 13. April erreicht wurde. Nach der Rückkehr des Kreuzers nach Deutschland wurde Kapitän zur See Thiele am 18. April 1940 als Kommandant abgelöst und am Folgetag zum Kommandanten der Seeverteidigung Drontheim ernannt. Ab dem 27. April 1940 fungierte er als Admiral der norwegischen Nordküste. Am 18. Januar 1941 wurde er mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Am 1. April 1941 folgte seine Beförderung zum Konteradmiral. Ab dem 30. Juni 1941 war er Chef des Stabes beim Flottenkommando. Zwischen dem 28. August und Anfang September 1942 war er zugleich mit der Wahrung der Geschäfte des Admirals Nordmeer beauftragt. Am 3. März 1943 wurde er Befehlshaber des Ausbildungsverbandes der Flotte und in dieser Position am 1. April 1943 zum Vizeadmiral befördert. Ab dem 28. Juli 1944 war er Befehlshaber der II. Kampfgruppe, die am 23. März 1945 zur Kampfgruppe Thiele umgegliedert wurde. Vizeadmiral Thiele führte während des Unternehmen Doppelkopf von Bord der "Prinz Eugen" am 19. August 1944 die Kampfgruppe zur Unterstützung der deutschen Streitkräfte in Kurland an. Der schwere Kreuzer "Prinz Eugen" lief in den Golf von Riga ein und beschoss das von den Sowjets gehaltene Tuckum aus einer Entfernung von 25.000 Metern mit 265 Granaten seiner Hauptartillerie (20,3 cm SK C/34). Parallel dazu griffen die Zerstörer "Z 25", "Z 28", "Z 35", "Z 36" und die Torpedoboote "T 23" und "T 28" weitere Landziele an. Der sowjetische Vormarsch in der Ostsee setzte sich fort. Der letzte deutsche Konvoi verließ am 23. September Reval (Unternehmen Aster). Am 29. September landeten die sowjetischen Truppen auf der Insel Moon, am 2. Oktober auf der Insel Dagö und am 5. Oktober auf der Insel Ösel, wo die deutschen Truppen auf der Halbinsel Sworbe abgeschnitten wurden. Die Stadt Memel in Ostpreußen wurde im Zuge der Bildung des Kurland-Kessels von der Roten Armee an der Landseite eingeschlossen und drohte eingenommen zu werden. Um das dort abgeschnittene deutsche XXVIII. Armeekorps zu unterstützen, griff die Kampfgruppe Thiele ab dem 10. Oktober 1944 mit ihrer Schiffsartillerie Landziele an. Hierbei verschossen "Prinz Eugen", "Lützow", vier Zerstörer und vier Torpedoboote eine große Anzahl Granaten. Alleine die "Prinz Eugen" griff in der Zeit vom 10. bis 12. Oktober und vom 14. bis 15. Oktober 28 verschiedene Landziele und verschoss hierbei 1196 Granaten vom Kaliber 20,3 cm. Am 9. März 1945 wurde August Thiele mit dem Deutschen Kreuz in Gold und am 8. April 1945 mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnet. Am 27. April 1945 wurde die Kampfgruppe aufgelöst und August Thiele wurde noch zum Kommandierenden Admiral östliche Ostsee ernannt. Am 12. Mai 1945 geriet er in Gefangenschaft, aus der er am 2. Dezember 1946 entlassen wurde.

Ritterkreuz (18. Januar 1941) Eichenlaub (8. April 1945)

 

Literatur und Quellen:

Dermot Bradley, Hans H. Hildebrand, Ernest Henriot: Deutschlands Admirale 1849–1945 Band 3: P-Z Biblio Verlag, Osnabrück 1990
Oberkommando der Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1938, Verlag Mittler und Sohn, Berlin, 1938
Oberkommando der Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1937, Verlag Mittler und Sohn, Berlin, 1937
Oberkommando der Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1936, Verlag Mittler und Sohn, Berlin, 1936
Oberkommando der Kriegsmarine: Rangliste der Deutschen Kriegsmarine 1935, Verlag Mittler und Sohn, Berlin, 1935