Sachsse, Fritz

 

* 10. Juni 1875, Hohenthurm bei Halle

+ 12. März 1954, Göttingen
 

 

Fritz Walter Sachsse war das zehnte Kind des Pächters des Wuthenau’schen Ritterguts Hohenthurm bei Halle (Saale) Carl (Karl) Friedrich Wilhelm Sachsse und dessen Ehefrau Ida Louise geb. Moßdorf. Er  trat am 16. April 1894 als Kadett in die Kaiserliche Marine ein. Nach der Grundausbildung wurde er am 13. Mai 1895 zum Seekadett ernannt. Es folgte die weitere theoretische und praktische Ausbildung, u.a. an der Marineschule. Am 25. Oktober 1897 wurde er zum Unterleutnant zur See befördert (Umbenennung zum Leutnant zur See am 1. Januar 1899). Am 31. Oktober 1897 kam er auf den Kreuzer SMS "Kaiserin Augusta", am 22. Juni 1899 auf den großen Kreuzer SMS "Kaiser", am 11. Oktober 1899 auf das Artillerieschulschiff SMS "Mars" und am 22. August 1900 auf den großen Kreuzer SMS "Victoria Louise". Auf diesem erfolgte am 16. März 1901 seine Beförderung zum Oberleutnant zur See. Es folgte am 23. September die Verwendung als Wachoffizier auf dem kleinen Kreuzer SMS "Amazone" und ab dem 1. Oktober 1904 als Instrukteur auf dem Artillerieschulschiff "Olga". Am 30. März 1905 kam er als Instrukteur auf den kleinen Kreuzer SMS "Nymphe", auf dem er am 5. April 1905 zum Kapitänleutnant befördert wurde. In der Zeit vom 1. Oktober 1906 bis zum 30. September 1909 war er Adjutant bei der Inspektion der Küstenartillerie und des Minenwesens in Cuxhaven. Vom 30. April 1910 bis zum 30. September 1913 tat Sachsse Dienst als Artillerieoffizier auf dem Linienschiff SMS "Rheinland" und den Großen Kreuzern SMS "Yorck" und SMS "Moltke". Während dieser Dienstzeit wurde er am 25. April 1912 zum Korvettenkapitän befördert. Am 16. Oktober 1913 reiste Sachsse mit dem Dampfer "Princess Alice" nach Ostasien, wo er am 6. Dezember 1913 das Kanonenboot SMS "Iltis" als Kommandant übernahm. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die SMS "Iltis" außer Dienst gestellt. Die Besatzung wurde auf den Hilfskreuzer SMS "Cormoran" kommandiert, während Sachsse am 7. August 1914 zum Leiter der Etappe bestellt und am 20. August der Matrosenartillerie-Abteilung Kiautschou zugeteilt wurde. Am 20. September wurde er Kommandeur der Festungs-Reserve. Nach der Belagerung von Tsingtau und der Eroberung der Stadt durch japanische Streitkräfte kam Fritz Sachsse im November 1914 in japanische Kriegsgefangenschaft und wurde nach Japan gebracht. Am 16. November 1915 konnte Sachße zusammen mit Herbert Straehler aus der Gefangenschaft entkommen und floh über Korea, Mukden und Peking bis nach Shanghai. Von dort aus versuchten die beiden zunächst vom 23. Januar bis zum 6. Juni 1916, die Flucht durch China fortzusetzen. Nachdem sie weitere drei Monate gereist waren und die Wüste Gobi durchquert hatten, wurde klar, dass sie ihre geplante Route nicht fortsetzen konnten, so dass sie nach Shanghai zurückkehrten und dann separat auf dem Seeweg nach Amerika reisten. Sachße gelangte mit dem Dampfer "Justin" in die zu dieser Zeit noch neutralen USA und reiste mit dem Zug durch das Land, wobei er in Chicago Halt machte, um Verwandte zu besuchen. Er traf sich erneut mit Straehler und die beiden konnten sich auf einem norwegischen Dampfer in Richtung Bergen einen Platz sichern. Sie gelangten bis in die Nordsee, wurden aber am 15. November 1916 bei den Orkney-Inseln von den Engländern bei einer Kontrolle entdeckt. Sachsse wurde zunächst in das zivile Internierungslager in Knockaloe auf der Isle of Man gebracht, da er eine zivile Identität verwendete. Nachdem Sachsse seine wahre Identität enthüllt hatte, wurde er im Juni 1918 im Raikeswood Camp nahe Skipton interniert. Über seine Erfahrungen dort veröffentlichte Sachsse nach dem Krieg ein Buch. Im Oktober 1919 wurde Sachsse aus der Gefangenschaft entlassen. Nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er am 18. November 1919 mit Rangdienstalter vom 28. April 1918 zum Fregattenkapitän befördert. Sachsse wurde in die Vorläufige Reichsmarine übernommen und am 5. Februar 1920 zum Kapitän zur See befördert. Am 1. Februar 1920 wurde er Direktor der Marineschule "A". Zugleich war er Leiter der Abwicklung der Geschäfte der Marineschule Mürwik. Zwischen dem 19. März und dem 15. Juli 1920 beurlaubt, wurde Sachsse im Anschluß mit der Wahrung der Geschäfte des Inspekteurs des Bildungswesens der Marine beauftragt. Zwischen dem 11. August und dem 20. September 1920 war er zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Ostsee gestellt und anschließend wurde er Befehlshaber der Landstreitkräfte der Ostsee in Stralsund. Zwischen dem 10. Oktober 1920 und dem 23. März 1921 war er zugleich Kommandeur der Schiffsstammdivision der Ostsee und zwischen dem 1. April 1921 und dem 30. September 1922 zugleich Garnisonältester in Stralsund. Am 31. Dezember 1922 schied Kapitän zur See Sachsse aus dem Dienst aus. Mit der Pensionierung wurde ihm der Charakter eines Konteradmirals verliehen. Sachsse lebte weiter in Stralsund, wo er als Ehrenmitglied im Verein Ehemalige Marine aktiv war. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog Sachsse nach Göttingen, wo er 1954 verstarb.

 

Literatur und Quellen:

Hans H. Hildebrand: Deutschlands Admirale 1849–1945. Band 2: P–Z (Packroß bis Zuckschwerdt). Biblio Verlag, Osnabrück 1990