Freiherr von Rotberg, Eduard Anselm Theodor August

 

* 18. April 1872, Landshut

† 8. April 1967, Konstanz

 

 

Eduard Freiherr von Rotberg trat nach seiner Kadettenausbildung am 20. Februar 1892 mit dem Charakter als Fähnrich in die Königlich Preußische Armee ein. Der Sohn vom Major a.D. August Friedrich Ludwig Ernst Johann Freiherr von Rotberg und dessen Ehefrau Ernestine, geborene Schmidt, kam dabei zum 1. Badisches Leib-Dragoner-Regiment Nr. 20 in Karlsruhe. In diesem wurde er nach dem Besuch der Kriegsschule am 27. Januar 1893 zum Sekondeleutnant befördert. Sein Patent wurde dabei auf den 20. Februar 1892 datiert. Durch die Umbenennung seines Dienstgrades wurde er am 1. Januar 1899 zum Leutnant ernannt. 1900 und 1901 nahm er dann mit dem im ostasiatischen Reiterregiment im Ostasiatischen Expeditionskorps an der Niederschlagung des Boxeraufstandes teil. Am 18. Oktober 1900 wurde er zum Oberleutnant befördert. Am 1. Oktober 1901 wurde er zur Kriegsakademie nach Berlin kommandiert. Etatmäßig gehörte er jetzt zum 3. Badischen Dragoner-Regiment Prinz Karl Nr. 22 in Mühlhausen im Elsass. Am 10. März 1904 wurde er mit Wirkung vom 1. April 1904 in den Großen Generalstab kommandiert. Am 20. März 1906 wurde er im Großen Generalstab zum Hauptmann befördert. Am 20. Januar 1907 wurde er zum Generalstab des XVI. Armee-Korps versetzt. Am 27. Januar 1909 wurde er als Chef der 4. Eskadron zum 1. Westfälisches Husaren-Regiment “Kaiser Nikolaus II von Russland“ Nr. 8 nach Schloss Neuhaus versetzt. Am 12. Juni 1909 hat er die siebzehn Jahre jüngere Ilse Wening in Metz geheiratet. Am 7. Mai 1910 wurde seine Tochter Mechthild Ernestine Sophie Maja von Rotberg in Schloß Neuhaus bei Paderborn geboren. Am 9. März 1912 wurde er zum Stab der 15. Division nach Köln versetzt. Dort wurde er am 1. Oktober 1912 auch zum Major i.G. befördert. Am 27. Januar 1914 wurde er zum Generalstab der V. Armeeinspektion versetzt. Diesem gehörte er auch noch bei der Mobilmachung für den 1. Weltkrieg Anfang August 1914 an. Am 2. August 1914 wurde er in den Stab der 7. Kavallerie-Division versetzt. Am 24. Dezember 1914 wurde er als 1. Generalstabsoffizier (Ia) zum Generalstab des XXXX. Reserve-Korps versetzt. Am 10. Februar 1916 wurde er zum Chef des Generalstabs des XXXX. Reserve-Korps ernannt. Ende 1916 wurde er dann zum Chef des Generalstabs der Armeegruppe Litzmann ernannt. Am 27. Januar 1918 wurde er zum Oberstleutnant befördert. Als solcher wurde er am 1. Februar 1918 zum Kommandeur des Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 19 ernannt. Am 22. Juni 1918 trat er zur Verfügung des Chefs des Generalstabs des Feldheeres. Im 1. Weltkrieg wurden ihm neben dem Ritterkreuz mit Schwertern des Königlichen Hausordens von Hohenzollern und beiden Eisernen Kreuzen noch andere Auszeichnungen verliehen. Am 22. November 1918 wurde er wieder zum Chef des Generalstabs des XXXVIII. Reserve-Korps ernannt. Am 7. Februar 1919 wurde er als Führer des Dragoner-Regiments 20 in Eppingen eingesetzt. Im Frühjahr 1919 wurde er als Oberstleutnant in das vorläufige Reichsheer übernommen. Ab dem 23. Mai 1919 wurde er als Führer des Württembergisches Reichswehr-Kavallerie-Regiment 13 der Reichswehr-Brigade 13 in Stuttgart verwendet. Am 18. September 1919 wurde er als Abteilungschef zum Reichswehrministerium versetzt. Anfang Januar 1920 wurde er dann zum Chef des Stabes der 1. Kavallerie-Division in Frankfurt an der Oder ernannt. Als solcher wurde er auch beim 200.000 Mann-Übergangsheer Mitte Mai 1920 eingesetzt. Auch bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr am 1. Oktober 1920 wurde er weiter als Chef des Stabes der 1. Kavallerie-Division in Frankfurt an der Oder verwendet. Am 18. Dezember 1920 wurde er zum Oberst befördert. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Oktober 1920 festgelegt. Am 30. April 1922 gab er seinen Posten Chef des Stabes der 1. Kavallerie-Division an Oberstleutnant Eberhard Graf Wolffsteel von Reichenberg ab. Er wurde dafür dann am 1. Mai 1922 als Nachfolger vom Oberst Walter von Jagow zum Kommandeur vom 16. Reiter-Regiment in Kassel ernannt. Als solcher wurde er am 1. März 1924 zum Generalmajor befördert. Am 30. April 1925 wurde er kurz vor der Verlegung des Regiments nach Erfurt durch Oberst Woldemar Freiherr Grote abgelöst. Er wurde an diesem Tag aus dem aktiven Dienst der Reichswehr verabschiedet.

Im Dezember 1928 war er Vorsitzender des südwestdeutschen Sportverbandes für Kleinkaliberschießen. 1937 bis 1939 war er Führer der Bundesgruppe Karlsruhe, später Köln-Aachen, des Deutschen Soldatenbundes. Nach Beginn des 2. Weltkrieges trat er dann wieder zur Verfügung der Wehrmacht. Im Juni 1940 wurde er zum Kommandant der neuen Oberfeldkommandantur 679 (OFK 679) ernannt. Durch die Umbenennung seines Stabes wurde er dann noch Ende Juni 1940 zum Kommandant der Feldkommandantur 679 (FK 679) ernannt. Am 7. Juli 1940 wurde er zum Chef der Militärverwaltung C in Dijon ernannt. Am 17. Juli 1940 wurde er dem Militärbefehlshaber in Frankreich im Militärverwaltungsbezirk B in Biarritz unterstellt. Am 19. Juli 1940 wurde er dann durch die Umbenennung seines Stabes zum Chef des Militärverwaltungsbezirks C unter dem Militärbefehlshaber Frankreich in Dijon ernannt. Die Umbenennung erfolgte durch das OKH wegen der Verwechslungsgefahr. Damit war er für den Bereich Nordostfrankreich zuständig. Als solcher wurde er zum 1. April 1941 zum Generalleutnant z.V. befördert. Am 22. September 1941 reichte er einen Bericht über verschiedene Sabotage-Akte ein, die sich in seinem Bereich in der Zeit zwischen dem 15. und 19. September 1941 ereignet hatten. In einem Fall war der Draht zu einem Vorsignal durchschnitten, in zwei anderen waren die Halteschrauben von Schienenlaschen gelöst worden, und in dem vierten Fall hatte man den Blindgänger einer aus dem 1. Weltkrieg stammenden 7,5 cm Granate auf den Gleisanlagen unweit eines Viaduktes vorgefunden. Der zweite dieser Anschläge hatte am 18. September 1941 auf der Strecke zwischen Courban und Veuxhaulles bei Montigny einen Militärtransportzug zum Entgleisen gebracht. Vom Sach- und Materialschaden abgesehen, waren elf Insassen des Zuges bei diesem Unfall verletzt worden. Er schlug als Sühnemaßregel die Erschießung von Geiseln vor und reichte gleichzeitig eine Liste, auf der zwölf Namen genannt waren, ein. Es handelte sich bei den darin Aufgeführten um französische Staatsangehörige, von denen einer von jüdischen Glaubens war. Der politischen Zugehörigkeit nach waren neun von ihnen als Kommunisten bezeichnet, drei als Anhänger De Gaulles. Ein Teil von ihnen war wegen verschiedener Vergehen festgenommen, ein anderer saß in Sicherungshaft. Er ordnete dann am 23. September 1941 als Sühnemaßnahme für die beiden Anschläge vom 18. und 19. September 1941 die Erschießung des 40jährigen Alexis Colin und des 38jährigen Jean-Ernest Rerman an. Beide standen als Kommunisten in der Liste verzeichnet, und gegen beide hatte das Kriegsgericht wegen unbefugten Waffenbesitzes langjährige Zuchthausstrafen ausgesprochen. Die Erschießungen wurde am 24. September 1941, an Colin nahe dem Friedhofe von Clairvaux, an Rerman auf dem Schießstande der Tirlet-Kaserne in Chalons-sur-Marne, vollzogen. Die Vollstreckung wurde am gleichen Tage öffentlich bekannt gegeben, mit Nennung der Namen und unter Anführung des Deliktes, das seinerzeit zur Verhaftung der beiden Geiseln geführt hatte. Am 1. Mai 1942 wurde er als Chef des Militärverwaltungsbezirks C abgelöst. Er wurde zunächst in die Führerreserve OKH versetzt. Am 30. Juni 1942 wurden seine Mobilmachungsbestimmungen aufgehoben. Er wurde später nicht mehr verwendet. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde er in Frankreich angeklagt. Er wurde im November 1946 durch de Franzosen verhaftet und nach Frankreich gebracht. Er saß 1948 noch im Gefängnis Cherche-Midi ein. Seiner Bitte nach Erleichterung bezüglich des Ganges zum Koteimer nach unten in den Hof wegen seines hohen Alters wurde durch Colonel Bouquet abgelehnt. Er wurde dann aber im Prozeß freigesprochen. Er war der ältere Bruder vom Generalleutnant Albert Freiherr von Rotberg.

 

Literatur und Quellen:
BArch, MSG 109/10853: Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867-1945
Deutsche Rangliste umfassend das gesamte aktive Offizierkorps 1913
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich  Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
Sven Olaf Berggötz “Ernst Jünger und die Geiseln. Die Denkschrift von Ernst Jünger über die Geiselerschießungen in Frankreich 1941/42“ in “Vierteljahresheft für Zeitgeschichte“, 51. Jahrgang, Heft 3, Juli 2003 (http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/2003_3.pdf)