Roske, Dipl. Ing. Fritz

 

* 20. Januar 1897, Gera

† 25. Dezember 1956, Bohmte

 

 

Fritz Roske war der Sohn des Kaufmanns Georg Roske und dessen Ehefrau Elisabeth, geborene Dressel. Am 10. August 1914 trat er kurz nach Beginn des 1. Weltkrieges als Kriegsfreiwilliger in das 1. Ersatz-Bataillon vom 7. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 96 in seiner Heimatstadt Gera ein. Am 27. September 1914 kam er zum 7. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 96 ins Feld. Das Regiments befand sich seit Anfang September im Verband der 38. Infanteriedivision an der Ostfront. Dort wurde er am 21. April 1915 zum Fahnenjunker ernannt. Am 14. August 1915 zum Leutnant befördert. Anschließend war er weiter Zugführer in seinem Regiment. Mitte September 1915 wurde er mit seinem Regiment aus der Front herausgelöst und wieder an die Westfront verlegt. Die Westfront hat das Regiment dann erst wieder zum Kriegsende verlassen. Ab dem 18. November 1915 wurde er an der Aisne als Zugführer in der MG-Kompanie vom 7. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 96 eingesetzt. Am 17. Januar 1916 wurde er zum Führer der MG-Kompanie seines Regiments ernannt. Ab Mitte Mai 1916 wurde er bei Verdun eingesetzt. Vom 2. Januar 1917 bis zum 31. Januar 1917 besuchte er einen MG-Waffen-Lehrkurs. Am 22. Juni 1917 wurde er MG-Waffenoffizier in der MG-Kompanie. Am 3. Juli 1917 wurde er als Fernspruch- und MG-Waffenoffizier zum Regimentsstab vom 7. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 96 versetzt. Vom 26. August 1917 bis zum 22. September 1917 besuchte er einen Lehrgang an der Nachrichtenschule. Am 26. April 1918 wurde er als Zugführer zur 3. (MG) Kompanie vom 7. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 96 versetzt. Am 20. Juni 1918 wurde er erneut Führer der MG-Kompanie seines Regiments. Am 28. Oktober 1918 wurde er schließlich Ordonnanz-Offizier beim Stab seines Regiments. Gegen Kriegsende wurde er Ordonnanz-Offizier im Stab der 83. Infanterie-Brigade. Am 31. März 1920 wurde er kurz vor der Bildung des 200.000 Mann Heeres der Reichswehr verabschiedet. Am 28. Dezember 1921 erhielt er noch den Charakter als Oberleutnant.

Anschließend studierte er Architektur in Hannover. Am 27. Oktober 1923 legte er seine Diplomprüfung ab. Nach verschiedenen Bauleitungen in Deutschland verbrachte er zwei Jahre in den USA (August 1924 - September 1926). Dort besuchte er die High School und die Universität von Columbia zu Sprachstudien und in technischen Fächern. Am 3. Juli 1928 heiratete er Bärbel Gebauer, Tochter eines Guts- und Fabrikbesitzers. Aus der Ehe gingen 5 Kinder hervor. Von März 1927 bis Mai 1929 war er Filialleiter der Wohnungsfürsorgegesellschaft Oppeln. Am 11. Juni 1929 wurde sein Sohn Bodo Roske geboren. Von Juni 1929 bis Juni 1934 war er Studienrat an der höheren technischen Lehranstalt in Stettin. Am 7. August 1930 wurde seine Tochter Sigrid geboren. Am 29. Februar 1932 wurde seine Tochter Anita Roske geboren. Am 1. Juli 1934 ist er wieder in die Reichswehr eingetreten. Dort wurde er als Hauptmann in das Heer übernommen, sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Dezember 1933 festgelegt. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht am 1. Oktober 1934 wurde er zum Chef der 7. Kompanie vom Infanterie-Regiment Stettin ernannt. Bei der Enttarnung der Einheiten am 15. Oktober 1935 wurde er dann zum Chef der 7. Kompanie vom Infanterie-Regiment 5. Am 1. August 1938 wurde er zum Major befördert. Am 7. April 1937 wurde seine Tochter Astrid geboren. Am 10. November 1938 wurde er als Lehrer an die Kriegsschule Dresden versetzt. In dieser Funktion befand er sich auch noch bei der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg Ende August 1939. Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde er in die Führerreserve des Oberkommando des Heeres (OKH) versetzt. Am 1. Februar 1940 wurde er zur 15. Infanterie-Division versetzt, um dort als Bataillonskommandeur eingesetzt zu werden. Dort übernahm er jetzt das II. Bataillon vom Infanterie-Regiment 106. Am 9. September 1940 wurde er in die Führerreserve OKH versetzt. Am 30. September 1940 wurde er zum Bataillonskommandeur des I. Bataillons vom Infanterie-Regiment 66 ernannt. Nur wenige Wochen später wurde das Regiment zum Lehr-Infanterie-Regiment 66 umgegliedert und nach Rumänien verlegt. Dort wurde durch die Wehrmacht die rumänische Armee ausgebildet. Im Mai 1941 verlegte er mit seinem Bataillon und dem Regiment nach Oberschlesien. Dort wurde das Regiment zum Ende des Monats zum Schützen-Regiment 66 umbenannt. Zum Sommerbeginn 1941 führt er sein Bataillon im Verband der 13. Panzer-Division in den Ostfeldzug. Anfang Juli 1941 wurde er beim Kampf um Shitomir verwundet und musste sein Kommando an Hauptmann Albert Brux abgeben. Am 1. August 1941 wurde er dann zum Kommandeur des III. Bataillons vom Infanterie-Regiment 260 ernannt. An diesem 1. August 1941 wurde er auch zum Oberstleutnant befördert. Am 8. September 1941 wurde er kurzzeitig mit der Führung vom Infanterie-Regiment 486 betraut. Ab dem 15. September 1941 wurde er mit der Führung vom Infanterie-Regiment 514 beauftragt. Am 7. Oktober 1941 erhielt er folgende Beurteilung vom Kommandeur des Infanterie-Regiments 260: "Schwungvoll und mitreißend. Hervorragend schneidiger, einsatzbereiter und entschlußfreudiger Führer mit bestimmten Einfluß auf seine Leute. Im Ostfeldzug hervorragend bewährt. Verfügt über ausgezeichnete Dienstkenntnisse und Erfahrung. Bewertung: Füllt sehr gut aus. Empfehlung: Regimentskommandeur voll geeignet." Am 15. Oktober 1941 erhielt er folgende Beurteilung von Generalleutnant Friedrich Zickwolff, Kdr. der 113. Infanterie-Division: "Ausgezeichneter Bataillonskommandeur. Zum Regimentskommandeur vol geeignet. Vorzüglicher Ausbilder, voll bewährt im Gefecht." Am 19. Dezember 1941 wurde ihm das Deutsche Kreuz in Gold verliehen. Am 27. Dezember 1941 wurde Fritz Roske erneut in die Führerreserve OKH versetzt. Am 9. Januar 1942 erhielt er folgende Beurteilung von Generalleutnant Otto Gabke, Kdr. der 294. Infanterie-Division: "Der Beurteilung des Inf.Rgt. 260 wird in vollem Umfange zugestimmt. Als Führer des Inf.Rgt. 514 beim Vormarsch auf Charkow und in den sich hierbei entwickelnden Kämpfen, sowie in den Stellungskämpfen am Donez glänzend bewährt. Für seine Leistungen und persönliche Tapferkeit mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Bewertung: Füllt sehr gut aus. Empfehlung: Zum Regimentskommandeur vhervorragend geeignet." Am 12. Januar 1942 wurde er als Taktiklehrer in den Infanterie-Lehrstab der 71. Infanterie-Division kommandiert. Am 4. Februar 1942 erhielt er folgende Beurteilung von Oberst Dr. Friedrich Altrichter, Kommandeur des Infanterie-Lehrgänge der 71. Infanterie-Division: "Offener, anständiger Charakter, unbeschwert, schwungvoll und großzügig. Geistig sehr rege und vielseitig interessiert. Vor dem Feinde voll bewährt. Vortrefflicher Lehrer und Erzieher. Fleissig und gewissenhaft. Beliebter, aufgeschlossener Kamerad. Bewertung: Füllt sehr gut aus. Empfehlung: Bataillonskommandeur, später Regimentskommandeur." Ab dem 7. Februar 1942 kommandierte er dann das II. Bataillon vom Infanterie-Regiment 915. Zur letzten Beurteilung ergänzte am 20. Februar 1942 Generalleutnant Karl Weisenberger, Kommandeur der 71. Infanterie-Division, folgendes: "Einverstanden." Am 1. Juli 1942 wurde er zum Oberst befördert, sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. April 1942 festgelegt. Als solcher wurde er am 1. September 1942 zum Kommandeur vom Infanterie-Regiment 194 ernannt. Am 20. Januar 1943 wurde ihm im Kessel von Stalingrad das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Am 27. Januar 1943 folgte die Beförderung zum Generalmajor und die Ernennung zum Kommandeur der 71. Infanterie-Division. Damit wurde er Nachfolger vom gefallenen Generalleutnant Alexander von Hartmann. Er hat dann ab dem 30. Januar 1943 für Generalfeldmarschall Friedrich Paulus die Waffenstillstandsverhandlungen in Stalingrad geführt. Dies geschah ohne dessen Beteiligung. Er geriet im südlichen Kessel am 31. Januar 1943 in sowjetische Gefangenschaft. Er verbrachte die nächsten Jahre in verschiedenen Lagern. Dazu gehörten die NKWD-Lager Nr. 160/Suzdal, 48/Černcy, Ležnovo,108/Beketova, 362/Stalingrad, 476/Sverdlovsk, das Sonderspital 3840/Šuja (im Gebiet Ivanovo), das Gefängnis Nr. 1/Stalingrad und das Gulag-Lager Vorkuta. Am 29. Dezember 1948 wurde er durch Militärtribunal der Region Stalingrad zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt. Ihm wurden seine Befehle zur Last gelegt, welche bei Erscheinen der Zivilbevölkerung auf den Straßen Stalingrads das Erschießen erlaubte. Angeblich wurden im Ergebnis der Erfüllung dieser Befehle durch die ihm unterstellten Soldaten und Offiziere auf dem Gebiet des Rayon Dzerzinskij 149 Männer, 349 Frauen und 53 Kinder erschossen, außerdem noch 92 Menschen gehenkt. Dazu wurden noch weitere 13.000 Personen aus der Zivilbevölkerung in die deutsche Zwangsarbeit verschleppt. Am 28. September 1953 wurde er wieder nach Deutschland repatriiert. Er starb bereits im Jahr 1956. Sein Grab befand sich auf dem Friedhof Bohmte.

 

Ritterkreuz (20. Januar 1943)

 

Literatur und Quellen:

Krug, Ottomar Deutsche Generale 1918-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/10853
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938
Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953

Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
Gerhard von Seemen: Die Ritterkreuzträger 1939-1945, Podzun-Verlag, Friedberg 1976
Horst Scheibert: Die Träger des Deutschen Kreuzes in Gold und Silber, 2 Bände, Verlag Podzun-Pallas, 1983 und 1990
NARA T-78 R-892
Andreas Hilger: Sowjetische Justiz und Kriegsverbrechen - Dokumente zu den Verurteilungen deutscher Kriegsgefangener, 1941–1949, Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte